Von den „historischen“ Kostümen und den albernen Perücken, die diese Musiker tragen, sollte man sich nicht abschrecken lassen. Denn das Quantz Collegium, in den 30er Jahren gegründet von dem Flötisten Ernst Friedrich Wilhelm Bodensohn, musiziert grandios. Das Ensemble lädt seit 1957 jeweils im Sommer zur Konzertreihe Festliche Serenaden in das Schloss Favorite bei Rastatt.
Seit 1982 ist Jochen Baier der Flötist des Quantz Collegiums, das sich vor allem mit Kammermusik der Barock- zeit und der Klassik beschäftigt. Dabei stehen auch immer wieder Werke von weniger bekannten Komponisten auf dem Programm, die wohl, falls notwendig, sogar mit einigem Aufwand aus Quellen zugänglich gemacht werden. Das dürfte auch für dieses Programm erforderlich gewesen sein, das durchweg mit Entdeckungen begeistert.
Der vorliegende Konzertmitschnitt ist im Mai 2018 entstanden. Einmal mehr erfassen Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger die einzigartige Atmosphäre, die das Musizieren im Gartensaal des „Porzellanschlosses“ Favorite prägt. Mit ihrem Label K&K sind sie seit Jahren darauf spezialisiert, herausragende Konzerte möglichst authentisch für die Nachwelt aufzuzeichnen.
Ein solches Konzert ist auf dieser CD quasi mitzuerleben. Denn was das Quantz Collegium unter dem Stichwort „Galanterie“ zusammengetragen hat, das sind außerordentlich abwechslungsreiche und musikalisch lohnende Raritäten. Neben der Flöte rückt dieses Programm ganz besonders die Bratsche ins Scheinwerferlicht. Sie ist das Solo-Instrument zweier Konzerte von Christoph Graupner (1683 bis 1760) und Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767); außerdem erklingen ein Flötenkonzert von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745 bis 1814) sowie ein Doppelkonzert für Flöte und Bratsche von Graupner. Und das Quantz Collegium spielt diese Kostbarkeiten derart hinreißend, lebendig und getragen von Musizierlust, dass es rundum eine Freude ist. Unbedingt anhören!
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Samstag, 29. Dezember 2018
Sonntag, 23. September 2018
Quantz: Four Concertos for Flute & Strings (Hänssler Profil)
Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) war der Flötenlehrer Friedrichs des Großen. Der Monarch hatte den Musiker, den er schon seit 1728 kannte und sehr schätzte, nach seiner Thronbesteigung 1740 umgehend engagiert. Ein Jahresgehalt von sagenhaften 2000 Talern konnte selbst August III., der Sohn Augusts des Starken, wie dieser polnischer König und ein großer Kunstmäzen, nicht bieten, so dass Quantz aus kursächsischen in preußische Dienste wechselte.
Er gab seinem König Flötenunter- richt, fertigte Instrumente für ihn an und er war auch für die königliche Kammermusik zuständig. So komponierte Quantz mehr als 200 Flöten- konzerte, die nur Friedrich der Große spielen durfte. Auf dieser CD stellt der amerikanische Flötist Eric Lamb vier dieser Werke vor.
Die ausgewählten Stücke geben einen guten Überblick über das Schaffen des Musikers für den König. Obwohl Quantz sich formal stets an dem gleichen Schema orientierte, wie es auch Vivaldi genutzt hatte, sind seine Konzerte erstaunlich abwechslungsreich und höchst raffiniert individuell gestaltet. Virtuose Ecksätze im traditionellen italienischen Ritornello-Stil umrahmen einen langsamen Mittelsatz, bei dessen Gestaltung Quantz enormen Einfallsreichtum beweist.
Das ist kein Zufall – denn am Adagio und nicht an seiner Fingerfertigkeit wurde damals ein Virtuose gemessen. Eric Lamb musiziert hinreißend schön; er spielt bei dieser Aufnahme eine Holzflöte der Firma Sankyo Handmade Flutes. Dieser Traversflöte entlockt er herrliche, eher dunkle und runde Töne; sie hat nicht das Strahlende einer Böhmflöte, sondern beinahe etwas Geheimnisvolles. Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens begleitet den Solisten mit Eleganz und kammermusikalisch transparent. Sehr gelungen!
Er gab seinem König Flötenunter- richt, fertigte Instrumente für ihn an und er war auch für die königliche Kammermusik zuständig. So komponierte Quantz mehr als 200 Flöten- konzerte, die nur Friedrich der Große spielen durfte. Auf dieser CD stellt der amerikanische Flötist Eric Lamb vier dieser Werke vor.
Die ausgewählten Stücke geben einen guten Überblick über das Schaffen des Musikers für den König. Obwohl Quantz sich formal stets an dem gleichen Schema orientierte, wie es auch Vivaldi genutzt hatte, sind seine Konzerte erstaunlich abwechslungsreich und höchst raffiniert individuell gestaltet. Virtuose Ecksätze im traditionellen italienischen Ritornello-Stil umrahmen einen langsamen Mittelsatz, bei dessen Gestaltung Quantz enormen Einfallsreichtum beweist.
Das ist kein Zufall – denn am Adagio und nicht an seiner Fingerfertigkeit wurde damals ein Virtuose gemessen. Eric Lamb musiziert hinreißend schön; er spielt bei dieser Aufnahme eine Holzflöte der Firma Sankyo Handmade Flutes. Dieser Traversflöte entlockt er herrliche, eher dunkle und runde Töne; sie hat nicht das Strahlende einer Böhmflöte, sondern beinahe etwas Geheimnisvolles. Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens begleitet den Solisten mit Eleganz und kammermusikalisch transparent. Sehr gelungen!
Dienstag, 28. August 2018
Briccialdi: Flute Concertos (Brilliant Classics)
Zu den Jubilaren des Jahres gehört Giulio Briccialdi (1818 bis 1881). Er kam in Terni zur Welt. Das Flöten- spiel erlernte er bei seinem Vater, der allerdings früh starb.
Giulio setzte daher seine Ausbildung in Rom bei Giuseppe Maneschi fort, und musizierte dann in verschiede- nen Opernorchestern. Sie wurden jeweils für eine Saison zusammen- gestellt. So kam der junge Musiker herum, und erwarb sich bald einen guten Ruf, was dazu führte, dass er zeitweise auch dem Grafen von Syrakus Flötenunterricht erteilen durfte, also dem Bruder des Königs von Sizilien.
Ab 1839 ging er auf ausgedehnte Konzertreisen, die ihn quer durch Europa bis nach London führten, und auch nach Amerika. Dabei lernte er viele Musiker kennen, wobei eine Begegnung für Briccialdi besonders wichtig war: In München traf er 1847 Theobald Böhm. Er engagierte sich auch selbst für die Weiterentwicklung der Böhm-Flöte; die Doppelklappe für den Daumen ist eine Innovation von Briccialdi.
1871 wurde der Flötenvirtuose Professor am Konservatorium von Florenz. Dort unterrichtete er, und er gründete zudem eine Werkstatt für den Flötenbau. Außerdem schrieb er Unterrichtswerke und er komponierte Musik, bevorzugt für sein Instrument.
Dass dieser bedeutende Flötist nur Insidern ein Begriff ist, liegt mit daran, dass er seine Werke zumeist nicht veröffentlicht hat. So sind auch diese vier Flötenkonzerte erst in diesem Jahr (!) bei Ricordi im Druck erschienen. Ginevra Petrucci und I Virtuosi Italiani präsentieren die brillanten Kompositionen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Und diese Entdeckung lohnt sich, vom ersten bis zum letzten Ton. Grandiose Musik, sehr engagiert gespielt, unbedingt anhören!
Giulio setzte daher seine Ausbildung in Rom bei Giuseppe Maneschi fort, und musizierte dann in verschiede- nen Opernorchestern. Sie wurden jeweils für eine Saison zusammen- gestellt. So kam der junge Musiker herum, und erwarb sich bald einen guten Ruf, was dazu führte, dass er zeitweise auch dem Grafen von Syrakus Flötenunterricht erteilen durfte, also dem Bruder des Königs von Sizilien.
