Lauten und Theorben sind mittlerweile wieder zu hören. Aber das Hackbrett und seine Verwandten erklingen, außerhalb der Brauchtumspflege, eher selten. Dieses Saiteninstrument wird mit kleinen Hämmerchen angeschlagen. Birgit Stolzenburg lässt hier Salterio, Dulce Melos, Dulcimer und Kontrabass-Hackbrett erklingen. Hans Brüderl spielt Vihuela, Renaissancegitarre, Renaissancelaute und Theorbe, und gemeinsam zeigen die beiden Musiker, welche Vielfalt an Klangmöglichkeiten dieses Instrumentarium ermöglicht. Dafür hat das Duo Gioco di Salterio Werke vom 14. bis zum 18. Jahrhundert ausgewählt. Berückend!
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Samstag, 12. September 2020
Suoni amorosi (Deutsche Harmonia Mundi)
Liebevolle Klänge präsentiert das Duo Gioco di Salterio auf diesem Album. Mit ihrer Musikauswahl, die weit in die Vergangenheit reicht, erinnern Birgit Stolzenburg und Hans Brüderl zugleich an Klänge aus ferner Zeit: In der Renaissance wurden in Europa viele Musikinstrumente gespielt, die in späteren Jahrhunderten an Bedeutung verloren haben, und teilweise sogar in Vergessenheit geraten sind.
Lauten und Theorben sind mittlerweile wieder zu hören. Aber das Hackbrett und seine Verwandten erklingen, außerhalb der Brauchtumspflege, eher selten. Dieses Saiteninstrument wird mit kleinen Hämmerchen angeschlagen. Birgit Stolzenburg lässt hier Salterio, Dulce Melos, Dulcimer und Kontrabass-Hackbrett erklingen. Hans Brüderl spielt Vihuela, Renaissancegitarre, Renaissancelaute und Theorbe, und gemeinsam zeigen die beiden Musiker, welche Vielfalt an Klangmöglichkeiten dieses Instrumentarium ermöglicht. Dafür hat das Duo Gioco di Salterio Werke vom 14. bis zum 18. Jahrhundert ausgewählt. Berückend!
Lauten und Theorben sind mittlerweile wieder zu hören. Aber das Hackbrett und seine Verwandten erklingen, außerhalb der Brauchtumspflege, eher selten. Dieses Saiteninstrument wird mit kleinen Hämmerchen angeschlagen. Birgit Stolzenburg lässt hier Salterio, Dulce Melos, Dulcimer und Kontrabass-Hackbrett erklingen. Hans Brüderl spielt Vihuela, Renaissancegitarre, Renaissancelaute und Theorbe, und gemeinsam zeigen die beiden Musiker, welche Vielfalt an Klangmöglichkeiten dieses Instrumentarium ermöglicht. Dafür hat das Duo Gioco di Salterio Werke vom 14. bis zum 18. Jahrhundert ausgewählt. Berückend!
Sonntag, 19. Mai 2019
Bach & Weiss (Audax)
Sylvius Leopold Weiss (1687 bis 1750) war königlicher Kammerlautenist am Hofe August des Starken in Dresden. Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) war Thomaskantor in Leipzig. Die beiden Musiker kannten und schätzten sich; gut dokumentiert ist beispielsweise Weiss' Besuch 1739 bei seinem Kollegen in Leipzig. Begegnet sind sich beide aber möglicherweise schon viel früher: 1719 musizierte Weiss am Köthener Hof, wo Bach bis 1723 als Hofkapellmeister wirkte.
Weiss war zudem mit Bachs Sohn Wilhelm Friedemann Bach befreundet, der 1733 Organist der Dresdner Sophienkirche wurde, und er unterstützte auch die Bewerbung Carl Philipp Emanuel Bachs als Cembalist am preußischen Hof. Insofern ist es eine ausgezeichnete Idee des Geigers Johannes Pramsohler und des Lautenisten Jadran Duncumb, Werke beider Musiker auf einer CD zu vereinen.
Im Zentrum dieser Einspielung steht die Suite in A-Dur BWV 1025, die der Musikwissenschaft so manches Rätsel zu lösen gibt. Sie ist in zwei Handschriften überliefert; eine davon hat Bach begonnen, doch dann setzt eine andere Schreiberhand fort. Und am Ende der ersten Seite mit dem Beginn der Cembalo-Stimme ist dann auf einmal der Violinpart notiert; außerdem finden sich wohl Spuren von einem Streichbass, was auf eine Triosonate hindeuten könnte. Eine komplette Version hingegen bietet eine Abschrift, die Carl Philipp Emanuel Bach 1749 angefertigt hat. Der Cembalo-Part dort ist identisch mit einer Suonata in einem Dresdner Notenband, der ansonsten ausschließlich Kompositionen von Weiss enthält.
