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Freitag, 27. Dezember 2013

Le Parler et le Silence (Ramée)

Die Ursprünge der modernen Flötenmusik erkunden Kate Clark und das Attaignant Consort bei dem Label Ramée. Mit dieser CD beenden die Musiker einen Zyklus mit Werken für Traversflöte aus dem langen Zeitraum vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. Er umfasst insgesamt drei CD, und präsentiert Werke für Renaissan- ceflöte, wobei dieses Musikinstru- ment entweder solistisch oder aber im Consort eingesetzt wird. 
Die Flöte, zunächst mit zylindrischer Bohrung und ohne die uns heute geläufige Mechanik, begann ihre Laufbahn sozusagen in Familie. Denn es gab sie in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Längen und Tonhöhen. Sie wurden oftmals im Consort gespielt, oder gemeinsam mit anderen instruments bas, den leisen Instrumenten, die in häuslicher Umgebung erklangen. 
Am Ausgang des Mittelalters übernahm die Flöte schlicht eine Gesangsstimme. Bis zur barocken Flötensonate war es da noch ein langer Weg, den das Attaignant Consort anhand von sorgsam ausgewählten und sehr hörenswert vorgetragenen Musikbeispielen nachzeichnet. Dabei werden die Flötisten durch den Lautenisten Nigel North unterstützt, was in der Programmgestaltung reizvolle Kon- traste ermöglicht. Wer Flötenmusik schätzt, der wird von diesen gelungenen Einspielungen begeistert sein – auch wenn er sich vielleicht gar nicht für Musikgeschichte interessiert. 

Dienstag, 9. August 2011

The Heart Trembles with Pleasure (BGS)

"Er ist der Erste gewesen, welcher gezeiget, daß man mehr könnte auf der Laute machen, als man sonsten nicht geglaubet. Und kann ich (...) aufrichtig versichern, daß es einerley, ob man einen künstli- chen Organisten auf dem Clavi- cembel seine Fantasien und Fugen machen, oder Monsieur Weissen spielen hört", berichtet Ernst Gott- lieb Baron 1727 über seinen Leh- rer und Freund. "In denen Harpeg- gio hat er eine so ungemeine Vollstimmigkeit, in exprimirung derer Affecten ist er incomparable, hat eine stupende Fertigkeit, eine unerhörte Delicatesse und Can- table Anmuth, und ist ein großer Extemporaneus, da er im Augen- blick, wenn es ihm beliebig, die schönsten Themata, ja gar Violin-Concerte von ihren Noten weg spielt, und extraordinair so wohl auf der Lauten, als Tiorba den General-Baß accompagnirt." 
Silvius Leopold Weiss (1687 bis 1750), der letzte der großen Barock-Lautenisten, war von 1718 bis zu seinem Tode als kurfürstlicher Kammer-Lautenist am Hofe Augusts des Starken und seines Nachfol- gers angestellt. Dort erfreute er sich höchster Wertschätzung - die sich auch in seinem exorbitant hohen Gehalt ausdrückte. 
Weiss stammte aus Schlesien, und wurde durch seinen Vater Johann Jacob Weiss, der ebenfalls Laute und Theorbe spielte, ausgebildet. Seiner erste Stelle erhielt er 1706 unweit von Breslau am Hofe von Karl Philipp von Pfalz-Neuburg. Er spielte aber auch am Hofe des Bruders seines Dienstherrn, Kurfürst Johann Wilhelm, in Düsseldorf. Als Begleiter des polnischen Prinzen Alexander Sobiesky, der seine Mutter, Königin Maria Casimira, besuchte, reiste er - vermutlich 1710 - nach Italien. Die Eindrücke, die er dabei gewonnen hat, prägten sein Werk maßgeblich. 
Wie die italienische Musik Weiss' Lautenspiel beeinflusste, das ist das große Thema dieser CD. Nigel North hat dafür Werke ausgewählt, die in dem sogenannten Londoner Manuskript überliefert sind (das eigentlich Johann Christian Anthoni von Adlersfeld gehörte, einem Mitglied der Prager Musikakademie). Den Reigen eröffnet die Ouver- ture in B-Dur. Sie kombiniert bereits die typische französische Form mit italienischen Klängen. Die Partita in g-Moll und die Sonate in
F-Dur
datiert North auf 1717, die Fantasie in c-Moll auf 1719. Sie wurde durch eine Bearbeitung für Gitarre durch Julian Bream sehr bekannt. Dieses Werk dürfte zu den letzten gehören, die Weiss für die elfsaitige Laute geschrieben hat - später spielte er ein 13saitiges Instrument, das er gemeinsam mit den Lautenbauer Thomas Edlinger entwickelt hat. Es sollte innerhalb kurzer Zeit zum neuen Standard werden. 
Die Suite in c-Moll hingegen ist 1706 in Düsseldorf entstanden; hier ist Weiss sozusagen "pur", noch ohne die Italien-Erfahrung, zu hören. Zu Abschluss wählte North eine Ciaconna aus einer weiteren Sonate, die die CD ruhig und harmonisch ausklingen lässt. 

Sonntag, 8. August 2010

Burst forth, my tears - The Music of John Dowland (Naxos)

John Dowland (1563 bis 1626) war ohne Zweifel einer der besten Lautenisten des 16. Jahrhunderts. Dennoch ist es ihm zunächst nicht gelungen, in London bei Hofe unterzukommen. So zog er durch Europa. Er spielte beispielsweise am Hof Heinrich Julius', Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, und vor Landgraf Moritz von Hessen in Kassel. Dann reiste er nach Italien weiter. Und nachdem er sich erneut in London erfolglos um die Anstellung als Hoflautenist beworben hatte, ging Dowland nach Dänemark, wo er bis 1606 acht Jahre lang als Lautenist am Hof König Christians IV. von Dänemark tätig war. Erst 1612 erhielt er den begehrten Posten als Musician for the lute am englischen Königshof. 
Mehr als 80 Lautenlieder Dowlands, über hundert Werke für Laute solo sowie grandiose Musik für Gambenconsort mit Lautenbegleitung sind überliefert.37 dieser Werke hat Naxos für diese CD ausgewählt. Sie beginnt gleich mit einem seiner berühmtesten Werke - der Lachri- mae Pavan; bekannt auch in ihrer Vokalversion als Flow my teares, und in Form von Variationen für Gambenconsort. Auf dieser CD wird sie zweimal von der Laute vorgetragen. Die Lautenmusik, zumeist Tänze, spielt mit einer Ausnahme Nigel North. Greensleeves Divisions spielt Dorothy Linell. Außerdem ist der Lautenist Jacob Heringman zu hören; er musiziert mit dem The Rose Consort of Viols sowie der Mezzosopranistin Catherine King.
Mir haben die Consort-Stücke am besten gefallen; hier wird sehr elegant musiziert. King hat eine wenig charakteristische, schlanke und auch kleine Stimme, wie man sie in barockem Repertoire häufig hört. Die Lautenisten musizieren sauber und solide, aber auch brav und ein wenig langweilig. Ein bisschen Leidenschaft und augenzwinkernde Theatralik aber dürfte bei Dowland schon sein. Melancholie jedenfalls strahlt diese Doppel-CD nicht aus. Schade.