Posts mit dem Label Klaviertranskriptionen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klaviertranskriptionen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 13. September 2021

Bach: Piano Transkriptions (Naxos)


 2020, auf dem Höhepunkt der Pandemie, saßen weltweit Künstler ebenso wie ihr Publikum zu Hause. Konzerte wurden abgesagt oder verschoben. Der lang andauernde Lockdown sorgte für eine Zwangspause, die etliche Musiker kreativ nutzten. Viele von ihnen erschlossen sich nicht nur neues Repertoire; sie suchten zudem nach einem alternativen Zugang zum Publikum. So gab auch der Pianist Kotaro Fukuma Online-Konzerte. 

Der Japaner, der zeitweise in Berlin lebt, fragte außerdem über Social Media seine Follower, welche Klaviermusik sie am liebsten hören. Die Antwort war: Werke von Johann Sebastian Bach. So entstand dieses Album, denn Bach gehört ohnehin zu den Lieblingskomponisten von Kotaro Fukuma. Der Musiker beschränkt sich dabei allerdings nicht auf die Klavierstücke; sein besonderes Interesse gilt den Klaviertranskriptionen. 

Sein Programm ist eine Zusammenstellung von historischen Bearbeitungen. Unter den Arrangeuren sind etliche berühmte Klaviervirtuosen, von Franz Liszt über Ferruccio Busoni bis hin zu Johannes Brahms und Wilhelm Kempf. Fukuma selbst hat eine Transkription der Erbarme Dich-Arie aus der Matthäus-Passion BWV 244 geschrieben, die sich in dieser illustren Reihe nicht verstecken muss. 

Am Bechstein überzeugt Kotaro Fukuma durch eine exquisite Technik und seinen ebenso einfühlsamen wie brillanten Vortrag. Bei seinem Spiel sind ihm aber nicht nur Klangfarben und Ausdruck wichtig, sondern auch die ganz besonderen spirituellen Qualitäten dieser Musik. 


Freitag, 22. September 2017

Schubert - Busoni: Complete Transcriptions for Piano Solo (Dynamic)

Feruccio Busoni (1866 bis 1924) ist nicht nur als Pianist und Komponist eine Legende. Auch als Musik- pädagoge hat er vielfältige Spuren hinterlassen. So unterrichtete er in seinen letzten Lebensjahren eine Meisterklasse im Fach Komposition an der Berliner Akademie der Künste. 
Auf dieser CD erkundet der italienische Pianist Marco Vincenzi eine interessante Facette im Werk seines berühmten Kollegen: Busoni hat, für Breitkopf & Härtel, Klaviertranskriptionen von fast allen Ouvertüren Franz Schuberts angefertigt. Dabei hat er sich an der originalen musikalischen Substanz zwar orientiert, aber letzten Endes doch oftmals ziemlich freie Bearbeitungen erstellt, die die Möglichkeiten des Klaviers genial ausnutzen. Ergänzt wird das Programm durch einige kleine Tänze, sehr hübsch und mitunter auch sehr virtuos durch Busoni arrangiert. 
Hört man diese Transkriptionen, so will man kaum glauben, dass Busoni mit Schubert eigentlich nicht viel anfangen konnte – im Konzert hat er dessen Musik jedenfalls selten gespielt, und wenn, dann fast immer in Bearbeitungen von Franz Liszt. 
Marco Vincenzi hat diese Einspielung mit großem Aufwand vorbereitet; das hat sich gelohnt, denn die CD ist wirklich interessant. Und auch klanglich bietet die Aufnahme, bei der übrigens nicht der Standard-Steinway, sondern ein Konzertflügel aus dem Hause Steingraeber & Söhne zu hören ist, reichlich Abwechslung. Meine Empfehlung! 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Bach Without Words (Genuin)

