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Sonntag, 25. Dezember 2016

Hallé - A Christmas Celebration (Hallé)

Die Hallé-Familie feiert Weihnachten – wie das klingt, davon zeugen Live-Mitschnitte und Aufnahmen aus dem Jahre 2014 auf dieser sagenhaft perfekten CD. Hier passt einfach alles, von der Dramaturgie des Programms über die flotten, modernen Arrange- ments bis hin zu den rundum stimmi- gen Interpretationen. 
Begonnen hat die Hallé-Initiative im Jahre 1857. Damals fand in Manche- ster eine große Kunstausstellung statt. Der Pianist und Dirigent Sir Charles Hallé, 1819 als Karl Halle geboren in Hagen, sollte dort täglich Konzerte veranstalten. Weil er in Manchester nicht genügend qualifizierte Musiker für sein Orchester fand, holte er die  benötigten Kollegen vom Festland. 
Offenbar war Hallé nicht nur ein exzellenter Musiker, sondern auch ein begnadeter Kaufmann. Um „seine“ Orchestermitglieder nach dem Ende der Ausstellung nicht zu verlieren, startete er auf eigenes Risiko in eine Konzertsaison – und war damit sehr erfolgreich. Deshalb gründete er schließlich 1858 sein eigenes Orchester, das Hallé Orchestra, sowie den Hallé Choir. Beide Ensembles bestehen bis zum heutigen Tage; das Sin- fonieorchester ist nicht nur eines der ältesten in Großbritannien, sondern bis heute auch eines der besten. Seit 1996 musiziert Hallé in The Bridge- water Hall, einem attraktiven neuen Konzertsaal. 
Die Hallé-Familie ist zudem gewachsen: Der Nachwuchs musiziert im Hallé Youth Orchestra, singt im Hallé Children's Choir, im Hallé Youth Choir oder übt im Hallé Youth Training Choir. Neben dem Hallé Choir, für den recht strikte Aufnahmebedingungen gelten, können Erwachsene zudem ohne Leistungsdruck im Ancoats Community Choir singen, oder an der Hallé Choir Academy ihre Stimme ausprobieren. Hallé - das ist Musik in höchster Qualität, für eine ganze Region. Auf dieser CD sind gemeinsam mit dem Hallé Orchestra der Hallé Choir, Hallé Youth Choir und Hallé Children's Choir zu hören; den Taktstock schwingt Stephen Bell.

Sonntag, 15. März 2015

Schumann: Kinderszenen, Klavierkonzert (Sony Classical)

Martin Stadtfeld spielt Musik von Robert Schumann – und zwar die Kinderszenen op. 15 sowie das Klavierkonzert op. 54, das bekann- teste und beliebteste romantische Klavierkonzert überhaupt. Dass er dabei eine eigene Lesart sucht, wird schon bei den Kinderszenen erkennbar. Stadtfeld liest sie nicht als biedermeierliches Idyll; er sucht vielmehr nach den Brüchen und jähen Umschwüngen. Ihm ist aufgefallen, dass „sehr häufig der äußerlich virtuose Charakter von Schumanns Musik hervorgekehrt wird und die poetischen Seiten darüber vergessen werden.“ Seine Musikästhetik, so der Pianist, sei aber „auf die Innigkeit angelegt.“ 
In der Auseinandersetzung mit Schumanns Klaviermusik ist Stadtfeld aufgefallen, dass es „sehr oft eine Art Subtext (gibt), der etwas Choral- artiges hat. Da kann noch so viel Gestrüpp von Noten drumherum wuchern, irgendwo schimmert immer eine Choral-Linie durch.“ Dieser Erkenntnis will Stadtfeld mit seiner Interpretation Rechnung tragen. So arbeitet er das musikalische Gefüge sorgfältig heraus, und dazu wählt er oftmals ungewöhnliche Tempi. Die Träumerei beispielsweise serviert er ganz ohne Puderzucker. Allerdings vermisst man über diesem stark analytisch geprägten Zugang ein wenig die Romantik, die ja doch mehr auf das Gefühl aus war als auf Struktur und Verstand. Insofern geht Stadtfeld für mein Empfinden mit seiner Nüchternheit am Kern dieser Stücke vorbei. 
Auch beim Klavierkonzert gestaltet er sorgsam, mitunter geradezu kammermusikalisch. Stadtfeld musiziert hier gemeinsam mit dem Hallé Orchestra unter Leitung von Sir Mark Elder. Die Musiker haben Schu- manns Werk offenbar gründlich studiert, und überraschen durch viele Details, die man bisher so nicht im Ohr hatte. Das ist sehr spannend. Das Orchester sorgt zudem dafür, dass diese Schumann-CD nicht so leiden- schaftslos endet, wie sie begonnen hat.