„Spielt man jedoch die Lautensonate aus dem Dresdner Manuskript alleine, bleibt sie ein schwer verständliches Werk“, schreiben die beiden Musiker im Geleitwort zu dieser CD. „Es trägt die Markenzeichen von Weiss – mit den idiomatischen Tricks, die er benutzt und seine typischen harmonischen Sequenzen, die ganz anders als jene Bachs klingen. Wenn man sich Sätze wie Courante, Menuet und Sarabande ansieht, überrascht es aber, wie wenig sie von Weiss' üblichem Sinn für Humor und Virtuosität zeigen.“
Möglicherweise haben Bach und Weiss diese Suite gemeinsam geschaffen. Wir werden es aufgrund der Quellenlage sicherlich nicht mehr herausfinden, aber wir können uns an diesem Werk erfreuen – zumal dann, wenn es so versiert vorgetragen wird wie von diesen beiden exzellenten Musikern. Pramsohler und Duncumb präsentieren zudem jeweils noch ein weiteres Stück der beiden Komponisten: Von Sylvius Leopold Weiss erklingt die Suite in a-Moll für Laute, und von Bach die Partita II in d-Moll BWV 1004.
Wer noch mehr Lautenmusik vom Dresdner Hof hören möchte, dem sei an dieser Stelle noch eine weitere CD empfohlen – Jadran Duncumb stellt, ebenfalls bei Audax, Werke von Weiss und von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) vor. Brillante Lautenmusik, sehr gut gespielt.
Weiss war zudem mit Bachs Sohn Wilhelm Friedemann Bach befreundet, der 1733 Organist der Dresdner Sophienkirche wurde, und er unterstützte auch die Bewerbung Carl Philipp Emanuel Bachs als Cembalist am preußischen Hof. Insofern ist es eine ausgezeichnete Idee des Geigers Johannes Pramsohler und des Lautenisten Jadran Duncumb, Werke beider Musiker auf einer CD zu vereinen.
Im Zentrum dieser Einspielung steht die Suite in A-Dur BWV 1025, die der Musikwissenschaft so manches Rätsel zu lösen gibt. Sie ist in zwei Handschriften überliefert; eine davon hat Bach begonnen, doch dann setzt eine andere Schreiberhand fort. Und am Ende der ersten Seite mit dem Beginn der Cembalo-Stimme ist dann auf einmal der Violinpart notiert; außerdem finden sich wohl Spuren von einem Streichbass, was auf eine Triosonate hindeuten könnte. Eine komplette Version hingegen bietet eine Abschrift, die Carl Philipp Emanuel Bach 1749 angefertigt hat. Der Cembalo-Part dort ist identisch mit einer Suonata in einem Dresdner Notenband, der ansonsten ausschließlich Kompositionen von Weiss enthält.
„Spielt man jedoch die Lautensonate aus dem Dresdner Manuskript alleine, bleibt sie ein schwer verständliches Werk“, schreiben die beiden Musiker im Geleitwort zu dieser CD. „Es trägt die Markenzeichen von Weiss – mit den idiomatischen Tricks, die er benutzt und seine typischen harmonischen Sequenzen, die ganz anders als jene Bachs klingen. Wenn man sich Sätze wie Courante, Menuet und Sarabande ansieht, überrascht es aber, wie wenig sie von Weiss' üblichem Sinn für Humor und Virtuosität zeigen.“
Möglicherweise haben Bach und Weiss diese Suite gemeinsam geschaffen. Wir werden es aufgrund der Quellenlage sicherlich nicht mehr herausfinden, aber wir können uns an diesem Werk erfreuen – zumal dann, wenn es so versiert vorgetragen wird wie von diesen beiden exzellenten Musikern. Pramsohler und Duncumb präsentieren zudem jeweils noch ein weiteres Stück der beiden Komponisten: Von Sylvius Leopold Weiss erklingt die Suite in a-Moll für Laute, und von Bach die Partita II in d-Moll BWV 1004.
Wer noch mehr Lautenmusik vom Dresdner Hof hören möchte, dem sei an dieser Stelle noch eine weitere CD empfohlen – Jadran Duncumb stellt, ebenfalls bei Audax, Werke von Weiss und von Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) vor. Brillante Lautenmusik, sehr gut gespielt.
Montag, 29. Oktober 2018
Weiss: The Dresden Manuscript (Glossa)
Wer schreibt, der bleibt – über dieses Motto konnte Silvius Leopold Weiss (1687 bis 1750) vermutlich milde lächeln. Der Lautenspezialist, ausgebildet vermutlich von seinem Vater, reiste 1708 im Gefolge des polnischen Prinzen Alexander Sobieski nach Italien. Nach dem Tode seines Mäzens 1714 kehrte der Musiker nach Deutschland zurück, um sich an bedeutenden Höfen vor- zustellen. In Dresden wurde Weiss schließlich 1718 als Kammerlautenist engagiert; am sächsischen Hof blieb er bis an sein Lebensende.
