Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) war im April 1768 nach
Hamburg umgezogen. Dort nahm er die durch den Tod seines Paten Georg
Philipp Telemann (1681 bis 1767) vakant gewordene Stelle als
städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum an. Ähnlich wie
einst sein Vater in Leipzig, so suchte sich Bach für den Unterricht
an dem renommierten Gymnasium schon bald einen Vertreter, an den er
den größten Teil dieser Lehrver- pflichtung delegierte.
Trotz seiner umfangreichen Amtspflichten gelang es dem Musiker
offenbar, sich genug Freiraum zu verschaffen, um Besucher und
Bewunderer zu empfangen sowie am gesellschaftlichen Leben der
Hansestadt teilzunehmen. Auch komponierte Bach weiterhin fleißig,
vor allem Instrumentalmusik, insbesondere für besaitete
Tasten- instrumente.
So veröffentlichte er bald nach seiner Ankunft in Hamburg eine
Reihe von Werken, darunter sechs Cembalokonzerte, die Bach
ausdrücklich als „leicht“ anpries; auch sollten sie notfalls
auch ohne Instrumente aufzuführen sein. Im Klavierpart enthalten
sind zudem Vorschläge für Kadenzen und Verzierungen. Miklós Spányi
präsentiert diese über- raschend innovativen Werke auf CD 18 und 19
seiner Gesamteinspie- lung aller „Clavier“-Konzerte des
Komponisten. Sie erscheint, wie auch die Gesamtaufnahme aller Werke,
die Carl Philipp Emanuel Bach für Tasteninstrumente solo geschaffen
hat, bei dem Label BIS Records.
Und erneut hat der ungarische Organist und Cembalist die
Instru- mente für diese Aufnahmen mit großer Sorgfalt ausgewählt.
Für die Sei Concerti greift er dazu auf zeitgenössische Rezensionen
zurück, die betonen, dass Bach diese Stücke „für den Flügel
komponierte, was in diesem Zusammenhang das Cembalo meint“, so
Spányi. Hamburg sei damals ein bedeutendes Zentrum des deutschen
Cembalo-Baus gewesen. Doch zugleich sei der britische Einfluss in
Norddeutschland stark gewesen; Instrumente aus England waren weithin
sehr begehrt.
Spieltechnisch boten sie zudem einige Möglichkeiten, die
hervorra- gend zu Bachs Anforderungen passen, erläutert der Cembalist.
So verfügten sie oftmals über ein sogenanntes Maschinenregister,
eine Vorrichtung, die über ein Pedal schnelle Registerwechsel
ermög- lichte. Und der sogenannte Schweller gestattete ganz
erstaunliche dynamische Nuancen. Das Problem: Ein solches Instrument
in spielfähigem Zustand war nirgends aufzutreiben.
Schließlich kam Spányi auf die Idee, den Nachbau eines Cembalos
von Joannes Daniel Dulcken zu verwenden, ergänzt um einen Schweller.
Die Instrumente des Antwerpeners waren den englischen zumindest
ähnlich, meint der Musiker. Bei den beiden letzten Solokonzerten
Bachs, entstanden 1778, entschied er sich zudem einmal für ein
Hammerklavier - einen Broadwood-Flügel, der sich im
Musikinstru- mentenmuseum des Ungarischen Institutes für
Musikwissenschaft in Budapest befindet und der von János Macsai so
gut restauriert worden ist, dass er wieder gespielt werden kann.
Zum herrlichen Klang dieser Instrumente kommt noch die exzellente
Begleitung durch das ungarische Barockorchester Concerto Armo- nico.
Dieses Ensemble, mit dem Spányi seit vielen Jahren gemeinsam
musiziert, steht ihm auch hier sachkundig und spielfreudig zur Seite.
So sind Aufnahmen entstanden, die Maßstäbe setzen – und die man
auch mit Freude anhört. Spányis Begeisterung für das Werk Carl
Philipp Emanuel Bachs jedenfalls kann man nachvollziehen.
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Samstag, 14. September 2013
Samstag, 20. Juli 2013
Quantz: Flute Concertos (Naxos)
Nahezu 300 Flötenkonzerte hat Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) komponiert. Dem berühmten Flötisten, der mehr als dreißig Jahre lang bei Friedrich dem Großen als Kammervirtuose, Flötenlehrer, Komponist und Instrumentenbauer beschäftigt war, wird mitunter nach- gesagt, seine Musik sei schon zu seinen Lebzeiten überholt gewesen.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich.
Immer wieder verblüfft Quantz mit neuen Ideen; seine Musik ist wunder- schön, und man freut sich über jedes neue Konzert, das aus dem Archiv- schlaf erweckt wird und wieder im Konzertsaal erklingt. Die vorliegenden Aufnahmen sind nach eingehender Recherche der Aufführungspraxis in Sanssouci entstanden. So erklingen im Continuo obligatorisch sowohl ein Tasteninstrument als auch das Fagott – auch wenn es auf dem bekannten Gemälde nicht zu sehen ist. Oleskiewics spielt Instrumente, die dem Vorbild jener folgen, die Quantz seinerzeit für König Friedrich gebaut hat. Jean-Francois Beaudin hat sie nach einem Exemplar, das sich heute in der Library of Congress in Washington D.C. befindet, angefertigt. Man lauscht ihr gern, denn sie spielt mit einem phantastischen Ton, der wärmer und runder erscheint als der moderner Querflöten.
Zwei dieser Konzerte sind ganz besondere Raritäten: Das dritte Konzert auf dieser CD fand sich im Archiv der Berliner Sing-Akademie in einer Ab- schrift, die zusätzlich ausgeschriebene Kadenzen enthielt. Zwei davon, eine für den ersten und eine für den zweiten Satz, stellt Oleskiewicz vor. Das vierte Konzert hat Quantz nicht selbst vollendet. „Indeed, it is not only Quantz’s but King Frederick’s last composition, for Quantz left it unfini- shed at his death in 1773“, schreibt die Flötistin, die es sich nicht nehmen ließ, den Text für das Beiblatt selbst zu verfassen. „The king had long since abandoned composition, but he took up the pen again to compose the last movement of the work.“
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