Posts mit dem Label Quantz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Quantz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 3. Oktober 2021

Grand Tour (Genuin)


 Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff. 

Doch nicht nur den Adel, auch Musiker zog es in die Ferne: Von großen Meistern lernen, Vorbilder aus anderen Musikkulturen aufmerksam studieren, und daraus Inspiration und Anregung für das eigene Schaffen erfahren – insbesondere Italien war seinerzeit ein wichtiges Reiseziel, und Frankreich hatte ebenfalls viel zu bieten. 

Das Cicerone Ensemble nimmt uns mit auf eine musikalische Reise auf den Spuren von Komponisten, die ein selbst durch Europa gereist sind. Die drei jungen Musiker erweisen sich als ebenso kenntnisreiche wie leidenschaftliche Reiseführer. Thomas Wormitt, Traversflöte, Adrian Cygan, Violoncello, und Andreas Gilger, Cembalo, kombinieren musikwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Exzellenz mit überraschenden Repertoire-Entdeckungen. Auf dieser CD präsentieren sie ein abwechslungsreiches Programm, das auch beim Zuhörer die Reiselust weckt. Mehr davon! 

Sonntag, 23. September 2018

Quantz: Four Concertos for Flute & Strings (Hänssler Profil)

Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) war der Flötenlehrer Friedrichs des Großen. Der Monarch hatte den Musiker, den er schon seit 1728 kannte und sehr schätzte, nach seiner Thronbesteigung 1740 umgehend engagiert. Ein Jahresgehalt von sagenhaften 2000 Talern konnte selbst August III., der Sohn Augusts des Starken, wie dieser polnischer König und ein großer Kunstmäzen, nicht bieten, so dass Quantz aus kursächsischen in preußische Dienste wechselte. 
Er gab seinem König Flötenunter- richt, fertigte Instrumente für ihn an und er war auch für die königliche Kammermusik zuständig. So komponierte Quantz mehr als 200 Flöten- konzerte, die nur Friedrich der Große spielen durfte. Auf dieser CD stellt der amerikanische Flötist Eric Lamb vier dieser Werke vor. 
Die ausgewählten Stücke geben einen guten Überblick über das Schaffen des Musikers für den König. Obwohl Quantz sich formal stets an dem gleichen Schema orientierte, wie es auch Vivaldi genutzt hatte, sind seine Konzerte erstaunlich abwechslungsreich und höchst raffiniert individuell gestaltet. Virtuose Ecksätze im traditionellen italienischen Ritornello-Stil umrahmen einen langsamen Mittelsatz, bei dessen Gestaltung Quantz enormen Einfallsreichtum beweist. 
Das ist kein Zufall – denn am Adagio und nicht an seiner Fingerfertigkeit wurde damals ein Virtuose gemessen. Eric Lamb musiziert hinreißend schön; er spielt bei dieser Aufnahme eine Holzflöte der Firma Sankyo Handmade Flutes. Dieser Traversflöte entlockt er herrliche, eher dunkle und runde Töne; sie hat nicht das Strahlende einer Böhmflöte, sondern beinahe etwas Geheimnisvolles. Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens begleitet den Solisten mit Eleganz und kammermusikalisch transparent. Sehr gelungen! 

Montag, 30. April 2018

Quantz: Concertos & Trio Sonatas with recorder (Brilliant Classics)

Dass Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773), der Flötenlehrer Friedrichs des Großen, zahlreiche Werke für die Traversflöte komponiert hat, ist allgemein bekannt. Er hat allerdings auch einige Konzerte und Sonaten für die Blockflöte geschrieben, in denen er diese teils allein, teils gemeinsam mit Traversflöte oder Violine er- klingen lässt. Stefano Bagliano, einer der besten Blockflötisten Europas, stellt auf dieser CD gemeinsam mit dem Collegium Pro Musica zwei Concerti und zwei Triosonaten vor. Wunderschön! 

