Henry Purcells Oper Dido und Aeneas faszinierte Fabio Bonizzoni seit vielen Jahren: „Der Charme dieser Oper liegt darin, dass sie alles beinhaltet, wie Cervantes’ Don Quixote. Jegliche Lebenserfahrung liegt darin -- Liebe, Hass, Tod, Traum, Verzweiflung, unschuldiges und durchtriebenes Spiel“, sagt der Dirigent. „Ich möchte Purcells ,Zeichen' auf meine eigene Weise übersetzen und zeigen, wie lebendig, modern und zeitgemäß diese Oper ist.“
Mit seinem Ensemble La Risonanza hat Bonizzoni daher die alte Geschichte von der Königin Dido, die sich in Aeneas verliebt, der bei seiner Flucht aus dem zerstörten Troja nach Karthago gelangt ist, neu eingespielt. Der Inhalt ist rasch erzählt: Eine Zauberin, die Dido übel gesonnen ist, sorgt mit Hilfe einer Geister- erscheinung dafür, dass Aeneas nach Italien aufbricht. Dido bringt sich um – doch zuvor singt sie eine Klage, die mit das Ergreifendste ist, was die Musikgeschichte zu bieten hat. Raffaella Milanesi singt die Dido, Stefanie True ihre Vertraute Belinda, Richard Helm den Aeneas und Iason Marmaras die Zauberin.
Den wahrscheinlich wichtigsten Part in dieser Oper aber hat der Chor. Denn er ist immer präsent, und er spiegelt die Handlung und die Gefühle der Protagonisten: Der Chor feiert Dido als erfolgreiche Königin, der Chor feiert ihre Liebe zu Aeneas, der Chor ist Zeuge der gehässigen Zaubereien, und der Chor streut dann Rosenblätter auf Didos Grab. Der Coro Costanzo Porta unter Leitung von Antonio Greco macht das großartig.
Als Zugabe gibt es dann The Love of Mars and Venus, vertont einst von John Eccles und Gottfried Finger – von dem aber nur die songs sowie der Textauszug überliefert sind, denn diese wurden im 17. Jahrhundert publiziert. Bonizzoni hat diese Masque behutsam rekonstruiert. Und man wundert sich, warum diese alten Stücke heute nur noch von spezialisierten Ensembles aufgeführt werden. Das ist wirklich schade: „Dido lehrt uns, dass es keiner Spezialeffekte bedarf“, betont Bonizzoni: „Das Leben selbst ist ein Spezialeffekt, eine wunderbare Reise erwachsen aus Tragödie und Freude, Liebe und Hass.“
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Dienstag, 8. Januar 2019
Sonntag, 27. November 2016
Händel: Duetti e Terzetti italiani (Glossa)
Als der junge Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) nach Italien reiste, muss dies für ihn, ähnlich wie für Johann Wolfgang von Goethe, eine Art Erweckungserlebnis gewesen sein. Die italienische Musik, die italienische Lebensart und die italienische Sonne haben Händel inspiriert und sein Werk lebenslang beeinflusst.
Aus Italien brachte der Komponist auch die Leidenschaft für ein Genre mit, das damals beim musikbegeister- ten Adel ganz besonders gefragt war: Die Duetti da camera, kunstvolle, mitunter sogar virtuose Zwiegesänge, die einen Text gekonnt und zumeist sehr expressiv auslegen. Händel hat insgesamt 23 solcher Werke geschrie- ben – die ersten während seiner Zeit in Italien, weitere dann in Hannover, und noch 1740/45 in London schuf er Kammerduette. Fabio Bonizzoni ist derzeit dabei, mit seinem Ensemble La Risonanza bei Glossa eine Gesamt- einspielung dieser ausdrucksstarken Musikstücke zu erarbeiten.
Auf dieser CD sind neben sieben Kammerduetten auch beide Kammerter- zette des Komponisten zu hören. Es singen Roberta Invernizzi und Silvia Frigato, Sopran, Krystian Adam, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton. Diese Werke sind, mit möglicherweise einer Ausnahme, auf Händels Italienreise entstanden. Sie beeindrucken durch die Souveränität, mit der der junge Komponist von seinen Kollegen dort gelernt hat – und die Eleganz ihrer Satzkunst und Textausdeutung.
Aus Italien brachte der Komponist auch die Leidenschaft für ein Genre mit, das damals beim musikbegeister- ten Adel ganz besonders gefragt war: Die Duetti da camera, kunstvolle, mitunter sogar virtuose Zwiegesänge, die einen Text gekonnt und zumeist sehr expressiv auslegen. Händel hat insgesamt 23 solcher Werke geschrie- ben – die ersten während seiner Zeit in Italien, weitere dann in Hannover, und noch 1740/45 in London schuf er Kammerduette. Fabio Bonizzoni ist derzeit dabei, mit seinem Ensemble La Risonanza bei Glossa eine Gesamt- einspielung dieser ausdrucksstarken Musikstücke zu erarbeiten.
Auf dieser CD sind neben sieben Kammerduetten auch beide Kammerter- zette des Komponisten zu hören. Es singen Roberta Invernizzi und Silvia Frigato, Sopran, Krystian Adam, Tenor, und Thomas Bauer, Bariton. Diese Werke sind, mit möglicherweise einer Ausnahme, auf Händels Italienreise entstanden. Sie beeindrucken durch die Souveränität, mit der der junge Komponist von seinen Kollegen dort gelernt hat – und die Eleganz ihrer Satzkunst und Textausdeutung.