Franz Liszt widmete sich ihnen ebenso wie Robert Franz, Ralph Vaughan Williams ebenso wie György Kurtág, Wilhelm Kempff ebenso wie Charles Francois Gounod und Sergej Rachmaninoff wie Ferruccio Busoni: Die Choralvor- spiele von Johann Sebastian Bach haben Generationen von Pianisten fasziniert und beschäftigt. Die Liste ließe sich noch lang fortsetzen – so hat beispielsweise auch Max Reger Klaviertranskriptionen ausgewählter Bach-Choralvorspiele geschrieben und veröffentlicht. 
Seltsamerweise ist diese althergebrachte Form der Auseinandersetzung mit musikalischem Material großer Komponisten zwischenzeitlich in Verruf geraten: Die Transkription, ein ebenso legitimes wir lehrreiches Verfahren, Werke zu erkunden und sie an veränderte Aufführungsbedingungen anzupassen, gilt seit der Romantik als minderwertig, als des Genies nicht würdig. 
Dabei zeigt diese CD, dass das Ergebnis dieses schöpferischen Prozesses durchaus originell und in gewisser Weise auch original sein kann: Für ihr Genuin-Debüt hat Christine Neumann ein Programm mit Klavier- transkriptionen Bach’scher Choräle, Chöre und Arien zusammengestellt; bei einigen Werken für Klavier zu vier Händen musiziert sie gemeinsam mit Anja Kleinmichel. Und natürlich hat sie selbst auch einige dieser Bearbei- tungen erstellt. 
Mit ihrem Spiel macht Neumann deutlich, dass diese Werke durchaus auch ohne Text sehr beredt sein können – Bach ohne Worte; das funktioniert selbst für Hörer, die von Chorälen gar keine Ahnung haben. „Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnadengegenwart“, notierte der Thomaskantor einst als Randnotiz in seiner Handbibel. Da darf es gern auch spätromantisch tönen, denn der moderne Konzertflügel bietet gänzlich andere Gestaltungsmöglichkeiten als die Orgel oder das Cembalo. Neumann zeigt mit ihrer CD, dass viele Wege zum Wort führen. 

Sonntag, 26. Juli 2015

Liszt: Schubert Song Transcriptions - Avan Yu (Naxos)

Außerhalb der Liszt-Reihe von Naxos ist in den Laureate Series eine weitere beeindruckende CD mit Musik des Klaviervirtuosen erschienen: Avan Yu spielt die Schubert-Liedtranskriptio- nen von Franz Liszt. Dass diese gelungenen Bearbeitungen von Liedern aus Schuberts Winterreise und Schwanengesang so wenig bekannt sind, das könnte mit daran liegen, dass sie den Pianisten heute zu sehr Salonmusik sind – und obendrein zu schwierig. 
Zu Liszts Zeiten war der Salon eine wichtige Bühne für Musiker, die sich dort in exklusivem Umfeld einem – oftmals sehr kunstbeflissenen und gar nicht selten ebenfalls musikalisch hervorragend geschulten – wohlhaben- den und wohlwollenden Publikum präsentierten. Sie waren dort gern gesehen, denn Fernsehen und Radio gab es noch nicht. Wer also Musik hören wollte, der musste selbst welche machen, oder seine Gäste zum Musizieren einladen. Heute käme kaum ein Solist auf die Idee, im Privathaushalt zu konzertieren, und dafür sogar eigens Repertorie zu schreiben. So ändern sich die Sitten; ob das ein Gewinn ist, mag jeder selbst entscheiden. 
Avan Yu jedenfalls wäre in den Berliner oder in den Pariser Salons hoch- willkommen gewesen. Die Schubert-Lieder sind ja schon an sich keine einfache Literatur für Pianisten. Liszt hat da seinerzeit aber noch einen draufgesetzt, denn es galt, nicht nur die Begleitung, sondern auch die Singstimme in die Bearbeitung zu integrieren – und dabei Charakter und Aussage der jeweiligen Liedstrophe zu unterstreichen. Hört man, wie locker der junge kanadische Solist diese Höchstschwierigkeiten bewältigt, ohne dabei den Ausdruck zu vernachlässigen, dann wird man sich nicht darüber wundern, dass er bereits mit 17 Jahren die Goldmedaille beim kanadischen Chopinwettbewerb gewonnen hat. Das Programm, das er auf dieser CD vorstellt, brachte ihm im Alter von 28 Jahren den ersten Preis sowie neun Spezialpreise beim Internationalen Klavierwettbewerb Sydney 2012 ein. Hut ab! und ein lautes Bravo!