Im Druck erschienen ist zu Lebzeiten des Virtuosen nur ein einziges seiner Werke. Weiss hatte kein Interesse daran, seine Kompositionen zu veröffentlichen. Wer seine Musik heute spielen möchte, der muss sich daher auf die mühevolle Suche nach den Tabulatur-Manuskripten machen. Vieles ist leider auch endgültig verloren.
So sind in Dresden vier Sonaten für zwei Lauten unvollständig überliefert. Karl-Ernst Schröder hat für diese Aufnahme den fehlenden Lautenpart sorgsam rekonstruiert. Gemeinsam mit Robert Barto, und bei einer Sonate auch mit dem Cellisten Gaetano Nasillo, präsentiert er die Werke auf CD. Freunde der Lautenmusik dürfen sich freuen – denn mit diesem Projekt haben die Musiker wundervolle, erstklassige Kammermusik aus dem Spätbarock wieder verfügbar gemacht.
Im Druck erschienen ist zu Lebzeiten des Virtuosen nur ein einziges seiner Werke. Weiss hatte kein Interesse daran, seine Kompositionen zu veröffentlichen. Wer seine Musik heute spielen möchte, der muss sich daher auf die mühevolle Suche nach den Tabulatur-Manuskripten machen. Vieles ist leider auch endgültig verloren.
So sind in Dresden vier Sonaten für zwei Lauten unvollständig überliefert. Karl-Ernst Schröder hat für diese Aufnahme den fehlenden Lautenpart sorgsam rekonstruiert. Gemeinsam mit Robert Barto, und bei einer Sonate auch mit dem Cellisten Gaetano Nasillo, präsentiert er die Werke auf CD. Freunde der Lautenmusik dürfen sich freuen – denn mit diesem Projekt haben die Musiker wundervolle, erstklassige Kammermusik aus dem Spätbarock wieder verfügbar gemacht.
Montag, 13. November 2017
Passagio - Eine barocke Alpenüberquerung (Alpha)
Der Elefant auf dem Cover täuscht – es geht nicht um die Alexanders dieser Welt, sondern um Musiker, die die Alpen überquerten; im 16. und
17. Jahrhundert war dies noch ein strapaziöses und sicherlich auch nicht ganz ungefährliches Unter- fangen. Doch Instrumentalisten und Sänger aus Italien waren an europäischen Höfen gesucht, und umgekehrt reisten ihre Kollegen in den Süden, um in Italien zu lernen und sich mit den aktuellen Trends vertraut zu machen.
Das Duo Ombra e Luce spürt auf dieser CD den Auswirkungen nach, die dieser Austausch auf die Musik Europas hatte. Dazu haben Georg Kallweit und Björn Colell Musik für Violine und Laute eingespielt; die ausgewählten Werke zeigen, dass Komponisten seinerzeit nicht einmal selbst auf die Reise gehen mussten, um südliche Inspiration zu erfahren. Johann Heinrich Schmelzer beispielsweise, erst Geiger und später Hofkapellmeister in Wien, war nie in Italien.
Georg Muffat hingegen hat sowohl bei Jean-Baptiste Lully als auch bei Arcangelo Corelli studiert. In seinem Schaffen integrierte er die verschiedensten stilistischen Einflüsse. Eine Lektion in Musikgeschichte freilich geben Georg Kallweit und Björn Colell eher im Hintergrund. In erster Linie präsentieren die beiden Musiker ein gut abgestimmtes Programm, in dem sie sowohl die Geige als auch Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre mit ebenso virtuosen wie wohlklingenden Musikstücken auf das Beste ins Licht rücken.
Und wie dieses Duo musiziert, das ist sensationell – Kallweit und Colell lassen die Klänge atmen; alles wirkt so lebendig und spontan, ganz als wäre diese Musik gerade eben entstanden. Das ist große Kunst, die den Hörer beglückt. Unbedingt anhören!
17. Jahrhundert war dies noch ein strapaziöses und sicherlich auch nicht ganz ungefährliches Unter- fangen. Doch Instrumentalisten und Sänger aus Italien waren an europäischen Höfen gesucht, und umgekehrt reisten ihre Kollegen in den Süden, um in Italien zu lernen und sich mit den aktuellen Trends vertraut zu machen.
Das Duo Ombra e Luce spürt auf dieser CD den Auswirkungen nach, die dieser Austausch auf die Musik Europas hatte. Dazu haben Georg Kallweit und Björn Colell Musik für Violine und Laute eingespielt; die ausgewählten Werke zeigen, dass Komponisten seinerzeit nicht einmal selbst auf die Reise gehen mussten, um südliche Inspiration zu erfahren. Johann Heinrich Schmelzer beispielsweise, erst Geiger und später Hofkapellmeister in Wien, war nie in Italien.
