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Dienstag, 21. Dezember 2021

Jonas Kaufmann - It's Christmas! (Sony)

 


Das Weihnachtsalbum von Jonas Kaufmann gehörte im vergangenen Jahr bereits zu den Highlights. Nun hat der Tenor das Programm noch einmal erweitert: „Der unglaublich schöne Erfolg und die Freude über das erste Weihnachtsalbum reizten mich, in diesem Jahr erneut ins Studio zu gehen, um einer Musikgattung Tribut zu zollen, die für mich, der ich in Bayern und Tirol aufgewachsen bin, sofort Weihnachtsstimmung auslöst: die alpenländische Stubenmusi.“ Zugleich wird die ohnehin beeindruckende Liste der Mitwirkenden ergänzt, um die Mezzosopranistin Stefanie Irányi und die Spielmusik Karl Edelmann. Und das ist ohne Zweifel ein Gewinn; die stimmungsvollen Klänge werden in ihrer Schlichtheit und Innigkeit auch Flachlandtiroler bezaubern. 

Wer die beiden Versionen des Albums vergleicht, wird zudem feststellen: Im internationalen Teil, auf der zweiten CD, ist ebenfalls ein neues Lied dazugekommen. Auf das Lied Trois anges sont venus ce soir machte Kaufmann sein Sängerkollege Ludovic Tézier aufmerksam. Darüber hinaus enthält das Beiheft jetzt einige Gedichte und weihnachtliche Rezepte sowie jede Menge Fotos aus dem privaten Album von Jonas Kaufmann. Abgedruckt sind in dem ziemlich umfangreichen, mehrsprachigen, ansprechend gestalteten Heft aber auch sämtliche Liedtexte. 

Wenn ich mich entscheiden müsste – ich würde trotz des höheren Preises die „Extended Version“ wählen. Die Stubenmusi ist wirklich hinreißend. Und es ist erneut faszinierend, wie gekonnt der Sänger von der Opernbühne ins populäre Genre wechselt. Weihnachten und Jonas Kaufmann? Gefällt mir! 


Dienstag, 29. Juni 2021

Tchaikovsky: Sleeping Beauty (Sony)


 Konzerte des Baltic Sea Philharmonic sind stets ein Ereignis. Gegründet wurde dieses ganz besondere Orchester 2008 für das Usedom Musikfestival. Die jungen Musiker unter Leitung von Kristjan Järvi musizieren mit einer Leidenschaft und Präsenz, die allein schon ausreichen würde, das Publikum mitzureißen. Sie kommen aus allen Ländern, die an die Ostsee angrenzen, von Norwegen bis Russland, und sie spielen alle Programme auswendig. 

Obwohl eine CD natürlich ´nicht das perfekte Medium für die Multimedia-Show ist, die das Baltic Sea Philharmonic in seinen Konzerten üblicherweise bietet, können auch die Einspielungen des Orchesters überzeugen. Jüngstes Projekt: Sleeping Beauty; der Titel wirkt fast wie ein ironischer Kommentar zur aktuellen Situation der Musikszene. Doch das konnte im März 2019, als dieser Mitschnitt in St. Petersburg aufgezeichnet wurde, natürlich noch niemand ahnen. 

Es geht also um Peter Tschaikowskis Dornröschen, im Original mit einer Spieldauer von fast drei Stunden. Järvi hat die Ballettmusik zu einer Dramatic Symphony zusammengefasst, wobei sein Arrangement die Magie der bekannten Szenen und Tänze nicht beschädigt. So kommen die Fliederfee und Prinzessin Aurora ebenso zu ihrem Recht wie die böse Fee Carabosse und Prinz Desiré sowie die vielen Märchenfiguren, die durch den dritten Akt tanzen. Dennoch ist es Järvi gelungen, die Musik zu einer etwa 70-minütigen Fassung zu verdichten. 

Dieses umfangreiche Stück ohne Noten aufzuführen, das war für die Musiker mit Sicherheit keine geringe Herausforderung. „Die Aufführung aus dem Gedächtnis hat unsere Beziehung zu Tschaikowskys Musik verändert“, berichtet Marzena Malinowska, Stimmgruppenführerin der Bratschen. „Wenn man als Musiker Ballettstücke oder Opern spielt, dann ist man meistens im Orchestergraben versteckt und die Stars der Show sind die Tänzer oder die Sänger, die die Geschichte auf der Bühne erzählen und lebendig machen.“ Bei den Aufführungen mit dem Baltic Sea Philharmonic aber sind die Musiker die Stars. „In diesem Moment fühlt man sich unglaublich verbunden miteinander und mit dem Publikum“, so Malinowska. „Man spürt die Kraft des Publikums, man fühlt die Kreativität, Energie und Einzigartigkeit.“ Das macht einen Unterschied, der auch zu hören ist. 


