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Samstag, 4. April 2020

The London Album (Audax)

Johannes Pramsohler und seine Kollegen vom Ensemble Diderot – Roldán Bernabé, Barockvioline, Gulrim Choi, Violoncello und Philippe Grisvard, Cembalo – setzen mit dieser CD ihre Entdeckungsreise auf den Spuren der barocken Triosonate quer durch Europa fort. Gestartet waren sie mit dem Dresden Album – und nun, fünf Jahre später, präsentieren die Musiker, was sie in England und in Frankreich entdeckt haben. 
The London Album enthält Triosonaten aus der Zeit vor 1680. Zur Zeit Henry Purcells schätzten englische Komponisten das neue italienische Genre. Doch auch wenn beispielsweise Robert King (um 1660 bis 1726) eine Sonetta after the Italion way schrieb, die hier in Weltersteinspielung erklingt, bleibt der charakteristische britische Sound doch erstaunlich deutlich erhalten. Die drei Triosonaten von Henry Purcell beispielsweise würde man niemals einem Komponisten vom Festland zuordnen. Und auch Kollegen, die von dort nach England kamen, übernahmen erfolgreich dieses musikalische Idiom, wie Werke von Johann Gottfried Keller und Gerhard Diessener zeigen. Beide waren Cembalisten, und kamen aus Deutschland nach London. 
Die Musiker haben für diese CD nicht nur beeindruckende Musikbeispiele aus alten Manuskriptbänden zutage gefördert. Sie haben sich auch mit Lehrwerken der damaligen Zeit auseinandergesetzt, um diese attraktiven Werke obendrein zeitgemäß vortragen zu können. Hochinteressant! 

Montag, 27. August 2018

Nuove Inventioni (Sony)

Jazz trifft auf Barock – und es ist eine spannungsvolle Begegnung! Diese CD dokumentiert, was geschieht, wenn zwei Musiktraditionen zueinander finden, die sich nur auf den ersten Blick stark unterscheiden. Natürlich sind Harmonik und Rhythmik jeweils ganz eigen. Doch die Liebe zur Improvisation vereint Jazz und Barockmusik. 
Wie das klingen kann, das zeigen der erfahrene Lautenist Rolf Lislevand und das junge Ensemble Concerto Stella Matutina mit dieser Aufnahme. Die Musiker machen deutlich, dass auch barocke Klänge grooven können – und dass man moderne Musik auch auf historischen Instrumenten ganz wunderbar spielen kann.  

Montag, 9. Juni 2014

Your tuneful voice - Handel Oratorio Arias (Vivat)

Was die Besetzung von Partien in seinen Werken anging, war Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) offenbar flexibel. Es ist belegt, dass dieselben Rollen von Tenören, Kastraten und Countertenören, ja, gelegentlich sogar von Altistinnen gesungen wurden. Beweise dafür liefert Donald Burrows in einem faszinierenden Aufsatz im Beiheft zu dieser CD. Dem Komponisten war es offenbar egal, ob es ein italienischer oder ein englischer Sänger war, ob er von der Opernbühne oder aus einem Kirchenchor kam, ja, selbst das Geschlecht war zweitrangig, wenn die einzige wichtige Voraussetzung stimmte: a tuneful voice, eine klangvolle Stimme sollte erklingen. Countertenor Iestyn Davies verfügt zweifels- frei über eine solche. Auf dieser CD singt er Arien aus Händels Orato- rien. Begleitet wird er dabei durch The King's Consort. 

Donnerstag, 6. März 2014

Monteverdi: Heaven and Earth (Vivat)

Die Liebe in all ihren Facetten steht im Mittelpunkt des Monteverdi-Programmes, das das King's Con- sort auf dieser CD präsentiert. Es enthält etliche bekannte Stücke, ist abwechslungsreich, und wird vom Instrumentalensemble gekonnt begleitet. Zu hören sind dabei eine Vielzahl von Instrumenten, von der Violine bis zur Doppelharfe und von der Posaune bis zur Orgel. Somit ist auch ein breites Spek- trum an Klangfarben verfügbar – was den affektbetonten Vortrag der Sänger wirkungsvoll unter- streicht. 