Georg Muffat hingegen hat sowohl bei Jean-Baptiste Lully als auch bei Arcangelo Corelli studiert. In seinem Schaffen integrierte er die verschiedensten stilistischen Einflüsse. Eine Lektion in Musikgeschichte freilich geben Georg Kallweit und Björn Colell eher im Hintergrund. In erster Linie präsentieren die beiden Musiker ein gut abgestimmtes Programm, in dem sie sowohl die Geige als auch Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre mit ebenso virtuosen wie wohlklingenden Musikstücken auf das Beste ins Licht rücken.
Und wie dieses Duo musiziert, das ist sensationell – Kallweit und Colell lassen die Klänge atmen; alles wirkt so lebendig und spontan, ganz als wäre diese Musik gerade eben entstanden. Das ist große Kunst, die den Hörer beglückt. Unbedingt anhören!
Sonntag, 26. März 2017
Ferdinand Fischer - From Heaven on Earth (Challenge)
„Als ich vor einigen Jahren das Benediktinerstift Kremsmünster in Oberösterreich besuchte, um die dort verwahrten Lauten zu sehen, konnte ich noch nicht ahnen, dass dieser Besuch mein Leben als Laute spielender Musiker von Grund auf verändern würde“, berichtet Hubert Hoffmann im Geleitwort zu dieser CD. Der Lautenist schaute sich nicht nur die Instrumente an, er sichtete auch das Notenarchiv – und dabei fand er in einigen Tabulaturbüchern Variationssätze, die ihn faszinierten: „Diese waren liebevoll kalligrafisch in winzigen Buchstaben niedergeschrieben und setzten für ihre Realisie- rung beträchtliches spieltechnisches Vermögen voraus.“
Hoffmann stellte fest, dass diese Werke Pater Ferdinando Fischer (1652 bis 1725) niedergeschrieben hat, der einst im Kloster lebte – seine Laute übri- gens ist erhalten geblieben, im Beiheft sieht man sie im Bild. Die Stücke, die Fischer notiert hat, seien in keinem der vielen anderen Lautenmanu- skripte jener Zeit zu finden. „Es handelte sich also um Unikate“, so Hoffmann – und je mehr sich der Lautenist mit dieser Musik beschäftigte, desto stärker wurde in ihm der Wunsch, sie dem Publikum vorzustellen. „Da ich zudem über ein sehr außergewöhnliches elfchöriges Instrument aus der Werkstatt Andreas von Holst verfüge, welches für die Wiedergabe dieser Musik wie geschaffen schien, war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Plan diese wirklich ,neuen Lautenfrüchte' auf einer CD zu präsentieren“, schreibt Hoffmann.
In den Galaxy Studios zu Mol/Belgien – einem der stillsten Aufnahme- räume ganz Europas, wie der Lautenist berichtet – ist dann diese Einspielung entstanden. Die drei Partiten zeigen uns Pater Fischer als einen Musiker von hoher technischer Brillanz, ausgezeichneter Repertoirekenntnis und ganz erstaunlicher Originalität. Fischer kennt offenbar die französischen Vorbilder und schätzt sie, aber er kopiert sie nicht. Man kann vermuten, dass es ihm weniger darum ging, mit seinem Lautenspiel zu beeindrucken, dass ihm vielmehr an einer musikalischen Meditation gelegen war. Denn Fischer liebte die Variation, insbesondere die Passacaglia, und er legte wenig Wert auf üppige Verzierungen.
Hoffmann entführt uns in diese musikalische Welt, manchmal versonnen, mitunter auch galant – aber immer sehr eigen. Der Zuhörer darf sich auf eine Entdeckung freuen, sehr schön eingespielt und vor allem auch exzellent aufgenommen. Das klingt, als säße der Lautenist direkt vor einem im Zimmer, unglaublich!
Hoffmann stellte fest, dass diese Werke Pater Ferdinando Fischer (1652 bis 1725) niedergeschrieben hat, der einst im Kloster lebte – seine Laute übri- gens ist erhalten geblieben, im Beiheft sieht man sie im Bild. Die Stücke, die Fischer notiert hat, seien in keinem der vielen anderen Lautenmanu- skripte jener Zeit zu finden. „Es handelte sich also um Unikate“, so Hoffmann – und je mehr sich der Lautenist mit dieser Musik beschäftigte, desto stärker wurde in ihm der Wunsch, sie dem Publikum vorzustellen. „Da ich zudem über ein sehr außergewöhnliches elfchöriges Instrument aus der Werkstatt Andreas von Holst verfüge, welches für die Wiedergabe dieser Musik wie geschaffen schien, war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum Plan diese wirklich ,neuen Lautenfrüchte' auf einer CD zu präsentieren“, schreibt Hoffmann.
