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Mittwoch, 30. Juni 2010

The Greatest Russian Violists - Michael Kugel (Melodija)

Michail Benediktowitsch Kugel, Jahrgang 1946, studierte an der Musikhochschule in seiner Heimatstadt Charkov sowie am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Leningrad. Er war Solist der Moskauer Konzertorganisation "Moskonzert", Violist des Staat- lichen Beethoven Quartetts und unterrichtete am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium. 
1990 ging er nach Jerusalem, wo er als Professor an der Rubin Academy of Music and Dance arbeitete. Seit 1996 lebt er in Belgien. Heute lehrt er als Professor an den Königlichen Konservatorien in Gent und in Maastricht.
Er hat mehr als 20 CD eingespielt und etliche Werke komponiert; auch im Konzertsaal ist er offenbar ziemlich präsent. Und dennoch ist er im Westen nach wie vor wenig bekannt, was ziemlich erstaunt, wenn man diese Aufnahmen hört. Denn da bleibt kein Zweifel: Hier musiziert einer der besten Virtuosen dieser Generation, und sein Repertoire ist erstaunlich vielgestaltig.
Da Stücke für die Bratsche nach wie vor rar sind, handelt es sich meistens um Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Besetzungen geschrieben wurden. So komponierte Giovanni Battista Martini seine Sonate a-Moll op. 19 Nr. 3 für Violoncello und Cembalo, und Bachs Sonate Nr. 1 in G-Dur BWV 1027 entstand für Viola da Gamba und Cembalo. Michail Kugel wird bei dieser Aufzeichnung aus dem Jahre 1979 von Sergej Leschenko begleitet. Die beiden Musiker wählen frappierend langsame Tempi,  bauen dadurch aber auch eine enorme Spannung auf, was sehr interessant ist. 
Paganinis Sonate in C-Dur op. 35 hingegen nimmt Kugel als Virtuo-  senstück; diesen Eindruck unterstreichen noch seine extrem an- spruchsvollen Kadenzen. Als Referenz an die russische Heimat erscheint Michail Glinkas Sonate für Viola und Klavier, die leider unvollendet blieb. Kugel schließt mit der Carmen-Fantasie von Franz Waxman, einem der bedeutendsten Komponisten von Filmmusiken überhaupt. Am Klavier ist hier Elena Kusnetzowa zu hören; sie Aufnahmen stammen aus dem Jahre 1989.

Sonntag, 7. März 2010

Handel: Alexander's Feast (Naxos)

"Das Alexanderfest oder die Macht der Musik" gehört zu den wichtig- sten und noch immer beliebtesten Werken von Georg Friedrich Händel.
Es handelt sich dabei um die Ver- tonung eines Gedichtes von John Dryden, das auf eine Begebenheit Bezug nimmt, die über Alexander den Großen überliefert worden ist: Der Feldherr soll sich nach seinem Sieg über Darius, den König der Perser, im Vollrausch von der Hetäre Thais dazu hinreißen lassen haben, den Palast des Xerxes abzubrennen.
Naxos legt nun einen Konzertmitschnitt vor, der im Mai 2008 im Kloster Eberbach aufgezeichnet wurde. Es musizieren die Junge Kantorei und das Barockorchester Frankfurt unter Leitung ihres Gründers Joachim Carlos Martini, sowie Gerlinde Sämann (Sopran), Knut Schoch (Tenor) und Klaus Mertens (Bass). Leider fehlen in dieser Einspielung die für Händel typischen Instrumentalkonzerte, mit denen der Komponist die Handlung unterbrach, um das Publikum mit virtuoser "Pausenmusik" zu erfreuen. So ist das Konzert, das er einst zwischen den beiden Teiles dieses Oratoriums placierte, noch heute als das Konzert aus dem Alexanderfest bekannt. Auch ganz am Anfang, noch bevor die Handlung recht beginnt, und am Ende, vor dem Schlusschor, sind seinerzeit derartige Stücke erklungen. Es ist schade, wenn man heute glaubt, dass es sich dabei um Verzichtbares handelt.
Die Einspielung ist solide, aber nicht überragend; gelegentliche kleinste Patzer sind bei "echten" Konzerten nun einmal nicht zu vermeiden. Dafür bietet eine Live-Aufzeichnung in der Regel aber auch Live-Atmosphäre,und die Musiker wachsen oftmals über sich hinaus. Davon ist hier eher wenig zu spüren; man hat sogar den Eindruck, dass der Chor gelegentlich etwas schwächelt. Die Sopranistin allerdings fällt auf durch ihr schönes, strahlendes Timbre und überzeugende, intelligente Phrasierung. Auch das Orchester agiert solide, aber ziemlich brav. Schade. Von dieser Besetzung hatte ich mir mehr erhofft.