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Dienstag, 14. Mai 2019

Nice 'N' Easy - Thomas Quasthoff (Okeh)

Sechs Jahre nach seinem Rückzug von der Bühne und acht Jahre nach seiner letzten Solo-Aufnahme veröffentlichte Thomas Quasthoff ein neues Album. Es ist kein Best-of, kein Liederzyklus und auch keine Arien-Kollektion. Der weltweit gefeierte Bass-Bariton liebt den Jazz – und Nice 'n‘ Easy ist seine erste Produktion in diesem Genre. 
„Ich habe immer Jazz gesungen. Es war immer auch Teil meines musikalischen Lebens“, sagt Thomas Quasthoff. Und jetzt hat er Jazz-Klassiker eingespielt, gemeinsam mit seinen langjährigen musikalischen Partnern Frank Chastenier, Piano, Dieter Ilg, Bass und Wolfgang Haffner, Schlagzeug, sowie der NDR Bigband und als Gast Startrompeter Till Brönner. 
Die musikalische Leitung hat Jörg Achim Keller, der auch die zwölf Stücke arrangiert hat – „Klangzauberei“, schwärmt Quasthoff: „Er weiß genau, welche Farben meine tiefe Stimme zur Unterstützung braucht, und hat viele Holzblasinstrumente eingesetzt. Eine Oboe gibt es üblicherweise nicht in einer Bigband, klassische Waldhörner auch nicht, und eine Tuba sehr selten.“ 
Zu hören sind Songs wie Body and Soul, I’ve Got the World on a String (beide mit Till Brönner) oder Too Close To Comfort, in einer bisher unerreichten Tiefe. „Ich glaube, dass einige Stücke dabei sind, bei denen die Zuhörer aufhorchen werden und sagen: In dieser Lage haben wir das noch nie gehört!“, so Quasthoff. 
Die Stimme des Sängers jedenfalls passt zu diesem Repertoire perfekt. Und Kellers Arrangements führen den Bariton mit dem Jazztrio und der Bigband in einem Sound zusammen, den man gern und ganz entspannt genießt. Die perfekten Klänge für ein Glas Wein an einem schönen Frühlingsabend auf der Terrasse! 

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Thomas Quasthoff - Mein Weihnachten (Deutsche Grammophon)

Dass Thomas Quasthoff seine Karriere als Lied- und Opernsänger beendet hat, das heißt wohl nicht, dass das Publikum von ihm nichts mehr hören wird. So ganz mag der Bariton das Singen offenbar nicht lassen. Auf dieser CD ist er mit vier weihnachtlichen Jazz-Standards zu hören. Die cool-beschwingten Songs trägt er gemeinsam mit Frank Chastenier, Klavier, Dieter Ilg, Bass, Wolfgang Haffner, Schlagzeug und Percussion und Bruno Müller, E-Gitarre, vor. Mit den vier Musikern hatte er bereits das Album Tell It Like Is It aufgenommen. Die Arrangements sind klar und reduziert: „Mir geht es in diesem Album um diese zurückgelehnte Gelassenheit“, meint Quasthoff, „dieses Spiel mit der Fluffigkeit, die Reduktion aufs Wesentliche, den Sound unserer Jazz-Band.“ 
Und auch sonst ist diese CD ein Stück weit gekennzeichnet durch die Rückkehr zu den Wurzeln. Denn Quasthoff startete seine Laufbahn als Radiomoderator und Sprecher beim NDR. Mit seiner markanten Stimme spricht er nun Gedichte, die unsere deutsche Weihnacht aus sehr unter- schiedlichen Perspektiven betrachten. Eine sehr persönliche CD, die sich wohltuend vom allgemeinen Kommerzgedudel abhebt. Rundum gelungen! 

Dienstag, 2. August 2011

Bach Family: Chamber music for two flutes (Nimbus)

"Irgend ein witziger Kopf cha- rakterisiert die drey Brüder Bach, als Künstler sehr treffend also: Als Künstler: Friedemann Bach (der hallische) ist Meister im Hell-Dunkel, Emanuel (der hamburgi- sche) im Grau in Grau, Christian (der Londoner) in vielfarbigen Blumenstücken nach der Natur", schrieb 1799/1800 ein anonymer Autor in der Allgemeinen Musika- lischen Zeitung: "Vielleicht könnte sie auch so als Künstler und eini- germaßen auch als Menschen - was sich ja ohnehin nur in der Idee trennen lässt - von einander un- terscheiden: Friedemann wollte in Arbeiten nur sich Genüge leisten, Emanuel mehr Kennern und Liebhabern, Christian mehr Liebhabern und Virtuosen. Friedem. stieß daher von sich, Eman. interessierte, Christ. wurde beliebt. Friedem. blieb roh, Eman. kultivirt, Christ. polirt. Friedem. darbte deshalb, Eman. hatte genug, Christ. bekam zum Verschwenden. (...) Friedem. fand fast nur Feinde, Eman. viel Freunde, Christ. noch mehr Gesellen. Friedem. achtete den mittleren Bruder mäßig, verachtete den jüngern; Eman. achtete den ältern hoch, den jüngern mäßig; Christ. lachte beyde aus." 
Johann Christoph Friedrich, den "Bückeburger Bach", ließ der unbe- kannte Musikkritiker bei dieser Betrachtung gleich außen vor; er war ein versierter Klaviervirtuose, und seine Werke befanden schon seine Zeitgenossen für zu gefällig-höfisch. Sein Sohn Wilhelm Friedrich Ernst Bach ging bereits mit 18 Jahren zu seinem erfolgreichen Onkel nach London, und wurde ebenfalls ein gefeierter Pianist. Er war der letzte Bach, der in der Musikgeschichte eine Rolle spielte. 
Diese CD versammelt Kammermusik für zwei Flöten, die von den Bach-Söhnen sowie dem Enkel Wilhelm Friedrich Ernst komponiert worden ist. Die Trios sind stilistisch, in ihrer Besetzung wie in ihren technischen Anforderungen höchst unterschiedlich. Es handelt sich aber durchweg um gehobene Hausmusik für Kenner und Liebhaber. Sämtliche Stücke sind klangschön. Doch sie zeigen auch, dass selbst im Hause Bach lang nicht alles vom Genie umkränzt war, was da auf Notenpapier gelangte. 
Die Flötisten Hansgeorg Schmeiser und Jan Ostrý musizieren gemein- sam mit der Bratschistin Eszter Haffner, Othmar Müller am Violon- cello und Ingomar Rainer, Cembalo. Sie spielen harmonisch zusam- men, wie aus einem Atem, und machen so die mitunter etwas zur Länge neigenden "Selbstspiel-Stücke" auch zu einem Hörvergnügen.