Anton Franz Joseph Eberl (1765 bis 1807) war der Sohn eines Wiener Beamten. Und obwohl seinen Eltern durchaus aufgefallen war, dass er bereits im Kindesalter mehr als nur passabel Klavier spielte, sollte er Jura studieren. Damit war freilich Schluss, als sein Vater in wirtschaftliche Bedrängnis geriet; nun konnte der Sohn sich der Musik zuwenden.
Zunächst verlegte sich Anton Eberl auf Opern, doch Erfolge konnte er damit wohl nicht feiern. So sind von diesen Werken heute nur noch die Titel überliefert. Bekannt aber wurde der Musiker als Komponist von Instrumentalmusik. Diese CD beginnt mit dem Trio op. 8 Nr. 2 aus dem Jahre 1798. Alida Schat, Violine, sowie Thomas Pitt, Violon- cello und Anneke Veenhoff, Fortepiano, machen deutlich, warum Eberls Werke zunächst häufig für Kompositionen seines neun Jahre älteren Kollegen Wolfgang Amadeus Mozart gehalten wurden. Denn dieses Trio ist von bezaubernder Leichtigkeit und Eleganz, und wartet mit schönen Melodien und gewissen harmonischen Wendungen auf, die durchaus von dem berühmten Kollegen stammen könnten.
1796 ging Eberl nach St. Petersburg. Dort wirkte er am Zarenhof, un- ter anderem als Musiklehrer der Zarenkinder. Er verkehrte aber auch als Virtuose in den Salons der russischen Aristokratie, und dirigierte - 1801 beispielsweise Haydns Schöpfung. Am Zarenhof aber wurden nicht Flügel aus Wien gespielt, sondern Klaviere aus England. Sie hatten einen größeren Tonumfang, eine andere Mechanik und einen etwas handfesteren Klang; Eberl stellte sich darauf ein, und entwickel- te seine musikalische Sprache dementsprechend weiter.
1802 kehrte der Musiker nach Wien zurück. Dort war er mit seinen Ideen und Erfahrungen hochwillkommen. Eberl bewegte sich durch- aus innerhalb der Konventionen der Klassik - was seinerzeit Kritiker veranlasste, ihn Beethoven als Vorbild zu empfehlen. Dennoch findet man bei ihm gelegentlich Formen und Klänge, die man eher von einem Franz Liszt erwarten würde. Das zeigt sich beispielsweise bei dem Potpourri en Trio op. 44 aus dem Jahre 1803, das dem Solisten am Klavier alle Möglichkeiten einräumt, zu brillieren. Und das Grand Sextetto in Es-Dur op. 47 aus dem Jahre 1800 schrieb Eberl für Klavier, das durch Violine, Viola, Violoncello, Klarinette und Horn begleitet wird. Warum er diese kuriose Besetzung wählte, wissen wir nicht - aber das Werk beeindruckt durch spannende Wendungen, Kontraste und interessante Kombinationen von Klangfarben. Musiziert wird auf historischen Instrumenten, so dass der ursprüng- liche Klang nachvollziehbar wird.
Nicole van Bruggen, Klarinette, Thomas Pitt und Anneke Veenhoff - das Trio Van Hengel - spielen gemeinsam mit Alida Schat, Vappu Helasvuo, Viola, und Bart Aerbeydt, Horn. Da nicht bekannt ist, auf welchem Instrument Eberl einst gespielt hat, hat das Trio Van Hengel ein frisch restauriertes Wiener Pianoforte von Mathias Müller aus dem Jahre 1810 eingesetzt. Es verfügt bereits über sechs Oktaven Tonumfang, und über einen sehr wandlungsfähigen Klang. So kann es leicht und elegant klingen, aber auch kraftvoll und durchsetzungs- fähig, ja sogar ein bisschen sanglich und geheimnisvoll - und es erlaubt dem Pianisten das brillante Spiel, das insbesondere das Pot- pourri fordert.
So wird diese CD zu einer musikhistorischen Entdeckungsreise - und von Eberl möchte man noch wesentlich mehr hören. Wie kann es sein, dass ein derart origineller Musiker im Schatten Mozarts, Haydns und Beethovens schier verschwindet?
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Montag, 16. Januar 2012
Freitag, 4. März 2011
Klarinettentrios von Eberl, Ries, Kreutzer (Musicaphon)
Wer kennt die Beethoven-Zeitge- nossen Anton Franz Josef Eberl (1765 bis 1807), Ferdinand Ries (1784 bis 1838) und Conradin Kreutzer (1780 bis 1838)? Im Schatten des "Titanen", wie Beet- hoven bald geradezu kultisch verehrt wurde, gerieten ihre Namen nur zu bald in Vergessen- heit. Dabei waren sie zu Lebzeiten durchaus prominent, und ihre Werke waren mitunter populärer als jene ihres schließlich zum Giganten verklärten Zeitgenossen.
Der Cellist Matthias Moosdorf möchte sich mit diesem Zustand nicht abfinden. Es ist sein erklärtes Ziel, das Publikum wieder für aus dem Repertoire verschwundene Meisterwerke zu begeistern. Auf dieser CD stellt der umtriebige Leipziger Musiker nun gemeinsam mit Karl Leistner, Klarinette, und Olga Gollej am Piano drei exzellente Werke dieser Komponisten vor: Das Grand Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 36 von Anton Eberl und das Trio für Klarinette, Fagott/Violoncello und Klavier op. 43 von Conradin Kreutzer, zwei Werke in ausgesprochen klassischem Stil, wirken wie ein Rahmen für das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 28 von Ferdinand Ries mit seiner schon beinahe romantischen Gestaltung.
In allen drei Werken agieren alle drei Instrumente gleichberechtigt. So haben auch das Cello und das Klavier keineswegs nur eine Begleit- funktion, sondern vielmehr äußerst eigenständige, anspruchsvolle, teilweise beinahe konzertant wirkende Partien. Die drei Solisten, die seit 2007 als "Trio Ecco (!)" gemeinsam musizieren, haben hörbar Vergnügen an dieser nicht ganz einfachen Aufgabe - und überzeugen mit ihrer lebendigen, engagierten Interpretation. Bravi!
Der Cellist Matthias Moosdorf möchte sich mit diesem Zustand nicht abfinden. Es ist sein erklärtes Ziel, das Publikum wieder für aus dem Repertoire verschwundene Meisterwerke zu begeistern. Auf dieser CD stellt der umtriebige Leipziger Musiker nun gemeinsam mit Karl Leistner, Klarinette, und Olga Gollej am Piano drei exzellente Werke dieser Komponisten vor: Das Grand Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 36 von Anton Eberl und das Trio für Klarinette, Fagott/Violoncello und Klavier op. 43 von Conradin Kreutzer, zwei Werke in ausgesprochen klassischem Stil, wirken wie ein Rahmen für das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 28 von Ferdinand Ries mit seiner schon beinahe romantischen Gestaltung.
In allen drei Werken agieren alle drei Instrumente gleichberechtigt. So haben auch das Cello und das Klavier keineswegs nur eine Begleit- funktion, sondern vielmehr äußerst eigenständige, anspruchsvolle, teilweise beinahe konzertant wirkende Partien. Die drei Solisten, die seit 2007 als "Trio Ecco (!)" gemeinsam musizieren, haben hörbar Vergnügen an dieser nicht ganz einfachen Aufgabe - und überzeugen mit ihrer lebendigen, engagierten Interpretation. Bravi!
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