Ab 1839 ging er auf ausgedehnte Konzertreisen, die ihn quer durch Europa bis nach London führten, und auch nach Amerika. Dabei lernte er viele Musiker kennen, wobei eine Begegnung für Briccialdi besonders wichtig war: In München traf er 1847 Theobald Böhm. Er engagierte sich auch selbst für die Weiterentwicklung der Böhm-Flöte; die Doppelklappe für den Daumen ist eine Innovation von Briccialdi.
1871 wurde der Flötenvirtuose Professor am Konservatorium von Florenz. Dort unterrichtete er, und er gründete zudem eine Werkstatt für den Flötenbau. Außerdem schrieb er Unterrichtswerke und er komponierte Musik, bevorzugt für sein Instrument.
Dass dieser bedeutende Flötist nur Insidern ein Begriff ist, liegt mit daran, dass er seine Werke zumeist nicht veröffentlicht hat. So sind auch diese vier Flötenkonzerte erst in diesem Jahr (!) bei Ricordi im Druck erschienen. Ginevra Petrucci und I Virtuosi Italiani präsentieren die brillanten Kompositionen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Und diese Entdeckung lohnt sich, vom ersten bis zum letzten Ton. Grandiose Musik, sehr engagiert gespielt, unbedingt anhören!
Dienstag, 9. Januar 2018
Alessandro Scarlatti Collection (Brilliant Classics)
Eine dicke Box mit Werken von Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) veröffentlicht dieser Tage Brilliant Classics. Der Neapolitaner war einer der wichtigsten und erfolgreichsten Vokalmusik-Komponisten des ausgehenden Barocks – Grund genug, in diesem Blog endlich einmal ausführlicher über ihn zu berichten.
Scarlatti, der einer Musikerdynastie entstammte, kam auf Sizilien zur Welt. 1672 zog die Familie um nach Rom; dort erhielt Alessandro 1678 erstmals eine Anstellung als Kirchenkapellmeister, und heiratete. Ein Jahr später erklang im Palazzo Bernini seine erste Oper, und auch mit seinen Solokantaten begeisterte Scarlatti den römischen Adel. Königin Christine von Schweden, die in Rom lebte, ernannte ihn zu ihrem Hof- kapellmeister. 1683/84 wurde er Kapellmeister am Hofe des Vizekönigs in Neapel, wo er bis 1702 wirkte. Für diesen sowie für verschiedene andere Gönner komponierte er unter anderem etwa 40 Opern, und dazu eine Vielzahl anderer Musikstücke.
1703 kehrte er nach Rom zurück; zu diesem Zeitpunkt waren Opern- aufführungen in der Heiligen Stadt bereits vom Papst verboten worden. Und so widmete sich Scarlatti in Rom in erster Linie der geistlichen Musik. Im Karneval 1707 versuchte der Komponist aber, mit zwei Opern das Publikum in Venedig zu begeistern. Dabei verwendete er französische Vorbilder, was beim Publikum wenig Begeisterung auslöste.
Ab 1708 regierten nicht mehr die Spanier, sondern die Österreicher als Vizekönige in Neapel, und Scarlatti wurde erneut Hofkapellmeister. Von 1717 bis 1722 hielt sich der Komponist wohl überwiegend in Rom auf; seinen Lebensabend allerdings verbrachte er in Neapel. Scarlatti hatte neun Söhne; der bekannteste davon ist sicherlich Domenico Scarlatti, ebenfalls Komponist und Cembalist.
Zu Lebzeiten war Scarlatti berühmt insbesondere für seine Opern; im Laufe seines Lebens schuf er mehr als hundert dieser Werke. In dieser Box sind sie nicht mit enthalten. Die 30 CD bieten ansonsten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komponisten. So sind allein auf sechs CD Werke für Tasteninstrumente zu finden, eingespielt auf Cembalo und Orgel von Francesco Tasini. Umfangreich vertreten sind auch die Oratorien Scarlattis; zu hören sind hier teilweise namhafte Solisten und Ensembles, wie der Nederlands Kamerkoor unter Harry van der Kamp, La Stagione unter Michael Schneider, oder das Alessandro Stradella Consort unter Estévan Velardi. Letzteres überrascht sogar mit mehreren Weltersteinspielungen, was man in einer solchen Sammelbox eher nicht vermutet hätte.
Einspielungen der Geistlichen Konzerte op. 2 und einer Auswahl an Kammerkantaten runden das Angebot an Vokalmusik ab. Wenn man bedenkte, dass Scarlatti fast 800 derartiger Kantaten geschrieben hat, dann ahnt man, wie vieles da in Zukunft noch zu entdecken sein wird.
Das Ensemble Insieme Strumentale di Roma unter Giorgio Basso kombiniert auf seiner CD zwei Kantaten, gesungen von der Altistin Gabriella Martellacci, mit zwei Flötenkonzerten und zwei Sonate a quattro. Letztere gelten als Vorläufer des Streichquartettes. Auf den beiden ersten CD erklingen zudem die zwölf Sinfonie di concerto grosso (1715). Zu hören ist hier die Capella Tiberina.
Scarlatti, der einer Musikerdynastie entstammte, kam auf Sizilien zur Welt. 1672 zog die Familie um nach Rom; dort erhielt Alessandro 1678 erstmals eine Anstellung als Kirchenkapellmeister, und heiratete. Ein Jahr später erklang im Palazzo Bernini seine erste Oper, und auch mit seinen Solokantaten begeisterte Scarlatti den römischen Adel. Königin Christine von Schweden, die in Rom lebte, ernannte ihn zu ihrem Hof- kapellmeister. 1683/84 wurde er Kapellmeister am Hofe des Vizekönigs in Neapel, wo er bis 1702 wirkte. Für diesen sowie für verschiedene andere Gönner komponierte er unter anderem etwa 40 Opern, und dazu eine Vielzahl anderer Musikstücke.
1703 kehrte er nach Rom zurück; zu diesem Zeitpunkt waren Opern- aufführungen in der Heiligen Stadt bereits vom Papst verboten worden. Und so widmete sich Scarlatti in Rom in erster Linie der geistlichen Musik. Im Karneval 1707 versuchte der Komponist aber, mit zwei Opern das Publikum in Venedig zu begeistern. Dabei verwendete er französische Vorbilder, was beim Publikum wenig Begeisterung auslöste.
Ab 1708 regierten nicht mehr die Spanier, sondern die Österreicher als Vizekönige in Neapel, und Scarlatti wurde erneut Hofkapellmeister. Von 1717 bis 1722 hielt sich der Komponist wohl überwiegend in Rom auf; seinen Lebensabend allerdings verbrachte er in Neapel. Scarlatti hatte neun Söhne; der bekannteste davon ist sicherlich Domenico Scarlatti, ebenfalls Komponist und Cembalist.
Zu Lebzeiten war Scarlatti berühmt insbesondere für seine Opern; im Laufe seines Lebens schuf er mehr als hundert dieser Werke. In dieser Box sind sie nicht mit enthalten. Die 30 CD bieten ansonsten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komponisten. So sind allein auf sechs CD Werke für Tasteninstrumente zu finden, eingespielt auf Cembalo und Orgel von Francesco Tasini. Umfangreich vertreten sind auch die Oratorien Scarlattis; zu hören sind hier teilweise namhafte Solisten und Ensembles, wie der Nederlands Kamerkoor unter Harry van der Kamp, La Stagione unter Michael Schneider, oder das Alessandro Stradella Consort unter Estévan Velardi. Letzteres überrascht sogar mit mehreren Weltersteinspielungen, was man in einer solchen Sammelbox eher nicht vermutet hätte.