In den Galaxy Studios zu Mol/Belgien – einem der stillsten Aufnahme- räume ganz Europas, wie der Lautenist berichtet – ist dann diese Einspielung entstanden. Die drei Partiten zeigen uns Pater Fischer als einen Musiker von hoher technischer Brillanz, ausgezeichneter Repertoirekenntnis und ganz erstaunlicher Originalität. Fischer kennt offenbar die französischen Vorbilder und schätzt sie, aber er kopiert sie nicht. Man kann vermuten, dass es ihm weniger darum ging, mit seinem Lautenspiel zu beeindrucken, dass ihm vielmehr an einer musikalischen Meditation gelegen war. Denn Fischer liebte die Variation, insbesondere die Passacaglia, und er legte wenig Wert auf üppige Verzierungen.
Hoffmann entführt uns in diese musikalische Welt, manchmal versonnen, mitunter auch galant – aber immer sehr eigen. Der Zuhörer darf sich auf eine Entdeckung freuen, sehr schön eingespielt und vor allem auch exzellent aufgenommen. Das klingt, als säße der Lautenist direkt vor einem im Zimmer, unglaublich!
Mittwoch, 11. Januar 2017
Reusner: Lute Music (Carpe Diem)
„Diese Stücke sind nicht für großes Bühnenlicht und darstellerisches Virtuosentum geschrieben“, schreibt Toyohiko Satoh über die Neuen Lauten-Früchte des Esaias Reusner (1636 bis 1679). In seinem ersten Lautenbuch, Delitiae Testudinis Oder Erfreuliche Lauten-Lust, veröffent- licht 1667, seien die Kompositionen wesentlich komplexer, repräsentati- ver. Warum Reusner dann bei seinen Neuen Lauten-Früchten, erschienen 1676, „mit einem Minimum an Noten bzw. Klängen nach einem Maximum von Ausdruck suchte“, wissen wir nicht.
Toyohiko Satoh verweist aber darauf, dass Reusner Zeitgenosse eines bedeutenden Haiku-Dichters war – Matsuo Bashō (1644 bis 1694) gehört zu den großen Meistern jener traditionellen japanischen Gedichte, die sich ebenfalls durch Knappheit und Prägnanz auszeichnen.
Reusner war der Sohn eines Lautenisten. Über seinen Lebensweg ist erstaunlich viel herauszufinden; er wirkte als Lautenist an verschiedenen Höfen, bevor er dann 1674 zum Kammerlautenisten des Brandenburger Kurfürsten Friedrich Wilhelm ernannt wurde. Möglicherweise sind diese kurzen und sehr klaren Stücke am Hofe des Großen Kurfürsten entstanden.
Wie bei allen seinen Aufnahmen, spiegelt Toyohiko Satoh auch hier die Ideen des Komponisten an der japanischen Kultur. Er begreift das Musi- zieren als eine Form der Meditation; der Lautenist spielt nicht, um zu beeindrucken, er spürt den Tönen nach und lässt sie in Ruhe wirken. Diese Gelassenheit und Abgeklärtheit bekommt der Musik von Esaias Reusner ganz ausgezeichnet – eine herausragende Aufnahme, die ich nicht nur Freunden der Lautenmusik empfehlen möchte.
Toyohiko Satoh verweist aber darauf, dass Reusner Zeitgenosse eines bedeutenden Haiku-Dichters war – Matsuo Bashō (1644 bis 1694) gehört zu den großen Meistern jener traditionellen japanischen Gedichte, die sich ebenfalls durch Knappheit und Prägnanz auszeichnen.
Reusner war der Sohn eines Lautenisten. Über seinen Lebensweg ist erstaunlich viel herauszufinden; er wirkte als Lautenist an verschiedenen Höfen, bevor er dann 1674 zum Kammerlautenisten des Brandenburger Kurfürsten Friedrich Wilhelm ernannt wurde. Möglicherweise sind diese kurzen und sehr klaren Stücke am Hofe des Großen Kurfürsten entstanden.
Wie bei allen seinen Aufnahmen, spiegelt Toyohiko Satoh auch hier die Ideen des Komponisten an der japanischen Kultur. Er begreift das Musi- zieren als eine Form der Meditation; der Lautenist spielt nicht, um zu beeindrucken, er spürt den Tönen nach und lässt sie in Ruhe wirken. Diese Gelassenheit und Abgeklärtheit bekommt der Musik von Esaias Reusner ganz ausgezeichnet – eine herausragende Aufnahme, die ich nicht nur Freunden der Lautenmusik empfehlen möchte.
Montag, 13. Juni 2016
Galilei: Intavolatura di liuto (Ramée)
Ein Astronom, der sehr gut Laute spielte, und ein Lautenist, der die Sterne beobachtete – Galileo Galilei (1564 bis 1642) und sein Bruder Michelagnolo Galilei (1575 bis 1631) waren einander eng verbunden. 1607 wurde Michelagnolo Lautenist am Münchner Hof; diese Stelle hatte er bis zum Ende seines Lebens inne.
