Das Leipziger Ensemble Camerata Bachiensis hat sich auf dieser CD der Musik von Johann Melchior Molter (1696 bis 1765) zugewandt. Über den Lebensweg des Thüringer Kompo- nisten, der als Hofkapellmeister in Karlsruhe sowie in Eisenach wirkte, wurde in diesem Blog bereits an anderer Stelle berichtet.
Seine Musik verbindet deutsche Kontrapunktik mit italienischen und französischen Stilelementen - „vermischter Stil“, nennt das die Musikwissenschaft. Molter freilich dürfte einfach versucht haben, die Erwartungen seiner Auftraggeber zu erfüllen. Und diese wünschten sich musikalische Unterhaltung; galante Klänge, zu denen man seinerzeit durchaus geplaudert oder aber Karten gespielt hat.
So etwas muss nicht unbedingt musikalisch von minderem Wert sein, wie diese Aufnahme beweist. Die Camerata Bachiensis hat aus den Handschriften, die sich in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe befinden, ein hörenswertes Programm zusammengestellt. Die CD bietet eine Sinfonia, eine Ouvertüre, ein Concerto, eine Sonata à quadro für Oboe, Violine, Viola und Continuo sowie zwei weltliche Kantaten – allesamt in Weltersteinspielung. Musiziert wird gekonnt, und auch technisch ist die Aufnahme rundum bestens gelungen. Besonders hervorzuheben sind Roberto De Franceschi, der als Solist sowohl im Flötenkonzert als auch an der Oboe überzeugt, und die Sopranistin Julia Kirchner, die die beiden Kammerkantaten souverän gestaltet.
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Sonntag, 22. Juli 2018
Dienstag, 29. Mai 2018
Hasse: Arcadian Cantatas (Pan Classics)
Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783) war einer der berühmtesten Opern- komponisten seiner Zeit, und Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi (1698 bis 1782), besser bekannt unter seinem Künstler- namen Metastasio, war der unangefochtene Star unter den Librettisten. Er schuf nicht nur mehr als 25 Texte für Opern, sondern auch Textvorlagen für ungezählte andere Werke. Besonders zur Geltung kam seine Kunst in der Kammerkantate – quasi eine Oper en miniature, bestimmt für die privaten Gemächer der Aristokratie, in der Virtuosen ihre Kunst auf höchstem Niveau demonstrierten.
Hasse hat immer wieder Texte von Metastasio vertont. Die beiden Künstler waren befreundet, und sie waren wohl auch Geistesverwandte. Davon jedenfalls zeugen die berückend schönen Kammerkantaten, von denen diese CD eine Auswahl vorstellt. Für heutige Gemüter ist es etwas gewöhnungsbedürftig, die Seufzer und Klagelieder von verliebten Märchenbuch-Schäfern, beheimatet in einer Traumlandschaft, anzuhören – aber die Schönheit dieses Arkadien bezaubert noch immer. Und der italienische Countertenor Filippo Mineccia verfügt über Technik und Timbre, um diese Gesänge elegant vorzutragen.
Das Ensemble Il gioco de' Matti begleitet ihn dabei nicht nur. Guilia Barbini, Traversflöte, Federico Toffano, Violoncello, Giulio Quirici, Theorbe, und Francesco Corti, Cembalo, gestalten musikalische Bilder von hoher Brillanz. Hinreißend!
Hasse hat immer wieder Texte von Metastasio vertont. Die beiden Künstler waren befreundet, und sie waren wohl auch Geistesverwandte. Davon jedenfalls zeugen die berückend schönen Kammerkantaten, von denen diese CD eine Auswahl vorstellt. Für heutige Gemüter ist es etwas gewöhnungsbedürftig, die Seufzer und Klagelieder von verliebten Märchenbuch-Schäfern, beheimatet in einer Traumlandschaft, anzuhören – aber die Schönheit dieses Arkadien bezaubert noch immer. Und der italienische Countertenor Filippo Mineccia verfügt über Technik und Timbre, um diese Gesänge elegant vorzutragen.
Das Ensemble Il gioco de' Matti begleitet ihn dabei nicht nur. Guilia Barbini, Traversflöte, Federico Toffano, Violoncello, Giulio Quirici, Theorbe, und Francesco Corti, Cembalo, gestalten musikalische Bilder von hoher Brillanz. Hinreißend!
Dienstag, 9. Januar 2018
Alessandro Scarlatti Collection (Brilliant Classics)
Eine dicke Box mit Werken von Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) veröffentlicht dieser Tage Brilliant Classics. Der Neapolitaner war einer der wichtigsten und erfolgreichsten Vokalmusik-Komponisten des ausgehenden Barocks – Grund genug, in diesem Blog endlich einmal ausführlicher über ihn zu berichten.
Scarlatti, der einer Musikerdynastie entstammte, kam auf Sizilien zur Welt. 1672 zog die Familie um nach Rom; dort erhielt Alessandro 1678 erstmals eine Anstellung als Kirchenkapellmeister, und heiratete. Ein Jahr später erklang im Palazzo Bernini seine erste Oper, und auch mit seinen Solokantaten begeisterte Scarlatti den römischen Adel. Königin Christine von Schweden, die in Rom lebte, ernannte ihn zu ihrem Hof- kapellmeister. 1683/84 wurde er Kapellmeister am Hofe des Vizekönigs in Neapel, wo er bis 1702 wirkte. Für diesen sowie für verschiedene andere Gönner komponierte er unter anderem etwa 40 Opern, und dazu eine Vielzahl anderer Musikstücke.