Einspielungen der Geistlichen Konzerte op. 2 und einer Auswahl an Kammerkantaten runden das Angebot an Vokalmusik ab. Wenn man bedenkte, dass Scarlatti fast 800 derartiger Kantaten geschrieben hat, dann ahnt man, wie vieles da in Zukunft noch zu entdecken sein wird.
Das Ensemble Insieme Strumentale di Roma unter Giorgio Basso kombiniert auf seiner CD zwei Kantaten, gesungen von der Altistin Gabriella Martellacci, mit zwei Flötenkonzerten und zwei Sonate a quattro. Letztere gelten als Vorläufer des Streichquartettes. Auf den beiden ersten CD erklingen zudem die zwölf Sinfonie di concerto grosso (1715). Zu hören ist hier die Capella Tiberina.
Mittwoch, 26. Juli 2017
Devienne: Flute Concertos (Naxos)
Patrick Gallois setzt seine Gesamt- einspielung der Flötenkonzerte von François Devienne (1759 bis 1803) bei Naxos fort: Nach den Konzerten 1-4, Aufnahme und Lebensweg des Komponisten wurden hier im Blog bereits andernorts vorgestellt, sind nunmehr die Konzerte 5-8 und 9-12 erschienen. Es sind virtuose Werke voll Grazie und Eleganz; nicht alle dieser Kompositionen sind gleichermaßen herausragend – doch hörenswert, das macht diese Edition deutlich, sind sie allesamt.
Gallois interpretiert Deviennes Konzerte stets mit Blick auf die Gesamtstruktur. Auch wenn er wunderbar und detailreich ausziert, verliert er sich doch niemals in Details und legte offenkundig keinen Wert darauf, Virtuosität als Selbstzweck zu zelebrie- ren. Es ist ein partnerschaftliches Musizieren, beinahe kammermusika- lisch intensiv, was er gestaltet. Der Flötenpart steht im steten Dialog mit dem Orchester, und genauso lässt sich auch das Swedish Chamber Orchestra bei dieser Aufnahme hören. Auf die Fortsetzung dieser Edition – wenn ich mich nicht irre, fehlen noch zwei Konzerte, die Deviennes Witwe posthum veröffentlicht hat – darf man gespannt bleiben.
Gallois interpretiert Deviennes Konzerte stets mit Blick auf die Gesamtstruktur. Auch wenn er wunderbar und detailreich ausziert, verliert er sich doch niemals in Details und legte offenkundig keinen Wert darauf, Virtuosität als Selbstzweck zu zelebrie- ren. Es ist ein partnerschaftliches Musizieren, beinahe kammermusika- lisch intensiv, was er gestaltet. Der Flötenpart steht im steten Dialog mit dem Orchester, und genauso lässt sich auch das Swedish Chamber Orchestra bei dieser Aufnahme hören. Auf die Fortsetzung dieser Edition – wenn ich mich nicht irre, fehlen noch zwei Konzerte, die Deviennes Witwe posthum veröffentlicht hat – darf man gespannt bleiben.
Montag, 31. Oktober 2016
Lucie Horsch - Vivaldi (Decca)
Wenn ein großes Klassik-Label eine Blockflötistin unter Vertrag nimmt, dann ist dies ein Ereignis – zumal, wenn die Musikerin erst 17 Jahre alt ist. Doch mit Lucie Horsch ist Decca ohne Zweifel ein Glücksgriff gelun- gen. Ihr Debütalbum widmet die junge Niederländerin Antonio Vival- di: „Ich finde seine Musik wundervoll – sie ist rhythmisch, leicht, voller Energie. Und seine langsamen Sätze sind unheimlich schön“, zitiert das Beiheft die Solistin.
Die Aufnahme umfasst vier Konzerte des Italieners – das Concerto per flautino RV 443, das Concerto RV 441, die bekannten Konzerte mit den Beinamen La notte RV 439 und La tempesta di mare RV 433, und dazu das Andante aus dem Konzert für zwei Mandolinen RV 532 in einer reizvollen Version für Flöte, Violoncello und Chitarrone. Ergänzt wird das Programm durch Transkriptionen zweier Arien und den ersten Satz aus dem „Früh- ling“ der Vier Jahreszeiten, umgeschrieben für die Blockflöte im Jahr 1775 von Jean-Jacques Rousseau.
Wie Lucie Horsch diese Musik spielt, das aber ist in der Tat ein Ereignis. Ihre Technik ist brillant, und sie interpretiert Vivaldis Musik mit Schwung und Leidenschaft. Es ist hinreißend, mit welcher Sicherheit die junge Flötistin musikalische Formen gestaltet, phrasiert, verziert. Hier präsen- tiert sich eine große Virtuosin, von der wir, hoffentlich, noch sehr viel hören werden.
Die Aufnahme umfasst vier Konzerte des Italieners – das Concerto per flautino RV 443, das Concerto RV 441, die bekannten Konzerte mit den Beinamen La notte RV 439 und La tempesta di mare RV 433, und dazu das Andante aus dem Konzert für zwei Mandolinen RV 532 in einer reizvollen Version für Flöte, Violoncello und Chitarrone. Ergänzt wird das Programm durch Transkriptionen zweier Arien und den ersten Satz aus dem „Früh- ling“ der Vier Jahreszeiten, umgeschrieben für die Blockflöte im Jahr 1775 von Jean-Jacques Rousseau.
Wie Lucie Horsch diese Musik spielt, das aber ist in der Tat ein Ereignis. Ihre Technik ist brillant, und sie interpretiert Vivaldis Musik mit Schwung und Leidenschaft. Es ist hinreißend, mit welcher Sicherheit die junge Flötistin musikalische Formen gestaltet, phrasiert, verziert. Hier präsen- tiert sich eine große Virtuosin, von der wir, hoffentlich, noch sehr viel hören werden.
Donnerstag, 11. August 2016
Vivaldi: Complete Concertos & Sonatas Opp. 1-12 (Brilliant Classics)
Zwölf seiner Werke hat Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) zu Lebzeiten drucken lassen – Konzerte, Sonaten und Triosonaten für Violine, Oboe und Flöte. Es sind berühmte Sammlungen darunter: Il Cimento dell'Armonia e dell'Inventione mit den bekannten Vier Jahreszeiten, L'Estro Armonico, La Stravaganza und La Cetra. Diese Notenausgaben waren sehr gefragt und weit verbreitet; sie bewirkten, dass Vivaldis Musik in ganz Europa große Beachtung fand.
Federico Guglielmo hat mit seinem Ensemble L'Arte dell'Arco zwischen 2010 und 2014 diese Werke Vivaldis komplett neu eingespielt. An diesem Projekt beteiligt waren zudem der Cellist Francesco Galligioni, der Oboist Pier Luigi Fabretti und der Flötist Mario Folena. Musiziert wird historisch-informiert, aber ohne Manieris- men; zwar sind die Tempi zumeist flott und die Artikulation ist energisch und pointiert, doch es wird nicht übertrieben, und am olympischen Wettstreit mit dem Ziel schneller-krasser-individueller beteiligt sich Guglielmo erfreulicherweise nicht. Den Musikern war es vielmehr wichtig, einen homogenen Klangeindruck zu erzielen.
Das Ergebnis ist eine grundsolide, zeitlos gültige Interpretation, die dennoch nicht langweilig wird. Als Notenmaterial nutzten die Musiker ausschließlich die neuesten kritischen Ausgaben des Istituto Italiano Antonio Vivaldi der Fondazione Giorgio Cini in Venedig; einige Varianten sind hier daher in Ersteinspielung zu hören. Im Beiheft finden sich ausführliche Erläuterungen von Federico Guglielmo zu den einzelnen Werken. Die Box mit immerhin 20 (!) CD enthält als Bonus sechs Cello-Sonaten Vivaldis, die 1740 ohne Opuszahl in Paris veröffentlicht worden sind.