Freitag, 18. Dezember 2020

It's Christmas! (Sony)


Was macht ein international gefeierter Opernsänger, wenn Corona ihm statt des üblicherweise prall gefüllten Terminkalenders eine Zwangspause beschert? Jonas Kaufmann hat das Krisenjahr genutzt, um musikalische Projekte zu verwirklichen, für die bei normalem Spielbetrieb an den Opernhäusern weltweit wohl kaum Zeit gewesen wäre. 

Für dieses Weihnachtsalbum hat er seine Lieblings-Weihnachtslieder aus Deutschland und aus aller Welt zu einem Programm zusammengestellt, dass auch Freunden populärer Klänge leuchtende Augen bescheren dürfte. Auf „It’s Christmas“ erklingen einerseits auf CD 1 deutsche Weihnachtslieder, die für Jonas Kaufmann mit der Erinnerung an glückliche Weihnachten im Kreise der Familie verbunden sind. Zu hören sind daher nicht nur bekannte Lieder wie Stille Nacht, Alle Jahre wieder oder Leise rieselt der Schnee, sondern auch bayerische Volksweisen wie Es wird scho glei dumpa oder Im Woid is so staad

Auch amerikanische Weihnachts-Songs wie White Christmas, O Holy Night oder Winter Wonderland gehören zu Kaufmanns Favoriten, weil sein Vater nach der Bescherung oft die legendären Weihnachts-Schallplatten von Bing Crosby, Sinatra und Ella Fitzgerald auflegte. CD 2 enthält zudem eine kleine Auswahl französischer, englischer, italienischer und schwedischer Weihnachtslieder. 

Begleitet wird der Startenor bei den Klassikern vom Mozarteum Orchester Salzburg, dem Bachchor Salzburg und den St. Florianer Sängerknaben unter Leitung von Jochen Rieder. Die Cologne Studio Big Band hingegen ist sein Partner für viele der internationalen Weihnachtshits. Bei Let it snow und Have yourself ist zudem Till Brönner als Solist zu hören. 

Jonas Kaufmann gelingt bei diesem Album die perfekte Balance zwischen Moderne und Tradition. Die zeitgenössischen Arrangements sorgen ebenfalls für stilistische Vielfalt und musikalische Abwechslung. Eine Einspielung, die man auch verschenken kann – sie dürfte so ziemlich der ganzen Familie gefallen. 


Freitag, 17. Juli 2020

Reicha Romberg Concertos for two Cellos (Sony)

„Beethoven’s world“ erkundet eine CD-Reihe bei Sony – und dabei handelt es sich, das lässt sich nach den beiden ersten Neuerscheinungen bereits sagen, ohne Zweifel um wichtige Beiträge zum Jubiläumsjahr. 
Mit diesem Aufnahmeprojekt zeigt sich Reinhard Goebel einmal mehr als exzellenter Kenner der Musikgeschichte und des Repertoires. Denn nach Violinkonzerten von Franz Clement (1780 bis 1842), Widmungsträger von Beethovens Violinkonzert, bietet Vol. 2 nun weitere Entdeckungen. 
Den Anfang macht eine irrwitzig virtuose Sinfonia Concertante für zwei Violoncelli und Orchester von Antonín Reicha (1770 bis 1836). Auch das nachfolgende Concertino op. 72 von Bernhard Romberg (1767 bis 1841) stellt allerhöchste Ansprüche an die beiden Solisten; es ist ein knackiges Stück, dass Romberg seinerzeit gemeinsam mit seinem Sohn Karl auf Konzertreisen vorgetragen hat. 
Konzerte für zwei Violoncelli sind rar – insofern sind die beiden Stücke durchaus interessant. Bruno Delepelaire und Stephan Koncz, beide Mitglieder der Berliner Philharmoniker, präsentieren diese Werke höchst ansprechend. Sie musizieren mit der Deutschen Radio Philharmonie Kaiserslautern unter Leitung von Reinhard Goebel, der für dieses Album neben der Reicha-Sinfonia auch noch eine weitere Weltersteinspielung parat hatte: Das Divertisment für Fasching Dienstag von Josef von Eybler (1765 bis 1846), weiland k.u.k. Hofkapellmeister. Das Stück ist höfische Gebrauchsmusik, und dafür ist es gar nicht schlecht. 
Zur Musik gibt es ein Beiheft mit einem durchaus interessanten Text aus der Feder von Reinhard Goebel. Als Autor äußert sich der Musiker gewohnt launig; der wirklich informative Aufsatz wäre allerdings noch besser, wenn Goebel darauf verzichten könnte, die Dinge ins Negative zu verzeichnen. Maßstäbe wandeln sich – das dürfte doch keiner besser wissen als der Dirigent und Musikhistoriker. 