Samstag, 9. Juli 2016

Flautissimo! (K&K)

Einen weiteren Live-Mitschnitt aus dem Kloster Maulbronn mit seiner einzigartigen Atmosphäre haben Andreas Otto Grimminger und Josef-Stefan Kindler bei ihrem Label K & K veröffentlicht. Im August 2014 konzertierte dort der Flötist Michael Martin Kofler. Es war bereits wäh- rend seines Studiums Soloflötist im Gustav-Mahler-Jugendorchester unter Claudio Abbado; 1987 berief ihn Sergiu Celibidache in gleicher Posi- tion zu den Münchner Philharmoni- kern. Kofler spielt Konzerte weltweit. Seit 1989 ist der Musiker Professor am Mozarteum in Salzburg; er unterrichtet Meisterklassen und ist als Jury- mitglied bei bedeutenden Wettbewerben tätig. 
In Maulbronn musizierte er gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim. Es wurde 1950 von dem Hindemith-Schüler Friedrich Tilegant gegründet, und ist noch heute eines der wenigen Full-time-Kammerorchester mit einer Stammbesetzung von 14 Musikern, die bei Bedarf um weitere Streicher und Bläser aufgestockt werden kann. In der Saison 2013/14 übernahm Timo Handschuh, Generalmusikdirektor am Theater Ulm, die Position des künstlerischen Leiters und Chefdirigenten. 
Hier präsentiert er ein Programm, das mit der Symphonie Es-Dur von Carl Philipp Stamitz beginnt. Es folgen das bekannte Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo in G-Dur von Johann Joachim Quantz, und die Sinfonia in C-Dur von Giovanni Battista Sammartini. Der Solist bringt sich noch einmal ein mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur KV 313; abschließend erklingt die Symphonie Nr. 21 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Musiziert wird solide, aber nicht überragend; Über- raschungen gibt es keine – eine CD, die man nicht unbedingt haben muss. 

Samstag, 28. November 2015

Die Ludwig Güttler Edition - Die Highlights des sächsischen Barock (Berlin Classics)

Ludwig Güttler, geboren 1943 in Sosa im Erzgebirge, ist nicht nur ein grandioser Trompetenvirtuose. Er ist zudem unermüdlich in seinem Enga- gement, wo er dieses erforderlich sieht – sei es beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, oder aber bei der Wiederentdeckung des Repertoires der berühmten Dresdner Hofkapelle. 
Güttler hat in Leipzig bei Armin Männnel studiert, und war dann zunächst beim Händel-Festspiel- orchester in Halle/Saale engagiert, später dann als Solotrompeter an der Dresdner Philharmonie. Er unterrichtete an der Musikhochschule in Dresden sowie beim alljährlichen Internationalen Musikseminar in Weimar. Sein besonderes „Steckenpferd“ ist die Musik des 18. Jahrhun- derts. Mit der hochgestimmten Piccolotrompete spielt er Partien, die seinerzeit für Clarinbläser geschrieben worden waren. Auch für das Corno da caccia hat Güttler gemeinsam mit dem Leipziger Instrumentenbauer Friedbert Syhre eine Alternative geschaffen, die modernen Spielkomfort bietet; im Original soll das Corno da caccia allerdings obertonreicher geklungen haben. 
1985 gründete Ludwig Güttler das Ensemble Virtuosi Saxoniae, in dem vor allem Mitglieder der Dresdner Staatskapelle musizieren. Mit diesem Kammerorchester pflegt der Trompeter seitdem die europäische Musik- kultur des 18. Jahrhunderts, wie sie sich im Repertoire der sächsischen Hofkapelle widerspiegelt. Dabei hat er viele Werke wieder zugänglich gemacht, die in Vergessenheit geraten waren. 
Zum 30jährigen Bestehen dieses renommierten Ensembles hat Berlin Classics nun eine umfangreiche Edition zum günstigen Preis heraus- gebracht. Sie versammelt auf 25 CD alle wesentlichen Aufnahmen der Virtuosi Saxoniae, die in den Jahren nach 1990 enstanden sind. So erklingen die Brandenburgischen Konzerte und die Orchestersuiten von Bach, dazu eine Auswahl an Kantaten, die Johannes-Passion und natürlich das Weihnachtsoratorium. Dazu gib es geistliche Musik, beispielsweise von Johann Adolf Hasse, Johann David Heinichen oder Jan Dismas Zelenka, sowie eine Vielzahl origineller Konzerte aus dem Umfeld des Dresdner Hofes. 
Die Liste der Mitwirkenden ist lang und ausgesprochen illuster; sie reicht von Dagmar Schellenberger bis zu Christiane Oelze, und von Olaf Bär bis hin zu Peter Schreier, von Andreas Lorenz, Oboe, über Eckart Haupt, Flöte, bis hin zu Güttlers langjährigem Wegbegleiter Friedrich Kircheis an Orgel und Cembalo, und von den Hallenser Madrigalisten bis zum Concentus Vocalis Wien. 