Das Leben des Musikers war überschattet von Geldsorgen – das Gehalt, das Kurfürst Maximilian I. seinem Hoflautenisten zahlte, scheint nie ausgereicht zu haben. Michelagnolo jedenfalls sah sich außerstande, seinen berühmten älteren Bruder dabei zu unterstützen, die Aussteuer für seine Schwestern aufzubringen. Aus dem hochinteressanten Beiheft zu dieser CD erfährt man, dass der Musiker zwar ein Fernrohr besaß, aber Frau und Kinder nach Italien zu Galileo Galilei schickte, damit sie versorgt waren.
Um Geld scheint es in den Briefwechseln der beiden Brüder regelmäßig gegangen zu sein. Auch als Michelagnolo 1620 sein Primo libro d’intavolatura di liuto drucken ließ, beschwerte sich Galileo über die seiner Meinung nach zu hohen Kosten. Wir dürfen uns jedoch darüber freuen, dass der Musiker zumindest einige seiner Werke veröffentlicht hat, denn so wurden sie überliefert . Auf dieser CD hat Anthony Bailes erstmals eine Auswahl daraus eingespielt, kombiniert mit Musik von Vincenzo Galilei (um 1520 bis 1591). Der Vater der Brüder wirkte als Lautenist und Musiktheoretiker in Florenz. Auch er hat Musikstücke hinterlassen, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen, und bislang weitgehend unbekannt geblieben sind. Dieses Repertoire passt zu Ramée, dem High-End-Label von Rainer Arndt, ganz ausgezeichnet.
Das Leben des Musikers war überschattet von Geldsorgen – das Gehalt, das Kurfürst Maximilian I. seinem Hoflautenisten zahlte, scheint nie ausgereicht zu haben. Michelagnolo jedenfalls sah sich außerstande, seinen berühmten älteren Bruder dabei zu unterstützen, die Aussteuer für seine Schwestern aufzubringen. Aus dem hochinteressanten Beiheft zu dieser CD erfährt man, dass der Musiker zwar ein Fernrohr besaß, aber Frau und Kinder nach Italien zu Galileo Galilei schickte, damit sie versorgt waren.
Um Geld scheint es in den Briefwechseln der beiden Brüder regelmäßig gegangen zu sein. Auch als Michelagnolo 1620 sein Primo libro d’intavolatura di liuto drucken ließ, beschwerte sich Galileo über die seiner Meinung nach zu hohen Kosten. Wir dürfen uns jedoch darüber freuen, dass der Musiker zumindest einige seiner Werke veröffentlicht hat, denn so wurden sie überliefert . Auf dieser CD hat Anthony Bailes erstmals eine Auswahl daraus eingespielt, kombiniert mit Musik von Vincenzo Galilei (um 1520 bis 1591). Der Vater der Brüder wirkte als Lautenist und Musiktheoretiker in Florenz. Auch er hat Musikstücke hinterlassen, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnen, und bislang weitgehend unbekannt geblieben sind. Dieses Repertoire passt zu Ramée, dem High-End-Label von Rainer Arndt, ganz ausgezeichnet.
Mittwoch, 25. Mai 2016
Toyohiko Satoh - De Visée (Carpe Diem)
In Robert de Visée hat Toyohiko Satoh einen Seelenverwandten erkannt. Der Portugiese stammte aus einer Kleinstadt in der Nähe von Coimbra, und er ging nach Paris, um als Musiker am französischen Hof Karriere zu machen. Schon bald sang und musizierte de Visée in Versailles; er veröffentlichte Gitarrenmusik, die er dem König widmete, und er spielte Gitarre, Laute und Theorbe.
1719 wurde er schließlich Gitarren- lehrer des Sonnenkönigs. Doch schon 1721, nach dem Tode seiner Frau, gab er dieses Amt auf. Satoh vermutet, er könnte sich in seine Heimatstadt Viseu zurückgezogen und dort, ähnlich einem Zen-Meister, das Spiel auf der französischen Laute gepflegt haben.
Mit dieser Aufnahme stellt Satoh erst kürzlich entdeckte Werke des letzten renommierten französischen Lautenisten vor. Er spielt sie als Meditatio- nen; jeder Ton ist hier bewusst gesetzt. So erhält die Musik eine innere Ruhe, die sehr beeindruckt. Toyohiko Satoh musiziert auf einer originalen Laute von Laurentius Greiff, gebaut in Nürnberg im Jahre 1610 – was ebenfalls zur besonderen Atmosphäre dieser Einspielung beiträgt.
1719 wurde er schließlich Gitarren- lehrer des Sonnenkönigs. Doch schon 1721, nach dem Tode seiner Frau, gab er dieses Amt auf. Satoh vermutet, er könnte sich in seine Heimatstadt Viseu zurückgezogen und dort, ähnlich einem Zen-Meister, das Spiel auf der französischen Laute gepflegt haben.