Samstag, 28. März 2020

Inferno e Paradiso - Simone Kermes (Sony)

Um Himmel und Hölle geht es Simone Kermes bei ihrem neuen Album Inferno e Paradiso. „Das sind klare Symbole für Tugend und Todsünde – der ewige Kampf zwischen Gut und Böse“, schreibt die Sopranistin in ihrem Geleitwort. Im Zeitalter von Klimawandel und Terrorattacken fragt sie sich, wo Demut und Mäßigung bleiben. Und so kam sie auf die Idee zu diesem Projekt: Simone Kermes hat, quer durch die Musikgeschichte, Songs und Arien ausgewählt, die entweder eine Tugend besingen – oder aber eine Todsünde. 
Gemeinsam mit den Amici Veniziani (und famos aufgezeichnet von Jonas Niederstadt) lässt die Sopranistin 14 Stücke aus vier Jahrhunderten erklingen, die deutlich machen, dass Himmel und Hölle gar nicht so weit voneinander entfernt sind. So ist es Maria Maddalena, die in Pompe inutili, einer hinreißend schönen Arie von Antonio Caldara, den unnützen Pomp von sich weist. Zwei Arien von Johann Adolf Hasse, beide in Weltersteinspielung, setzen sich mit Eifersucht und Ignoranz auseinander. 
Sinnbild der Demut hingegen ist für Kermes Johann Sebastian Bachs „Erbarme dich“-Arie aus der Matthäuspassion. Doch längst nicht alle Stücke auf der CD stammen aus der Vergangenheit. Der finnische Komponist und Arrangeur Jarkko Riihimäki hat für die Sängerin auch einige bekannte Melodien aus der Gegenwart arrangiert: Poker Face von Lady Gaga steht für die pure Wollust. Fields of Gold von Sting ist für Simone Kermes der Song der Liebe. 
Vom Hochmut berichtet Led Zeppelins Stairway to Heaven. Und – man glaubt erst einmal, sich zu verhören! – mit Udo Jürgens Hit Aber bitte mit Sahne besingt die Sopranistin die Völlerei. Es ist verblüffend, aber diese Arrangements wirken mitunter so „antik“, als hätten diese Lieder „seit dem 17. Jahrhundert verstaubt in Londoner Regalen gelegen“, so Kermes. Das Lied über die Schlagsahne schaufelnden Damen beispielsweise ist trotz barocker Verkleidung durchaus wiederzuerkennen, aber es ist nun eher Farinelli als deutscher Schlager. Ein interessantes Experiment. 
Kermes und ihre Musiker präsentieren die Musik von Antonio Vivaldi ebenso versiert wie die von Led Zeppelin. So manches Stück auf dieser CD ist hoch virtuos, musikalisch enorm anspruchsvoll. Das wohl schönste Stück ist allerdings Stings Ballade. Und hier zeigt die Star-Sopranistin, dass sie auch schlicht kann; sehr berührend. 

Samstag, 29. Februar 2020

Classic Hauser (Sony)

Auch Stjepan Hauser wendet sich mit seinem ersten Solo-Album der populären Klassik zu. Begleitet wird der Cellist vom renommierten London Symphony Orchestra. Die Arrangements stammen von Robin Smith, der bereits mit Cher, Andrea Bocelli und Lionel Richie gearbeitet hat. Denn Hauser greift auf dieser CD, für die er schlicht den Titel „Classic“ wählte, weit über Repertoiregrenzen hinaus. „Das Album präsentiert eine Auswahl der schönsten und romantischsten Klassikmelodien“, unterstreicht Hauser, „geschrieben von den größten Komponisten, auf dem Cello gespielt, dem schönsten und romantischsten Instrument von allen.“
Im Mittelpunkt steht dabei das Werk Wolfgang Amadeus Mozarts. „Er hat so viele unglaublich schöne zweite Sätze geschrieben, dass mir die Auswahl schwer fiel“, so Hauser. „Letztlich haben wir uns für die langsamen Sätze seines Klarinettenkonzerts und des Klavierkonzerts Nr. 21 entschieden - beide sind sehr schlicht und anrührend. Außerdem ist das ›Lacrimosa‹ aus Mozarts Requiem zu hören, eine der traurigsten Melodien, die je geschrieben wurden, und eine der letzten, die er zu Papier brachte. Der Celloklang ist hier ungemein ergreifend.“
Eröffnet wird das Album allerdings mit einer berühmten Melodie aus Tschaikowskis Ballett Schwanensee. Und auch im weiteren Verlauf wird der Zuhörer so manches bekannte Stück wiederfinden, gefühlvoll arrangiert für Solo-Cello und Begleitorchester. Wie wunderbar das Cello singen kann, das demonstriert Hauser beispielsweise mit der Arie Lascia ch'io pianga aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo. „Ich liebe dieses Stück heiß und innig“, bekennt Hauser. „Diese Arie ist wie gemacht für das Cello. Ich kann kaum glauben, dass sie in all den Jahrhunderten, seit es sie gibt, nie zuvor auf dem Cello gespielt wurde.“ Nun also, ganz ehrlich – das glauben wir auch nicht. Denn sie gehört von jeher zu den Favoriten im Hauskonzert-Repertoire. Selbst unser Geigenkind, eigentlich gar nicht dazu bereit, über das normale Pensum hinaus zu üben, hat dieses Stück einst selbst ausgesucht und mit Feuereifer einstudiert, um es in der Schule gemeinsam mit Klassenkameraden zu spielen. Egal – Musik begeistert! Und wer den Klang eines Violoncellos liebt, der wird diese klassische Blütenlese mögen, zumal nicht alle Stücke auf dem Album gleichermaßen populär sind. Nur schade, dass es so düster endet. Denn wenn nach Mozarts Lacrimosa noch Barbers Adagio for Strings erklingt, dann kann das einem final schon die Stimmung eintrüben.