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Händel: Duetti da Camera (Glossa)
Für den Gebrauch bei Hofe kompo- nierte Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) einst seine Duetti da Ca- mera. Die ersten davon entstanden noch in Hannover, weitere dann in London. Letztere waren, so wird ver- mutet, nicht mehr für die Hausmusik der Prinzessinnen, sondern zum Vortrag durch professionelle Sänger bestimmt, denn sie sind technisch deutlich anspruchsvoller.
Eine Auswahl dieser hübschen Werke präsentieren Roberta Invernizzi und Marina de Liso, Sopran und Mezzosopran, gemeinsam mit dem Ensemble La Risonanza auf der vorliegenden CD. Die beiden Sängerinnen unter- scheiden sich im Timbre recht deutlich, was die Strukturen dieser Musik klar erkennbar werden lässt. Man wird feststellen, dass diese Komposi- tionen für zwei Singstimmen und Basso continuo in ihren musikalischen Qualitäten, aber auch in den Anforderungen an die Sänger Händels Opernarien mindestens ebenbürtig sind. Es ist sehr erfreulich, dass diese Raritäten, die man im Konzert so gut wie nie hören wird, nunmehr wenigstens teilweise auf CD erhältlich sind.
Eine Auswahl dieser hübschen Werke präsentieren Roberta Invernizzi und Marina de Liso, Sopran und Mezzosopran, gemeinsam mit dem Ensemble La Risonanza auf der vorliegenden CD. Die beiden Sängerinnen unter- scheiden sich im Timbre recht deutlich, was die Strukturen dieser Musik klar erkennbar werden lässt. Man wird feststellen, dass diese Komposi- tionen für zwei Singstimmen und Basso continuo in ihren musikalischen Qualitäten, aber auch in den Anforderungen an die Sänger Händels Opernarien mindestens ebenbürtig sind. Es ist sehr erfreulich, dass diese Raritäten, die man im Konzert so gut wie nie hören wird, nunmehr wenigstens teilweise auf CD erhältlich sind.
Sonntag, 5. Juni 2011
Scarlatti: Serenate a Filli (Glossa)
"Zur Zerstreuung an einem Abend in edler Gesellschaft", schrieb Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) einst an Großherzog Ferdi- nando de' Medici, habe er die beiliegende Serenata komponiert. Die hübschen Stücke, die bald wie eine kleine Oper erscheinen, aber typischerweise auf Handlung und Szenenwechsel verzichten, ent- standen seinerzeit anlässlich von Festlichkeiten wie Hochzeiten, Geburtstage, Siegesfeiern oder für Besuche bedeutender Persönlich- keiten.
Die beiden Serenaden auf dieser CD hat Scarlatti 1706 in Rom ge- schaffen. Sie sind beide der arkadischen Figur Filli gewidmet - einer Römerin von Stand, deren Identität wohl nicht abschließend zu klä- ren ist. In Le Muse Urania e Clio Londano le bellezze di Filli preisen die Sonne sowie ihre beiden Töchter Urania und Clio die Vorzüge der Filli. Die ebenfalls dreistimmige Serenata à Filli beklagt die Liebes- qualen, die Fileno, Niso und Doralbo leiden, weil sie jener Nymphe zugetan sind. Die Verse sind schlicht und zugleich elegant, ganz wie es die Accademia dell'Arcadia gefordert hatte.
Scarlattis Vertonung erfreut durch ihre schönen Melodien, ein raffi- niertes Spiel mit Klangfarben, und durch die hübschen Soli, mit denen er unter anderem das Violoncello bedacht hat. Seine Serenaden sind ebenso komplexe wie wohlklingende Werke, die ihre Zuhörer mit Sicherheit gut unterhalten haben. Das Ensemble La Risonanza unter Fabio Bonizzoni jedenfalls sorgt dafür, dass keine Langeweile auf- kommt. Emanuela Galli und Yetzabel Arias Fernández, Sopran, und Martín Oro, Alt, singen mit schlank und sicher geführten, angenehm timbrierten Stimmen. Beim Anhören dieser CD fragt man sich aller- dings, warum das Genre generell bislang so stiefmütterlich behandelt wurde.
Die beiden Serenaden auf dieser CD hat Scarlatti 1706 in Rom ge- schaffen. Sie sind beide der arkadischen Figur Filli gewidmet - einer Römerin von Stand, deren Identität wohl nicht abschließend zu klä- ren ist. In Le Muse Urania e Clio Londano le bellezze di Filli preisen die Sonne sowie ihre beiden Töchter Urania und Clio die Vorzüge der Filli. Die ebenfalls dreistimmige Serenata à Filli beklagt die Liebes- qualen, die Fileno, Niso und Doralbo leiden, weil sie jener Nymphe zugetan sind. Die Verse sind schlicht und zugleich elegant, ganz wie es die Accademia dell'Arcadia gefordert hatte.
Scarlattis Vertonung erfreut durch ihre schönen Melodien, ein raffi- niertes Spiel mit Klangfarben, und durch die hübschen Soli, mit denen er unter anderem das Violoncello bedacht hat. Seine Serenaden sind ebenso komplexe wie wohlklingende Werke, die ihre Zuhörer mit Sicherheit gut unterhalten haben. Das Ensemble La Risonanza unter Fabio Bonizzoni jedenfalls sorgt dafür, dass keine Langeweile auf- kommt. Emanuela Galli und Yetzabel Arias Fernández, Sopran, und Martín Oro, Alt, singen mit schlank und sicher geführten, angenehm timbrierten Stimmen. Beim Anhören dieser CD fragt man sich aller- dings, warum das Genre generell bislang so stiefmütterlich behandelt wurde.
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