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Sonntag, 5. November 2017

Hommage à Fritz Kreisler (BMC)

„Only a few weeks ago you recorded your last album with Barnabás Kelemen: Fritz Kreisler's pieces for violin and piano. Even there, you are teaching. In your hands, pieces we used to pass with a shrug of the shoulders have become diamonds... (Perhaps they are?)“, sagte György Kurtág im November 2016 auf einer Veranstaltung im Gedenken an den kurz zuvor verstorbenen Zoltán Kocsis. 
Mit ihm verlor die Musikwelt einen zu Recht hoch angesehenen Pianisten. Wie groß dieser Verlust ist, davon vermittelt diese CD mit den oben genannten Werken für Violine und Klavier von Fritz Kreisler (1875 bis 1962) einen starken Eindruck. Nicht umsonst merkt Kocsis im Beiheft zu dieser CD an, dass Kreisler nicht nur der König aller Geiger, sondern obendrein auch ein exzellenter Pianist war. 
Kocsis kennt all die historischen Aufnahmen, auf denen Kreisler mit seinem charakteristischen Geigenton zu hören ist. Und er bedauert, dass der Klavierpart üblicherweise nicht angemessen interpretiert wird: „Bis auf einige wenige erfrischende Ausnahmen sind die Piano-Matadore bei seinen Aufnahmen mittelmäßig bis schlecht“, meint Kocsis in seinen Anmerkungen zu dieser neuen Einspielung. „Der Aufnahmetechnik jener Zeit kann man nicht die Schuld geben an verspäteten Einsätzen, ungeschicktem Umgang mit dem Pedal, einem Mangel an Balance im Klavierpart, oder an all den anderen Details, die dem heutigen Zuhörer das Gefühl geben, dass dieses Violinspiel weit bessere Begleitung und bessere Begleiter verdient.“ 
Zoltán Kocsis zeigt, wie Kreisler klingen kann, wenn man diese Musik tatsächlich ernst nimmt. Der Pianist hat ausgewählte Werke des Violinvirtuosen gemeinsam mit seinem regelmäßigen Kammermusik- partner, dem Geiger Barnabás Kelemen, eingespielt – und dabei die Stücke sorgfältig gearbeitet. Das Ergebnis ist phänomenal. Unbedingt anhören! 

Mittwoch, 18. September 2013

Richard Wagner - Arrangements for Piano (MDG)

Ist es möglich, die Musik Richard Wagners auf dem Klavier ange- messen vorzutragen? Über eine solche Frage wäre der Komponist seinerzeit wahrscheinlich sehr verwundert gewesen. Denn Klavierbearbeitungen populärer Opernmelodien waren damals üblich und weit verbreitet. Selbst berühmte Virtuosen wie Franz Liszt haben derartige Klavier- transkriptionen und Paraphrasen geschaffen und unter großem Beifall in ihren Konzerten gespielt. 
„Mir erschien es jedoch eine interessante Aufgabe, einen Blick auf weitere durch das Klavier zugänglich gemachte Interpretationen von Wagners Opernszenen und -motiven zu werfen, und zwar gerade auch auf diejenigen von Wagnerianern späterer Epochen“, bekennt Severin von Eckardstein. „Es tat sich mir ungeahnt eine randvoll mit weitgehend unbeachtetem Notenmaterial gefüllte Schatzkiste auf, in der zu wühlen großen Spaß machte.“ 
Das Ergebnis dieser Schatzsuche präsentiert der Pianist nun auf dieser CD. Er fand beispielsweise eine höchst ansprechende Version von fünf Szenen aus dem Ring der Nibelungen, geschaffen von dem belgischen Pianisten Louis Brassin (1840 bis 1884). Von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) stammt eine beeindruckende Klavierbearbeitung des Trauermarsches aus Götterdämmerung. August Stradal (1860 bis 1930) widmete sich mit großem Geschick und viel Sensibilität Ver- wandlungsmusik und Karfreitagszauber aus Parsifal
Der amerikanische Komponist Sidney Corbett (*1960) schuf eigens für diese CD Grabmal Kundry in memoriam Hans Werner Henze – mit Anklängen an Parsifal, allerdings ist dieses Werk keine Wagner-Transkription. Die Einleitung zu Tristan und Isolde hat Zoltán Kocsis (*1952) für Klavier bearbeitet, und dabei versucht, Wagners Sound möglichst originalgetreu nachzuvollziehen. Für den Pianisten dürfte dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Auch die Version, die Moritz Moszkowski (1854 bis 1925) für Isoldens Tod ersonnen hat, ist überaus anspruchsvoll. Severin von Eckardstein überzeugt mit seiner wohlstrukturierten, farbenreichen Interpretation. Diese Aufnahme macht daher auch dem Zuhörer „großen Spaß“ - eine gelungene Gabe zum Wagner-Jubiläum.