Louis Spohr (1784 bis 1859) war als Violinvirtuose einst ein europäischer Superstar; er war ebenso populär wie Paganini. Doch anders als sein italienischer Kollege war Spohr stets darauf bedacht, seine Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben. Und so unterrichtete er auch enorm viele Schüler – es sollen mehr als 200 gewesen sein. Außerdem war Spohr auch als Komponist eine Instanz.
Seine vier Klarinettenkonzerte konnten sich bis heute im Repertoire halten. Geschrieben hat Spohr sie seinerzeit für Johann Simon Hermstedt. Dieser musizierte im thüringischen Sondershausen als Mitglied der Hofkapelle, und er muss ein exzellenter Klarinettist gewesen sein. Denn Spohrs Konzerte gelten bis heute als Herausforderung; wichtig waren ihm „schöner Ton“, „reine Intonation“ und „immense Fertigkeit“. Und gleich im ersten Konzert überschritt Spohr den damals verfügbaren Tonumfang der Klarinette – was Hermstedt dazu veranlasste, sich ein neues Instrument bauen zu lassen, mit dem das Konzert dann spielbar war.
Diese Doppel-CD präsentiert Spohrs Klarinettenkonzerte komplett, in einer sehr gelungenen Studio-Einspielung aus dem Jahre mit dem Solisten Karl Leister und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart unter Leitung von Rafael Frühbeck de Burgos.
Persönliche Beziehungen haben Musiker immer wieder zu span- nenden Werken inspiriert. Ver- danken wir die Kegelstatt-Trios der Freundschaft zwischen Wolf- gang Amadeus Mozart und dem Klarinettisten Anton Stadler, so wird vermutet, dass Ludwig van Beethoven seine Klarinettentrios für Joseph Beer schuf, Klarinettist der Fürstlich Liechtensteinischen Hofkapelle.
Das Trio B-Dur op. 11 hat der Kom- ponist für Klarinette, Violoncello und Klavier geschrieben. Später hat er das Werk bearbeitet, so dass es auch von einem herkömmlichen Klaviertrio aufgeführt werden konnte. Seinen Verleger wird dies gewiss erfreut haben. Das Werk ist auch als Gassenhauer-Trio bekannt, weil bereits Zeitgenossen im letzten Satz eine Melodie aus der damals sehr populären Oper Der Corsar oder Die Liebe unter den Seeleuten von Joseph Weigl erkannt haben. Beethoven soll darüber übrigens sehr erstaunt gewesen sein - aber denselben Ohrwurm haben auch andere Komponisten damals verarbeitet, wie beispielsweise Paganini.
Das Trio Es-Dur op. 38 hingegen ist eine Bearbeitung, und zwar des gemischten Septetts op. 20. Die Klarinette behält darin sehr weit- gehend ihre Stimme; das Cello übernimmt mitunter Melodien von Fagott und Horn, und was dann übrig blieb, das hat Beethoven dem Klavier überantwortet. Dennoch ist das Ergebnis zauberhaft; die Variationen klingen, als wären sie eigens für Trio erdacht. Und das Trio Ecco spielt diesen Beethoven so elegant, dass es eine Freude ist. Wie Karl Leister, langjähriger Soloklarinettist der Berliner Philhar- moniker, der renommierte Cellist Matthias Moosdorf und die Pianistin Olga Gollej hier gemeinsam musizieren, das ist große Kunst, auch wenn es eigentlich um eher kleine Werke geht. Wundervoll!
Wer kennt die Beethoven-Zeitge- nossen Anton Franz Josef Eberl (1765 bis 1807), Ferdinand Ries (1784 bis 1838) und Conradin Kreutzer (1780 bis 1838)? Im Schatten des "Titanen", wie Beet- hoven bald geradezu kultisch verehrt wurde, gerieten ihre Namen nur zu bald in Vergessen- heit. Dabei waren sie zu Lebzeiten durchaus prominent, und ihre Werke waren mitunter populärer als jene ihres schließlich zum Giganten verklärten Zeitgenossen.
Der Cellist Matthias Moosdorf möchte sich mit diesem Zustand nicht abfinden. Es ist sein erklärtes Ziel, das Publikum wieder für aus dem Repertoire verschwundene Meisterwerke zu begeistern. Auf dieser CD stellt der umtriebige Leipziger Musiker nun gemeinsam mit Karl Leistner, Klarinette, und Olga Gollej am Piano drei exzellente Werke dieser Komponisten vor: Das Grand Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 36 von Anton Eberl und das Trio für Klarinette, Fagott/Violoncello und Klavier op. 43 von Conradin Kreutzer, zwei Werke in ausgesprochen klassischem Stil, wirken wie ein Rahmen für das Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier op. 28 von Ferdinand Ries mit seiner schon beinahe romantischen Gestaltung.
In allen drei Werken agieren alle drei Instrumente gleichberechtigt. So haben auch das Cello und das Klavier keineswegs nur eine Begleit- funktion, sondern vielmehr äußerst eigenständige, anspruchsvolle, teilweise beinahe konzertant wirkende Partien. Die drei Solisten, die seit 2007 als "Trio Ecco (!)" gemeinsam musizieren, haben hörbar Vergnügen an dieser nicht ganz einfachen Aufgabe - und überzeugen mit ihrer lebendigen, engagierten Interpretation. Bravi!