Samstag, 20. Juli 2013

Quantz: Flute Concertos (Naxos)

Nahezu 300 Flötenkonzerte hat Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) komponiert. Dem berühmten Flötisten, der mehr als dreißig Jahre lang bei Friedrich dem Großen als Kammervirtuose, Flötenlehrer, Komponist und Instrumentenbauer beschäftigt war, wird mitunter nach- gesagt, seine Musik sei schon zu seinen Lebzeiten überholt gewesen.
Auf dieser CD stellt die Flötistin Mary Oleskiewicz gemeinsam mit dem Ensemble Concerto Armonico unter der Leitung von Miklós Spányi vier seiner Flötenkonzerte in Welterst- einspielung vor. Sie sind über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten entstanden, und präsentieren sich sowohl musikalisch als auch technisch enorm anspruchsvoll und abwechslungsreich. 
Immer wieder verblüfft Quantz mit neuen Ideen; seine Musik ist wunder- schön, und man freut sich über jedes neue Konzert, das aus dem Archiv- schlaf erweckt wird und wieder im Konzertsaal erklingt. Die vorliegenden Aufnahmen sind nach eingehender Recherche der Aufführungspraxis in Sanssouci entstanden. So erklingen im Continuo obligatorisch sowohl ein Tasteninstrument als auch das Fagott – auch wenn es auf dem bekannten Gemälde nicht zu sehen ist. Oleskiewics spielt Instrumente, die dem Vorbild jener folgen, die Quantz seinerzeit für König Friedrich gebaut hat. Jean-Francois Beaudin hat sie nach einem Exemplar, das sich heute in der Library of Congress in Washington D.C. befindet, angefertigt. Man lauscht ihr gern, denn sie spielt mit einem phantastischen Ton, der wärmer und runder erscheint als der moderner Querflöten. 
Zwei dieser Konzerte sind ganz besondere Raritäten: Das dritte Konzert auf dieser CD fand sich im Archiv der Berliner Sing-Akademie in einer Ab- schrift, die zusätzlich ausgeschriebene Kadenzen enthielt. Zwei davon, eine für den ersten und eine für den zweiten Satz, stellt Oleskiewicz vor. Das vierte Konzert hat Quantz nicht selbst vollendet. „Indeed, it is not only Quantz’s but King Frederick’s last composition, for Quantz left it unfini- shed at his death in 1773“, schreibt die Flötistin, die es sich nicht nehmen ließ, den Text für das Beiblatt selbst zu verfassen. „The king had long since abandoned composition, but he took up the pen again to compose the last movement of the work.“

Samstag, 22. September 2012

Des Königs Flötenmeister (Accent)

Friedrich, soeben zum König
von Preußen gekrönt, gab sich große Mühe, seinen langjährigen Flötenlehrer Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) an den preußischen Hof zu binden. Er ernannte den Musiker zum Hofcompositeur und bezahlte ihm jedes einzelne Werk zusätzlich zu seinem normalen Salär. Auch war Quantz vom Orchesterdienst befreit, und direkt dem König unterstellt. So gelang es Friedrich, den Flötisten aus Dresden abzuwerben, wo Quantz zuvor Mitglied der sächsischen Hofkapelle war.

Der Musiker gab seinem Dienstherrn nicht nur Unterricht im Flöten- spiel und in Komposition, er organisierte und leitete zudem die berühmten abendlichen Privatkonzerte Friedrichs, schrieb für ihn Sonaten, Konzerte und viele andere Werke, und fertigte zudem gelegentlich selbst Instrumente an. Diese "Quantz-Flöten" freilich waren schon zu Lebzeiten des Musikers umstritten. Denn die deut- schen Flötenbauer bevorzugten einen sanften, weichen Klang. Quantz erklärtes Ziel war es hingegen, einen "hellen, schneidenden, dicken, runden, männlichen, doch dabey angenehmen Ton" zu erzielen. Am Hofe Friedrichs folgte man nicht nur dem französischen Klang-Ideal, sondern auch dem Stimmton, der in Paris üblich war - und nahezu einen Ganzton tiefer war als der heute üblichen Kammerton. 
Auf dieser CD erhält man einen guten Eindruck davon, wie Quantz' Flötenkonzerte seinerzeit geklungen haben. Frank Theuns, Professor für barocke Traversflöte am Koninklijk Muziekconservatorium in Brüssel, hat für Accent mit seinem Ensemble Les Buffardins vier Werke des Flötenmeisters eingespielt. 
Für diese Aufnahme verwendete er eine Traversflöte, die Flötenbauer Andreas Glatt 2009 nach einer originalen Quantz-Flöte angefertigt hat. Und für die Interpretation orientiert er sich zeitgenössischen Quellen - wobei hier natürlich an erster Stelle Quantz' berühmter Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen zu nennen ist, 1752 in Berlin erschienen. Theuns hat zudem ganz überwiegend nicht die populären Konzerte ausgewählt. Musiziert wird lustvoll und versiert. Diese CD bereitet rundum Vergnügen, und sei hier deshalb mit Nachdruck empfohlen. 