Federico Guglielmo hat mit seinem Ensemble L'Arte dell'Arco zwischen 2010 und 2014 diese Werke Vivaldis komplett neu eingespielt. An diesem Projekt beteiligt waren zudem der Cellist Francesco Galligioni, der Oboist Pier Luigi Fabretti und der Flötist Mario Folena. Musiziert wird historisch-informiert, aber ohne Manieris- men; zwar sind die Tempi zumeist flott und die Artikulation ist energisch und pointiert, doch es wird nicht übertrieben, und am olympischen Wettstreit mit dem Ziel schneller-krasser-individueller beteiligt sich Guglielmo erfreulicherweise nicht. Den Musikern war es vielmehr wichtig, einen homogenen Klangeindruck zu erzielen.
Das Ergebnis ist eine grundsolide, zeitlos gültige Interpretation, die dennoch nicht langweilig wird. Als Notenmaterial nutzten die Musiker ausschließlich die neuesten kritischen Ausgaben des Istituto Italiano Antonio Vivaldi der Fondazione Giorgio Cini in Venedig; einige Varianten sind hier daher in Ersteinspielung zu hören. Im Beiheft finden sich ausführliche Erläuterungen von Federico Guglielmo zu den einzelnen Werken. Die Box mit immerhin 20 (!) CD enthält als Bonus sechs Cello-Sonaten Vivaldis, die 1740 ohne Opuszahl in Paris veröffentlicht worden sind.
Samstag, 9. Juli 2016
Flautissimo! (K&K)
Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten.
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss.
Montag, 20. Juni 2016
Mercadante: Flute Concertos Nos. 1, 2 and 4 (Naxos)
Obwohl Saverio Mercadante (1795 bis 1870) in erster Linie Opern kompo- niert hat, lohnt sich doch auch der Blick auf sein Instrumentalwerk, wie diese CD beweist. Der Musiker, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, erhielt seine Ausbildung am Conser- vatorio di San Sebastiano in Neapel. Dort lernte er, Geige und Flöte zu spielen, und erhielt zudem Gesangs- unterricht sowie ab 1813 auch Unterricht im Fach Komposition.
Während seiner Zeit am Konserva- torium schuf er ziemlich viele Instrumentalwerke; nach dem Studium allerdings schrieb er vorwiegend Opern. Von 1827 bis 1830 arbeitete Mercadante in Spanien; nach seiner Rückkehr wurde er 1833 Kapellmeister der Kathedrale zu Novara und 1840 der Nachfolger seines Lehrers Niccolò Antonio Zingarelli als Direktor des Konservatoriums in Neapel, wo er bis an sein Lebensende wirkte.
Mercadante war, neben Bellini und Donizetti, der bedeutendste italienische Opernkomponist seiner Zeit und als solcher sehr erfolgreich. Erstaunli- cherweise sind seine Werke in Vergessenheit geraten. Patrick Gallois hat nun gemeinsam mit der Sinfonia Finlandia Jyväskylä für Naxos eine Gesamteinspielung der Flötenkonzerte von Mercadante begonnen. Sie startet mit dem Flötenkonzert Nr. 2 in e-Moll op. 57 – dem wohl bekanntesten Werk des Komponisten, das dieser bereits 1813 zu Papier gebracht hatte. Zu hören sind auf der ersten CD zudem die Konzerte Nr. 4 in G-Dur und Nr. 1 in E-Dur, op. 49. Sie beginnen stets mit einem umfangreichen Allegro maestoso; dann folgt ein relativ kurzer langsamer Mittelsatz, und zum Schluss erklingt ein virtuoser Kehraus – hier mit polnischen bzw. russischen Motiven.
Mercadante setzt die Flöte wirkungsvoll in Szene; der Solist erhält reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Gallois musiziert hörenswert, und dirigiert obendrein noch das Orchester, das erfreulich präzise agiert. Insgesamt sieben Flötenkonzerte, davon sechs für Soloflöte und eines für zwei Flöten, hat Mercadante geschrieben. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man also gespannt bleiben.
Während seiner Zeit am Konserva- torium schuf er ziemlich viele Instrumentalwerke; nach dem Studium allerdings schrieb er vorwiegend Opern. Von 1827 bis 1830 arbeitete Mercadante in Spanien; nach seiner Rückkehr wurde er 1833 Kapellmeister der Kathedrale zu Novara und 1840 der Nachfolger seines Lehrers Niccolò Antonio Zingarelli als Direktor des Konservatoriums in Neapel, wo er bis an sein Lebensende wirkte.
Mercadante war, neben Bellini und Donizetti, der bedeutendste italienische Opernkomponist seiner Zeit und als solcher sehr erfolgreich. Erstaunli- cherweise sind seine Werke in Vergessenheit geraten. Patrick Gallois hat nun gemeinsam mit der Sinfonia Finlandia Jyväskylä für Naxos eine Gesamteinspielung der Flötenkonzerte von Mercadante begonnen. Sie startet mit dem Flötenkonzert Nr. 2 in e-Moll op. 57 – dem wohl bekanntesten Werk des Komponisten, das dieser bereits 1813 zu Papier gebracht hatte. Zu hören sind auf der ersten CD zudem die Konzerte Nr. 4 in G-Dur und Nr. 1 in E-Dur, op. 49. Sie beginnen stets mit einem umfangreichen Allegro maestoso; dann folgt ein relativ kurzer langsamer Mittelsatz, und zum Schluss erklingt ein virtuoser Kehraus – hier mit polnischen bzw. russischen Motiven.
Mercadante setzt die Flöte wirkungsvoll in Szene; der Solist erhält reichlich Gelegenheit, zu brillieren. Gallois musiziert hörenswert, und dirigiert obendrein noch das Orchester, das erfreulich präzise agiert. Insgesamt sieben Flötenkonzerte, davon sechs für Soloflöte und eines für zwei Flöten, hat Mercadante geschrieben. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man also gespannt bleiben.
Freitag, 18. März 2016
Vivaldi: Flute Concertos op. 10 (Brilliant Classics)
Die Flötenkonzerte op. 10 von Anto- nio Vivaldi sind sehr populär. La tempesta di mare, La notte, Il gardellino und ihre drei namenlosen Geschwister hat der italienische Flötist Mario Folena nun gemeinsam mit den renommierten Ensemble L'Arte dell'Arco eingespielt. Dabei stand Federico Guglielmo am Kon- zertmeisterpult, Isabella Bison spielte die zweite Violine, Mario Paladin Viola, Cristiano Contadin Violotta, Ivano Zanenghi Theorbe und Barock- gitarre sowie Roberto Loreggian Cembalo und Kammerorgel.
Und selbstverständlich musiziert auch Folena auf einer Traversflöte nach historischem Vorbild. Das macht den Klang ein wenig rauher, als man das von Aufnahmen gewohnt ist, bei denen eine Böhmflöte zu hören ist. Die Musiker wählen zudem meistens rasche Tempi und knackige Akzente, was einen frischen Eindruck machen könnte – aber hier eher ruppig wirkt. Versöhnt wird man allerdings ein wenig durch die überaus elegante Auszierung; man höre nur, wie Folena seinen Distelfink zwitschern lässt. So ideenreich und detailverliebt wurde Vivaldis Musik selten vorgetragen.
Und selbstverständlich musiziert auch Folena auf einer Traversflöte nach historischem Vorbild. Das macht den Klang ein wenig rauher, als man das von Aufnahmen gewohnt ist, bei denen eine Böhmflöte zu hören ist. Die Musiker wählen zudem meistens rasche Tempi und knackige Akzente, was einen frischen Eindruck machen könnte – aber hier eher ruppig wirkt. Versöhnt wird man allerdings ein wenig durch die überaus elegante Auszierung; man höre nur, wie Folena seinen Distelfink zwitschern lässt. So ideenreich und detailverliebt wurde Vivaldis Musik selten vorgetragen.
