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Mittwoch, 18. September 2013

Richard Wagner - Arrangements for Piano (MDG)

Ist es möglich, die Musik Richard Wagners auf dem Klavier ange- messen vorzutragen? Über eine solche Frage wäre der Komponist seinerzeit wahrscheinlich sehr verwundert gewesen. Denn Klavierbearbeitungen populärer Opernmelodien waren damals üblich und weit verbreitet. Selbst berühmte Virtuosen wie Franz Liszt haben derartige Klavier- transkriptionen und Paraphrasen geschaffen und unter großem Beifall in ihren Konzerten gespielt. 
„Mir erschien es jedoch eine interessante Aufgabe, einen Blick auf weitere durch das Klavier zugänglich gemachte Interpretationen von Wagners Opernszenen und -motiven zu werfen, und zwar gerade auch auf diejenigen von Wagnerianern späterer Epochen“, bekennt Severin von Eckardstein. „Es tat sich mir ungeahnt eine randvoll mit weitgehend unbeachtetem Notenmaterial gefüllte Schatzkiste auf, in der zu wühlen großen Spaß machte.“ 
Das Ergebnis dieser Schatzsuche präsentiert der Pianist nun auf dieser CD. Er fand beispielsweise eine höchst ansprechende Version von fünf Szenen aus dem Ring der Nibelungen, geschaffen von dem belgischen Pianisten Louis Brassin (1840 bis 1884). Von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) stammt eine beeindruckende Klavierbearbeitung des Trauermarsches aus Götterdämmerung. August Stradal (1860 bis 1930) widmete sich mit großem Geschick und viel Sensibilität Ver- wandlungsmusik und Karfreitagszauber aus Parsifal
Der amerikanische Komponist Sidney Corbett (*1960) schuf eigens für diese CD Grabmal Kundry in memoriam Hans Werner Henze – mit Anklängen an Parsifal, allerdings ist dieses Werk keine Wagner-Transkription. Die Einleitung zu Tristan und Isolde hat Zoltán Kocsis (*1952) für Klavier bearbeitet, und dabei versucht, Wagners Sound möglichst originalgetreu nachzuvollziehen. Für den Pianisten dürfte dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Auch die Version, die Moritz Moszkowski (1854 bis 1925) für Isoldens Tod ersonnen hat, ist überaus anspruchsvoll. Severin von Eckardstein überzeugt mit seiner wohlstrukturierten, farbenreichen Interpretation. Diese Aufnahme macht daher auch dem Zuhörer „großen Spaß“ - eine gelungene Gabe zum Wagner-Jubiläum. 

Samstag, 27. Juni 2009

Moritz Moszkowski: Sämtliche Klaviertranskriptionen (Berlin Classics)

Musik aus einer fernen Zeit, als das Klavierspiel noch selbstverständlich zur Ausbildung jeder gutbürgerlichen höheren Tochter gehörte - und, wer Musik hören wollte, dafür sorgen musste, dass sich jemand ans Piano setzt. Es gab seinerzeit verschiedene Gründe, Orchesterstücke für Klavier zu bearbeiten. Die Musik von Wagner, Chopin oder Brahms in die "gute Stube" zu holen, war einer davon. Das Vergnügen am brillanten Kabinettstück ein anderer. Moszkowski beherrscht beide Extreme gleichermaßen, wie diese CD zeigt. Da finden sich effektvolle, aber technisch nicht übermäßig anspruchsvolle Sätze einerseits - und hochvirtuose Paradestücke gleich daneben. Christof Keymer, Dozent an der Musikhochschule Hannover, erweist sich als kundiger Reiseführer durch diese musikalische Landschaft. Und Moszkowskis Transkriptionen können neben denen eines Franz Liszt durchaus bestehen, das wird man spätestens bei den Wagner-Paraphrasen feststellen. Die Stücke sind von einer hinreißenden Eleganz, außerordentlich klangschön, und sie verblüffen zudem gelegentlich durch ein Augenzwinkern. Der große Pianist und Komponist Moszkowski erweist sich als Mann mit Humor. Spätestens, wenn "Anton Notenquetscher am Klavier" einen Gassenhauer zwischen Bach und Weber parodiert, wird jeder Zuhörer schmunzeln.