Dienstag, 8. Mai 2012

Solo for the King (Supraphon)

Das bislang schönste Album zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen ist nun bei Supraphon erschienen. Die tschechische Flötistin Jana Semerádová hat gemeinsam mit Lenka Torgersen, Barockvioline, Hana Fleková, Barockcello und Bertrand Cuiller am Cembalo ein Programm ein- gespielt, das durch seine Origina- lität ebenso begeistert wie durch musikalische Qualität. 
Semerádová ist eine ausgewiesene Spezialistin für "Alte" Musik. So leitet sie das Ensemble Collegium Marianum, und unterrichtet an der Karlsuniversität Prag Studierende im Fach Barocke Traversflöte. Auf dieser CD belegt sie, dass der Ton dieser Flöte, die üblicherweise aus Holz besteht und eher nicht über Klappen und Mechanik verfügt, durchaus sauber und wandlungsfähig sein kann. Sie zeigt zudem, dass man auch eine Barockflöte hochvirtuos spielen kann. 
Ihre Interpretation von Bachs h-Moll-Sonate BWV 1030 oder zwei Stücken aus dem Musikalischen Opfer kann sich neben den Aufnah- men der Kollegen, die moderne Böhm-Flöten spielen, ohne Probleme hören lassen. Und die anderen Werke, die sie auf dieser CD vorstellt, sind ohnehin Raritäten. So hat sie aus dem reichen Schaffen von Friedrichs Flötenlehrer Johann Joachim Quantz drei Tanzsätze für Flöte solo ausgewählt. Friedrichs Cembalist Carl Philipp Emanuel Bach ist mit einem Duetto in e-Moll für Flöte und Violine vertreten. Von Johann Philipp Kirnberger hat Semerádová eine Sonata a tre in g-Moll ausgewählt, und von Frantisek Benda die Sonate in e-Moll für Flöte und Basso continuo
Wer ihrem Spiel lauscht, der kann sich durchaus in ein Konzert am Hofe Friedrichs II. versetzt fühlen - dominiert durch die Flöte, das Instrument, das der König bevorzugte, der sich jedoch auch sonst mit herausragenden Virtuosen umgab. Seine Hofkapelle war eines der führenden Orchester jener Jahre. Auch davon vermittelt Semerádová mit ihrer geschickten Werkauswahl eine Ahnung. 

Dienstag, 6. März 2012

Friedrich II "Der Grosse" und seine Hofkomponisten (Crystal Classics)

Friedrich II. (1712 bis 1786) engagierte für sein Orchester einige der besten Musiker seiner Zeit. Am Hof des Preußenkönigs wirkten unter anderem Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz, die Brüder Graun und Franz Benda. Wer wissen will, welche Musik Friedrich schätzte, dem bietet diese Doppel-CD einen ersten Höreindruck. 
Die Aufnahmen stammen aus dem Archiv von Capriccio; sie sind zumeist von hoher Qualität. Zu hören sind unter anderem Flötisten wie Eckart Haupt, Manfred Friedrich und Christoph Huntgeburth, Christine Schornsheim, Cembalo, sowie die Berliner Barock-Compagney, die Dresdner Barocksolisten und das Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach" unter Hartmut Haen- chen. 

Montag, 27. Februar 2012

Quantz: Flötenkonzerte (Berlin Classics)

Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) spielte ursprünglich als Oboist und Geiger in der Polni- schen Kapelle am Dresdner Hof. Doch schon bald erkannte er, dass die Traversflöte ein Instrument mit Zukunft ist. Er nahm bei Pierre Gabriel Buffardin, dem ersten Flötisten der Hofkapelle, Unter- richt, und begann zudem, für die Querflöte zu komponieren. 
Denn für dieses innovative Instru- ment, das gerade erst an die Stelle der Blockflöte trat, gab es zu jener Zeit kaum Literatur. So schuf allein Quantz etwa 300 Flötenkonzerte, dem italienischen Vorbild folgend, aber auch durch Elemente aus der französischen und der deutschen Musiktradition bereichert. 
Auch der preußische Kronprinz zeigte sich bei einem Besuch in Dresden schwer beeindruckt. Dabei blieb es nicht: 1741 ging Quantz als Flötenlehrer und Hofkomponist an den Hof Friedrichs II., den er bereits seit 1728 im Flötenspiel unterwiesen hatte. Er war möglicher- weise der einzige Mensch in Preußen, der den König kritisieren durfte. 
Quantz' Konzerte vereinen herrliche melodische Linien mit virtuoser Brillanz. Friedrich soll sie fast 30 Jahre lang bei seinen täglichen Soireen gespielt haben. Johannes Walter hat für diese CD vier Flöten- konzerte - Nummer 109, 132, 161 und 187 - ausgewählt. Zwei davon sind sehr bekannt, zwei Raritäten. Und obwohl die Aufnahmen aus den Jahren 1985 und 1986 stammen, ist bis heute nichts Vergleich- bares zu bekommen. Johannes Walter musiziert mit den Dresdner Kammersolisten wirklich wundervoll; wer die Konzerte hören möchte, der sollte daher diese CD wählen. 

Samstag, 26. November 2011

FlötenKönig - Emmanuel Pahud (EMI Classics)