Liszt: Transcriptions of J. S. Bach (Naxos)

Das Schaffen von Franz Liszt (1811 bis 1886) wird von dem Label Naxos mit einer Gesamteinspielung sämtlicher Klavierwerke gewürdigt. Das ist kein simples Unterfangen: Als die große französische Pianistin France Clidat in den 60er Jahren das einspielte, was man damals für das Gesamtwerk hielt, passte das auf nicht einmal 20 Langspielplatten. Mittlerweile weiß man es besser, und die Edition, die Leslie Howard im Verlaufe von immerhin 14 Jahren bei Hyperion eingespielt hat, umfasst sagenhafte 99 CD. 
Die Reihe bei Naxos hat nun bereits Folge 39 erreicht. Diese CD enthält Transkriptionen, die die Auseinandersetzung Liszts mit Werken von Johann Sebastian Bach dokumentieren, insbesondere mit Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 und mit den Sechs Präludien und Fugen BWV 543 bis 548. Susanne Husson spielt diese höchst anspruchsvollen Werke kraftvoll und angemessen pathetisch. Die Pianistin, die in Genf lebt, hat bei Arturo Benedetti Michelangeli studiert.
Transkriptionen haben große Bedeutung für das Werk Franz Liszts. Das spiegelt sich auch in der Gesamteinspielung wieder. So sind beispielsweise Wagner-Transkriptionen erschienen, gespielt von William Wolfram und Seven Mayer, der seine Aufnahme durch Liszts Version der Ouvertüre zu Webers Oper Der Freischütz ergänzt.
Transkriptionen waren vor der Erfindung des Radios üblich, um beispiels- weise Opernmelodien auch ohne Sänger und Orchester anhören zu können. Daher waren solche Bearbeitungen sehr beliebt, von der bürger- lichen Hausmusik bis zum Konzertprogramm der Virtuosen. Eine andere Möglichkeit, populäre Melodien weiterzuspinnen, boten Fantaisies, gern auch in Form einer Grande Fantaisie fürs Konzertpodium, Réminiscences oder Variationen, in ihrer virtuosesten Variante gern als Grandes variations de bravoure vorgetragen. Wie Liszt diese eingesetzt hat, um im Konzert zu brillieren, zeigt William Wolfram auf einer CD mit Werken des Pianisten, die auf Opern von Bellini beruhen.
Liszt wurde auf seinen Konzertreisen in Russland sehr gefeiert. Der Pianist hat sich stets dafür eingesetzt, Werke russischer Komponisten im Westen bekannter zu machen: Er hat sie im Konzert gespielt; Alexandre Dossin stellt  Liszts Klavierbearbeitungen russischer Musik vor.

Mittwoch, 18. September 2013

Richard Wagner - Arrangements for Piano (MDG)

Ist es möglich, die Musik Richard Wagners auf dem Klavier ange- messen vorzutragen? Über eine solche Frage wäre der Komponist seinerzeit wahrscheinlich sehr verwundert gewesen. Denn Klavierbearbeitungen populärer Opernmelodien waren damals üblich und weit verbreitet. Selbst berühmte Virtuosen wie Franz Liszt haben derartige Klavier- transkriptionen und Paraphrasen geschaffen und unter großem Beifall in ihren Konzerten gespielt. 
„Mir erschien es jedoch eine interessante Aufgabe, einen Blick auf weitere durch das Klavier zugänglich gemachte Interpretationen von Wagners Opernszenen und -motiven zu werfen, und zwar gerade auch auf diejenigen von Wagnerianern späterer Epochen“, bekennt Severin von Eckardstein. „Es tat sich mir ungeahnt eine randvoll mit weitgehend unbeachtetem Notenmaterial gefüllte Schatzkiste auf, in der zu wühlen großen Spaß machte.“ 
Das Ergebnis dieser Schatzsuche präsentiert der Pianist nun auf dieser CD. Er fand beispielsweise eine höchst ansprechende Version von fünf Szenen aus dem Ring der Nibelungen, geschaffen von dem belgischen Pianisten Louis Brassin (1840 bis 1884). Von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) stammt eine beeindruckende Klavierbearbeitung des Trauermarsches aus Götterdämmerung. August Stradal (1860 bis 1930) widmete sich mit großem Geschick und viel Sensibilität Ver- wandlungsmusik und Karfreitagszauber aus Parsifal
Der amerikanische Komponist Sidney Corbett (*1960) schuf eigens für diese CD Grabmal Kundry in memoriam Hans Werner Henze – mit Anklängen an Parsifal, allerdings ist dieses Werk keine Wagner-Transkription. Die Einleitung zu Tristan und Isolde hat Zoltán Kocsis (*1952) für Klavier bearbeitet, und dabei versucht, Wagners Sound möglichst originalgetreu nachzuvollziehen. Für den Pianisten dürfte dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Auch die Version, die Moritz Moszkowski (1854 bis 1925) für Isoldens Tod ersonnen hat, ist überaus anspruchsvoll. Severin von Eckardstein überzeugt mit seiner wohlstrukturierten, farbenreichen Interpretation. Diese Aufnahme macht daher auch dem Zuhörer „großen Spaß“ - eine gelungene Gabe zum Wagner-Jubiläum. 