Samstag, 25. Juli 2015
Flute Concertos by Carl Philipp Emanuel Bach And Francois Devienne (Genuin)
Flötenkonzerte von Carl Philipp Emmanuel Bach (1714 bis 1788) und François Devienne (1759 bis 1783) präsentiert das Schweizer Artist Consort auf dieser CD. Es ist bereits die sechste Veröffentlichung des Flötisten Felix Renggli. Er musiziert hier gemeinsam mit der Chamber Academy Basel, einem Ensemble, das überwiegend aus Studierenden der Hochschule für Musik Basel besteht und ohne Dirigent spielt. Renggli stellt insbesondere die Unterschiede zwischen den Werken der beiden Komponisten heraus. Devienne, das ist reinste Klassik: „Vertraut mit Mozarts und Haydns Musik, lässt er sich zu frischer Melodik und anmutiger Erfindung inspirieren, ganz im Charakter der virtuosen französischen Violinschule“, schreibt der Solist im Beiheft zu dieser CD. „Die Idiomatik seiner Musik folgt im Gegensatz zur Musik Carl Philipp Emanuel Bachs dem damals weit verbreiteten Stil des Belcanto und des französischen Rokoko.“
Angezogen aber zeigt sich Renggli von den empfindsamen Flötenkonzerten Bachs und ihrer Klangsprache, die so ganz und gar nicht galant und sanglich erscheint. Dafür findet er einen ganz eigenen, federleichten Ton – unglaublich, das ist wirklich faszinierend! Die jungen Musiker der Chamber Academy Basel gehen perfekt auf die Klangvorstellungen und die Phrasierung des Solisten ein. Zu dieser Aufnahme kann man dem ganzen Team nur gratulieren.
Angezogen aber zeigt sich Renggli von den empfindsamen Flötenkonzerten Bachs und ihrer Klangsprache, die so ganz und gar nicht galant und sanglich erscheint. Dafür findet er einen ganz eigenen, federleichten Ton – unglaublich, das ist wirklich faszinierend! Die jungen Musiker der Chamber Academy Basel gehen perfekt auf die Klangvorstellungen und die Phrasierung des Solisten ein. Zu dieser Aufnahme kann man dem ganzen Team nur gratulieren.
Mittwoch, 20. Mai 2015
Devienne: Flute Concertos Nos. 1-4 (Naxos)
François Devienne (1759 bis 1803) war der Sohn eines Sattlers. Den ersten Musikunterricht erhielt er bei einem älteren Bruder; später unterwies ihn der Organist seines Heimatstädtchens. Als Devienne zehn Jahre alt war, schrieb er seine erste Messe, die auch aufgeführt wurde. 1776 folgte er seinem Bruder an den Hof von Zweibrücken. Später spielte er Fagott im Orchester der Pariser Oper, und studierte zudem das Flötenspiel beim Soloflötisten Félix Rault. Im Frühjahr 1780 trat er wahrscheinlich in den Dienst des Kardinals Louis-René de Rohan, wo er bis 1785 als Kammermusiker angestellt war. In dieser Zeit komponierte er auch etliche Werke, und er wirkte in dem renommierten Freimaurer-Orchester der Société Olympique mit, für das Joseph Haydn seine Pariser Sinfonien schrieb.
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
1780 wurde das erste Werk Deviennes, ein Fagott-Konzert, in den Concerts Spirituel gespielt. Zwei Jahre später debütierte der Musiker dort als Solist – so erfolgreich, dass binnen kurzer Zeit zahlreiche weitere Auftritte dort folgten. Devienne spielte Fagott und Flöte in verschiedenen Orchestern, und er unterrichtete an der École gratuite de musique de la Garde nationale, aus der 1795 das Pariser Konservatorium hervorging. Der Flötist wurde umgehend zum Professsor bestellt. Als Musikpädagoge war Devienne sehr gefragt. Die Übungsstücke, die er für seine Schüler schrieb, werden noch heute gern verwendet – nicht zuletzt deshalb, weil sie gut klingen und die Musizierlust wecken. Er schrieb zudem eine Flötenschule, „Nouvelle Méthode théorique et pratique pour la flûte“, die, ähnlich wie Quantz' „Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen“ zu einer wichtigen musikhistorischen Quelle geworden ist.
Devienne komponierte etliche Opern, für die er sehr gefeiert wurde, acht Sinfonien, zahlreiche Konzerte für Flöte und Fagott, einige Musiken für Blasorchester sowie jede Menge Kammermusik. Der Musiker erkrankte leider an einem Nervenleiden, so dass er nach Charenton gebracht werden musste, wo er wenig später verstarb, gerade einmal 44 Jahre alt.
Schon Jean-Pierre Rampal hatte sich für die Werke des Kollegen einge- setzt. Jetzt hat sein Schüler Patrick Gallois bei Naxos gemeinsam mit dem Schwedischen Kammerorchester Deviennes erste vier Flötenkonzerte eingespielt. „François Devienne est le flûtiste à l'origine de l'école de flûte française“, begeistert sich Gallois. „Devienne a besoin d'une approche spécifique, une grande précision dans les ornements, l'inflexion du son, l'articulation et le phrasé.“ Solche Musik wiederzuentdecken, das bereite jedoch Probleme: „Nous redécouvrons toutes ces musiques sans avoir le temps de les comprendre et donc nous appliquons des solutions toutes faites aux questions posées. Un grand nombre de compositeurs ont été considérés comme mineurs faute de trouver une lecture correcte.“
Gallois hat die Werke Deviennes sorgfältig studiert. „Le travail de la méthode et de tous les concertos de Devienne conjointement aus 6 con- certos et à la méthode de Mercadante, grand admiteur de Devienne, m'a permis de définir une direction musicale grâce à la clarté des explications sur les ornements, articulations et coups de langue“, berichtet der Flötist. Die Sorgfalt lohnt sich, denn Deviennes Flötenkonzerte sind ebenso geistreich wie elegant. Und genauso sind sie hier zu hören. „La musique est faite de questions et chaque moment amène sa solution“, resümiert der Solist. „J'espère que cet registrement, par sa fraîcheur et vivacité, aura réussi à répondre en partie aux questions posées par François Devienne.“
Sonntag, 22. Februar 2015
Magali Mosnier - Mozart (Sony Classical)
Die Flöte sei „ein instrument das ich nicht leiden kann “, maulte Wolfgang Amadeus Mozart 1778 in einem Brief aus Mannheim an seinen Vater. Der Komponist sah sich gezwungen, für einen Verehrer Konzerte und Quartette zu schreiben – denn er sollte dafür üppig entlohnt werden, mehr als ein Salzburger Jahresgehalt war aufgeboten. Und so machte Mozart flugs aus einem Oboenkonzert in C-Dur eines in D-Dur für Flöte. Das G-Dur-Flötenkonzert war wohl bereits im Juli 1777 in Salzburg aufgeführt worden. Wenn man die Werke heute hört, mag man kaum glauben, dass Mozart einst so gar keine Lust zu dieser Arbeit hatte. Die jüngste Einspielung bei Sony stammt von der französischen Flötistin Magali Mosnier.
„Quelle joie pour moi de graver enfin ces concerti de Mozart! Que de moments heureux vécus avec eux!“, freut sich die Solistin im Beiheft zu dieser CD. „Ces chefs-d'oeuvres sont en quelque sorte mes bonnes fées!“ Diese CD macht auch den Zuhörer glücklich. Denn Mosnier hat einen unglaubliches Händchen für Mozarts Musik. Sie spielt mit einem schwerelosen, silberhellen Ton, und bezaubert durch die Leichtigkeit und Lebendigkeit ihres Vortrages. Das Münchner Kammerorchester ist ihr dabei ein großartiger Partner. Und weil die Querflöte mit der menschlichen Stimme ziemlich viel gemeinsam hat, fügte die Solistin dem Flötenquartett G-Dur KV 285 sowie den Konzerten KV 313 und 314 nebst dem berühmten Andante KV 315 noch zwei von ihr für die Flöte neu arrangierte Opern- arien hinzu. Dafür wählte sie die Arie der Fortuna Lieve sono al par del vento aus Il sogno di Scipione aus, und Paminas Klagegesang Ach, ich fühl's aus der Zauberflöte. Hier demonstriert Mosnier noch einmal, dass die Flöte nicht nur Wohlklang verbreiten kann, sondern mit ihren vielen Klangfarben auch ein ausdrucksstarkes Instrument ist.