Der Flötenkönig - das ist mitnich- ten Emmanuel Pahud, der Solo- flötist der Berliner Philharmoniker, trotz der albernen Kostümierung, in der er auf dem Cover dieser CD zu sehen ist. Im Januar 2012 jährt sich zum 300. Male der Geburtstag Friedrichs II. von Preußen, auch Friedrich der Große genannt. Und so wird dies vermutlich nicht die letzte CD sein, die in den kommen- den Monaten dem Monarchen gewidmet werden wird, der mit derselben Leidenschaft Flöte spielte, mit der er auch seine Soldaten exerzierte. 
"Es ist eines, Geschichte aus einem Geschichtsbuch zu lernen, Daten, Fakten und Zitate zu einem Gesamtbild zu addieren. Für mich als Musiker ist ein weiterer Schlüssel, um diese historische Epoche zu verstehen, die Musik selbst", meint Emmanuel Pahud in seinem Essay "Der neue Geist zu Hofe", beigefügt im Beiheft dieser Doppel-CD - Copyright by Axel Brüggemann, da wundert sich der Leser allerdings: Von wem stammt denn dieser Text - vom Musiker, oder von einem Musikjournalisten? Noch staunend, liest man weiter: "Schließlich funktioniert sie ähnlich wie die Sprache. Sie wandelt sich mit ihrer Zeit: neue  Vokabeln werden erfunden und die Grammatik erweitert, um ein verändertes Lebensgefühl auszudrücken."
Um diesen Übergang deutlich werden zu lassen, hat der Flötist - oder war es die Mannschaft von EMI Classics, man ist sich da schon nicht mehr ganz sicher - Werke ganz unterschiedlicher Komponisten ne- beneinander gestellt. "Johann Sebastian Bach war ein Perfektionist der Form: er hat mit komplexen Systemen und Harmonien gearbei- tet, ja gar mit mathematischen Codes und sie durch seine Genialität belebt", meint Pahud. "Die nächste Generation hat diese alten Formen durchaus aufrecht erhalten, es wurden weiterhin Solostücke oder Sonaten geschrieben. Aber die Freiheit innerhalb der alten Formen wurde durch Carl Philipp Emanuel Bach, durch Quantz und auch durch Friedrich selbst erweitert. Man erkennt das daran, dass die Taktzahlen nicht mehr genau stimmen, dass alles interaktiver wirkt - und dass die Musiker suchen, was man im Jazz die ,Blue Note' nennt. Eine Stimmung, einen individuellen Ausdruck." 
Der Schritt vom Barock in die Ära der Aufklärung spiegele sich in der Alltagskultur in Preußen und in seiner Musik wieder, so der Flötist: "Wer genau hinhört, versteht, wie sehr die Musiker von den moder- nen Ideen geprägt waren - und wie sie daran gearbeitet haben, sie in Musik zu übersetzen. Jeder auf seine Art." Und in seiner Position, denn da erkennt Pahud enorme Unterschiede. "Ebenso wie die Stücke Carl Philipp Emanuel Bachs, der zwar auch mit den Konventionen seines Vaters gebrochen hat, bleiben Quantz' Kompositionen Werke eines Untergebenen." Die Werke Friedrichs hingegen seien "am schwierigsten zu spielen", sagt der Flötist: "Das liegt daran, dass sie den Duktus des Herrschers tragen. Er bestimmt die Regeln, er ent- scheidet, was richtig und falsch ist." Nun ja. 
Für diese CD hat Pahud exzellente Mitstreiter, allen voran Trevor Pinnock am Cembalo, der sich seit vielen Jahren der Alten Musik verschrieben hat, und hier die Kammerakademie Potsdam ebenso versiert führt, wie man das von seinen Aufnahmen mit dem von ihm gegründeten Ensembe The English Concert gewohnt ist. Die jungen Musiker spielen frisch und engagiert. Bei den Sonaten, allen voran die Triosonate aus Bachs Musikalischem Opfer BWV 1079, wirken dann allerdings Matthew Truscott, Violine, und Jonathan Manson, Violon- cello, mit. 
Beide sind ausgewiesene Experten für Barockmusik; desto mehr verwundert es allerdings, dass sie hier nicht "richtige" Barockmusik spielen, sondern eine Aufführungspraxis pflegen, die man bestenfalls als historisch informiert bezeichnen könnte. Emmanuel Pahud spielt für die Musik, mit der er sich hier beschäftigt, schlicht das falsche Instrument. Wer das berühmte Gemälde genau betrachtet, das Friedrich beim Musizieren in Sanssouci zeigt, dem wird auffallen, dass der König mitnichten eine Böhm-Flöte mit Klappenmechanismus in Händen hält. Die gab es damals nämlich noch gar nicht. Und durch den Gebrauch einer Traversflöte ergeben sich nicht nur ganz andere technische Herausforderungen für den Solisten, es ergibt sich auch grundsätzlich ein gänzlich anderer Klang. 
Insofern hinterlässt diese CD nicht den allerbesten Eindruck - bei aller technischen Brillanz. Natürlich ist Pahud ein sehr guter Solist, aber die Quantz-Konzerte sowie etliche Werke der beiden Bachs hat auf der Querflöte auch beispielsweise der Dresdner Flötist Eckart Haupt ein- gespielt. Wenn ich ganz ehrlich sein soll - diese Aufnahmen gefallen mir besser, auch wenn sie mittlerweile schon einige Jährchen auf dem Buckel haben. Ich finde sie stimmiger, musikantischer - und darum wird auch nicht so ein Rummel betrieben. 
"Während der Aufnahme dieser CD passierte etwas, das mich faszinierte: Ich musste für jedes Werk in eine andere Rolle schlüpfen. Jeder Komponist, der Freidenker Friedrich, sein Lehrer Quantz, der revolutionäre Carl Philipp Emanuel Bach und Anna Amalia von Preußen haben aus unterschiedlichen Positionen komponiert", berichtet Pahud. "Bei allen unterschieden sich der Tonfall und der Sprachduktus der Musik. Für uns als Interpreten ist das eine große Herausforderung. So sind die einzelnen Stücke dieser CD zu kleinen Opern geworden, die von unterschiedlichen Menschen erzählen. Irgendwann formte sich aus all den Mosaiken für mich ein Bild über das Treiben, das Denken und den Geist am Hofe Preußens." Spätestens dort kann ihm der Zuhörer garantiert nicht mehr folgen; und vielleicht hätte EMI Classics auch generell das Beiheft etwas stärker auf die Musik und etwas weniger auf die Person Friedrichs ausrichten sollen. Informationen statt Klischee und Preußenkönig, gern auch ein paar Zeilen über die Musiker. So übertönt das Marke- ting-Getrommel die Flötentöne. Schade. 

Sonntag, 3. Oktober 2010

Fiery and sublime - The Sources of Quantz's Inspiration (MDG)