Vivaldi: The four seasons (Sony)

Als 2Cellos haben Luka Šulić und Stjepan Hauser sich ihren Platz im Musikbusiness erobert. Die beiden Cellisten sind sowohl im Konzert als auch mit ihren Videos und Alben überaus erfolgreich. Über Genregrenzen hinweg haben sie das Publikum mit ihrem virtuosen Violoncellospiel begeistert. 
Nach sieben Jahren auf Tour mit 2Cellos haben sich die Musiker nun eine Auszeit für ein erstes Soloprojekt genommen. Und das führt nach all dem Crossover beide in eher klassische Gefilde. Luka Šulić hat sich dem bekanntesten Werk von Antonio Vivaldi gewidmet – und die Vier Jahreszeiten für Cello und Streichorchester arrangiert. 
„Während meiner ganzen Karriere habe ich immer versucht, neuen Zuhörerkreisen, die Musik, die ich liebe und mit der ich aufgewachsen bin, nahe zu bringen“, sagt der Musiker. „Vivaldis Vier Jahreszeiten sind ein Stück, das sofort jeder wiedererkennt und sie sind damit genau der richtige Einstieg in die klassische Musik.“ 
Mit dieser Einspielung erfüllt sich Luka Šulić einen Herzenswunsch. Denn schon als Kind hat der Cellist Vivaldis berühmte Violinkonzerte auf seinem Instrument gespielt. Und seine Ausbildung ist grundsolide; er hat an der Royal Academy of Music in London studiert. Ein bisschen Drive nimmt er aus dem Crossover mit in diese erste klassische Einspielung. Šulić interpretiert „seinen“ Vivaldi mit rhythmischer Präzision, und mit betörend schönem Ton. Der wunderbare Klang des Violoncellos steht den Vier Jahreszeiten ausgezeichnet. Begleitet wird Luka Šulić vom Kammerensemble Archi dell’Accademia di Santa Cecilia unter Leitung von Luigi Piovano. 

Donnerstag, 30. Januar 2020

Abendlieder (Sony)

Bekannte und weniger populäre, aber dennoch entdeckenswerte Abend- und Wiegenlieder präsentiert der Philharmonische Kinderchor Dresden auf seinem neuen Album, das soeben bei Sony erschienen ist. Eigentlich sind mehrere Chöre beteiligt – denn neben dem Konzertchor, in dem Kinder und Jugendliche ab einem Alter von ca. zwölf Jahren mitwirken, ist in zwei Liedern auch der Kinderchor zu hören, in dem die Kleineren das Chorsingen erlernen.
Geleitet wird der Philharmonische Kinderchor Dresden, der 1967 auf Initiative von Kurt Masur hin gegründet wurde, seit 2012 durch Gunter Berger. Derzeit gehören insgesamt etwa 140 Kinder zu den verschiedenen Formationen des Chores. Der Chor arbeitet eng mit der Dresdner Philharmonie zusammen. Bei diesem Aufnahmeprojekt wurden die Jungen und Mädchen, die allesamt hinreißend singen, von Iris Geißler an diversen Tasteninstrumenten begleitet, mitunter auch durch das Collenbusch Quartett oder aber durch ein Bläserquintett. A cappella erklingen beispielsweise Guten Abend, gut Nacht von Johannes Brahms, das französische Kinderlied Au clair de la lune, oder Esti dal von Zoltán Kodály. Nicht unbedingt erwartet hätte man das Cantique de Jean Racine von Gabriel Fauré. Hier wird auch die Orgel mit einbezogen, die sich im neuen Konzertsaal des Kulturpalasts Dresden befindet. Auch sonst hält die musikalisch wie klanglich sehr hochwertige Einspielung einige Überraschungen bereit. Wer Chormusik liebt, der wird erfreut sein.



Donnerstag, 12. Dezember 2019

Magnificat - Christmas in Leipzig (Sony)

