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Dienstag, 5. Januar 2021

Beethoven: Missa Solemnis (Orfeo)

 


Eine „geistliche Sinfonie“ nannte der Dirigent Paul Bekker seinerzeit Ludwig van Beethovens Missa Solemnis. Der Komponist begann mit der Arbeit daran spontan im Jahre 1819 nach der Ernennung des Erzherzogs Rudolph, jüngster Bruder von Kaiser Franz I. von Österreich, zum Bischof von Olmütz. Eigentlich wollte Beethoven dieses Werk seinem prominenten Schüler zur Amtseinführung am 19. März 1820 zueignen – doch letztendlich erwies sich die Komposition als eine Herausforderung; die Uraufführung der Missa Solemnis erfolgte erst 1824 bei einem Benefizkonzert der Philharmonischen Gesellschaft St. Petersburg. 

Zu hören ist Beethovens Missa Solemnis heutzutage selten. Das liegt möglicherweise mit daran, dass er die Solisten nicht mit Arien, sondern im Quartett, quasi als zweiten Chor, und oft im Dialog mit dem „großen“ Chor, auftreten lässt – was ganz sicher einigen Probenaufwand mit sich bringt. Zum anderen dürfte Beethovens ganz persönliches Ringen mit dem Glauben, das sich in dieser Musik ausdrückt, derzeit vielen Menschen vollkommen egal sein. 

Was sich nicht beim ersten Anhören erschließt, das erzeugt bei der Generation Wisch-und-weg wahrscheinlich nur noch ein Schulterzucken. Schade darum, wie diese großartige Einspielung mit dem Wiener Singverein und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien mit Michael Gielen am Pult beweist. 


Samstag, 16. April 2011

Bach: Johannes-Passion; Schreier (Newton)

Als Peter Schreier 1988 mit der Staatskapelle Dresden und dem Leipziger Rundfunkchor diese seine erste Interpretation der Johannes- passion einspielte, erregte er damit enormes Aufsehen. Zwar entschied er sich für moderne Instrumente und große Besetzung. Dennoch ach- tete Schreier sehr genau auf den Notentext - und pfiff auf die Tradi- tionen, sowohl die romantischen als auch die historisierenden.
Das Ergebnis ist dramatisch, ein- drücklich, mitunter auch schroff und kantig. Schon im Eingangschor inszeniert Schreier nicht nur die Streicher als Symbol für das ewig fließende Wasser; gegen den Chor, der den Herrn als Herrscher besingt, setzt er die Dissonanzen der Holzbläser, die andeuten, dass es mitunter durchaus Schmerzen bereitet, diesem Gott zu dienen. 
Nicht einmal die Choräle spenden Trost - Schreier lässt Bachs Musik und die Passionsgeschichte unbarmherzig voranschreiten. Zugleich aber ist diese Einspielung eine ausgesprochen sängerische. Schreier selbst dirigiert, und singt die Partie des Evangelisten sowie die Tenor-Arien. Dieser Spagat in Gestus und Technik gelingt dem Sänger übrigens erstaunlich gut. Doch auch sonst ist das Ensemble mit Robert Holl als Christus, Roberta Alexander, Marjana Lipovsek und Olaf Bär, Arien, Andrea Ihle als Magd, Ekkehard Wagner als Knecht, Egbert Junghanns als Petrus und Andreas Scheibner als Pilatus sehr solide besetzt. Eine Aufnahme, die Musikgeschichte mit geschrieben hat - und es ist sehr schön, dass sie bei Newton Classics jetzt wieder verfügbar ist.