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Montag, 7. Dezember 2020

Lost Concertos for Anna Maria (Glossa)


 Nicht wenige Komponisten haben ihren Platz in der Musikgeschichte durch Partnerschaften mit herausragenden Virtuosen gefunden. Im Falle von Antonio Vivaldi waren dies die Mädchen und Frauen, die im Orchester des Ospedale della Pietà musizierten. Sie kamen bereits im Säuglingsalter in dieses Waisenhaus, und die meisten von ihnen blieben ein ganzes Leben lang dort. 

Waren die figli begabt, wurden sie in den coro aufgenommen und erhielten dann eine erstklassige musikalische Ausbildung. Die Gottesdienste und Konzerte in der Kapelle der Pietà waren eine Attraktion; die musizierenden Mädchen hatten ein Publikum, das aus ganz Europa anreiste, um ihnen zuzuhören. 

Wie die Virtuosinnen hießen, für die Vivaldi seine Werke schrieb, und wie sie lebten, das lässt sich meist nur aus den alten Verwaltungsakten rekonstruieren. Anna Maria (1696 bis 1782), die Lieblingsschülerin Vivaldis, ist da eine Ausnahme. Denn auch wenn sie selbst das Ospedale wohl niemals verlassen hat, reichte ihr Ruf weit über die Grenzen Venedigs hinaus, und in vielen Reiseberichten jener Zeit wird ihr technisch versiertes und ausdrucksvolles Spiel gepriesen. 

Ein elegant in rotes Leder gebundenes Stimmbuch ist erhalten geblieben, aus dem sie musiziert hat; darin findet sich der Konzertmeisterpart für insgesamt 31 Violinkonzerte. 26 dieser Werke hat Antonio Vivaldi komponiert. Doch für einige dieser Kompositionen fehlen die anderen Stimmen. Sechs dieser Werke, die bislang nicht aus anderen Quellen komplettiert werden konnten, hat der Dirigent Federico Maria Sardelli nun rekonstruiert. 

Möglich wurde dies, weil seinerzeit neben der Solo-Stimme zur besseren Orientierung stets auch der Bass notiert wurde. Außerdem hat Sardelli Vivaldis Konzerte sorgfältig studiert, und sich bei der Wiederherstellung der verlorenen Stimmen an ihnen orientiert. Die Lösungen, die er letztendlich gefunden hat, überzeugten nicht nur den renommierten Vivaldi-Forscher Michael Talbot, der seine Gedanken dazu in dem sehr informativen Beiheft zu Papier gebracht hat. 

Auch das breite Publikum kann nun diese rekonstruierten Konzerte genießen, denn der Barockgeiger Federico Guglielmo hat diese mit dem Ensemble Modo Antiquo unter Leitung Sardellis bei Glossa eingespielt. Was für ein kühnes Projekt - und es ist rundum gelungen, Gratulation! Man darf wohl davon ausgehen, dass diese rekonstruierten Konzerte ihren Platz im Konzertleben finden werden. Die drei Doppelkonzerte für Orgel und Violine beispielsweise sind echte Repertoireschätze. 


Montag, 7. Juni 2010

Handel: Arie italiane per basso; Ildebrando D'Arcangelo (Deutsche Grammophon)

Es ist doch immer wieder schockie- rend, wie viele Leute heute mit den Augen hören. Selbst Kritiker sind davor offensichtlich nicht gefeit: "Ildebrando D'Arcangelo is a complete knock-out ... charming, funny, sexy ... in touch with his emotions", zitiert die Deutsche Grammophon den Londoner Inde- pendent
Was hören wir, wenn wir den CD-Player anwerfen? Händels wunderschöne Arien. Ein Orchester, das solide, aber nicht übermäßig inspiriert spielt. Und einen Bariton, der dazu neigt, mini- mal unterm Ton zu bleiben. In manchen Stücken zeigt er eine schöne, samtweiche Mittellage. Doch sobald Höhe gefordert ist, kann er nicht mehr überzeugen. Und die Tiefe ist auch nicht unbedingt sein Fach, wie beispielsweise Fra l'ombre e gl'orrori zeigt. Eine Enttäuschung.