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Dienstag, 5. Januar 2021

Beethoven: Missa Solemnis (Orfeo)

 


Eine „geistliche Sinfonie“ nannte der Dirigent Paul Bekker seinerzeit Ludwig van Beethovens Missa Solemnis. Der Komponist begann mit der Arbeit daran spontan im Jahre 1819 nach der Ernennung des Erzherzogs Rudolph, jüngster Bruder von Kaiser Franz I. von Österreich, zum Bischof von Olmütz. Eigentlich wollte Beethoven dieses Werk seinem prominenten Schüler zur Amtseinführung am 19. März 1820 zueignen – doch letztendlich erwies sich die Komposition als eine Herausforderung; die Uraufführung der Missa Solemnis erfolgte erst 1824 bei einem Benefizkonzert der Philharmonischen Gesellschaft St. Petersburg. 

Zu hören ist Beethovens Missa Solemnis heutzutage selten. Das liegt möglicherweise mit daran, dass er die Solisten nicht mit Arien, sondern im Quartett, quasi als zweiten Chor, und oft im Dialog mit dem „großen“ Chor, auftreten lässt – was ganz sicher einigen Probenaufwand mit sich bringt. Zum anderen dürfte Beethovens ganz persönliches Ringen mit dem Glauben, das sich in dieser Musik ausdrückt, derzeit vielen Menschen vollkommen egal sein. 

Was sich nicht beim ersten Anhören erschließt, das erzeugt bei der Generation Wisch-und-weg wahrscheinlich nur noch ein Schulterzucken. Schade darum, wie diese großartige Einspielung mit dem Wiener Singverein und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien mit Michael Gielen am Pult beweist. 


Dienstag, 18. Februar 2020

Bruckner: Missa Solemnis (Accentus)

Dem Augustinerstift St. Florian war Anton Bruckner (1824 bis 1896) sehr verbunden. Nach dem Tode seines Vaters, der Dorfschullehrer war und erst 46 Jahre alt, wurde er dort 1837 Sängerknabe. Drei Jahre später verließ er das Stift und absolvierte eine Lehrerausbildung; 1845 kehrte er dann als Schulgehilfe an der Pfarrschule, Gehilfe des Stiftsorganisten sowie als Musiklehrer der Sängerknaben nach St. Florian zurück. Die Missa Solemnis komponierte Bruckner 1854 zum Amtsantritt des neuen Prälaten Friedrich Mayr. Doch Bruckner blieb, wie schon seit 1850, provisorischer Stiftsorganist. 1855 starb der Organist des Linzer Domes; Bruckner bewarb sich, und wurde dessen Nachfolger. 
St. Florian aber blieb Bruckner verbunden; in der Gruft der Stiftskirche wurde er auch begraben, und Bruckner-Verehrer aus aller Welt pilgern bis heute nach St. Florian. Die Werke allerdings, die Bruckner während seiner Zeit in St. Florian schuf, werden bis heute wenig beachtet – einige sind wohl noch nicht einmal ediert. Das ändert sich erst jetzt; so hat Benjamin-Gunnar Cohrs die Notenedition für dieses CD-Projekt erstellt. Der Rias Kammerchor präsentiert Bruckners Missa Solemnis in Weltersteinspielung, unter Leitung von Łukasz Borowicz gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik und Johanna Winkel, Sophie Harmsen, Sebastian Kohlhepp und Ludwig Mittelhammer als vorzüglichem Solistenquartett. Die historische Aufführungspraxis schließt in diesem Falle auch die ergänzenden Propriumsvertonungen von Robert Führer, Joseph Eybler und Johann Baptist Gänsbacher mit ein, die von Cohrs in aufwendigen Archivrecherchen ausfindig gemacht und ebenfalls mit ediert wurden. So gibt diese CD in einzigartiger Weise Auskunft über die Klangwelt, in der sich Bruckner einst in St. Florian bewegte. Sehr spannend!  

Mittwoch, 24. Juli 2019

Vanhal: Missa solemnis - Stabat Mater (Orfeo)

