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Sonntag, 9. Januar 2022

Mozart: Serenades (Hänssler Classic)


 Eine kleine Nachtmusik von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) – nunmehr eingespielt von den Berliner Barock Solisten. Gibt es neue Erkenntnisse, oder hatte das renommierte Ensemble einfach Lust darauf, das zu spielen, was alle spielen? 

„Es ist zwar längst alles gesagt, nur noch nicht von Jedem“, ätzt der Leiter des Ensembles, Reinhard Goebel, in seinem obligatorischen Essay im Beiheft über die Gebräuche der Klassikszene. Das gilt freilich nicht nur für all die Beethoven-Zyklen und Vivaldi-„Vier Jahreszeiten“, sondern auch für all die anderen musikalischen Dauerbrenner aus früheren Jahrhunderten. 

Dazu gehören selbstverständlich auch Mozarts Serenaden. Wie also interpretiert man solche Werke? Goebel rät zum Blick in die Noten – und zwar möglichst in die Original-Quellen, denn Editionen ist nicht zu trauen. Sein Motto: „Wann immer sich der durchschnittliche Musikwissenschaftler zu Themen der Praxis äußert, so ist höchste Vorsicht geboten.“ 

Was dies ganz konkret bringt, das zeigt eindrucksvoll dieses CD-Projekt. Goebel hat wirklich alles hinterfragt, und siehe da! schon in Mozarts eigenhändigem Werkverzeichnis steht geschrieben: „Eine kleine Nacht Musick, bestehend in einem Allegro, Menuett und Trio. Romance, Menuett und Trio, und Finale. – 2 Violini, Viola e Baßi.“ Also keineswegs ein Streichquartett in vier Sätzen. 

Für das verschwundene Menuett, aber mehr noch für Besetzung und Tempi hat Goebel Lösungen gefunden, die überzeugen. Das Programm wird komplettiert durch Adagio und Fuge c-Moll KV 426/546 sowie ein Streicherarrangement von KV 594 (darüber freilich schweigt sich Goebel in seinem ansonsten so beredten Kommentar aus) und die Serenata Notturna KV 239, ein selten gespieltes Opus für Streicher und Pauken. 

Damit bietet die CD den gesamten Bestand an Mozarts Original-Kompositionen für chorisch, also mehrfach besetzte Streicher. Musiziert wird exquisit, fein austariert, ja, mitunter beinahe schon ein wenig manieriert. Manch Streichquartett träumt davon, so aus einem Atem zu musizieren wie die Berliner Barock Solisten. Das hat Klasse. 

Sonntag, 29. Juni 2014

Mozart: Harmoniemusik (Coviello Classics)

Dass erfolgreiche Werke oftmals in neuen Arrangements aufgeführt werden, ist ein alter Hut. Es erscheint ein bisschen kurios, dass Andreas N. Tarkmann im Beiheft zu dieser CD meint, sich für seine Bearbeitungen rechtfertigen zu müssen. Denn von Bach bis Berlioz und von Haydn bis Henze haben viele Komponisten eigene oder auch fremde Musik bearbeitet. Auch Mozart hat das mehr als einmal getan, beispielsweise um beliebte Melodien aus seinen Opern in einem Arrangement für Bläser vermarkten zu können. Diese sogenannten Harmoniemusiken waren zu Mozarts Zeit sehr beliebt. So hat der Komponist seine eigene Bläserserenade KV 375 nachträglich zum Oktett gemacht. In dieser Fassung spielt sie auf dieser CD das Ensemble Prisma. Tarkmann hat Mozarts Sinfonie Nr. 1 sehr ansprechend für Bläser arrangiert. Auch ein Fragment, das wohl einmal ein Quintett für Klarinette, Bassett- horn und Streicher werden sollte, ergänzte er, wobei er aber auf allzu kühne Hinzufügungen verzichtet hat. Das berühmte Rondo Alla Turca erklingt als virtuoser Schluss. 

Montag, 10. September 2012

Suitner conducts Mozart (Berlin Classics)

Otmar Suitner (1922 bis 2010), ausgebildet bei Clemens Krauss am Mozarteum in Salzburg, folgte 1960 dem Ruf nach Dresden: Die Staatskapelle hatte den Dirigenten zu ihrem Generalmusikdirektor gewählt. Suitner, dessen Klangideal durch Strauss und Wagner geprägt war, schätzte das Dresdner Orche- ster offenbar sehr. Dennoch ging er 1964 nach Berlin, wo er General- musikdirektor der Staatsoper Unter den Linden wurde. 
Dieses Amt hatte er bis 1991 inne; hier formte er ein erstklassiges Ensemble, und engagierte sich zudem sehr für zeitgenössische Musik. So setzte er Opern von Paul Dessau sowie Hans Pfitzners Palestrina auf den Spielplan - was ihm wohl nur gelang, weil er mit seinem österreichischen Pass winken konnte. Dieser ermöglichte ihm zudem zahlreiche Konzertreisen. Doch ob- wohl Suitner in den 60er Jahren mehrfach in Bayreuth dirigierte, blieb er in Westdeutschland so gut wie unbekannt. Eine Parkinson-Erkrankung zwang ihn schließlich in den 90er Jahren, das Dirigieren aufzugeben. 
Diese Box mit sechs CD fasst Mozart-Aufnahmen zusammen, die Otmar Suitner in den 60er und 70er Jahren gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin eingespielt hat. Darunter sind etliche Sinfonien, die berühmte Kleine Nachtmusik und weitere Serenaden sowie Ein musikalischer Spaß. Auch die Klavierkonzerte KV 450 und 467 sind enthalten, gespielt von Annerose Schmidt. Die Solistin ist übrigens auch in der Gesamtaufnahme von Mozarts Klavierkonzerten zu hören, die mehr als zehn Jahre später mit der Dresdner Philharmonie unter Kurt Masur aufgezeichnet wurde. 
Dem Hörer wird die unglaubliche Bescheidenheit und Zurückhaltung auffallen, mit der Suitner sich Mozarts Werken naht. Da ist keine Selbstinszenierung zu spüren, keine plumpe Effekthascherei - selbst beim Musikalischen Spaß vermeidet Suitner Grobheit und Klamauk. Die Kleine Nachtmusik befreit er vom Kitsch; Suitner lässt sie leise spielen, spannungsvoll und zugleich filigran. Diese Aufnahme macht deutlich: Dies ist kein "Klassik-Pop", sondern Musik, die ernst ge- nommen werden will - und dafür schätze ich diese Aufnahmen seit vielen Jahren. 

