Ein durch und durch russisches Genre ist die Romanze. Dabei handelt es sich um ein Kunstlied, das oftmals, aber nicht zwingend, die romantische Liebe besingt. Die ersten Romanzen imitierten westeuropäische Vorbilder, und sie haben auch einen Text in italienischer oder französischer Sprache. Doch bald wurde die Romanze zum Liebling der russischen Salons – und auf dieser CD stellt das Dashkova Ensemble eine kleine Auswahl aus der Fülle dieses sehr speziellen Repertoires vor.
Zu hören sind Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert – beispielsweise von den „drei Alexandern“, Alexander Alexandrowitsch Aljabjew (1789 bis 1851), Alexander Jegorowitsch Warlamow (1801 bis 1848) und Alexander Lwowitsch Guriljow (1803 bis 1858), berühmten russischen Liedkomponisten. Die Texte und Melodien sind oft volksliedhaft gehalten; und viele dieser Lieder wurden so populär, dass man sie auch beinahe für ein Volkslied hält. Ein gutes Beispiel dafür ist Warlamows Der rote Sarafan. Bekannt ist auch Die Nachtigall, eine Romanze Aljabjews, die viele Komponisten sehr schätzten. Tschaikowski liebte diese Melodie, und Kollegen wie Glinka oder Liszt schrieben Variationen darüber.
Die meisten Romanzen wurden für Gesang und Klavier geschrieben. Das Tasteninstrument imitiert mit seinen Figuren dabei häufig eine Gitarre – und so begleitet Oleg Timofejew die Stücke auf dieser CD auch auf der siebensaitigen russischen Gitarre. Der Musiker hat zudem einige Werke herausgesucht, die dieses Traditionsinstrument und sein Repertoire exemplarisch vorstellen.
Gesungen werden die Romanzen von der deutschen Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf, die der russischen Sprache und Kultur leidenschaftlich verbunden ist. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Schätze das Duo bei seinen kommenden Aufnahmen präsentieren wird.
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Sonntag, 7. Juli 2019
Dienstag, 31. Oktober 2017
Russian Classics (Genuin)
Auf die musikalische Reise nach Südamerika folgt nun eine weitere, die nach Osten führt: Russische Klassiker präsentiert die Sächsische Bläserphilharmonie unter ihrem Leiter Thomas Clamor in höchst ansprechenden Arrangements auf ihrer neuen CD, die jüngst bei dem Leipziger Label Genuin erschienen ist.
Die Ouvertüre stammt von Michail Glinka (1804 bis 1857), der mit Ruslan und Ljudmila eine der schönsten Märchenopern überhaupt geschaffen hat. Dmitri Schostako- witsch (1906 bis 1975) hat nicht nur gewichtige Sinfonien geschrieben, sondern auch zahlreiche kleinere Musikstücke, wie Filmmusiken. Einige davon fasste er in den 50er Jahren zu Suiten zusammen. Hier sind einige dieser wunderbaren Werke zu hören, aus der Suite für Varieté-Orchester und aus der Stechfliege-Suite.
Das Capriccio Italien von Peter Tschaikowski (1840 bis 1893) spiegelt Italien aus russischer Perspektive; unter heiteren Klängen lauert latent die Melancholie. Auch die Suite zu dem Ballett Romeo und Julia von Sergej Prokofjew (1891 bis 1953) verweist auf Italien; allerdings ist die Mandoline des Morgentanzes eine nahe Verwandte der Balalaika.
Es ist sehr interessant, wie diese bekannten Melodien klingen, wenn sie nur mit Bläsern besetzt sind: Die Motive der Julia wirken eher noch fragiler, und auch die Konfrontation zwischen Montagues und Capulets erscheint in dieser Version klanglich zugespitzt. Die Sächsische Bläserphilharmonie kann durchaus in herrlichen Melodien schwelgen – aber sie verliert sich nicht darin. Musiziert wird auf den Punkt, rhythmisch prägnant, mit berückendem Piano, aber bei Bedarf auch mit kräftigen Akzenten. Und wie farbenreich die Bläser klingen können, das ist auch beim letzten Stück auf dieser CD noch einmal zu erleben: Igor Strawinskys (1882 bis 1971) Ballett Der Feuervogel liefert ein märchenhaftes Finale. Bravi!
Die Ouvertüre stammt von Michail Glinka (1804 bis 1857), der mit Ruslan und Ljudmila eine der schönsten Märchenopern überhaupt geschaffen hat. Dmitri Schostako- witsch (1906 bis 1975) hat nicht nur gewichtige Sinfonien geschrieben, sondern auch zahlreiche kleinere Musikstücke, wie Filmmusiken. Einige davon fasste er in den 50er Jahren zu Suiten zusammen. Hier sind einige dieser wunderbaren Werke zu hören, aus der Suite für Varieté-Orchester und aus der Stechfliege-Suite.
Das Capriccio Italien von Peter Tschaikowski (1840 bis 1893) spiegelt Italien aus russischer Perspektive; unter heiteren Klängen lauert latent die Melancholie. Auch die Suite zu dem Ballett Romeo und Julia von Sergej Prokofjew (1891 bis 1953) verweist auf Italien; allerdings ist die Mandoline des Morgentanzes eine nahe Verwandte der Balalaika.