Nach Leipzig führt uns das CD-Debüt des britischen Ensembles Solomon’s Knot. Es erklingen Werke von Johann Schelle (1648–1701), Johann Kuhnau (1660–1722) und Johann Sebastian Bach (1685–1750). „We spent a lot of time thinking about our approach for this recording“, berichtet Jonathan Sells, der künstlerische Direktor. „Since our singers sing everything by heart and perform without a conductor, our mode of performance and audience experience is very ,live', and that very special and close connection with our audience has become a key part of what we do.“ 
Allerdings habe das Publikum den Wunsch geäußert, Solomon's Knot auch zu Hause hören zu wollen. Und so habe man sich entschlossen, den Live-Mitschnitt eines Konzertes, mit nur wenigen Nachaufnahmen, zu veröffentlichen. 
Das Repertoire, das das Ensemble dafür ausgewählt hat, ist anspruchsvoll. Für den ersten Adventssonntag schrieb Johann Schelle einst die Kantate Machet die Tore weit – und kombinierte dabei den großen Auftritt, einschließlich Pauken und Trompeten, mit individuellen Solo-Versen. 
Zeitzeugen schildern, dass „wegen des süßen Honigs von Schelles Musik die Zuhörer stets in die Kirchen flogen wie die Bienen zur Blüte“. Ich bin aber von dieser Interpretation der Kantate des Thomaskantors nicht so begeistert. Zum einen denke ich, dass Stimmen mit einem ausgeprägten Opernvibrato nicht besonders gut zu „Alter“ Musik passen. Und zum anderen ist das bloße Absingen eines solchen Werkes durch ein Profi-Ensemble live sicherlich ein Erlebnis; aber für eine Aufnahme reicht das nicht ganz. 
Ein interessantes Konzept hingegen ist die Kombination aus dem Magnificat von Johann Kuhnau – das umfangreichste überlieferte Vokalwerk des Komponisten – mit Bachs Magnificat BWV 243a. Diese Version steht in Es-Dur; sie ist älter als die bekannte BWV 243, und wohl auch etwas anders instrumentiert. Bach schrieb diese Musik für sein erstes Weihnachtsfest in Leipzig 1723. Zwischen einigen Sätzen erklingen zudem Strophen von Weihnachtsliedern, vertont für Chor oder Solisten, mit Bezug zur Weihnachtsgeschichte. Es wird vermutet, dass Bach Kuhnaus Magnificat gekannt hat, und dass er durch dieses Werk selbst inspiriert wurde. 
Hier wird nun auch der Zuhörer munter. Denn diese beiden Magnificat-Kompositionen werden von Solomon's Knot mit Schwung und Engagement vorgetragen. Nun denn, es werde Weihnachten! 

Montag, 26. August 2019

Cameron Carpenter (Sony)

Cameron Carpenter ist ohne Zweifel ein Virtuose. Mit seinem Instrument, der International Touring Organ (ITO), von ihm selbst entworfen und von Marshall & Ogletree 2013 speziell für ihn angefertigt, reist der Amerika- ner durch die Lande. „It's not un- usual for an organist to be attached to one organ for many years“, meint der Musiker, „but usually that means an attachment to place.“ Carpenter hingegen nimmt sein Instrument mit; er spielt es oft auch in Konzertsälen, in denen sich bedeutende „klassische“ Orgeln befinden. 
Die digitale ITO ist ein Klangmonster, mit einer gigantischen Menge an Registern, Koppeln und Spielhilfen sowie fünf Manualen und einem nach jeder Seite gegenüber dem 32er Standard noch um fünf Töne erweiterten Pedal. Bei der Disposition orientierte sich Carpenter an den großen amerikanischen Konzertinstrumenten aus der Zeit zwischen 1895 und 1950. So bietet das fünfte Manual, Bombarde, wuchtige Register, wie sie in amerikanischen Theaterorgeln einst verwendet worden sind. Ein Dutzend sanfterer Stimmen aus dieser Traditionslinie wurde dem ersten Manual, Accompaniment, zugeordnet. Besondere Klangfarben ermöglicht ebenfalls ein spezielles Orchestral Pedal, ergänzend zum Main Pedal. Der Spieltisch erinnert ein bisschen ans Steuerpult von Raumschiff Enterprise. Und natürlich ist damit auch eine entsprechende Phalanx an Lautsprechern verbunden. 
Dieses Instrument also steht im Mittelpunkt des vorliegenden Albums, das Cameron Carpenter zum Abschluss seiner Zeit als Artist in Residence am Konzerthaus Berlin eingespielt hat. Es ist seine erste Einspielung mit Orchester, nämlich mit dem Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Christoph Eschenbach, und auch zum ersten Mal ein Live-Mitschnitt. 
Ausgewählt hat Carpenter dafür die Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Sergej Rachmaninoff und das Konzert für Orgel, Streicher und Pauke in g-moll, FP 93 von Francis Poulenc. Als Zugabe erklingt außerdem das Finale aus Louis Viernes Orgelsymphonie Nr.1 in d-Moll op. 14. Rachmaninoffs Paganini-Rhapsodie, eigentlich entstanden für Klavier und Orchester, hat Carpenter selbst für die Orgel arrangiert: „I love and want to play this work“, meint der Musiker. Der Orchesterpart blieb unverändert, aber seine Stimme wurde eine „recomposition for organ – guided by the original“, so Carpenter: „I don't see that a defense is required, since the moment you walk onstage to perform standard repertoire in a way which differs in instrumentation from the original, you've obviously declared yourself willing to question the composer's intentions. Of course, this can also be a way of honoring a great work. All transcriptions require this in some way.“ 
Ermöglicht wird ein derartiges Projekt durch die Konzerthaus-Akustik sowie die Präzision, mit der sich die elektronische Orgel spielen lässt. Rachmaninoffs virtuose Musik verlangt klangliche Transparenz und Klarheit in der Artikulation, wie dies mit einer Pfeifenorgel und im Nachhall eines Kirchenraums so kaum machbar wäre. Carpenter beherrscht sein Instrument absolut souverän. Er gestaltet irrwitzige Klangfassaden, und er wagt sich auch in die Schattenwelt feinster Nuancen. Dieser Musiker strebt nach hochvirtuoser Perfektion. Das macht den Rachmaninoff zu meinem persönlichen Favoriten auf dieser CD. Mit Carpenters Interpretation der französischen Musik allerdings kann ich mich weniger anfreunden. Das ist mir alles zu viel Flinke-Finger-Geglitzer und zu wenig wenig inhaltliche Substanz; erfreut hört man allerdings, wie souverän das Orchester dies alles begleitet. 