Dienstag, 9. Oktober 2012

Sacred Music by Jan Dismas Zelenka (Helios)

Zur Wiederentdeckung des Kom- ponisten Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745) hat diese Aufnahme aus dem Jahre 2002 mit Sicherheit beigetragen. Zu verdanken ist die wundervolle Einspielung dem King's Consort unter Robert King, das sich einmal mehr die Mühe gemacht hat,    abseits des Best- seller-Repertoires nach Werken zu suchen, deren Aufführung sich lohnt. 
Zelenka, der in Dresden als Orche- stermusiker und Kirchencompo- siteur wirkte, hat Musik geschrieben, die durch ihre Eigenwilligkeit verblüfft. Bereits der Leipziger Musikschriftsteller Friedrich Rochlitz, der um 1820 Zugang zu einigen Stücken Zelenkas erhielt, begeisterte sich für die "bewundernswerthe Eigenthümlichkeit" seiner harmo- nischen Sprache und die "kunstreich verflochtenen" Singstimmen. 
Dennoch blieben die Werke noch nahezu 200 weitere Jahre im Archiv liegen; erst in jüngster Vergangenheit begannen Musiker und Musik- wissenschaftler, die Handschriften zu erschließen. So enthält diese CD neben der Litaniae de Venerabili Sacramento Z147 und den Maria- nischen Antiphonen Regina caeli laetare Z134 und Salve regina, mater misericordiae Z135 auch Teile aus dem Officium defunctorum Z47, das Zelenka 1733 für die Trauerfeierlichkeiten in Dresden nach dem Tode seinen Dienstherrn August des Starken geschrieben hat. Diese düstere, aber dennoch seltsam kraftvolle Trauermusik würde man gern einmal vollständig hören.  

Sonntag, 29. Juli 2012

James Bowman sings Handel Heroic Arias (Helios)

Der Countertenor James Bowman gab sein Debüt 1967 in der Rolle des Oberon. Er sang jedoch nicht nur in den Opern von Benjamin  Britten; für den Sänger wurden viele Partien geschrieben, und er wurde auch häufig für die soge- nannte "Alte" Musik engagiert. So trug er dazu bei, dass viele Werke Händels für die Bühne wiederent- deckt wurden, die dieser für Ka- straten geschrieben hatte. 
Dass auch ein Countertenor die Bravourarien, die Händel für seine italienischen Stars geschaffen hat, singen kann, wenn das Timbre seiner Stimme dazu passt, beweist diese CD aus dem Jahre 1990. Zur Erinnerung: 2005 hat Andreas Scholl, ein Superstar dieses Faches, als erster Countertenor überhaupt drei Händel-Arien auf der Last Night oft the Proms gesungen. Mittlerweile haben auch einige Sänger der jüngeren Generation dieses Repertoire für sich entdeckt, und es sind einige CD erschienen. 
Vergleicht man diese Aufnahmen mit der vorliegenden, so wird man festellen, dass Bowman - Jahrgang 1941 - nicht nur technisch noch immer außerordentlich überzeugt. Seine Stimme klingt geradezu jugendlich, er verfügt über eine beneidenswerte Geläufigkeit, und seine Gestaltungskunst ist hinreißend. Das King's Consort  unter Robert King ist Bowman ein temperamentvoller Begleiter. 

Mittwoch, 6. Juni 2012

Sacred Music by Johann Kuhnau (Helios)