„Quelle joie pour moi de graver enfin ces concerti de Mozart! Que de moments heureux vécus avec eux!“, freut sich die Solistin im Beiheft zu dieser CD. „Ces chefs-d'oeuvres sont en quelque sorte mes bonnes fées!“ Diese CD macht auch den Zuhörer glücklich. Denn Mosnier hat einen unglaubliches Händchen für Mozarts Musik. Sie spielt mit einem schwerelosen, silberhellen Ton, und bezaubert durch die Leichtigkeit und Lebendigkeit ihres Vortrages. Das Münchner Kammerorchester ist ihr dabei ein großartiger Partner. Und weil die Querflöte mit der menschlichen Stimme ziemlich viel gemeinsam hat, fügte die Solistin dem Flötenquartett G-Dur KV 285 sowie den Konzerten KV 313 und 314 nebst dem berühmten Andante KV 315 noch zwei von ihr für die Flöte neu arrangierte Opern- arien hinzu. Dafür wählte sie die Arie der Fortuna Lieve sono al par del vento aus Il sogno di Scipione aus, und Paminas Klagegesang Ach, ich fühl's aus der Zauberflöte. Hier demonstriert Mosnier noch einmal, dass die Flöte nicht nur Wohlklang verbreiten kann, sondern mit ihren vielen Klangfarben auch ein ausdrucksstarkes Instrument ist.
Freitag, 18. Juli 2014
Vivaldi: Concerti pour Piccolo (Saphir Productions)
Antonio Vivaldi hat eine ganze Reihe von Flötenkonzerten
kom- poniert, und in seinem Werkver- zeichnis stehen auch drei bislang
wohl unveröffentlichte concerti, den Angaben auf dieser CD zufolge
per ottavino, deren Manuskripte sich in Turin befinden. Eine Aus- wahl
davon enthält die vorliegende CD; allerdings gibt es kein Beiheft,
und die Anmerkungen sind so spärlich, dass nicht einmal er- kennbar
wird, wer bei den Konzer- ten für zwei Piccoloflöten bzw. für Flöte
und Piccolo nun den zweiten Solopart spielt.
Bei den ersten vier Konzerten sind Jean-Louis Beaumadier und das Orchestre national de France unter Leitung des berühmten Jean-Pierre Rampal zu hören. Bei den abschließenden zwei Doppelkon- zerten musizieren Philippe Pierlot und das Ensemble Instrumental La Follia. Es ist eine hübsche Zusammenstellung, die man gut anhören kann – allerdings dürfte Vivaldi seinerzeit eher an ein flautino, das kleinste Mitglied der Blockflötenfamilie, gedacht haben als an die Piccolo-Querflöte. Klanglich macht das schon Unterschiede.
Bei den ersten vier Konzerten sind Jean-Louis Beaumadier und das Orchestre national de France unter Leitung des berühmten Jean-Pierre Rampal zu hören. Bei den abschließenden zwei Doppelkon- zerten musizieren Philippe Pierlot und das Ensemble Instrumental La Follia. Es ist eine hübsche Zusammenstellung, die man gut anhören kann – allerdings dürfte Vivaldi seinerzeit eher an ein flautino, das kleinste Mitglied der Blockflötenfamilie, gedacht haben als an die Piccolo-Querflöte. Klanglich macht das schon Unterschiede.
Sonntag, 9. Februar 2014
"Si suona, a Napoli!" (Dynamic)
„Si suona, a Napoli“, soll seinerzeit Corelli ausgerufen haben, als er in Neapel musizierte und die dortigen Musiker erlebte. So berichtet es jedenfalls Charles Burney, ein renommierter Musik-Chronist des 18. Jahrhunderts.
Neapel war damals und über einen langen Zeitraum eine Residenz- stadt von europäischem Rang, die viele bedeutende Musiker anzog. Doch nicht nur der Adel, auch die Kirche und die musikalisch sehr rege Bürgerschaft trugen dazu bei, Virtuosen heranzuziehen und zu inspirieren. Eine Auswahl von Flötenkonzerten aus dem 18. Jahrhundert haben Renata Cataldi, Traversflöte, und Le Musiche da Camera, ein auf derartige Musik spezialisiertes Ensemble aus Neapel, auf der vorliegenden CD ein- gespielt. Es sind gelungene Werke, die durchweg die Wiederent- deckung lohnen – und ansprechend vorgetragen werden sie auch.
Neapel war damals und über einen langen Zeitraum eine Residenz- stadt von europäischem Rang, die viele bedeutende Musiker anzog. Doch nicht nur der Adel, auch die Kirche und die musikalisch sehr rege Bürgerschaft trugen dazu bei, Virtuosen heranzuziehen und zu inspirieren. Eine Auswahl von Flötenkonzerten aus dem 18. Jahrhundert haben Renata Cataldi, Traversflöte, und Le Musiche da Camera, ein auf derartige Musik spezialisiertes Ensemble aus Neapel, auf der vorliegenden CD ein- gespielt. Es sind gelungene Werke, die durchweg die Wiederent- deckung lohnen – und ansprechend vorgetragen werden sie auch.
Donnerstag, 1. August 2013
Danzi: Overtures & Flute Concertos (Coviello Classics)
Franz Danzi (1763 bis 1826)? Der Name dieses Komponisten dürfte heutzutage wohl nur noch Cellisten und Musikhistorikern geläufig sein. Dabei hielten seine Zeitgenossen einst große Stücke auf ihn. „Danzi's Name steht schon unter der Reihe der ersten Componisten unseres Vaterlandes“, schwärmte bei- spielsweise 1804 der Weimarer Christian Schreiber.
Der solcherart Verehrte freilich blieb gelassen und schrieb: „...ich bin eben nicht sehr eitel auf meine Kompositionen und glaube nicht, dass alles gut sein müsse, was ich schreibe.“ Was bedauerlicherweise und was auch mit gutem Grund in Vergessenheit geraten ist, davon vermittelt die vorliegende CD einen ersten Eindruck. Die Flötistin Annie Laflamme hat im Jugendstilsaal des Kurhauses Bergün gemeinsam mit dem Orchester le phénix eine Auswahl der Flöten- konzerte sowie einige Ouvertüren zu Bühnenwerken Danzis eingespielt.
Es ist eine würdige Gabe zum 250. Geburtstag des Komponisten, der den Mozarts nahegestanden hat und stilistisch wohl am ehesten in der Frühromantik zu verorten wäre.
Danzis Flötenkonzerte sind eine echte Entdeckung; sie sind einfach schön, und auch für den Solisten eine dankbare Aufgabe. Die Ouver- türen zu Camilla und Eugen oder Der Gartenschlüssel, zu dem Duodrama Cleopatra und zu Wilhelm Tell sind Bruchstücke verlorener größerer Werke; die Noten dazu sind ansonsten überwiegend während des Zweiten Weltkrieges im bombardierten Karlsruher verbrannt. Diese Trümmer einstiger Bühnenwerke dokumentieren Danzis virtuosen Umgang mit dem Orchester und seinen Klangfarben; aber sie erwecken darüber hinaus nicht den Eindruck, dass es sich um bedeutende Werke gehandelt haben muss. Musiziert wird stilsicher und auf historisch korrekten Instrumenten – meine Empfehlung!
Der solcherart Verehrte freilich blieb gelassen und schrieb: „...ich bin eben nicht sehr eitel auf meine Kompositionen und glaube nicht, dass alles gut sein müsse, was ich schreibe.“ Was bedauerlicherweise und was auch mit gutem Grund in Vergessenheit geraten ist, davon vermittelt die vorliegende CD einen ersten Eindruck. Die Flötistin Annie Laflamme hat im Jugendstilsaal des Kurhauses Bergün gemeinsam mit dem Orchester le phénix eine Auswahl der Flöten- konzerte sowie einige Ouvertüren zu Bühnenwerken Danzis eingespielt.
