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Donnerstag, 17. Januar 2013

Rolando Villazón sings Verdi (Virgin Classics)

Nahezu zeitgleich mit dem Album, das zuvor in diesem Blog vorge- stellt worden ist, erschien eine sehr ähnliche Auswahl mit Verdi-Arien bei Virgin Classics. Dieses Kuriosum beruht darauf, dass Rolando Villazón bis 2007 bei EMI Records unter Vertrag stand. 
In den Archiven dieses Labels befinden sich etliche Aufnahmen aus jenen Anfangsjahren, in denen der Sänger noch im Vollbesitz seiner stimmlichen Mittel war - und sie schonungslos zu Markte getragen hat. So hat Virgin Classics nun Arien daraus zusammengefasst, und man stellt fest, dass die Auswahl jener stark ähnelt, die auch die Deutsche Grammophon veröffentlicht hat. Wer möchte, der kann vergleichen. In jedem Falle wird der Hörer zwar feststellen, dass das Münchner Rundfunkorchester unter Marcello Viotti bzw. besonders unter Michel Plasson sowie das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Roma, unter Antonio Pappano in einer anderen Liga spielen. Und er wird frustriert fest- stellen, dass nach knapp 38 Minuten Schluss ist - und dass Virgin Classics auch beim Beiheft gespart hat. Das wiederum ist schade. 

Dienstag, 30. Oktober 2012

Viotti: Flute Concertos (Dynamic)

Giovanni Battista Viotti (1755 bis 1824) gehörte zu den führenden Violinvirtuosen seiner Zeit. Er komponierte auch überwiegend für dieses Instrument. Seine Werke waren aber so beliebt und so ein- zigartig, dass sich auch Musiker dafür interessierten, die nicht Violine spielten, sondern beispiels- weise Klavier - oder Flöte. 
Diese CD bringt gleich zwei Beispie- le dafür, wie führende Flötisten Viottis Konzerte für ihr Instrument erschlossen. Francois Devienne (1759 bis 1803) wirkte unter anderem als Erster Flötist an der Pariser Oper. Er bearbeitete Viottis G-Dur Konzert Nr. 23 für die Flöte. Caspar Fürstenau (1772 bis 1819), der unter anderem Viottis Konzert in e-Moll Nr. 16 für die Flöte arrangierte, spielte unter anderem in der Hofkapelle zu Oldenburg. Er war der Vater und Lehrer des berühmten Flötisten Anton Bernhard Fürstenau, der in der Dresdner Hofkapelle seine Lebensstellung fand. Doch zuvor war er gemeinsam mit Caspar Fürstenau, der offenbar auch sehr versiert Fagott spielte, konzertie- rend quer durch Europa gereist und war in nahezu allen Musikmetro- polen der damaligen Zeit aufgetreten. 
Die Viotti-Bearbeitungen beider Flötenvirtuosen passen die Violin- konzerte den Möglichkeiten und Stärken der Flöte hervorragend an. Wer hört, wie Mario Carbotta diese Werke spielt, wird sogar kaum auf die Idee kommen, dass es sich um Arrangements handelt - so idioma- tisch perfekt sind sie gelungen. 
Während Devienne in erster Linie durch Eleganz glänzt, setzt Fürste- nau zusätzlich auf technische Herausforderungen. Sie erstaunen um so mehr, wen man an die Instrumente denkt, die den Flötisten damals zur Verfügung standen. Und Mario Carbotta zeigt mit seinen Kaden- zen, was sich mit der modernen Böhm-Flöte daraus machen lässt. Besten Dank an den Flötisten und das Orchestra I Pomeriggi Musicali unter Pietro Mianiti für diese Weltersteinspielung, die nicht nur musikhistorisch sehr spannend erscheint. 

Freitag, 11. November 2011

The Music World of Giovanni Battista Viotti (Dynamic)

Diese Neun-CD-Box gibt in der Tat einen Einblick in die musikalische Welt von Giovanni Battista Viotti (1755 bis 1824). Der Geiger und Komponist war ein Schüler Pugn- anis. Er gehört zu den Vätern der modernen Violintechnik; sein Lebenslauf war abenteuerlich, doch auch sein Fleiß muss unge- mein beeindrucken. 
Viotti komponierte überwiegend für sein Instrument, die Violine. Überliefert sind unter anderem
29 (!) Konzerte sowie zahlreiche Violinsonaten, Duos, Trios und Quartette. Eine Auswahl aus diesem umfangreichen Oeuvre, eingespielt von verschiedenen, aber immer erstklassigen Solisten, enthält diese Box. Wer diese Werke angehört hat, der ahnt, warum Viotti insbesondere für jene Geiger zum Vorbild wurde, die später als französische Schule bezeichnet wurden. 

Freitag, 6. Mai 2011

Viotti: Violin Concerts (Dynamic)

Giovanni Battista Viotti (1755 bis 1824) gilt - obwohl er selbst wenig unterrichtet hat - als einer der Väter der modernen Violintechnik. Er war ein Schüler von Gaetano Pugnani, der wiederum bei Tartini studiert hatte. 1775 trat Viotti in Turin in die königliche Kapelle ein, damals ein angesehenes Or- chester; 1780 begleitete er seinen Lehrer Pugnani auf eine Konzert- reise, die die beiden Virtuosen bis nach St. Petersburg führte.
1782 trat Viotti in Paris erstmals im Concert Spirituel auf, und ließ sich anschließend in Paris nieder, wo er mit seinen Werken beim Adel und bei Hofe sehr erfolgreich war. So stand er im Dienst von Königin Marie Antoinette. 

Nach dem Ausbruch der Revolution floh Viotti nach England. Dort wiederum wurde er bald verdächtigt, für die Revolutionäre zu spio- nieren, und sah sich gezwungen, das Land zu verlassen. Der Virtuose verbrachte einige Jahre in Deutschland, pendelte den Rest seines Lebens zwischen London und Paris, zunächst als Teilhaber eines Weinhandels, der wohl grandios scheiterte, und dann auf Wunsch Ludwigs XVIII. als Intendant des Théatre Italien sowie der Opéra; damit war er aber ebenfalls nicht besonders erfolgreich. 1821 kehrte er endgültig nach London zurück. 
Viotti muss ein großartiger Violinvirtuose gewesen sein. Seine Violin- konzerte - 29 an der Zahl - beeindrucken weniger durch artistische Mätzchen als vielmehr mit herrlichen Melodien, Anmut und einer überaus modernen harmonischen Gestaltung. Sie wurden zum Vor- bild für eine ganze Generation, und prägten die französische Violin- schule mit stilistischen Modellen, die von Pierre Rode, Pierre Baillot und Rodolphe Kreutzer, aber auch von Mozart, Beethoven und Brahms bewundert und weitergeführt wurden. 
Das Label Dynamic hat die erste Gesamteinspielung seiner Konzerte für Violine und Orchester vorgelegt, mit Franco Mezzena als - glanzvollem - Solisten, der zugleich die Symphonia Perusina leitet. Die vorliegende Box enthält die CD 3, 6 und 7 daraus mit den Konzer- ten Nr. 5, 6, 7, 9, 13, 15, 16, 17 und 23. Ich kann die Aufnahme sehr empfehlen - und es ist wundervolle Musik, an der Schwelle von der Klassik zur Frühromantik, mitunter mit einem Hauch galanter Nostal- gie.