Schön wie eine römische Statue sind die Werke Johann Baptist Wanhals (1739 bis 1813), die hier auf zwei CD anzuhören sind. Der Komponist kam in Böhmen als Sohn eines Bauern zur Welt; seine musikalische Begabung wurde aber früh entdeckt und durch die Gräfin Schaffgotsch gefördert. So kam Wanhal 1760/61 nach Wien, wo möglicherweise Carl Ditters von Dittersdorf sein Lehrer wurde. 
Als Musiklehrer war Wanhal bald sehr erfolgreich, so dass er sich aus der Leibeigenschaft freikaufen konnte. Und als im Jahr 1769 Baron Riesch aus Dresden nach Wien kam, weil er einen Kapellmeister suchte, war er von den Fähigkeiten des jungen Musikers so beeindruckt, dass er diesem einen Studienaufenthalt in Italien finanzierte. 
Allerdings scheint Wanhal nach seiner Rückkehr eine Zeitlang geistig nicht ganz auf der Höhe gewesen zu sein. Es wird berichtet, der Komponist habe weltliche Werke verbrannt und sich der geistlichen Musik zugewandt. In dieser Situation unterstützte ihn über einige Jahre Graf Ladislaus Erdödy, der ihn in seinen Haushalt aufnahm und es dem Musiker ermöglichte, wieder zu sich zu finden. 
In Wien etablierte sich Wanhal dann rasch wieder als ein gesuchter Komponist, und vor allem als überaus erfolgreicher Musikpädagoge. Sein wohl bekanntester Schüler war Ignaz Pleyel. Und sein Freundeskreis scheint ebenfalls beträchtlich gewesen zu sein – mit Haydn, Mozart und Dittersdorf jedenfalls musizierte er gemeinsam in dem wohl erlesensten Streichquartett der Musikgeschichte. 
Wanhal komponierte zahlreiche Sinfonien und Konzerte sowie große Mengen geistlicher Musik. Und weil er in den späteren Jahren als freischaffender Musiker lebte, ohne Anstellung oder einen vermögenden Gönner, konzentrierte er sich dann offenbar auf Kammer- und Klaviermusik – Werke, die Musikverleger gerne druckten, weil es dafür ein breites Interesse gab. 
Für diese Doppel-CD ausgewählt wurden die Missa Solemnis Es-Dur, ein opulentes Werk mit höchst anspruchsvollen Arien, sowie das Stabat Mater f-Moll, mit dem üblichen Wechsel zwischen Chor und Gesangssolisten. Auch bei dieser Komposition zeigt sich Wanhals überragende Fähigkeit, Melodien zu erfinden. 
Komplettiert wird die Aufnahme durch eine Sinfonie D-Dur, die nicht nur mit ihrem abschließenden Menuetto schon an Beethoven denken lässt. Als Sinfoniker scheint sich Wanhal nicht zuletzt durch Experimentierfreude auszuzeichnen. Neugierig jedenfalls macht die Einspielung, die bereits in den 90er Jahren entstanden ist – und der Prager Kammerchor sowie die Virtuosi di Praga bzw. das Prager Kammerorchester sowie erstklassige Solisten unter Leitung von Václav Neumann machen die beiden CD ebenfalls zu einem Hörvergnügen. Bravi! 

Mittwoch, 19. Juni 2019

Neukomm: Missa Solemnis (Accent)

Sigismund Ritter von Neukomm (1778 bis 1858) hat eine beein- druckende Lebensgeschichte, die in diesem Blog bereits an anderer Stelle ausführlich nachzulesen ist. In seinen 80 Lebensjahren hat Neukomm nicht nur über 1300 Kompositionen geschaffen. Er war zudem in vielen Ländern tätig; seine Reisen führten ihn durch ganz Europa, bis nach St. Petersburg, dazu nach Afrika, und von 1816 bis 1821 wirkte er sogar in Rio de Janeiro, Brasilien. 
Dort wurde 1818 wurde der Prinzregent João VI. zum König von Portugal, Brasilien und der Algarve ausgerufen – und Neukomm schrieb eine Missa Solemnis für diese Zeremonie. Der Kronprinz war 1807, auf dem Höhepunkt der Napoleonischen Kriege, aus Lissabon nach Rio de Janeiro geflohen. 1821 aber musste er aufgrund von Unruhen aus Brasilien zurück nach Portugal flüchten; sie führten wenig später zur Unabhängigkeit den südamerikanischen Landes. Neukomm hatte dies ebenfalls erkannt und Brasilien bereits zehn Tage vor dem König verlassen. 
Musikalisch war die Zeit in Südamerika für Neukomm sehr spannend. So sammelte er Volkslieder, sogenannte Modinhas, und integrierte brasilianische Motive in seine Kompositionen. Davon freilich ist in der Messe noch nichts zu spüren; sie klingt nach Wien. Und auch wenn Neukomm ein Schüler Haydns war und Mozart sehr verehrte, so findet er doch zu einer sehr eigenen Klangsprache. 
Das Werk wird von einem erstklassigen Solistenquartett, vom Chœur de Chambre de Namur sowie dem phantastischen Kammerorchester La Grande Écurie et la Chambre du Roy unter Leitung von Jean-Claude Malgoire großartig vorgestellt. Malgoire setzt mit dieser Einspielung sein Engagement für die Wiederentdeckung des Komponisten Neukomm fort. Und das lohnt sich absolut, wie auch das zweite Werk auf der zweiten CD zeigt. 
Die Missa pro Defunctis tribus similibus vocibus, erstmals veröffentlicht 1838, besteht aus vier Teilen. Neukomm hat ziemlich ausführlich beschrieben, wie das Werk aufgeführt werden soll. Requiem und De profundis waren für den Gottesdienst bestimmt; Miserere und Trauermarsch sollten bei der Prozession erklingen, mit der der Leichnam anschließend aus der Kirche zum Friedhof gebracht wird. 
Die Musik ist würdevoll, und ausgesprochen beeindruckend. Für die Aufführung ist ein stark besetzer Männerchor erforderlich, Malgoire hat in Cantaréunion, Ensemble vocal de l'Océan Indien, die perfekte Besetzung gefunden. 