Es ist eine würdige Gabe zum 250. Geburtstag des Komponisten, der den Mozarts nahegestanden hat und stilistisch wohl am ehesten in der Frühromantik zu verorten wäre.
Danzis Flötenkonzerte sind eine echte Entdeckung; sie sind einfach schön, und auch für den Solisten eine dankbare Aufgabe. Die Ouver- türen zu Camilla und Eugen oder Der Gartenschlüssel, zu dem Duodrama Cleopatra und zu Wilhelm Tell sind Bruchstücke verlorener größerer Werke; die Noten dazu sind ansonsten überwiegend während des Zweiten Weltkrieges im bombardierten Karlsruher verbrannt. Diese Trümmer einstiger Bühnenwerke dokumentieren Danzis virtuosen Umgang mit dem Orchester und seinen Klangfarben; aber sie erwecken darüber hinaus nicht den Eindruck, dass es sich um bedeutende Werke gehandelt haben muss. Musiziert wird stilsicher und auf historisch korrekten Instrumenten – meine Empfehlung!
Samstag, 20. Juli 2013
Quantz: Flute Concertos (Naxos)
Nahezu 300 Flötenkonzerte hat Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) komponiert. Dem berühmten Flötisten, der mehr als dreißig Jahre lang bei Friedrich dem Großen als Kammervirtuose, Flötenlehrer, Komponist und Instrumentenbauer beschäftigt war, wird mitunter nach- gesagt, seine Musik sei schon zu seinen Lebzeiten überholt gewesen.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich.
Immer wieder verblüfft Quantz mit neuen Ideen; seine Musik ist wunder- schön, und man freut sich über jedes neue Konzert, das aus dem Archiv- schlaf erweckt wird und wieder im Konzertsaal erklingt. Die vorliegenden Aufnahmen sind nach eingehender Recherche der Aufführungspraxis in Sanssouci entstanden. So erklingen im Continuo obligatorisch sowohl ein Tasteninstrument als auch das Fagott – auch wenn es auf dem bekannten Gemälde nicht zu sehen ist. Oleskiewics spielt Instrumente, die dem Vorbild jener folgen, die Quantz seinerzeit für König Friedrich gebaut hat. Jean-Francois Beaudin hat sie nach einem Exemplar, das sich heute in der Library of Congress in Washington D.C. befindet, angefertigt. Man lauscht ihr gern, denn sie spielt mit einem phantastischen Ton, der wärmer und runder erscheint als der moderner Querflöten.
Zwei dieser Konzerte sind ganz besondere Raritäten: Das dritte Konzert auf dieser CD fand sich im Archiv der Berliner Sing-Akademie in einer Ab- schrift, die zusätzlich ausgeschriebene Kadenzen enthielt. Zwei davon, eine für den ersten und eine für den zweiten Satz, stellt Oleskiewicz vor. Das vierte Konzert hat Quantz nicht selbst vollendet. „Indeed, it is not only Quantz’s but King Frederick’s last composition, for Quantz left it unfini- shed at his death in 1773“, schreibt die Flötistin, die es sich nicht nehmen ließ, den Text für das Beiblatt selbst zu verfassen. „The king had long since abandoned composition, but he took up the pen again to compose the last movement of the work.“
Dienstag, 30. Oktober 2012
Viotti: Flute Concertos (Dynamic)
Giovanni Battista Viotti (1755 bis 1824) gehörte zu den führenden Violinvirtuosen seiner Zeit. Er komponierte auch überwiegend für dieses Instrument. Seine Werke waren aber so beliebt und so ein- zigartig, dass sich auch Musiker dafür interessierten, die nicht Violine spielten, sondern beispiels- weise Klavier - oder Flöte.
Diese CD bringt gleich zwei Beispie- le dafür, wie führende Flötisten Viottis Konzerte für ihr Instrument erschlossen. Francois Devienne (1759 bis 1803) wirkte unter anderem als Erster Flötist an der Pariser Oper. Er bearbeitete Viottis G-Dur Konzert Nr. 23 für die Flöte. Caspar Fürstenau (1772 bis 1819), der unter anderem Viottis Konzert in e-Moll Nr. 16 für die Flöte arrangierte, spielte unter anderem in der Hofkapelle zu Oldenburg. Er war der Vater und Lehrer des berühmten Flötisten Anton Bernhard Fürstenau, der in der Dresdner Hofkapelle seine Lebensstellung fand. Doch zuvor war er gemeinsam mit Caspar Fürstenau, der offenbar auch sehr versiert Fagott spielte, konzertie- rend quer durch Europa gereist und war in nahezu allen Musikmetro- polen der damaligen Zeit aufgetreten.
Die Viotti-Bearbeitungen beider Flötenvirtuosen passen die Violin- konzerte den Möglichkeiten und Stärken der Flöte hervorragend an. Wer hört, wie Mario Carbotta diese Werke spielt, wird sogar kaum auf die Idee kommen, dass es sich um Arrangements handelt - so idioma- tisch perfekt sind sie gelungen.
Während Devienne in erster Linie durch Eleganz glänzt, setzt Fürste- nau zusätzlich auf technische Herausforderungen. Sie erstaunen um so mehr, wen man an die Instrumente denkt, die den Flötisten damals zur Verfügung standen. Und Mario Carbotta zeigt mit seinen Kaden- zen, was sich mit der modernen Böhm-Flöte daraus machen lässt. Besten Dank an den Flötisten und das Orchestra I Pomeriggi Musicali unter Pietro Mianiti für diese Weltersteinspielung, die nicht nur musikhistorisch sehr spannend erscheint.
Diese CD bringt gleich zwei Beispie- le dafür, wie führende Flötisten Viottis Konzerte für ihr Instrument erschlossen. Francois Devienne (1759 bis 1803) wirkte unter anderem als Erster Flötist an der Pariser Oper. Er bearbeitete Viottis G-Dur Konzert Nr. 23 für die Flöte. Caspar Fürstenau (1772 bis 1819), der unter anderem Viottis Konzert in e-Moll Nr. 16 für die Flöte arrangierte, spielte unter anderem in der Hofkapelle zu Oldenburg. Er war der Vater und Lehrer des berühmten Flötisten Anton Bernhard Fürstenau, der in der Dresdner Hofkapelle seine Lebensstellung fand. Doch zuvor war er gemeinsam mit Caspar Fürstenau, der offenbar auch sehr versiert Fagott spielte, konzertie- rend quer durch Europa gereist und war in nahezu allen Musikmetro- polen der damaligen Zeit aufgetreten.
Die Viotti-Bearbeitungen beider Flötenvirtuosen passen die Violin- konzerte den Möglichkeiten und Stärken der Flöte hervorragend an. Wer hört, wie Mario Carbotta diese Werke spielt, wird sogar kaum auf die Idee kommen, dass es sich um Arrangements handelt - so idioma- tisch perfekt sind sie gelungen.
Während Devienne in erster Linie durch Eleganz glänzt, setzt Fürste- nau zusätzlich auf technische Herausforderungen. Sie erstaunen um so mehr, wen man an die Instrumente denkt, die den Flötisten damals zur Verfügung standen. Und Mario Carbotta zeigt mit seinen Kaden- zen, was sich mit der modernen Böhm-Flöte daraus machen lässt. Besten Dank an den Flötisten und das Orchestra I Pomeriggi Musicali unter Pietro Mianiti für diese Weltersteinspielung, die nicht nur musikhistorisch sehr spannend erscheint.
