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Samstag, 25. August 2012

Gragnani: Sonatas Op. 8 for violin and guitar (Newton)

Die Gitarre war ein Lieblings- instrument des frühen 19. Jahr- hunderts. Einige der damals ver- ehrten Virtuosen sind uns noch heute ein Begriff – aufgrund von Werken, die stets gern von Gitar- risten gespielt wurden, oder aber auch durch ihre Schüler und Un- terrichtswerke. Andere sind in Vergessenheit geraten. 
Dazu gehört beispielsweise Filippo Gragnani (1767 bis 1820). Er stammt aus Livorno, und studierte Komposition und Kontrapunkt bei Giulio Maria Lucchesi, einem Schüler von Piero Nardini. 1801 kam Ferdinando Carulli nach Livorno. Er blieb ein Jahr, und Gragnani ließ sich von der Leidenschaft des Kollegen für das Gitarrenspiel anstek- ken. Er muss von Carulli in dieser Zeit unglaublich viel gelernt haben.
Obwohl einige seiner Werke bei angesehenen Mailänder Verlegern erschienen, wird Gragnani bald festgestellt haben, dass Italien für einen Gitarristen kein übermäßig interessanter Wohnsitz war. Er ging daher über Deutschland nach Paris, wo er 1810 eintraf, und sich – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch Carulli – schnell etab- lieren konnte. Die Musiker scheint eine tiefe Freundschaft verbunden haben; beide komponierten Duette, die sie einander widmeten.
Dennoch kehrte Gragnani 1813 nach Livorno zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Das Werk des Musikers ist wohl nicht besonders umfangreich; es ist derzeit aber auch noch nicht vollstän- dig erforscht und erschlossen. Die drei Sonaten op. 8 für Violine und Gitarre sind in einem deutschen Verlag erschienen. Sie werden auf dieser CD von Franco Mezzena, Violine, und Massimo Scattolin, Gitarre, vorgestellt. Es sind Werke, die die italienische Liebe zur Melodie mit Elementen des galanten Stils und auch der Wiener Klassik verbinden. Sie sind aber mehr durch Energie und Melos als durch Einfallsreichtum und unerwartete Wendungen gekennzeichnet. Insofern bereitet Gragnanis Musik möglicherweise den Musikern mehr Freude als dem Publikum.

Freitag, 6. Mai 2011

Viotti: Violin Concerts (Dynamic)

Giovanni Battista Viotti (1755 bis 1824) gilt - obwohl er selbst wenig unterrichtet hat - als einer der Väter der modernen Violintechnik. Er war ein Schüler von Gaetano Pugnani, der wiederum bei Tartini studiert hatte. 1775 trat Viotti in Turin in die königliche Kapelle ein, damals ein angesehenes Or- chester; 1780 begleitete er seinen Lehrer Pugnani auf eine Konzert- reise, die die beiden Virtuosen bis nach St. Petersburg führte.
1782 trat Viotti in Paris erstmals im Concert Spirituel auf, und ließ sich anschließend in Paris nieder, wo er mit seinen Werken beim Adel und bei Hofe sehr erfolgreich war. So stand er im Dienst von Königin Marie Antoinette. 

Nach dem Ausbruch der Revolution floh Viotti nach England. Dort wiederum wurde er bald verdächtigt, für die Revolutionäre zu spio- nieren, und sah sich gezwungen, das Land zu verlassen. Der Virtuose verbrachte einige Jahre in Deutschland, pendelte den Rest seines Lebens zwischen London und Paris, zunächst als Teilhaber eines Weinhandels, der wohl grandios scheiterte, und dann auf Wunsch Ludwigs XVIII. als Intendant des Théatre Italien sowie der Opéra; damit war er aber ebenfalls nicht besonders erfolgreich. 1821 kehrte er endgültig nach London zurück. 
Viotti muss ein großartiger Violinvirtuose gewesen sein. Seine Violin- konzerte - 29 an der Zahl - beeindrucken weniger durch artistische Mätzchen als vielmehr mit herrlichen Melodien, Anmut und einer überaus modernen harmonischen Gestaltung. Sie wurden zum Vor- bild für eine ganze Generation, und prägten die französische Violin- schule mit stilistischen Modellen, die von Pierre Rode, Pierre Baillot und Rodolphe Kreutzer, aber auch von Mozart, Beethoven und Brahms bewundert und weitergeführt wurden. 
Das Label Dynamic hat die erste Gesamteinspielung seiner Konzerte für Violine und Orchester vorgelegt, mit Franco Mezzena als - glanzvollem - Solisten, der zugleich die Symphonia Perusina leitet. Die vorliegende Box enthält die CD 3, 6 und 7 daraus mit den Konzer- ten Nr. 5, 6, 7, 9, 13, 15, 16, 17 und 23. Ich kann die Aufnahme sehr empfehlen - und es ist wundervolle Musik, an der Schwelle von der Klassik zur Frühromantik, mitunter mit einem Hauch galanter Nostal- gie.