Mit dieser Aufnahme stellt Satoh erst kürzlich entdeckte Werke des letzten renommierten französischen Lautenisten vor. Er spielt sie als Meditatio- nen; jeder Ton ist hier bewusst gesetzt. So erhält die Musik eine innere Ruhe, die sehr beeindruckt. Toyohiko Satoh musiziert auf einer originalen Laute von Laurentius Greiff, gebaut in Nürnberg im Jahre 1610 – was ebenfalls zur besonderen Atmosphäre dieser Einspielung beiträgt.
Freitag, 31. Juli 2015
Bach & Weiss - Lute Music (Carpe Diem)
Toyohiko Satoh hat bei Carpe Diem Records eine neue CD mit Lauten- musik von Johann Sebastian Bach und Silvius Leopold Weiss veröffent- licht. Der japanische Lautenist musiziert mit größter Sorgsamkeit – und auf einem ganz besonderen Instrument: Satoh spielt eine Laute, die 1611 in Ingolstadt von Laurentius Greiff angefertigt und 1673 in eine elfchörige Laute französischer Bauart umgebaut wurde.
Wer sie im Laufe der Jahrhunderte gespielt hat, das ist zwar nicht bekannt, meint der Musiker. Doch die Musiker, in deren Besitz diese Laute war, haben sie ganz entscheidend geprägt: „A luthier builds an instrument, but it is the performer who makes it into a masterpiece by infusing it with a soul“, erklärt Satoh. „Plenty of souls of past lutenists dwell in this Greiff, and those lutenists made it a masterpiece. I believe it that I can come closer to the spiritual state og nothingness (= infinity) if I am in sympathy with those souls.“
Satoh führt in seinem Spiel europäische Brillanz und fernöstliches Denken zusammen: „Bach's music demands not only a high level of technique but also a high level of spirituality. Young players, including myself in my early days, tend to play only with abundant enthusiasm“, so der Laute- nist. „Only when I turned 70 did I realize that the greater spirituality the music contains, the more necessary it becomes for the performer to expose his natural self to the music, something that I strived for in this recording.“ Sein Musizieren beeindruckt durch Ausdruck und eine Intensität, die ich so nie zuvor gehört habe. Phänomenal – unbedingt anhören!
Wer sie im Laufe der Jahrhunderte gespielt hat, das ist zwar nicht bekannt, meint der Musiker. Doch die Musiker, in deren Besitz diese Laute war, haben sie ganz entscheidend geprägt: „A luthier builds an instrument, but it is the performer who makes it into a masterpiece by infusing it with a soul“, erklärt Satoh. „Plenty of souls of past lutenists dwell in this Greiff, and those lutenists made it a masterpiece. I believe it that I can come closer to the spiritual state og nothingness (= infinity) if I am in sympathy with those souls.“
Satoh führt in seinem Spiel europäische Brillanz und fernöstliches Denken zusammen: „Bach's music demands not only a high level of technique but also a high level of spirituality. Young players, including myself in my early days, tend to play only with abundant enthusiasm“, so der Laute- nist. „Only when I turned 70 did I realize that the greater spirituality the music contains, the more necessary it becomes for the performer to expose his natural self to the music, something that I strived for in this recording.“ Sein Musizieren beeindruckt durch Ausdruck und eine Intensität, die ich so nie zuvor gehört habe. Phänomenal – unbedingt anhören!
Freitag, 23. Mai 2014
Vivaldi: Violin Sonatas and Trios 1715 - 1730 - Venezia Barocca (Calliope)
Und noch einmal Antonio Vivaldi: Marco Pedrona hat mit seinem Ensemble Guidantus eine Auswahl von Sonaten des Komponisten nebst dem Konzert für Laute, zwei Violinen und Continuo RV 93 eingespielt. Dabei kombiniert der Geiger Musik für Violine und Basso Continuo geschickt mit Werken für Laute, Violine und Continuo. Auch der Wechsel zwischen Orgelpositiv und Cembalo sorgt klanglich für Abwechslung. Pedrona musiziert mit schlankem Ton, und lässt auch seinen Musikerkollegen Raum, sich zu präsentieren. Stellvertretend benannt sei hier Massimo Marchese, der den Lautenpart ganz hevorragend spielt. Eine elegante Aufnahme, die man gern anhört.
Montag, 27. Januar 2014
Luca Marenzio e il suo tempo (Tactus)
Luca Marenzio (um 1553 bis 1599) wird seitens der Musikgeschichts- schreibung, gemeinsam mit Gesualdo und Monteverdi, als Vollender des Madrigals geführt. Seine Werke waren in ganz Europa verbreitet. Sie wurden bewundert und nachgeahmt. Ob John Dowland, Hans Leo Hassler oder Johann Hermann Schein – sehr viele Musiker haben von diesem Vorbild gelernt.
