Konzerte neu zu arrangieren, das hat in der Musikgeschichte eine lange Tradition. Erinnert sei beispielsweise an Orgelversionen italienischer Konzerte, wie sie Johann Gottfried Walther oder Johann Sebastian Bach schufen. Ignaz Lachner (1807 bis 1895) befindet sich also in bester Gesellschaft, wenn er den Orchesterpart von Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzerten für Streichquintett neu arrangiert.
Mit gehöriger Neugier lauscht man also dieser Einspielung. Und mit großer Neugier hat auch der Solist die Bearbeitungen studiert: „Mozart's piano concertos are like miniature operas“, meint Alon Goldstein. „The pianist who is responsible for multiple characters – Don Giovanni or Figaro, Susanna or Donna Anna, the Count, or even Antonio the gardener – is conversing with the strings or the woodwinds, each of whom represents a character in the story. When playing with full orchestra, the pianist's dialogue with the woodwinds is done while sitting at some distance from one another while they are all looking at the conductor. Having such a close arrangement as we had making this recording, makes the storytelling, the conversation between the characters / instruments much more intimate and intense.“
Lachners geniales Arrangement gibt Mozarts Klavierkonzert eine Klarheit und Direktheit, die begeistert – zumal dann, wenn erstklassige Kammermusiker die Partner des Pianisten sind. Das elegante Klavierspiel Alon Goldsteins wird durch das sensibel musizierende Fine Arts Quartet, zum Quintett komplettiert durch den Kontrabassisten Alexander Bickard, bestens ergänzt. Mozarts Musik erklingt hier in einer Klarheit und Transparenz, die begeistert. Großartig!
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Montag, 21. Oktober 2019
Freitag, 27. Mai 2016
Kreisler - Zimbalist; String Quartets; Ysaye: Harmonies du soir (Naxos)
Da wir gerade bei den Altmeistern des Geigenspiels waren – bei Naxos ist vor einiger Zeit eine CD erschienen, die nachdrücklich darauf aufmerksam macht, dass vor noch gar nicht übermäßig langer Zeit viele Musiker auch komponierten. Von Fritz Kreisler (1875 bis 1962) ist bekannt, dass er für seine Konzertprogramme zahlreiche Charakterstücke geschrieben hat. Weniger bekannt ist, dass er auch gewichtige Werke, wie Violinkonzerte, geschaffen hat. Auf dieser CD erklingt sein Streichquartett in a-Moll, gespielt vom Fine Arts Quartet, das sich dabei stark an dem unverkennbaren Kreisler-Sound orientierte.
Zu den von Kreisler sehr geschätzten Kollegen gehörte Efrem Zimbalist (1890 bis 1985). Er studierte in St. Petersburg bei Leopold Auer, und gab 1907 sein erstes Konzert in Berlin. Nach diversen Konzertreisen durch Europa ging er 1911 in die USA, wo er ebenfalls sehr erfolgreich konzer- tierte. 1940 übernahm er die Leitung des Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo er bis 1968 Direktor war und mehr als 70 Geiger unter- richtete, darunter Jascha Brodsky, Daniel Heifetz und Shmuel Ashkena- si. Zimbalist hat ebenfalls etliche Werke geschaffen; sein farbenreiches Streichquartett in e-Moll schrieb er im Jahre 1931. Hier ist es in der überarbeiteten Fassung aus dem Jahre 1959 zu hören.
Eugène Ysaÿe (1858 bis 1931) wurde sowohl von Fritz Kreisler als auch von Efrem Zimbalist verehrt. Er war, wie Efrem Zimbalist, der Sohn eines Dirigenten, und musizierte ebenfalls schon in jungen Jahren im Orchester seines Vaters. Seine Ausbildung erhielt er zuächst am Königlichen Konser- vatorium in Lüttich, und später dann als Student bei Henryk Wieniawski in Brüssel und bei Henry Vieuxtemps in Paris. Er war Virtuose und Kompo- nist; außerdem Geigenlehrer und Ratgeber der belgischen Königin. 1937 rief sie einen internationalen Musikwettbewerb aus; er trägt heute den Namen Concours Musical Reine Elisabeth und genießt weltweit ein hohes Renommée.
Für Königin Elisabeth komponierte Ysaÿe Harmonies du soir op. 31, ursprünglich ebenfalls ein Streichquartett. Es ist kaum zu glauben, aber dieses atmosphärisch dichte Stück erklingt auf dieser CD, ebenso wie jenes von Zimbalist, in Weltersteinspielung. Das Fine Arts Quartet musiziert dabei gemeinsam mit dem Philharmonic Orchestra of Europe unter Otis Klöber; es fügt sich dezent in den Orchesterklang ein.
Zu den von Kreisler sehr geschätzten Kollegen gehörte Efrem Zimbalist (1890 bis 1985). Er studierte in St. Petersburg bei Leopold Auer, und gab 1907 sein erstes Konzert in Berlin. Nach diversen Konzertreisen durch Europa ging er 1911 in die USA, wo er ebenfalls sehr erfolgreich konzer- tierte. 1940 übernahm er die Leitung des Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo er bis 1968 Direktor war und mehr als 70 Geiger unter- richtete, darunter Jascha Brodsky, Daniel Heifetz und Shmuel Ashkena- si. Zimbalist hat ebenfalls etliche Werke geschaffen; sein farbenreiches Streichquartett in e-Moll schrieb er im Jahre 1931. Hier ist es in der überarbeiteten Fassung aus dem Jahre 1959 zu hören.