Donnerstag, 17. Mai 2012

Fuchs: Serenades Nos. 3, 4 and 5 (Naxos)

Der Name Robert Fuchs (1847 bis 1927) wird wohl nur Insidern etwas sagen. Dabei war er einst ein bekannter Musikpädagoge, zu dessen Schülern unter anderem George Enescu, Erich Korngold, Gustav Mahler, Franz Schreker, Jean Sibelius, Hugo Wolf und Alexander Zemlinsky gehörten. 
Für die Werke des Kollegen, der von 1875 bis 1912 als Professor für Theorie am Wiener Konservato- rium lehrte, begeisterte sich auch Johannes Brahms. Er meinte: "Alles ist so fein, so geschickt, so bezaubernd erfunden, dass man immer Gefallen daran findet." 
Das Werk des Österreichers ist überschaubar: Zwei Opern, drei Sin- fonien, drei Messen, etwas Kammermusik, sowie einige Werke für Orgel und Klavier - und fünf Serenaden für Streichorchester, die das Kölner Kammerorchester nun unter Christian Ludwig für Naxos eingespielt hat. Diese CD enthält die Serenaden drei, vier und fünf. 
Serenade Nr. 3, erschienen 1878, ist Erzherzogin Elisabeth von Österreich gewidmet. Und weil "Sissi" bekanntlich Ungarn leiden- schaftlich zugetan war, endet das Werk, das ziemlich melancholisch beginnt, mit einem munteren Finale alla zingarese. 1895 legte Fuchs Serenade Nr. 4 vor - und sie beeindruckt durch ihre wundervolle Instrumentation, insbesondere durch den Kontrast zwischen Hör- nern und Streichern. Serenade Nr. 5 schließlich startet erstaunlich düster, um dann letzten Endes in ein Finale zu münden, das ausge- sprochen wienerisch und sehr temperamentvoll erscheint. 
Das Kölner Kammerorchester kostet den Farbenreichtum des Fuchs'schen Orchestersatzes aus. Die Musiker demonstrieren jedoch, dass auch Spätromantik temperamentvoll und mit einem Fünkchen Hintersinn gespielt werden kann. So bereitet diese Musik Vergnügen, auch wenn diese Serenaden nicht mehr Unterhaltungsmusik pur sein wollen. 

Sonntag, 5. Juni 2011

Scarlatti: Serenate a Filli (Glossa)

"Zur Zerstreuung an einem Abend in edler Gesellschaft", schrieb Alessandro Scarlatti (1660 bis 1725) einst an Großherzog Ferdi- nando de' Medici, habe er die beiliegende Serenata komponiert. Die hübschen Stücke, die bald wie eine kleine Oper erscheinen, aber typischerweise auf Handlung und Szenenwechsel verzichten, ent- standen seinerzeit anlässlich von Festlichkeiten wie Hochzeiten, Geburtstage, Siegesfeiern oder für Besuche bedeutender Persönlich- keiten. 
Die beiden Serenaden auf dieser CD hat Scarlatti 1706 in Rom ge- schaffen. Sie sind beide der arkadischen Figur Filli gewidmet - einer Römerin von Stand, deren Identität wohl nicht abschließend zu klä- ren ist. In Le Muse Urania e Clio Londano le bellezze di Filli preisen die Sonne sowie ihre beiden Töchter Urania und Clio die Vorzüge der Filli. Die ebenfalls dreistimmige Serenata à Filli beklagt die Liebes- qualen, die Fileno, Niso und Doralbo leiden, weil sie jener Nymphe zugetan sind. Die Verse sind schlicht und zugleich elegant, ganz wie es die Accademia dell'Arcadia gefordert hatte. 
Scarlattis Vertonung erfreut durch ihre schönen Melodien, ein raffi- niertes Spiel mit Klangfarben, und durch die hübschen Soli, mit denen er unter anderem das Violoncello bedacht hat. Seine Serenaden sind ebenso komplexe wie wohlklingende Werke, die ihre Zuhörer mit Sicherheit gut unterhalten haben. Das Ensemble La Risonanza unter Fabio Bonizzoni  jedenfalls sorgt dafür, dass keine Langeweile auf- kommt. Emanuela Galli und Yetzabel Arias Fernández, Sopran, und Martín Oro, Alt, singen mit schlank und sicher geführten, angenehm timbrierten Stimmen. Beim Anhören dieser CD fragt man sich aller- dings, warum das Genre generell bislang so stiefmütterlich behandelt wurde.