Dienstag, 14. Mai 2019

Nice 'N' Easy - Thomas Quasthoff (Okeh)

Sechs Jahre nach seinem Rückzug von der Bühne und acht Jahre nach seiner letzten Solo-Aufnahme veröffentlichte Thomas Quasthoff ein neues Album. Es ist kein Best-of, kein Liederzyklus und auch keine Arien-Kollektion. Der weltweit gefeierte Bass-Bariton liebt den Jazz – und Nice 'n‘ Easy ist seine erste Produktion in diesem Genre. 
„Ich habe immer Jazz gesungen. Es war immer auch Teil meines musikalischen Lebens“, sagt Thomas Quasthoff. Und jetzt hat er Jazz-Klassiker eingespielt, gemeinsam mit seinen langjährigen musikalischen Partnern Frank Chastenier, Piano, Dieter Ilg, Bass und Wolfgang Haffner, Schlagzeug, sowie der NDR Bigband und als Gast Startrompeter Till Brönner. 
Die musikalische Leitung hat Jörg Achim Keller, der auch die zwölf Stücke arrangiert hat – „Klangzauberei“, schwärmt Quasthoff: „Er weiß genau, welche Farben meine tiefe Stimme zur Unterstützung braucht, und hat viele Holzblasinstrumente eingesetzt. Eine Oboe gibt es üblicherweise nicht in einer Bigband, klassische Waldhörner auch nicht, und eine Tuba sehr selten.“ 
Zu hören sind Songs wie Body and Soul, I’ve Got the World on a String (beide mit Till Brönner) oder Too Close To Comfort, in einer bisher unerreichten Tiefe. „Ich glaube, dass einige Stücke dabei sind, bei denen die Zuhörer aufhorchen werden und sagen: In dieser Lage haben wir das noch nie gehört!“, so Quasthoff. 
Die Stimme des Sängers jedenfalls passt zu diesem Repertoire perfekt. Und Kellers Arrangements führen den Bariton mit dem Jazztrio und der Bigband in einem Sound zusammen, den man gern und ganz entspannt genießt. Die perfekten Klänge für ein Glas Wein an einem schönen Frühlingsabend auf der Terrasse! 

Montag, 28. Januar 2019

2019 - Neujahrskonzert (Sony)

Es war ohne Zweifel ein Ereignis: Christian Thielemann dirigierte 2019 zum ersten Male das Neujahrs- konzert der Wiener Philharmoniker. Statt Anton Bruckner Josef Hellmesberger, statt Richard Wagner Carl Michael Ziehrer, und statt Richard Strauss Johann Strauss, die ganze Veranstaltung liebgewordene Wiener Tradition – kurz und gut: Kann Thielemann Walzer? 
Um es in einem Satz zusammenzu- fassen: Er kann. Und er bringt dabei durchaus sehr eigene Klangvorstel- lungen ein. Den Orchesterklang gestaltet er schlank und beweglich; musiziert wird mit Esprit und ausge- sprochen elegant. Walzer und Polkas erfreuen durch Anmut und eine gewisse Duftigkeit. (Man höre nur Hellmesbergers Elfenreigen!) Thielemann macht viele kleine Details hörbar, die üblicherweise nicht so klar herausgearbeitet werden. 
Für den Zuhörer bietet die Doppel-CD aber noch aus einem anderen Grunde Hörvergnügen: In dem Programm sind immerhin sechs Stücke enthalten, die zuvor noch nie zu einem Neujahrskonzert zu hören waren. 
Thielemann ist seit 2013 der künstlerische Leiter der Salzburger Osterfestspiele; die Wiener Philharmoniker hat er aber auch schon vorher dirigiert. Und mit dem Orchester scheint er gut zu harmonieren. Mit der Nähe zum Publikum hat Thielemann ebenfalls keine Probleme: Beim Neujahrskonzert dirigierte er offenbar nicht nur die Musiker, sondern auch die Leute im Saal, die beim abschließenden Radetzky-Marsch ebenso begeistert wie koordiniert klatschen. 