Es ist sehr interessant, wie diese bekannten Melodien klingen, wenn sie nur mit Bläsern besetzt sind: Die Motive der Julia wirken eher noch fragiler, und auch die Konfrontation zwischen Montagues und Capulets erscheint in dieser Version klanglich zugespitzt. Die Sächsische Bläserphilharmonie kann durchaus in herrlichen Melodien schwelgen – aber sie verliert sich nicht darin. Musiziert wird auf den Punkt, rhythmisch prägnant, mit berückendem Piano, aber bei Bedarf auch mit kräftigen Akzenten. Und wie farbenreich die Bläser klingen können, das ist auch beim letzten Stück auf dieser CD noch einmal zu erleben: Igor Strawinskys (1882 bis 1971) Ballett Der Feuervogel liefert ein märchenhaftes Finale. Bravi!
Samstag, 10. Juli 2010
The Czar's Guitars - Souvenirs of Russia (Dorian)
"Die Gitarren des Zaren" - so nennen sich Oleg Timofejew und John Schneiderman. Die beiden Musiker haben sich zusammen- getan, um die russische Gitarren- tradition zu pflegen. Dabei spielen sie sowohl "westliche" als auch russische zeitgenössische Instru- mente.
Die russische Gitarre, im Westen wenig bekannt, ist kleiner als ihre spanische Schwester und hat sieben Saiten. Sie klingt zudem weicher und sanfter. Die Musik, die Timofejew und Schneiderman für diese CD ausgewählt haben, ist zwar virtuos, aber auch volkstümlich. Das beginnt schon bei dem Gitarren- duett Souvenir de Russie op. 63 des Spaniers Fernando Sor. Er lebte drei Jahre lang in Russland - aber was der berühmte Gitarrist während dieser Zeit getan hat, verbleibt im Nebel der Geschichte. Wir wissen nur, dass er seine Frau Fèlicitè Hullen begleitete, die als Primaballerina in Moskau tanzte.
Die beiden Themen von Souvenir de Russie sind bekannte russische Volkslieder, die auch andere damals gerne in Variationen verwende- ten. Doch bevor solche Werke von Wladimir Morkow, Michael Glinka und etlichen anderen erklingen, beginnt die CD mit der früheren russischen Nationalhymne, und zwar in Solo-Variationen von Pietro Pettoletti. Ähnlich patriotisch schließt das Opus - nämlich mit einem Lied, das zuvor die Nationalhymne war, und auf der Melodie von God Save the Queen basierte. Es wurde 1833 durch die Hymne von Alexej Fjodorowitsch Lwow abgelöst, die dann bis 1917 im Gebrauch war.
Und auch sonst gab es einen erstaunlich regen Austausch zwischen dem Zarenreich und dem "Westen", wie das Beiheft sehr ausführlich am jeweiligen Beispiel zeigt. Verzichtet man auf die Theorie, und hört nur die Musik, so werden ebenfalls zahlreiche Querverbindungen hörbar. Ansonsten hält sich der musikalische Aha-Effekt in Grenzen; ebenso wie das Niveau der meisten Kompositionen.
Mittwoch, 30. Juni 2010
The Greatest Russian Violists - Michael Kugel (Melodija)
Michail Benediktowitsch Kugel, Jahrgang 1946, studierte an der Musikhochschule in seiner Heimatstadt Charkov sowie am Rimski-Korsakow-Konservatorium in Leningrad. Er war Solist der Moskauer Konzertorganisation "Moskonzert", Violist des Staat- lichen Beethoven Quartetts und unterrichtete am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium.
1990 ging er nach Jerusalem, wo er als Professor an der Rubin Academy of Music and Dance arbeitete. Seit 1996 lebt er in Belgien. Heute lehrt er als Professor an den Königlichen Konservatorien in Gent und in Maastricht.
Er hat mehr als 20 CD eingespielt und etliche Werke komponiert; auch im Konzertsaal ist er offenbar ziemlich präsent. Und dennoch ist er im Westen nach wie vor wenig bekannt, was ziemlich erstaunt, wenn man diese Aufnahmen hört. Denn da bleibt kein Zweifel: Hier musiziert einer der besten Virtuosen dieser Generation, und sein Repertoire ist erstaunlich vielgestaltig.
Da Stücke für die Bratsche nach wie vor rar sind, handelt es sich meistens um Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Besetzungen geschrieben wurden. So komponierte Giovanni Battista Martini seine Sonate a-Moll op. 19 Nr. 3 für Violoncello und Cembalo, und Bachs Sonate Nr. 1 in G-Dur BWV 1027 entstand für Viola da Gamba und Cembalo. Michail Kugel wird bei dieser Aufzeichnung aus dem Jahre 1979 von Sergej Leschenko begleitet. Die beiden Musiker wählen frappierend langsame Tempi, bauen dadurch aber auch eine enorme Spannung auf, was sehr interessant ist.
Paganinis Sonate in C-Dur op. 35 hingegen nimmt Kugel als Virtuo- senstück; diesen Eindruck unterstreichen noch seine extrem an- spruchsvollen Kadenzen. Als Referenz an die russische Heimat erscheint Michail Glinkas Sonate für Viola und Klavier, die leider unvollendet blieb. Kugel schließt mit der Carmen-Fantasie von Franz Waxman, einem der bedeutendsten Komponisten von Filmmusiken überhaupt. Am Klavier ist hier Elena Kusnetzowa zu hören; sie Aufnahmen stammen aus dem Jahre 1989.
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