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Montag, 31. Januar 2022

Busoni: The 6 Sonatas (Hänssler Classics)


 Mit dieser CD setzt sich Victor Nicoara dafür ein, dass das Werk von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb hat der Pianist für sein Solo-Debüt die sechs Sonatinen eingespielt, die Busoni zwischen 1910 und 1920 komponierte. Komplettiert wird dieses anspruchsvolle Programm durch Nuit de Noel, drei Albumblätter sowie das Fragment einer Sonatina quasi Sonata aus dem Jahre 1914. Dies wiederum inspirierte Nicoara zu seiner Quasi Sonatina, welche er zum Abschluss präsentiert. 

„Busoni was very fond of architecture and, upon following both evidence and intuition, I believe he thought of music in a spatial sense“, schreibt der rumänische Pianist, der am Royal College of Music in London Klavier und auch Komposition studiert hat und jetzt in Berlin lebt. „Thus, it is my wish to take the listener on a journey through the sound chambers of Busoni’s mind. With some patience, what at first seems opaque, a puzzling labyrinth, will later reveal itself to be an edifice full of both great orderly refinement and mysterious corners.“ 

Ferruccio Busoni wuchs in Empoli, westlich von Florenz, auf. Die Eltern, eine Pianistin und ein Klarinettenvirtuose, begannen schon früh mit seiner musikalischen Ausbildung. Als Busoni sieben Jahre alt war, gab er in Triest seine erstes Konzert am Klavier, und er komponierte seine ersten Klavierstücke. Zwei Jahre später spielte das Wunderkind vor Publikum bereits Mozarts c-Moll-Konzert KV 491. 

Busoni studierte am Wiener Konservatorium und unterrichtete in Leipzig, Helsinki, Moskau und Boston. 1894 ging er nach Berlin. Während des Weltkrieges lebte der Musiker in Zürich. 1920 kehrte Busoni nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem viel zu frühen Tod eine Meisterklasse an der Berliner Akademie der Künste unterrichtete. Er prägte zahlreiche Musikerpersönlichkeiten, wie Philipp Raphael Jarnach, Edgar Varèse, Kurt Weill oder Leo Kestenberg. 

Das enorme musikalische Spektrum, das Busoni vertrat, machen die Sonatinen exemplarisch sichtbar. Die Sonatina super Carmen (1920) zeigt, wie Busoni romantische Virtuosentraditionen aufgriff. Die Komposition, die er zu Papier brachte, übertrifft an Vertracktheit wohl selbst Liszts wildeste Tastenfantasien. Doch stark geprägt hat Busoni vor allem seine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk von Johann Sebastian Bach. Als Meister des Kontrapunkts zeigt ihn die Sonatina brevis in Signo Joannis Sebastiani Magni (1918), die den Zuhörer aber auch an Reger denken lässt. 

Farbenrausch und Eleganz hingegen bietet die erste Sonatina (1910), die eher an impressionistische Klänge erinnert. Doch in all diesen Experimenten bleibt Busoni immer bei sich. Nicht nur als Dirigent und Musiktheoretiker setzte er sich für zeitgenössische Musik ein. Die Sonatinen wirken wie das Echo jener Überlegungen, die er seinerzeit in seinem „Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst“ (1907/1916) erläutert hat. Man höre nur die Sonatina Seconda (1912) – harmonisch ein Wagnis, und rhythmisch hochkomplex. 

„To me, Busoni’s music is at once very intimate and very distant. It tries to guess at the unknowable far away and deep within, living at the limits of our spiritual perception in each direction“, schreibt Victor Nicoara im Beiheft. „It constantly hints at something, without revealing it directly. I tried to search for this quality in sound. The acoustik of the Meistersaal, coupled with the characterful old Steinway – once used by Wilhelm Kempff to record the complete Beethoven Sonatas – and with Sebastian Nattkemper’s magical sound engineering powers brought me to the closest approximation of what I had in mind.“ 

Der rumänische Pianist interpretiert Busonis Musik mit Noblesse, allerfeinster Klaviertechnik und spektakulärem musikalischen Gestaltungsvermögen. Diese Einspielung ist sehr beeindruckend, und mit seiner Quasi Sonatina setzt Victor Nicoara ein ebenso würdiges wie poetisches Finale. Chapeau! 

Sonntag, 17. Dezember 2017

Christmas Piano Music (Sony)

Die Weihnachtszeit ist auch eine Zeit des häuslichen Musizierens. Das Klavier, als traditionelles Haus- instrument, war dabei in den letzten 150 Jahren von zentraler Bedeutung. Auch wenn es heute in vielen Familien nicht einmal mehr dazu reicht, ein simples Weihnachtslied gemeinsam zu singen – verflixt, wie war doch gleich der Text! – liegen doch jene Zeiten, in denen das souveräne Spiel auf einem Musik- instrument ganz selbstverständlich als Bestandteil der höheren Bildung galt, noch gar nicht so lange zurück. Und wer alte Notenbestände sichtet, der wird oftmals Werke für das Weihnachtsfest finden – auf jedem musikalischen Niveau. 
Peter Froundjian hat aus der Vielzahl solcher Kompositionen für dieses Album einige wirkliche Perlen ausgewählt. Der Pianist, Gründer des seit 1987 alljährlich in Husum stattfindenden, international renommierten Festivals „Raritäten der Klaviermusik“, hat so einiges gefunden, was garantiert kaum jemand kennt. So spielt er die zwölf Pastorales op. 77 von Charles Koechlin (1867 bis 1950), eine Pastorale von Gustav Helsted (1857 bis 1924) Noël und Pastorale von Ignaz Friedman (1882 bis 1948) oder das Jule-Idyl von Alfred Tofft (1865 bis 1931). 
Sehr schön ist auch Snöflingor op. 57 Nr. 2 des finnischen Komponisten Selim Palmgren (1878 bis 1951), der den Flockenwirbel mit impressionisti- schen Stilmitteln schildert. Carl Nielsen (1865 bis 1931) stellt in seiner Fantasie Drømmen om „Glade Jul“ die Melodie des Liedes Stille Nacht in den Mittelpunkt. Und Franciszek Brzeziński (1867 bis 1944) zeigt uns mit Noël in Pologne, mit welcher Inbrunst das Weihnachtsfest in Polen gefeiert wird. 
Die Liste der Raritäten, die Peter Froundjian zusammengetragen hat, ist damit lang noch nicht vollständig. Der Pianist bestätigt mit dieser CD einmal mehr seinen Ruf als Spezialist für kaum bekannte Klaviermusik. Mit diesem Album beschert er allen Freunden eher moderner Klänge eine Kollektion faszinierender Weihnachtsmusiken, weit abseits vom Kaufhausgedudel. 