"Ich weiß nicht, ob er dem Orden der Tonkünstler oder den anderen Gelehrten mehr Ehre gebracht", schrieb Johann Christoph Ade- lung, Bibliothekar des Kurfürsten Friedrich August III., über Johann Kuhnau. "Er war gelehrt in der Gottesgelahrtheit, in den Rechten, Beredsamkeit, Dichtkunst, Mathe- matik, fremden Sprachen und Musik." 
Johann Kuhnau (1660 bis 1722) war der Sohn eines Tischlers aus Geising im Erzgebirge. Er begann seine musikalische Laufbahn als Chorknabe, was ihm zugleich den Besuch der Dresdner Kreuzschule ermöglichte. Als in der Landes- hauptstadt die Pest ausbrach, schickten ihn die Eltern nach Zittau, wo er am Johanneum seine Ausbildung fortsetzte, und bald auch Aufga- ben eines Kantors und Organisten übernahm. Als dort 1682 Johann Krieger ins Amt eingeführt wurde und dies seine Dienstpflichten wurden, ging Kuhnau nach Leipzig.
Dort studierte er Jura, und erwarb sich nebenher einen exzellenten Ruf als Musiker. So komponierte er 1683 ein aufwendiges dramma per musica, das zur Begrüßung des von der Türkenschlacht in Wien heimgekehrten Kurfürsten unter freiem Himmel aufgeführt wurde. 1684 erhielt Kuhnau eine Anstellung als Organist an der Thomas- kirche. 1701 wurde er schließlich als Nachfolger von Johann Schelle Thomaskantor.
Bekannt ist er in erster Linie als Vorgänger Bachs - und für seine Klaviermusik, beispielsweise die Clavier-Übung, zweimal sieben Partitas, komponiert für den geübten Musiker, um "auch den von anderen Studien ermüdeten Geist" zu "erfrischen" - ganz ähnlich, wie Bach es später formulieren sollte. In seinem Amt als Thomaskantor hatte Kuhnau so manchen Strauß mit dem Studenten Georg Philipp Telemann auszufechten, der sich in das Leipziger Musikleben nicht nur mit Lust und Leidenschaft, sondern offenbar auch mit einem gewissen Geltungsbedürfnis einbrachte. Leider prägte dies das Bild Kuhnaus, wie der Musiker das eigentlich nicht verdient hat.
Denn gerade die geistlichen Vokalwerke, die The King's Consort unter Robert King auf dieser CD vorstellt, verweisen uns auf seine enorme Bedeutung als Komponist einer Übergangszeit. Musik galt damals noch als mathematische Kunst; sie spiegelte Affekte, und zwar auf einer eher abstrakten Ebene, und nicht Befindlichkeiten. Und weil Kirchenmusik die Gläubigen erquicken und erbauen, aber auch unterweisen sollte, wurde zu Kuhnaus Zeiten höchster Wert auf den Text, auf seine Auswahl und Auslegung mit den Mitteln der Musik, gelegt. 
Das zeigt sich, bei aller musikalischen Brillanz, auch bei dieser CD, der man zudem begeistert lauscht, weil die Aufnahmen mit The King's Consort außerordentlich gelungen und ausdrucksstark sind. Die Sänger und Musiker machen deutlich, wie stark Kuhnaus geistliche Werke rhetorisch geprägt sind - ganz im Sinne jener großen Traditio- nen, die der Thomaskantor in seinen Jugendjahren in Dresden ken- nengelernt haben wird. 
Kuhnau ist das Bindeglied zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach. Zu seinen Schülern gehören zudem Johann Friedrich Fasch, Christoph Graupner und Johann David Heinichen. Händel und Mattheson kannten und schätzten seine Klavierwerke. Und selbst Telemann bekannte später, dass er den Kontrapunkt durch das Stu- dium von Kompositionen Kuhnaus gelernt habe. 

Sonntag, 11. September 2011

Sacred Music by Sebastian Knüpfer (Helios)

Als Thomaskantor war Sebastian Knüpfer  (1633 bis 1676) einer der Amtsvorgänger Bachs. Er stammte aus dem böhmischen Asch, war der Sohn eines Kantors und Orga- nisten, und besuchte zunächst das Gymnasium in Regensburg. Nach Leipzig ging er, um an der Univer- sität zu studieren. Doch nicht die Philosophie sollte seinen Lebens- weg prägen: 1657 wurde Knüpfer zum Thomaskantor berufen. 1663 erschien eine Sammlung mit Madrigalen und Kanzonetten im Druck; die meisten Werke Knüpfers aber sind lediglich in Abschriften überliefert. 
Seine Zeitgenossen schätzten sie sehr. Knüpfer habe, so heißt es im Nachruf, "Sprüche aus den Psalmen und andern biblischen Büchern mit solcher Lieblichkeit und Kunstfertigkeit komponiert, daß er die betrübtesten Herzen damit aufgerichtet hat und sein Name nicht bloß in Leipzig, sondern auch auswärts mit Bewunderung genannt wird." 
Das King's Consort hat einen Teil der Manuskripte, in denen Knüpfers Werke vorliegen, transkribieren lassen, sorgsam geprüft, und dann eine Auswahl seiner Werke eingespielt. Die Aufnahme stammt bereits aus dem Jahre 1999, doch es ist erfreulich, dass sie nunmehr wieder verfügbar ist. Denn das Ensemble, das von Robert King geleitet wird, musiziert ebenso sachkundig wie klangschön. Bravi! 

Samstag, 5. März 2011

Vivaldi: The Complete Cello Sonatas (Hyperion)

Nach seiner Priesterweihe wurde Antonio Vivaldi Kaplan an der Kirche Santa Maria della Pietà, und begann wenig später, am zugehö- rigen Ospedale della Pietà, einem für seine musikalischen Darbietun- gen berühmten Waisenhaus für Mädchen, Musikunterricht zu er- teilen. 
Es wird vermutet, dass er seine Cellosonaten für diese begabten jungen Damen geschrieben hat, ähnlich wie beispielsweise zahl- reiche Werke für Violine - doch anders als diese, hat Vivaldi seine Werke für das Cello nie veröffent- licht. Dennoch muss er das Instrument sehr geschätzt haben. Seine Cellosonaten jedenfalls sind wunderschön, exzellent gearbeitet und von einer berührenden Innigkeit. 
David Watkin hat sie für Hyperion gemeinsam mit Mitgliedern des King's Consort eingespielt: Helen Gough am Continuo-Cello, David Miller an Theorbe, Erzlaute und Barockgitarre sowie Robert King an Cembalo und Orgelpositiv. Die vier Musiker harmonieren phantas- tisch miteinander, und schon die Liste der Continuo-Instrumente macht deutlich, dass auch klanglich für Abwechslung gesorgt ist. So gelang ihnen ohne Zweifel eine Referenzaufnahme.  