Mittwoch, 2. Januar 2019

2Cellos - Let there be Cello (Sony)

Dass Klassik durchaus rocken kann, zeigen Luka Sulic und Stjepan Hauser. 2Cellos begeistern das Publikum bei Festivals wie Rock am Ring oder Wacken Open Air – und auch auf dieser CD lassen sie es so richtig krachen. Wenn sie schon mit dem Titel ihres Albums, „Let There Be Cello“, auf das legendäre „Let There Be Rock“ von AC/DC anspie- len, dann zeigt das den Anspruch der beiden Musiker. 
Und wenn Luka Sulic und Stjepan Hauser loslegen, dann hat ihr Spiel so viel Drive, dass sie Genregrenzen geradezu pulverisieren: Wozu Crossover – sowohl bei Led Zeppelin als auch bei Ludwig van Beethoven gibt es schließlich geniale Musik, die sich sogar in einem Medley miteinander verknüpfen lässt! Und so erklingt Seven Nations Army von den White Stripes neben Vivaldi Storm, Imagine von John Lennon neben Despacito und Eye of the Tiger von Survivor neben Asturias meets Carmen
Auch The Show must go on von Queen oder das Champions Anthem, das Georg Friedrich Händel seinerzeit freilich nicht als Fußballhymne, sondern für die Krönung des englischen Königs Georg II. komponiert worden ist, integrieren die beiden Cellisten in ihren furiosen Ritt durch die Musikgeschichte. Was für ein Spaß! Ein sagenhaftes Album, voll Energie und voll Witz. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Gern mehr davon. Let There Be Cello! 

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Porpora: Christmas Oratorio (Sony)

Es muss nicht immer das Weihnachtsoratorium von Bach sein. Auf dieser CD präsentiert Sony eine Alternative aus Italien, so ganz anders als das gewohnte Weihnachts- programm: Il Verbo in carne von Nicola Antonio Porpora (1686 bis 1768) wurde 1747 oder 1748 in Neapel uraufgeführt und wohl erst kürzlich vom Kammerorchester Basel wiederentdeckt. Auf dieser CD erklingt eine Art Kurzzusammen- fassung dieses Werkes, das eigentlich mehr als zwei Stunden dauert. 
Es erzählt die Weihnachtsgeschichte mit Hilfe von allegorischen Figuren: Anstelle von Hirten und Engeln treten in diesem Oratorium Giustizia, Pace und Verità auf, gesungen von Rober- ta Invernizzi, Terry Wey und Martin Vanberg. So diskutieren im ersten Teil des Oratoriums Frieden und Gerechtigkeit über die menschliche Gesellschaft, die doch recht schlecht funktioniert – trotz aller Bibelworte, die eigentlich anderes vorhersagen. 
Mit Blick auf die Krippe beschließen die beiden dann, hinabzusteigen, und die Verhältnisse zu verbessern. Im zweiten Teil erfahren sie von der Wahrheit, wie das neugeborene Kind aufgenommen wird. Nach einer wunderbaren Arie, in der der Friede beschreibt, wie das Kind weint, beschließen Gerechtigkeit und Frieden, sich zu küssen, und gemeinsam mit der Wahrheit dafür einzutreten, dass das, was das Kind den Menschen verheißt, Wirklichkeit wird. 
Verpackt ist diese Handlung in sehr viel schöne Musik; nicht umsonst war Porpora einer der besten Gesangslehrer jener Zeit – und ein gefragter Opernkomponist. So ist Il Verbo in carne ausgesprochen kunstvoll gestaltet, und noch immer hörenswert. Dem Kammerorchester Basel unter der Leitung von Riccardo Minasi gelingt hier wirklich eine Wiederent- deckung; allerdings wäre es schön, wenn man dieses Meisterwerk der neapolitanischen Schule bald auch komplett anhören könnte. 

Dienstag, 18. Dezember 2018

Am Weihnachtsbaum (Sony)

Noch einmal weihnachtliche Musik aus Dresden, diesmal allerdings in einer ganz neuen Einspielung: Tra- ditionelle und moderne Weihnachts- lieder sowie Orgelmusik bietet diese CD mit dem Philharmonischen Kinderchor Dresden. 
Dieses Ensemble wurde 1967 auf Anregung von Kurt Masur, dem damaligen Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie, gegründet. In dem Chor engagieren sich um die 140 Kinder und Jugendliche, die dort auch kontinuierlich professionell musikalisch betreut und ausgebildet werden. Das Ensemble, das heute von Gunter Berger geleitet wird, arbeitet eng mit der Dresdner Philharmonie zusammen. 
So gehört das traditionelle Weihnachtskonzert des Chors im Kulturpalast Dresden ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Weihnachtszeit. Die jungen Chorsänger tragen ihre Lieder blitzsauber und versiert in altver- trauten wie in zeitgenössischen Chorsätzen teils a cappella, teilweise gemeinsam mit Mitgliedern der Dresdner Philharmonie oder mit Orgel- begleitung vor. 
Die neue Eule-Orgel im Kulturpalast Dresden ist auf dieser CD auch im Solo zu hören. Das Konzertinstrument, das 67 Register auf vier Manualen und Pedal aufweist, bietet dem Organisten eine breite Auswahl an Klang- farben aus verschiedenen Orgeltraditionen. Denny Wilke, Stadtorganist der Marienkirche zu Mühlhausen, nutzt diese Möglichkeiten, um auch französische Orgelmusik mit ins Programm zu integrieren. 