1703 kehrte er nach Rom zurück; zu diesem Zeitpunkt waren Opern- aufführungen in der Heiligen Stadt bereits vom Papst verboten worden. Und so widmete sich Scarlatti in Rom in erster Linie der geistlichen Musik. Im Karneval 1707 versuchte der Komponist aber, mit zwei Opern das Publikum in Venedig zu begeistern. Dabei verwendete er französische Vorbilder, was beim Publikum wenig Begeisterung auslöste.
Ab 1708 regierten nicht mehr die Spanier, sondern die Österreicher als Vizekönige in Neapel, und Scarlatti wurde erneut Hofkapellmeister. Von 1717 bis 1722 hielt sich der Komponist wohl überwiegend in Rom auf; seinen Lebensabend allerdings verbrachte er in Neapel. Scarlatti hatte neun Söhne; der bekannteste davon ist sicherlich Domenico Scarlatti, ebenfalls Komponist und Cembalist.
Zu Lebzeiten war Scarlatti berühmt insbesondere für seine Opern; im Laufe seines Lebens schuf er mehr als hundert dieser Werke. In dieser Box sind sie nicht mit enthalten. Die 30 CD bieten ansonsten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komponisten. So sind allein auf sechs CD Werke für Tasteninstrumente zu finden, eingespielt auf Cembalo und Orgel von Francesco Tasini. Umfangreich vertreten sind auch die Oratorien Scarlattis; zu hören sind hier teilweise namhafte Solisten und Ensembles, wie der Nederlands Kamerkoor unter Harry van der Kamp, La Stagione unter Michael Schneider, oder das Alessandro Stradella Consort unter Estévan Velardi. Letzteres überrascht sogar mit mehreren Weltersteinspielungen, was man in einer solchen Sammelbox eher nicht vermutet hätte.
Einspielungen der Geistlichen Konzerte op. 2 und einer Auswahl an Kammerkantaten runden das Angebot an Vokalmusik ab. Wenn man bedenkte, dass Scarlatti fast 800 derartiger Kantaten geschrieben hat, dann ahnt man, wie vieles da in Zukunft noch zu entdecken sein wird.
Das Ensemble Insieme Strumentale di Roma unter Giorgio Basso kombiniert auf seiner CD zwei Kantaten, gesungen von der Altistin Gabriella Martellacci, mit zwei Flötenkonzerten und zwei Sonate a quattro. Letztere gelten als Vorläufer des Streichquartettes. Auf den beiden ersten CD erklingen zudem die zwölf Sinfonie di concerto grosso (1715). Zu hören ist hier die Capella Tiberina.
Scarlatti, der einer Musikerdynastie entstammte, kam auf Sizilien zur Welt. 1672 zog die Familie um nach Rom; dort erhielt Alessandro 1678 erstmals eine Anstellung als Kirchenkapellmeister, und heiratete. Ein Jahr später erklang im Palazzo Bernini seine erste Oper, und auch mit seinen Solokantaten begeisterte Scarlatti den römischen Adel. Königin Christine von Schweden, die in Rom lebte, ernannte ihn zu ihrem Hof- kapellmeister. 1683/84 wurde er Kapellmeister am Hofe des Vizekönigs in Neapel, wo er bis 1702 wirkte. Für diesen sowie für verschiedene andere Gönner komponierte er unter anderem etwa 40 Opern, und dazu eine Vielzahl anderer Musikstücke.
1703 kehrte er nach Rom zurück; zu diesem Zeitpunkt waren Opern- aufführungen in der Heiligen Stadt bereits vom Papst verboten worden. Und so widmete sich Scarlatti in Rom in erster Linie der geistlichen Musik. Im Karneval 1707 versuchte der Komponist aber, mit zwei Opern das Publikum in Venedig zu begeistern. Dabei verwendete er französische Vorbilder, was beim Publikum wenig Begeisterung auslöste.
Ab 1708 regierten nicht mehr die Spanier, sondern die Österreicher als Vizekönige in Neapel, und Scarlatti wurde erneut Hofkapellmeister. Von 1717 bis 1722 hielt sich der Komponist wohl überwiegend in Rom auf; seinen Lebensabend allerdings verbrachte er in Neapel. Scarlatti hatte neun Söhne; der bekannteste davon ist sicherlich Domenico Scarlatti, ebenfalls Komponist und Cembalist.
Zu Lebzeiten war Scarlatti berühmt insbesondere für seine Opern; im Laufe seines Lebens schuf er mehr als hundert dieser Werke. In dieser Box sind sie nicht mit enthalten. Die 30 CD bieten ansonsten einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komponisten. So sind allein auf sechs CD Werke für Tasteninstrumente zu finden, eingespielt auf Cembalo und Orgel von Francesco Tasini. Umfangreich vertreten sind auch die Oratorien Scarlattis; zu hören sind hier teilweise namhafte Solisten und Ensembles, wie der Nederlands Kamerkoor unter Harry van der Kamp, La Stagione unter Michael Schneider, oder das Alessandro Stradella Consort unter Estévan Velardi. Letzteres überrascht sogar mit mehreren Weltersteinspielungen, was man in einer solchen Sammelbox eher nicht vermutet hätte.
Einspielungen der Geistlichen Konzerte op. 2 und einer Auswahl an Kammerkantaten runden das Angebot an Vokalmusik ab. Wenn man bedenkte, dass Scarlatti fast 800 derartiger Kantaten geschrieben hat, dann ahnt man, wie vieles da in Zukunft noch zu entdecken sein wird.
Das Ensemble Insieme Strumentale di Roma unter Giorgio Basso kombiniert auf seiner CD zwei Kantaten, gesungen von der Altistin Gabriella Martellacci, mit zwei Flötenkonzerten und zwei Sonate a quattro. Letztere gelten als Vorläufer des Streichquartettes. Auf den beiden ersten CD erklingen zudem die zwölf Sinfonie di concerto grosso (1715). Zu hören ist hier die Capella Tiberina.
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