Sonntag, 8. August 2010

Burst forth, my tears - The Music of John Dowland (Naxos)

John Dowland (1563 bis 1626) war ohne Zweifel einer der besten Lautenisten des 16. Jahrhunderts. Dennoch ist es ihm zunächst nicht gelungen, in London bei Hofe unterzukommen. So zog er durch Europa. Er spielte beispielsweise am Hof Heinrich Julius', Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, und vor Landgraf Moritz von Hessen in Kassel. Dann reiste er nach Italien weiter. Und nachdem er sich erneut in London erfolglos um die Anstellung als Hoflautenist beworben hatte, ging Dowland nach Dänemark, wo er bis 1606 acht Jahre lang als Lautenist am Hof König Christians IV. von Dänemark tätig war. Erst 1612 erhielt er den begehrten Posten als Musician for the lute am englischen Königshof. 
Mehr als 80 Lautenlieder Dowlands, über hundert Werke für Laute solo sowie grandiose Musik für Gambenconsort mit Lautenbegleitung sind überliefert.37 dieser Werke hat Naxos für diese CD ausgewählt. Sie beginnt gleich mit einem seiner berühmtesten Werke - der Lachri- mae Pavan; bekannt auch in ihrer Vokalversion als Flow my teares, und in Form von Variationen für Gambenconsort. Auf dieser CD wird sie zweimal von der Laute vorgetragen. Die Lautenmusik, zumeist Tänze, spielt mit einer Ausnahme Nigel North. Greensleeves Divisions spielt Dorothy Linell. Außerdem ist der Lautenist Jacob Heringman zu hören; er musiziert mit dem The Rose Consort of Viols sowie der Mezzosopranistin Catherine King.
Mir haben die Consort-Stücke am besten gefallen; hier wird sehr elegant musiziert. King hat eine wenig charakteristische, schlanke und auch kleine Stimme, wie man sie in barockem Repertoire häufig hört. Die Lautenisten musizieren sauber und solide, aber auch brav und ein wenig langweilig. Ein bisschen Leidenschaft und augenzwinkernde Theatralik aber dürfte bei Dowland schon sein. Melancholie jedenfalls strahlt diese Doppel-CD nicht aus. Schade.

Montag, 12. April 2010

Albinoni Vivaldi - Oboe Concertos (Helios)

Eine traumschöne CD, aufgezeich- net 1990, die Liebhaber barocker Bläsermusik bezaubern wird: Paul Goodwin, Oboe, spielt gemeinsam mit dem King's Consort unter Robert King Konzerte von Albinoni und Vivaldi. 
Antonio Vivaldi schrieb zwei Kon- zerte für jeweils ein Paar Oboen und Klarinetten - seinerzeit eine geradezu avantgardistische Beset- zung, denn die (Barock-)Klarinette war gerade erst erfunden, und so- zusagen bei ihren ersten Schritten als Soloinstrument. Vivaldi setzt die Klarinetten sowohl gemeinsam mit den Oboen als Concertino-Gruppe als auch im Paar kontrastie- rend, imitierend und alternierend zu den Oboen ein. Im Concerto  RV560, mit dem die CD beginnt, überlässt er den langsamen Satz ganz den Oboen, die über den Streichern anmutig ihre Melodie singen. Im Concerto RV559 hingegen, das die CD beschließt, ist der Mittelsatz den Bläsern allein vorbehalten, die hier sogar ohne Continuo musi- zieren - dankbare Aufgaben für die beteiligten Musiker, die ihren Part durchweg virtuos und - das Wort sei hier gestattet - mit Grazie spielen.
Die CD enthält zudem Vivaldis Oboenkonzert in F-Dur RV455 und vier Konzerte von Tomaso Albinoni. Zwei davon sind für zwei Oboen geschrieben, eines für Trompete, drei Oboen, Fagott und Continuo. Das stärkste aber, das Concerto in d-Moll op.9 Nr.2, beschränkt sich in der Besetzung auf Oboe und Streicher - melodisch hinreißend, und, zumal im letzten Satz, auch technisch hochvirtuos.