Dienstag, 9. August 2016

Beethoven: Missa solemnis; Harnoncourt (Sony)

Seine letzten Konzerte mit Beethovens berühmter Missa solemnis, beim Styriarte-Festival und bei den Salz- burger Festspielen im Sommer 2015, bezeichnete Nikolaus Harnoncourt als sein musikalisches Vermächtnis. Es waren die letzten Konzerte eines bedeutenden Dirigenten; und es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass die bei den Proben und Konzerten in Graz entstandenen Mitschnitte seine letzte Veröffentlichung werden sollten. 
Mit der Missa solemnis hatte Harnoncourt 1992 sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gegeben. Mit dem Werk hatte der Musiker zunächst Probleme; bei den Wiener Philhar- monikern hatte er als Cellist immerhin sieben verschiedene Interpreta- tionen kennengelernt – und war mit keiner zufrieden. Erst in hohem Alter gelang es ihm, Beethovens Musik zu erschließen: „Was immer ich als leeres Pathos enpfunden habe, hat sich plötzlich ins Gegenteil verkehrt“, so zitiert das Beiheft Harnoncourt. 
In der Partitur fand er „seinen“ Beethoven, und indem er die Vorgaben des Komponisten so getreu wie nur möglich einzuhalten versuchte, erkannte er sein Ziel: „Das Unerhörte wiederzufinden und erlebbar zu machen“. Um den originalen Klang zu reproduzieren, spielt der Concentus Musicus Wien Streichinstrumente mit Darmsaiten, Naturtrompeten, alte Posaunen, alte Pauken und dazu auch historische Holzblasinstrumente: „Beethoven verlangt in der Missa solemnis Klarinetten in A, in B und in C – aber
C-Klarinetten spielt heute kein Orchester mehr, Heute ist alles transpo- niertes Dur und Moll, die Tonarten-Charakteristik wird einem nicht mehr bewusst“
, so Harnoncourt. Die Einspielung soll die alten Kirchentonarten und die Klangfarben, mit denen Beethoven einst bewusst gestaltete, wieder erlebbar machen. 

Auch das beteiligte Solistenquartett – Laura Aikin, Bernarda Fink, Johannes Chum und Ruben Drole – sowie der Arnold Schoenberg Chor sind vertraute Musizierpartner, was Harnoncourt in seinem Anliegen unterstützt. So bleibt am Ende dieser Einspielung wie eines langen und ertragreichen Musikerlebens ein Wort dieses Pioniers der historischen Aufführungspraxis, das ebenso für Beethovens Werk wie generell für die Musik stehen kann: „Wir werden durch Verwandlungen geführt, so dass wir selbst wohl als Verwandelte herauskommen.“

Mittwoch, 6. Mai 2015

Mozart: Missa solemnis (Hyperion)

Diese CD aus dem Hause Hyperion enthält Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791). Die Missa solemnis et brevis KV 337 ist die letzte Messvertonung, die Mozart für Salzburg schrieb und die letzte Messe, die der Komponist vollendete. Sie wird ergänzt durch die Epistelsonate KV 336. Das österliche Regina caeli hat Mozart dreimal in Musik gesetzt; zu hören ist hier die Version in C-Dur KV 108; es wird vermutet, dass sie für Maria Magdalena Lipp entstanden ist, die Ehefrau von Michael Haydn. Die Vespera solennes de Dominica KV 321 sind üppig besetzt, und auch sonst ziemlich großes Kino. Mozart wählte für jeden Abschnitt eine andere Tonart und einen anderen Stil. Er beweist Sinn für Dramatik – doch leider wird ihm der Chor der St. Paul’s Cathedral dabei nicht wirklich gerecht; der von Andrew Carwood geleitete Knabenchor, ausgebildet nach britischer Tradition, ist für Mozart keine empfehlenswerte Besetzung. Auch dem Orchester mangelt es an Esprit; Mozart langweilig – das geht gar nicht! Diese CD kann ich daher nicht empfehlen.