Samstag, 22. September 2012
Des Königs Flötenmeister (Accent)
Friedrich, soeben zum König
von Preußen gekrönt, gab sich große Mühe, seinen langjährigen Flötenlehrer Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) an den preußischen Hof zu binden. Er ernannte den Musiker zum Hofcompositeur und bezahlte ihm jedes einzelne Werk zusätzlich zu seinem normalen Salär. Auch war Quantz vom Orchesterdienst befreit, und direkt dem König unterstellt. So gelang es Friedrich, den Flötisten aus Dresden abzuwerben, wo Quantz zuvor Mitglied der sächsischen Hofkapelle war.
Der Musiker gab seinem Dienstherrn nicht nur Unterricht im Flöten- spiel und in Komposition, er organisierte und leitete zudem die berühmten abendlichen Privatkonzerte Friedrichs, schrieb für ihn Sonaten, Konzerte und viele andere Werke, und fertigte zudem gelegentlich selbst Instrumente an. Diese "Quantz-Flöten" freilich waren schon zu Lebzeiten des Musikers umstritten. Denn die deut- schen Flötenbauer bevorzugten einen sanften, weichen Klang. Quantz erklärtes Ziel war es hingegen, einen "hellen, schneidenden, dicken, runden, männlichen, doch dabey angenehmen Ton" zu erzielen. Am Hofe Friedrichs folgte man nicht nur dem französischen Klang-Ideal, sondern auch dem Stimmton, der in Paris üblich war - und nahezu einen Ganzton tiefer war als der heute üblichen Kammerton.
Auf dieser CD erhält man einen guten Eindruck davon, wie Quantz' Flötenkonzerte seinerzeit geklungen haben. Frank Theuns, Professor für barocke Traversflöte am Koninklijk Muziekconservatorium in Brüssel, hat für Accent mit seinem Ensemble Les Buffardins vier Werke des Flötenmeisters eingespielt.
Für diese Aufnahme verwendete er eine Traversflöte, die Flötenbauer Andreas Glatt 2009 nach einer originalen Quantz-Flöte angefertigt hat. Und für die Interpretation orientiert er sich zeitgenössischen Quellen - wobei hier natürlich an erster Stelle Quantz' berühmter Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen zu nennen ist, 1752 in Berlin erschienen. Theuns hat zudem ganz überwiegend nicht die populären Konzerte ausgewählt. Musiziert wird lustvoll und versiert. Diese CD bereitet rundum Vergnügen, und sei hier deshalb mit Nachdruck empfohlen.
von Preußen gekrönt, gab sich große Mühe, seinen langjährigen Flötenlehrer Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) an den preußischen Hof zu binden. Er ernannte den Musiker zum Hofcompositeur und bezahlte ihm jedes einzelne Werk zusätzlich zu seinem normalen Salär. Auch war Quantz vom Orchesterdienst befreit, und direkt dem König unterstellt. So gelang es Friedrich, den Flötisten aus Dresden abzuwerben, wo Quantz zuvor Mitglied der sächsischen Hofkapelle war.
Der Musiker gab seinem Dienstherrn nicht nur Unterricht im Flöten- spiel und in Komposition, er organisierte und leitete zudem die berühmten abendlichen Privatkonzerte Friedrichs, schrieb für ihn Sonaten, Konzerte und viele andere Werke, und fertigte zudem gelegentlich selbst Instrumente an. Diese "Quantz-Flöten" freilich waren schon zu Lebzeiten des Musikers umstritten. Denn die deut- schen Flötenbauer bevorzugten einen sanften, weichen Klang. Quantz erklärtes Ziel war es hingegen, einen "hellen, schneidenden, dicken, runden, männlichen, doch dabey angenehmen Ton" zu erzielen. Am Hofe Friedrichs folgte man nicht nur dem französischen Klang-Ideal, sondern auch dem Stimmton, der in Paris üblich war - und nahezu einen Ganzton tiefer war als der heute üblichen Kammerton.
Auf dieser CD erhält man einen guten Eindruck davon, wie Quantz' Flötenkonzerte seinerzeit geklungen haben. Frank Theuns, Professor für barocke Traversflöte am Koninklijk Muziekconservatorium in Brüssel, hat für Accent mit seinem Ensemble Les Buffardins vier Werke des Flötenmeisters eingespielt.
Für diese Aufnahme verwendete er eine Traversflöte, die Flötenbauer Andreas Glatt 2009 nach einer originalen Quantz-Flöte angefertigt hat. Und für die Interpretation orientiert er sich zeitgenössischen Quellen - wobei hier natürlich an erster Stelle Quantz' berühmter Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen zu nennen ist, 1752 in Berlin erschienen. Theuns hat zudem ganz überwiegend nicht die populären Konzerte ausgewählt. Musiziert wird lustvoll und versiert. Diese CD bereitet rundum Vergnügen, und sei hier deshalb mit Nachdruck empfohlen.
Montag, 27. Februar 2012
Quantz: Flötenkonzerte (Berlin Classics)
Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) spielte ursprünglich als Oboist und Geiger in der Polni- schen Kapelle am Dresdner Hof. Doch schon bald erkannte er, dass die Traversflöte ein Instrument mit Zukunft ist. Er nahm bei Pierre Gabriel Buffardin, dem ersten Flötisten der Hofkapelle, Unter- richt, und begann zudem, für die Querflöte zu komponieren.
Denn für dieses innovative Instru- ment, das gerade erst an die Stelle der Blockflöte trat, gab es zu jener Zeit kaum Literatur. So schuf allein Quantz etwa 300 Flötenkonzerte, dem italienischen Vorbild folgend, aber auch durch Elemente aus der französischen und der deutschen Musiktradition bereichert.
Auch der preußische Kronprinz zeigte sich bei einem Besuch in Dresden schwer beeindruckt. Dabei blieb es nicht: 1741 ging Quantz als Flötenlehrer und Hofkomponist an den Hof Friedrichs II., den er bereits seit 1728 im Flötenspiel unterwiesen hatte. Er war möglicher- weise der einzige Mensch in Preußen, der den König kritisieren durfte.
Quantz' Konzerte vereinen herrliche melodische Linien mit virtuoser Brillanz. Friedrich soll sie fast 30 Jahre lang bei seinen täglichen Soireen gespielt haben. Johannes Walter hat für diese CD vier Flöten- konzerte - Nummer 109, 132, 161 und 187 - ausgewählt. Zwei davon sind sehr bekannt, zwei Raritäten. Und obwohl die Aufnahmen aus den Jahren 1985 und 1986 stammen, ist bis heute nichts Vergleich- bares zu bekommen. Johannes Walter musiziert mit den Dresdner Kammersolisten wirklich wundervoll; wer die Konzerte hören möchte, der sollte daher diese CD wählen.
Denn für dieses innovative Instru- ment, das gerade erst an die Stelle der Blockflöte trat, gab es zu jener Zeit kaum Literatur. So schuf allein Quantz etwa 300 Flötenkonzerte, dem italienischen Vorbild folgend, aber auch durch Elemente aus der französischen und der deutschen Musiktradition bereichert.
Auch der preußische Kronprinz zeigte sich bei einem Besuch in Dresden schwer beeindruckt. Dabei blieb es nicht: 1741 ging Quantz als Flötenlehrer und Hofkomponist an den Hof Friedrichs II., den er bereits seit 1728 im Flötenspiel unterwiesen hatte. Er war möglicher- weise der einzige Mensch in Preußen, der den König kritisieren durfte.
Quantz' Konzerte vereinen herrliche melodische Linien mit virtuoser Brillanz. Friedrich soll sie fast 30 Jahre lang bei seinen täglichen Soireen gespielt haben. Johannes Walter hat für diese CD vier Flöten- konzerte - Nummer 109, 132, 161 und 187 - ausgewählt. Zwei davon sind sehr bekannt, zwei Raritäten. Und obwohl die Aufnahmen aus den Jahren 1985 und 1986 stammen, ist bis heute nichts Vergleich- bares zu bekommen. Johannes Walter musiziert mit den Dresdner Kammersolisten wirklich wundervoll; wer die Konzerte hören möchte, der sollte daher diese CD wählen.
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