Dienstag, 11. Dezember 2018

Der Nussknacker und die vier Reiche (Sony)

Die Geschichte von Nussknacker und Mausekönig, erdacht einst von dem Schriftsteller E.T.A. Hoffmann, gehört seit Jahrzehnten zur Vorweihnachtszeit. Ob als Ballett, mit der unsterblichen Musik Pjotr IljitschTschaikowskis, oder als Trickfilm – alle Kinder kennen und lieben die Geschichte um die kleine Marie, ihren Paten Drosselmeier und den etwas lädierten Nussknacker, der dennoch die Spielzeugsoldaten wacker in die Schlacht gegen das Heer der Mäuse führt. 
Nun hat Disney eine Spielfilmversion ins Kino gebracht: Der Nussknacker und die vier Reiche, inspiriert durch Märchen und Ballett, nimmt Groß und Klein mit auf eine abenteuerliche Reise ins Reich der Fantasie. Und diese CD beweist: Ebenso opulent wie Inszenierung und Ausstattung ist die Filmmusik von James Newton Howard. Natürlich wird der Kenner zahlreiche Themen von Tschaikowski erkennen. Doch der Rest ist Hollywood pur – zelebriert von Stars wie Lang Lang am Klavier, und Gustavo Dudamel, der das Philharmonia Orchestra dirigiert. Das Duett Fall on me singt Tenor Andrea Bocelli gemeinsam mit seinem Sohn Matteo; das Video dazu wurde innerhalb weniger Tage Tage nach Erscheinen auf Youtube Ende September 2018 bereits über elf Millionen Mal geklickt. 

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Lyambiko - My Favorite Christmas Songs (OKeh/Sony)

Ihre Lieblings-Weihnachtslieder präsentiert Lyambiko auf dieser CD. Lässig begleitet von Svetoslav Karparov, Klavier, Hannah Weber, Violoncello, Thomas Brendgens-Mönkemeyer, Gitarre und Robin Draganic am Bass, erklingen Klassiker wie The First Noel, Winter Wonderland oder Silent Night, dazu White Christmas von Bing Crosby, Driving Home for Christmas von Chris Rea, und natürlich das unvermeidliche Last Christmas von Wham! 
„Sie besitzt die Dramatik einer Billie Holiday, die Erotik einer Julie London und die Schärfe einer Nina Simone“, schrieb der Boston Globe über die Jazzsängerin. Egal, ob Mariah Careys Superhit All I Want for Christmas oder Ella Fitzgeralds Have Yourself a Merry Little Christmas – Lyambiko findet für jeden Song den passenden Ausdruck; mal elegant, mal elegisch, dann wieder flott und ab und zu auch ein wenig keck. 

Donnerstag, 28. September 2017

L'Opéra - Jonas Kaufmann (Sony)

Arien und Duette aus französischen Opern des 19. Jahrhunderts präsentiert Jonas Kaufmann auf seinem jüngsten Album. Der Sänger hat dafür nicht nur bekannte Melodien und große Szenen ausgewählt, sondern vor allem auch Werke und Rollen, die für ihn Schlüsselerlebnisse waren: „Ein solches hatte ich mit der Partie des Wilhelm Meister, meiner ersten großen französischen Rolle, 2001 in Toulouse“, erzählt Kaufmann im Beiheft. „Zu diesem Zeitpunkt war mein Französisch noch so dürftig, dass ich mich in Gegenwart des Regisseurs Nicolas Joel, der alle Sprachen beherrscht, ziemlich schämte und dachte: Das muss unbedingt besser werden!“
Den Werther sang Kaufmann dann neun Jahre später zum ersten Mal – „an der Pariser Oper“, so der Tenor, „in der Höhle des Löwen, umgeben von lauter französischen Sängern und vor einem Publikum, das keinen Spaß versteht, wenn du nicht halbwegs idiomatisch klingst.“ Zu diesem Zeitpunkt lobte die Kritik dann bereits sein perfektes Französisch.
Im Repertoire kennt sich Kaufmann inzwischen ebenfalls bestens aus, wie seine Auswahl beweist. Und er singt noch immer wunderbar, begeistert auch bei dieser Einspielung mit betörender Technik und gestalterischer Intelligenz. Die beiden Duo-Partner, Sopranistin Sonya Yoncheva in Massenets Manon und Bariton Ludovic Tézier im berühmten Duett aus Bizets Perlenfischern, harmonieren mit Kaufmann bestens. Den Instrumentalpart übernahm das vielfach ausgezeichnete Bayerische Staatsorchester unter Bertrand de Billy – und es liefert weit mehr als nur eine Begleitung. Prächtig!