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Samstag, 14. September 2013

Carl Philipp Emanuel Bach: The Complete Keyboard Concertos; Spányi (BIS)

Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) war im April 1768 nach Hamburg umgezogen. Dort nahm er die durch den Tod seines Paten Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) vakant gewordene Stelle als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum an. Ähnlich wie einst sein Vater in Leipzig, so suchte sich Bach für den Unterricht an dem renommierten Gymnasium schon bald einen Vertreter, an den er den größten Teil dieser Lehrver- pflichtung delegierte.
Trotz seiner umfangreichen Amtspflichten gelang es dem Musiker offenbar, sich genug Freiraum zu verschaffen, um Besucher und Bewunderer zu empfangen sowie am gesellschaftlichen Leben der Hansestadt teilzunehmen. Auch komponierte Bach weiterhin fleißig, vor allem Instrumentalmusik, insbesondere für besaitete Tasten- instrumente.
So veröffentlichte er bald nach seiner Ankunft in Hamburg eine Reihe von Werken, darunter sechs Cembalokonzerte, die Bach ausdrücklich als „leicht“ anpries; auch sollten sie notfalls auch ohne Instrumente aufzuführen sein. Im Klavierpart enthalten sind zudem Vorschläge für Kadenzen und Verzierungen. Miklós Spányi präsentiert diese über- raschend innovativen Werke auf CD 18 und 19 seiner Gesamteinspie- lung aller „Clavier“-Konzerte des Komponisten. Sie erscheint, wie auch die Gesamtaufnahme aller Werke, die Carl Philipp Emanuel Bach für Tasteninstrumente solo geschaffen hat, bei dem Label BIS Records.
Und erneut hat der ungarische Organist und Cembalist die Instru- mente für diese Aufnahmen mit großer Sorgfalt ausgewählt. Für die Sei Concerti greift er dazu auf zeitgenössische Rezensionen zurück, die betonen, dass Bach diese Stücke „für den Flügel komponierte, was in diesem Zusammenhang das Cembalo meint“, so Spányi. Hamburg sei damals ein bedeutendes Zentrum des deutschen Cembalo-Baus gewesen. Doch zugleich sei der britische Einfluss in Norddeutschland stark gewesen; Instrumente aus England waren weithin sehr begehrt.
Spieltechnisch boten sie zudem einige Möglichkeiten, die hervorra- gend zu Bachs Anforderungen passen, erläutert der Cembalist. So verfügten sie oftmals über ein sogenanntes Maschinenregister, eine Vorrichtung, die über ein Pedal schnelle Registerwechsel ermög- lichte. Und der sogenannte Schweller gestattete ganz erstaunliche dynamische Nuancen. Das Problem: Ein solches Instrument in spielfähigem Zustand war nirgends aufzutreiben.
Schließlich kam Spányi auf die Idee, den Nachbau eines Cembalos von Joannes Daniel Dulcken zu verwenden, ergänzt um einen Schweller. Die Instrumente des Antwerpeners waren den englischen zumindest ähnlich, meint der Musiker. Bei den beiden letzten Solokonzerten Bachs, entstanden 1778, entschied er sich zudem einmal für ein Hammerklavier - einen Broadwood-Flügel, der sich im Musikinstru- mentenmuseum des Ungarischen Institutes für Musikwissenschaft in Budapest befindet und der von János Macsai so gut restauriert worden ist, dass er wieder gespielt werden kann.
Zum herrlichen Klang dieser Instrumente kommt noch die exzellente Begleitung durch das ungarische Barockorchester Concerto Armo- nico. Dieses Ensemble, mit dem Spányi seit vielen Jahren gemeinsam musiziert, steht ihm auch hier sachkundig und spielfreudig zur Seite. So sind Aufnahmen entstanden, die Maßstäbe setzen – und die man auch mit Freude anhört. Spányis Begeisterung für das Werk Carl Philipp Emanuel Bachs jedenfalls kann man nachvollziehen.  

Samstag, 20. Juli 2013

Quantz: Flute Concertos (Naxos)

Nahezu 300 Flötenkonzerte hat Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) komponiert. Dem berühmten Flötisten, der mehr als dreißig Jahre lang bei Friedrich dem Großen als Kammervirtuose, Flötenlehrer, Komponist und Instrumentenbauer beschäftigt war, wird mitunter nach- gesagt, seine Musik sei schon zu seinen Lebzeiten überholt gewesen.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich. 
Immer wieder verblüfft Quantz mit neuen Ideen; seine Musik ist wunder- schön, und man freut sich über jedes neue Konzert, das aus dem Archiv- schlaf erweckt wird und wieder im Konzertsaal erklingt. Die vorliegenden Aufnahmen sind nach eingehender Recherche der Aufführungspraxis in Sanssouci entstanden. So erklingen im Continuo obligatorisch sowohl ein Tasteninstrument als auch das Fagott – auch wenn es auf dem bekannten Gemälde nicht zu sehen ist. Oleskiewics spielt Instrumente, die dem Vorbild jener folgen, die Quantz seinerzeit für König Friedrich gebaut hat. Jean-Francois Beaudin hat sie nach einem Exemplar, das sich heute in der Library of Congress in Washington D.C. befindet, angefertigt. Man lauscht ihr gern, denn sie spielt mit einem phantastischen Ton, der wärmer und runder erscheint als der moderner Querflöten. 
Zwei dieser Konzerte sind ganz besondere Raritäten: Das dritte Konzert auf dieser CD fand sich im Archiv der Berliner Sing-Akademie in einer Ab- schrift, die zusätzlich ausgeschriebene Kadenzen enthielt. Zwei davon, eine für den ersten und eine für den zweiten Satz, stellt Oleskiewicz vor. Das vierte Konzert hat Quantz nicht selbst vollendet. „Indeed, it is not only Quantz’s but King Frederick’s last composition, for Quantz left it unfini- shed at his death in 1773“, schreibt die Flötistin, die es sich nicht nehmen ließ, den Text für das Beiblatt selbst zu verfassen. „The king had long since abandoned composition, but he took up the pen again to compose the last movement of the work.“