"Denn eine Musik, welche nicht in einem einzelnen Lande, oder in einer einzelnen Provinz, oder nur von dieser oder jener Nation allein, sondern von vielen Völkern angenommen und für gut erkannt wird (...) muss, wenn sie sich anders auf die Vernunft und eine gesunde Empfindung gründet, außer allem Streite die beste seyn", schrieb Johann Joachim Quantz  (1697 bis 1773) 1752 in seinem Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen
Quantz, Sohn eines Hufschmieds und früh verwaist, wuchs bei einem Onkel auf, der Stadtmusikus in Merseburg war. Er wurde zum Stadt- pfeifer ausgebildet, und erlernte dabei, wie üblich, eine Vielzahl von Instrumenten - von der Violine über die Trompete und ihre Verwand- ten bis hin zu  Blockflöte, Fagott und Kontrabass. Nach einer ersten Anstellung 1716 in der Stadtkapelle Dresden begann Quantz seine Karriere als Oboist am Hofe Augusts II. 
Doch schon bald wechselte er das Instrument: Quantz nahm Quer- flötenunterricht bei dem französischen Virtuosen Pierre-Gabriel Buffardin, und er begann zu komponieren. Reisen erweiterten seinen Horizont. Dabei ging er zunächst nach Italien, wo er bei Francesco Gasparini, dem Konzertmeister des Lateran in Rom, Kontrapunkt studierte, und auch sonst eine Menge Anregungen erfuhr. So begeg- nete er Alessandro Scarlatti, lernte den Kastraten Farinelli kennen und hörte in Venedig Vivaldi. Seine Bildungsreise führte Quantz weiter nach Frankreich, in die Niederlande und nach London; Georg Friedrich Händel riet dem jungen Musiker, in England zu bleiben. 
Doch dieser kehrte nach Sachsen zurück.  1728, nunmehr als Flötist am Dresdner Hof, lernte er Kronprinz Friedrich von Preußen kennen, der bei ihm Flötenunterricht nahm. Nachdem Friedrich König ge- worden war, wurde Quantz 1741 sein Kammermusikus und Hof- komponist. Und das blieb er, bis zu seinem Tode. 
Unter dem Motto "Regelmäßig, feurig und erhaben" - so beschrieb der Nachruf das Flötenspiel des Virtuosen - präsentiert das Ensemble La Ricordanza zwei Werke des Wahlberliners, nebst vier sehr passen- den Stücken von Zeitgenossen. Dass dies die Quellen Quantz'scher Kreativität gewesen sein sollen, das darf getrost bezweifelt werden.  Dennoch ist die Zusammenstellung erlesen; insbesondere die Welt- ersteinspielung von Quantz' Concerto à 5 in D-Dur QV 5:45 ist eine Überraschung. Es folgt die Sonate en Trio op. 2 Nr. 8 für Blockflöte, Viola und Basso continuo von Jean-Marie Leclair. 
Carl Philipp Emanuel Bach war zunächst Cembalist, dann Kammer- musikus am Hofe Friedrichs des Großen.1768 wurde er Telemanns Nachfolger als städtischer Musikdirektor und Kantor in Hamburg. Wie sehr ihn Quantz beeinflusst hat, das sieht man auch daran, dass er 1753 ein Buch mit dem Titel Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen publiziert hat. Aus dem Schaffen des "Berliner"/"Hambur- ger" Bachs wurde für diese CD die Triosonate Wq. 146 in A-Dur für Flöte, Violine und Basso continuo ausgewählt - ein galantes Stück mit Seufzerfiguren im langsamen Mittelsatz. 
Johann Gottlieb Graun gehörte schon in Ruppin zu den Musikern um Kronprinz Friedrich. Eine Oper seines Bruders Carl Heinrich erklang anlässlich der Verheiratung Friedrichs mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Nach seiner Krönung wurden die Brüder Konzertmeister bzw. Kapellmeister der Berliner Oper. Unterhaltsam ist Grauns Konzert in F-Dur für Blockflöte, zwei Violinen und Basso continuo zu nennen, das ebenfalls für die vorliegende CD eingespielt wurde. 
Es folgt eine Triosonate für Blockflöte und Traversflöte in C-Dur QV 2:Anh. 3 - eines von wenigen Werken, das beide Flötenarten zugleich erklingen lässt, und dabei jeweils ihre Stärken herausstellt. Die Blockflöte dominiert mit ihrem klaren, aber ziemlich eintönigen Klang die schnellen Sätze. Die Traversflöte hingegen mit ihren überlegenen klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten kommt besonders in den lang- samen  Sätzen  zur Geltung. Musikwissenschaftler streiten darüber, ob dieses charmante Werk tatsächlich von Quantz stammt, der für Block- flöte kaum etwas geschrieben hat - oder ob nicht doch Telemann der Komponist war.
Von Michel Blavet hingegen ist nur ein einziges Flötenkonzert über- liefert - das Concerto à 4 in a-Moll für Traversflöte, zwei Violinen und Basso continuo. Quantz erlebte den Flötisten auf seiner Grand Tour in Paris, und lobte ihn als einen der führenden Virtuosen seiner Zeit. Witzigerweise enthält das Stück lediglich in seinem zweiten Satz, einer Gavotte, eine Reverenz an den französischen Stil, folgt aber anson- sten den italienischen Vorbildern - und überrascht mit atemberau- benden Kadenzen. 
Brian Berryman, Traversflöte, stand für diese Aufnahmen eine exzellente Quantz-Flöte zur Verfügung. So darf man sich über ein ausgewogenes, ziemlich originalgetreues Klangbild freuen, denn auch die anderen Mitglieder von La Ricordanza sind ausgewiesene Barock- experten - allen voran Annette Berryman, Blockflöte, aber auch Christoph Heidemann und Katharina Huche-Kohn, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Dorothée Palm, Violoncello, Barbara Hofmann, Gambe und Zvi Meniker, Cembalo.