Freitag, 6. Mai 2011

Liszt: Complete Piano Transkriptions from the Operas of Richard Wagner (Neue Sterne)

"Ich sah Liszt eine Probe zu mei- nem Tannhäuser dirigieren und war erstaunt, durch diese Lei- stung mein zweites Ich wieder zu erkennen: was ich fühlte, als ich diese Musik erfand, fühlte er, als er sie aufführte; was ich sagen woll- te, als ich sie niederschrieb, sagte er, als er sie ertönen ließ. Wunder- bar!", lobte Richard Wagner seinen Kollegen, Freund und späteren Schwiegervater. 
Franz Liszt (1811 bis 1886) sorgte nicht nur für die Uraufführung des Lohengrin 1850 in Weimar, sondern er spielte Wagners Werke auch selbst gern und viel in Salons und Konzerten. Dafür schuf er Klavier- transkriptionen, wie dies damals üblich war - allerdings sind Liszts Bearbeitungen nicht die typischen "Best-of"-Auszüge zum Hausge- brauch für die höhere Tochter, sondern Virtuosenstücke, geschaffen, um zu beeindrucken. Liszt lässt sich von Wagners Werken inspirieren, doch was er dann daraus macht, das hat durchaus sehr eigenständige Qualität. So reizt den Klaviervirtuosen nicht das eigentliche Lied der Spinnerinnen aus dem Fliegenden Holländer, sondern vielmehr die Klangmalerei, mit der Wagner die Arbeit des Spinnens beschrieb. Es ist beeindruckend, was Liszt daraus macht. Und Albert Mamriev lässt die Tasten sausen. Der junge Pianist spielt Liszts Wagner-Transkrip- tionen mit der angemessenen virtuosen Brillanz. Aber etwas mehr Mut zur eigenständigen musikalischen Gestaltung darf Mamriev in Zukunft gern zeigen. 

Samstag, 27. Juni 2009

Moritz Moszkowski: Sämtliche Klaviertranskriptionen (Berlin Classics)

Musik aus einer fernen Zeit, als das Klavierspiel noch selbstverständlich zur Ausbildung jeder gutbürgerlichen höheren Tochter gehörte - und, wer Musik hören wollte, dafür sorgen musste, dass sich jemand ans Piano setzt. Es gab seinerzeit verschiedene Gründe, Orchesterstücke für Klavier zu bearbeiten. Die Musik von Wagner, Chopin oder Brahms in die "gute Stube" zu holen, war einer davon. Das Vergnügen am brillanten Kabinettstück ein anderer. Moszkowski beherrscht beide Extreme gleichermaßen, wie diese CD zeigt. Da finden sich effektvolle, aber technisch nicht übermäßig anspruchsvolle Sätze einerseits - und hochvirtuose Paradestücke gleich daneben. Christof Keymer, Dozent an der Musikhochschule Hannover, erweist sich als kundiger Reiseführer durch diese musikalische Landschaft. Und Moszkowskis Transkriptionen können neben denen eines Franz Liszt durchaus bestehen, das wird man spätestens bei den Wagner-Paraphrasen feststellen. Die Stücke sind von einer hinreißenden Eleganz, außerordentlich klangschön, und sie verblüffen zudem gelegentlich durch ein Augenzwinkern. Der große Pianist und Komponist Moszkowski erweist sich als Mann mit Humor. Spätestens, wenn "Anton Notenquetscher am Klavier" einen Gassenhauer zwischen Bach und Weber parodiert, wird jeder Zuhörer schmunzeln.