Freitag, 22. September 2017

Schubert - Busoni: Complete Transcriptions for Piano Solo (Dynamic)

Feruccio Busoni (1866 bis 1924) ist nicht nur als Pianist und Komponist eine Legende. Auch als Musik- pädagoge hat er vielfältige Spuren hinterlassen. So unterrichtete er in seinen letzten Lebensjahren eine Meisterklasse im Fach Komposition an der Berliner Akademie der Künste. 
Auf dieser CD erkundet der italienische Pianist Marco Vincenzi eine interessante Facette im Werk seines berühmten Kollegen: Busoni hat, für Breitkopf & Härtel, Klaviertranskriptionen von fast allen Ouvertüren Franz Schuberts angefertigt. Dabei hat er sich an der originalen musikalischen Substanz zwar orientiert, aber letzten Endes doch oftmals ziemlich freie Bearbeitungen erstellt, die die Möglichkeiten des Klaviers genial ausnutzen. Ergänzt wird das Programm durch einige kleine Tänze, sehr hübsch und mitunter auch sehr virtuos durch Busoni arrangiert. 
Hört man diese Transkriptionen, so will man kaum glauben, dass Busoni mit Schubert eigentlich nicht viel anfangen konnte – im Konzert hat er dessen Musik jedenfalls selten gespielt, und wenn, dann fast immer in Bearbeitungen von Franz Liszt. 
Marco Vincenzi hat diese Einspielung mit großem Aufwand vorbereitet; das hat sich gelohnt, denn die CD ist wirklich interessant. Und auch klanglich bietet die Aufnahme, bei der übrigens nicht der Standard-Steinway, sondern ein Konzertflügel aus dem Hause Steingraeber & Söhne zu hören ist, reichlich Abwechslung. Meine Empfehlung! 

Mittwoch, 18. September 2013

Richard Wagner - Arrangements for Piano (MDG)

Ist es möglich, die Musik Richard Wagners auf dem Klavier ange- messen vorzutragen? Über eine solche Frage wäre der Komponist seinerzeit wahrscheinlich sehr verwundert gewesen. Denn Klavierbearbeitungen populärer Opernmelodien waren damals üblich und weit verbreitet. Selbst berühmte Virtuosen wie Franz Liszt haben derartige Klavier- transkriptionen und Paraphrasen geschaffen und unter großem Beifall in ihren Konzerten gespielt. 
„Mir erschien es jedoch eine interessante Aufgabe, einen Blick auf weitere durch das Klavier zugänglich gemachte Interpretationen von Wagners Opernszenen und -motiven zu werfen, und zwar gerade auch auf diejenigen von Wagnerianern späterer Epochen“, bekennt Severin von Eckardstein. „Es tat sich mir ungeahnt eine randvoll mit weitgehend unbeachtetem Notenmaterial gefüllte Schatzkiste auf, in der zu wühlen großen Spaß machte.“ 
Das Ergebnis dieser Schatzsuche präsentiert der Pianist nun auf dieser CD. Er fand beispielsweise eine höchst ansprechende Version von fünf Szenen aus dem Ring der Nibelungen, geschaffen von dem belgischen Pianisten Louis Brassin (1840 bis 1884). Von Ferruccio Busoni (1866 bis 1924) stammt eine beeindruckende Klavierbearbeitung des Trauermarsches aus Götterdämmerung. August Stradal (1860 bis 1930) widmete sich mit großem Geschick und viel Sensibilität Ver- wandlungsmusik und Karfreitagszauber aus Parsifal
Der amerikanische Komponist Sidney Corbett (*1960) schuf eigens für diese CD Grabmal Kundry in memoriam Hans Werner Henze – mit Anklängen an Parsifal, allerdings ist dieses Werk keine Wagner-Transkription. Die Einleitung zu Tristan und Isolde hat Zoltán Kocsis (*1952) für Klavier bearbeitet, und dabei versucht, Wagners Sound möglichst originalgetreu nachzuvollziehen. Für den Pianisten dürfte dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Auch die Version, die Moritz Moszkowski (1854 bis 1925) für Isoldens Tod ersonnen hat, ist überaus anspruchsvoll. Severin von Eckardstein überzeugt mit seiner wohlstrukturierten, farbenreichen Interpretation. Diese Aufnahme macht daher auch dem Zuhörer „großen Spaß“ - eine gelungene Gabe zum Wagner-Jubiläum.