Eugène Ysaÿe (1858 bis 1931) wurde sowohl von Fritz Kreisler als auch von Efrem Zimbalist verehrt. Er war, wie Efrem Zimbalist, der Sohn eines Dirigenten, und musizierte ebenfalls schon in jungen Jahren im Orchester seines Vaters. Seine Ausbildung erhielt er zuächst am Königlichen Konser- vatorium in Lüttich, und später dann als Student bei Henryk Wieniawski in Brüssel und bei Henry Vieuxtemps in Paris. Er war Virtuose und Kompo- nist; außerdem Geigenlehrer und Ratgeber der belgischen Königin. 1937 rief sie einen internationalen Musikwettbewerb aus; er trägt heute den Namen Concours Musical Reine Elisabeth und genießt weltweit ein hohes Renommée.
Für Königin Elisabeth komponierte Ysaÿe Harmonies du soir op. 31, ursprünglich ebenfalls ein Streichquartett. Es ist kaum zu glauben, aber dieses atmosphärisch dichte Stück erklingt auf dieser CD, ebenso wie jenes von Zimbalist, in Weltersteinspielung. Das Fine Arts Quartet musiziert dabei gemeinsam mit dem Philharmonic Orchestra of Europe unter Otis Klöber; es fügt sich dezent in den Orchesterklang ein.
Sonntag, 18. Oktober 2015
Mozart: Piano Concertos Nos. 20 and 21 (Naxos)
„Because Mozart wrote to his father, that four of his piano concertos could be performed a quattro, pianists occasionally perform them with string quartet alone, leaving out the woodwind parts“, berichtet Ralph Evans in einem Begleittext zu dieser CD. Er musiziert als Geiger im Fine Arts Quartet, und zeigt sich mit dieser Variante nicht recht zufrieden: „Whenever I hear such chamber performances, however, I miss Mozart's beautiful wind lines and wonder if any accomplished composer had ever taken a Mozart piano concerto and transcribed all its orchestral lines for string quartet (or quintet).“
Auf der Suche nach einer besseren Lösung fand das Fine Arts Quartet schließlich Transkriptionen, die Ignaz Lachner (1807 bis 1895) angefertigt hatte. Die Lachner-Brüder gehörten zum Freundeskreis um Franz Schubert; sie waren allesamt als Kapellmeister und Komponisten sehr erfolgreich. Auch in diesem Falle hat Ignaz Lachner hervorragende Arbeit geleistet, wie diese CD beweist. „Together with pianist Alon Goldstein, we performed two of Mozart's greatest works, the D minor Concerto, K. 466, and the C Major Concerto, K.467 (,Elvira Madigan'), in Lachner's chamber versions for piano with string quartet and bass“, so Evans. Den Kontrabass-Part übernahm dabei Rachel Calin. „The results in both cases were splendid“, begeistert sich Evans. „The accompaniments for string quintet sound natural – almost as if Mozart himself had transcribed them.“
Diese Bearbeitungen sind weit mehr als „nur“ ein Notbehelf für Pianisten, denen kein komplettes Orchester zur Verfügung steht, um diese Werke aufzuführen. Denn die kleine Besetzung ermöglicht eine Intensität des gemeinsamen Musizierens, und eine Intimität, wie sie mit Orchester kaum jemals zu erreichen ist. Und das Fine Arts Quintet ist ohnehin deutlich mehr als nur ein Begleitensemble. Das feinsinnige Spiel von Alon Goldstein jedenfalls kommt in dieser Konstellation hervorragend zur Geltung. Bravi!
Auf der Suche nach einer besseren Lösung fand das Fine Arts Quartet schließlich Transkriptionen, die Ignaz Lachner (1807 bis 1895) angefertigt hatte. Die Lachner-Brüder gehörten zum Freundeskreis um Franz Schubert; sie waren allesamt als Kapellmeister und Komponisten sehr erfolgreich. Auch in diesem Falle hat Ignaz Lachner hervorragende Arbeit geleistet, wie diese CD beweist. „Together with pianist Alon Goldstein, we performed two of Mozart's greatest works, the D minor Concerto, K. 466, and the C Major Concerto, K.467 (,Elvira Madigan'), in Lachner's chamber versions for piano with string quartet and bass“, so Evans. Den Kontrabass-Part übernahm dabei Rachel Calin. „The results in both cases were splendid“, begeistert sich Evans. „The accompaniments for string quintet sound natural – almost as if Mozart himself had transcribed them.“
Diese Bearbeitungen sind weit mehr als „nur“ ein Notbehelf für Pianisten, denen kein komplettes Orchester zur Verfügung steht, um diese Werke aufzuführen. Denn die kleine Besetzung ermöglicht eine Intensität des gemeinsamen Musizierens, und eine Intimität, wie sie mit Orchester kaum jemals zu erreichen ist. Und das Fine Arts Quintet ist ohnehin deutlich mehr als nur ein Begleitensemble. Das feinsinnige Spiel von Alon Goldstein jedenfalls kommt in dieser Konstellation hervorragend zur Geltung. Bravi!
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