Nach seiner Priesterweihe wurde Antonio Vivaldi Kaplan an der Kirche Santa Maria della Pietà, und begann wenig später, am zugehö- rigen Ospedale della Pietà, einem für seine musikalischen Darbietun- gen berühmten Waisenhaus für Mädchen, Musikunterricht zu er- teilen.
Es wird vermutet, dass er seine Cellosonaten für diese begabten jungen Damen geschrieben hat, ähnlich wie beispielsweise zahl- reiche Werke für Violine - doch anders als diese, hat Vivaldi seine Werke für das Cello nie veröffent- licht. Dennoch muss er das Instrument sehr geschätzt haben. Seine Cellosonaten jedenfalls sind wunderschön, exzellent gearbeitet und von einer berührenden Innigkeit.
David Watkin hat sie für Hyperion gemeinsam mit Mitgliedern des King's Consort eingespielt: Helen Gough am Continuo-Cello, David Miller an Theorbe, Erzlaute und Barockgitarre sowie Robert King an Cembalo und Orgelpositiv. Die vier Musiker harmonieren phantas- tisch miteinander, und schon die Liste der Continuo-Instrumente macht deutlich, dass auch klanglich für Abwechslung gesorgt ist. So gelang ihnen ohne Zweifel eine Referenzaufnahme.
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Samstag, 5. März 2011
Samstag, 24. Juli 2010
Scarlatti: Cantatas & Chamber Music (Chaconne)
Die Vokalwerke Scarlattis sind kleine Kostbarkeiten - obwohl er enorme Mengen davon produziert hat: Er selber berichtete von mehr als 100 Opern, knapp 800 Kantaten und gut 200 Messen; dazu kommen noch diverse Oratorien, und natür- lich Instrumentalwerke. Als den "größten Meister der Harmonie in Italien, mithin auf der ganzen Welt", pries ihn Johann Adolf Hasse, der nicht umsonst Scarlattis Schüler wurde.
Scarlatti sah Musik nicht in erster Linie als Virtuosenfutter, sondern als deklamatorisch-rhetorische Kunst; in seinen Kantaten überrascht er mit kühnen chromatischen Rückungen, verblüffenden harmonischen Wendungen und einem Feuerwerk an Ideen auch in den Begleitstimmen. Die Klangrede wird hier Ereignis: Wer eine Blume im Eis erblühen hören möchte, der sollte der Cantata pastorale "Non so qual più m'ingombra" auf dieser CD aufmerksam lauschen.
Auch die drei anderen Kantaten, die sich eher mit dem Leiden un- glücklich Verliebter auseinandersetzen, neigen - durchaus zeitge- mäß - zum Pastoral. So schluchzt in "Quella pace gradita" der Verschmähte mit einer Turteltaube um die Wette, die durch die Blockflöte kunstvoll imitiert wird. Clara Rottsolk, Sopran, verfügt über eine schlanke, angenehm timbierte Stimme, und überzeugt insbesondere durch intelligente Phrasierung.
Auch in seinen Instrumentalwerken interessierte sich Scarlatti mehr für die Linie und für die kunstvolle musikalische Struktur als für vordergründige Virtuosität. Sein Concerto IX a-Moll unterscheidet sich enorm von ähnlichen Werken Corellis oder Vivaldis; allerdings ist diese Blockflötenpartie in einigen Abschnitten selbst für den Profi nicht mal eben so vom Blatt zu spielen. Gwyn Roberts aber gestaltet Scarlattis Werke vorbildlich; sie hat hörbar Vergnügen an musikalischer Dramatik und technisch ohnehin offenbar keine Limits. Mit ihr konzertieren Emlyn Ngai und Karina Fox, Violine/Viola, Eve Miller, Violoncello, Richard Stone, Laute und Theorbe, sowie dem überragenden Tempesta di Mare Philadelphia Baroque Orchestra. Bei dieser Aufnahme spielen selbst die Tutti grandios.
Auch die drei anderen Kantaten, die sich eher mit dem Leiden un- glücklich Verliebter auseinandersetzen, neigen - durchaus zeitge- mäß - zum Pastoral. So schluchzt in "Quella pace gradita" der Verschmähte mit einer Turteltaube um die Wette, die durch die Blockflöte kunstvoll imitiert wird. Clara Rottsolk, Sopran, verfügt über eine schlanke, angenehm timbierte Stimme, und überzeugt insbesondere durch intelligente Phrasierung.
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Handel: Serse (Deutsche Grammophon)
Händels Oper zeigt ihre Helden in heftiger emotionaler Verstrickung, befangen in Liebeshändeln, himmelhoch jauchzend, voll Zweifel und zu Tode betrübt. Das gibt Anlass zu grandiosen Arien und heftigen Szenen.
Und obwohl die allgemeine Verwirrung für viel Komik sorgt, zeigt der Komponist doch gelegentlich Xerxes auch als den Herrscher von Persien - ein gefährlicher Tyrann, der jederzeit seine Mitmenschen vom Leben zum Tode befördern kann.
Und obwohl die allgemeine Verwirrung für viel Komik sorgt, zeigt der Komponist doch gelegentlich Xerxes auch als den Herrscher von Persien - ein gefährlicher Tyrann, der jederzeit seine Mitmenschen vom Leben zum Tode befördern kann.
Die Deutsche Grammophon macht nun eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1965 wieder zugänglich - es war die erste vollständige Einspielung des Werkes in italienischer Sprache. Als sie entstand, war man gerade dabei, Händels Opern wiederzuentdecken - unter Verzicht auf die rabiate Bearbeitungspraxis der Vergangenheit, aber ebenso noch meilenweit entfernt von den Debatten der Originalklang-Jünger.
Wie Brian Priestman, ein erfahrener Dirigent und Händel-Kenner, das Ensemble durch die Oper führt, hätte dem Pragmatiker Händel sicherlich gefallen - schon allein aufgrund des überaus versierten Continuo-Cembalisten Martin Isepp. Die Musiker des Orchesters des Österreichischen Rundfunks spielen auf modernen Instrumenten, aber in kleiner Besetzung. Unter den durchweg hochkarätigen Sängern war ebenfalls kein einziger ausgewiesener Barock-Spezialist. Dennoch überzeugt diese Einspielung, weil sich die Solisten zurücknehmen und auf die reduzierte Klangkulisse einstellen. Maureen Forrester (Serse), Maureen Lehane (Arsamene), Mildred Miller (Armastre), Lucia Popp (Romilda), Marilyn Tyler (Atalanta), Thomas Hemsley (Ariodante) und Owen Brannigan (Elviro) haben ihre Gesangskarrieren längst beendet. Umso erfreulicher ist dieses klingende Zeugnis aus ferner Zeit, das im übrigen auch durch exzellentes Remastering der alten Bänder beeindruckt.
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