Samstag, 25. September 2010

Wilhelmine von Bayreuth (Thorofon)

Wilhelmine, Tochter des "Soldaten- königs" Friedrich Wilhelm I. von Preußen, wurde 1731 mit Friedrich von Brandenburg-Bayreuth ver- heiratet. Der kunstliebende Mark- graf, der selbst passioniert die Flöte spielte, ging, nachdem er 1735 die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, daran, den Provinzhof in einen Musensitz zu verwandeln. So kam Bayreuth zum Neuen Schloss, zu einem Opern- haus und sogar zu einer Universi- tät, die aber noch im Jahr ihrer Gründung aufgrund von ebenso massiven wie handfesten Auseinan- dersetzungen zwischen Bürgern und Studierenden nach Erlangen umziehen musste.
Wilhelmine kümmerte sich um Oper und Hofkapelle; die Lieblings- schwester Friedrichs des Großen musizierte und komponierte auch selbst. Von ihren Werken hat sich aber kaum etwas erhalten. Diese CD enthält eine bildhübsche Sonate im galanten Stil, die sie möglicher- weise für ihren Bruder geschrieben hat. Es erklingen zudem Triosona- ten von Musikern aus dem Umfeld des Bayreuther Hofes. So weilten die Brüder Carl Heinrich und Johann Gottlied Graun ebenso mehrfach im Fränkischen, wie Johann Joachim Quantz, bei dem der Markgrafen Flötenstunden nahm, oder der Dresdner Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse. 
Johann Pfeiffer, Jakob Friedrich Kleinknecht und Christian Friedrich Döbbert waren Musiker der Hofkapelle; Anna Bon di Venezia kam mit ihren Eltern nach Bayreuth, und wurde von Wilhelmine zur Virtuosa di musica da camera ernannt. Auf dieser CD ist ein Divertimento in A-Dur für zwei Flöten und Basso Continuo aus ihrer Feder zu finden. Bei den meisten dieser Werke handelt es sich um Ersteinspielungen.
Die einzelnen Sonaten unterscheiden sich in ihrer musikalischen Qualität nicht übermäßig. Das mag erstaunen; doch scheint die Mark- gräfin einen ziemlich entschiedenen Musikgeschmack gehabt zu haben. So prägt der sogenannte "galante" Stil sämtliche Werke - was hier keinesfalls eine negative Wertung ist. Denn die Sonaten sind charmante Stücke, voll reizvoller melodischer Wendungen und von der Anmut eines Rokoko-Schlösschens.
Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter - das Münchner Flötenduo - sowie Eva Schieferstein, Cembalo, und Philipp von Morgen, Violon- cello, spielen diese kleinen Perlen des Repertoires tänzerisch leicht, mit Grazie und mit einem Schmunzeln. Wunderschön!

Donnerstag, 16. Juli 2009

Musik am Dresdner Hof (Berlin Classics)

Konzerte für große Gruppen von Soloinstrumenten waren um 1700 offenbar sehr beliebt - ganz besonders am Dresdner Hof, wo es wohl schon damals zahlreiche exzellente Musiker gab. Den Virtuosi Saxoniae um Ludwig Güttler bereiten die anspruchsvollen Stücke, die seinerzeit am kurfürstlichen Hof erklangen, noch heute hörbar Vergnügen. In diversen Archiven fand sich glücklicherweise noch etliches Notenmaterial aus jener Zeit. Die Virtuosi Saxoniae, versierte Spezialisten für die Musik des 18. Jahrhunderts - im Hauptberuf Musiker der Staatskapelle Dresden - spielen auf modernen Instrumenten, setzen aber ansonsten weitgehend auf die historische Spielweise. So klingen die Concerti von Vivaldi, Pisendel, Hasse, Quantz, Telemann, Graun, Heinichen, Fasch und Zelenka erstaunlich frisch und kein bisschen museal.