Wie Marenzio in seiner Melodie- linie und im Rhythmus den Text aufgreift und ihn zugleich auslegt, mit welcher Eleganz er gestaltet und wie lässig und gekonnt er dabei die musikalischen Mittel einsetzt, das beeindruckt noch heute. Eine Aufnahme des Labels Tactus sei an dieser Stelle empfohlen, das Anhören lohnt sich: Sopranistin Angela Alesci sowie die Lautenisten Domenico Cerasani und Massimo Lonardi haben auf dieser CD einige Madrigale, Villanellen und auch eine Canzonetta von Marenzio eingespielt, umgeben von Lauten- musik seiner Zeitgenossen. Das sorgt auch klanglich für Abwechslung. In dem sehr informativen Beiheft – aber leider nur in englischer und italienischer Sprache – finden sich ausführliche Notizen zu den einzelnen Stücken.
Wie Marenzio in seiner Melodie- linie und im Rhythmus den Text aufgreift und ihn zugleich auslegt, mit welcher Eleganz er gestaltet und wie lässig und gekonnt er dabei die musikalischen Mittel einsetzt, das beeindruckt noch heute. Eine Aufnahme des Labels Tactus sei an dieser Stelle empfohlen, das Anhören lohnt sich: Sopranistin Angela Alesci sowie die Lautenisten Domenico Cerasani und Massimo Lonardi haben auf dieser CD einige Madrigale, Villanellen und auch eine Canzonetta von Marenzio eingespielt, umgeben von Lauten- musik seiner Zeitgenossen. Das sorgt auch klanglich für Abwechslung. In dem sehr informativen Beiheft – aber leider nur in englischer und italienischer Sprache – finden sich ausführliche Notizen zu den einzelnen Stücken.
Freitag, 27. Dezember 2013
Le Parler et le Silence (Ramée)
Die Ursprünge der modernen Flötenmusik erkunden Kate Clark und das Attaignant Consort bei dem Label Ramée. Mit dieser CD beenden die Musiker einen Zyklus mit Werken für Traversflöte aus dem langen Zeitraum vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. Er umfasst insgesamt drei CD, und präsentiert Werke für Renaissan- ceflöte, wobei dieses Musikinstru- ment entweder solistisch oder aber im Consort eingesetzt wird.
Die Flöte, zunächst mit zylindrischer Bohrung und ohne die uns heute geläufige Mechanik, begann ihre Laufbahn sozusagen in Familie. Denn es gab sie in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Längen und Tonhöhen. Sie wurden oftmals im Consort gespielt, oder gemeinsam mit anderen instruments bas, den leisen Instrumenten, die in häuslicher Umgebung erklangen.
Am Ausgang des Mittelalters übernahm die Flöte schlicht eine Gesangsstimme. Bis zur barocken Flötensonate war es da noch ein langer Weg, den das Attaignant Consort anhand von sorgsam ausgewählten und sehr hörenswert vorgetragenen Musikbeispielen nachzeichnet. Dabei werden die Flötisten durch den Lautenisten Nigel North unterstützt, was in der Programmgestaltung reizvolle Kon- traste ermöglicht. Wer Flötenmusik schätzt, der wird von diesen gelungenen Einspielungen begeistert sein – auch wenn er sich vielleicht gar nicht für Musikgeschichte interessiert.
Die Flöte, zunächst mit zylindrischer Bohrung und ohne die uns heute geläufige Mechanik, begann ihre Laufbahn sozusagen in Familie. Denn es gab sie in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Längen und Tonhöhen. Sie wurden oftmals im Consort gespielt, oder gemeinsam mit anderen instruments bas, den leisen Instrumenten, die in häuslicher Umgebung erklangen.
Am Ausgang des Mittelalters übernahm die Flöte schlicht eine Gesangsstimme. Bis zur barocken Flötensonate war es da noch ein langer Weg, den das Attaignant Consort anhand von sorgsam ausgewählten und sehr hörenswert vorgetragenen Musikbeispielen nachzeichnet. Dabei werden die Flötisten durch den Lautenisten Nigel North unterstützt, was in der Programmgestaltung reizvolle Kon- traste ermöglicht. Wer Flötenmusik schätzt, der wird von diesen gelungenen Einspielungen begeistert sein – auch wenn er sich vielleicht gar nicht für Musikgeschichte interessiert.
Samstag, 28. September 2013
Falckenhagen: Lautensonaten (Christophorus)
Adam Falckenhagen (1697 bis 1754) war der Lautenist von Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth. Er war der Sohn eines Lehrers, stammte aus Großdalzig bei Leipzig und wurde ab seinem zehnten Lebensjahr durch seinen Onkel, einen Pfarrer, „in literis und musicis“ unter- richtet. Seine erste Stelle erhielt Falckenhagen am Merseburger Hof als Cammerlautenist und Juris Praktikus. 1732 dürfte er schließlich in den Dienst der musikbegeisterten Markgräfin getreten sein, der er auch die Sonaten für Laute op. 1 gewidmet hat.
Alberto Crugnola spielt diese Werke auf einer dreizehnchörigen Barocklaute, die der Mailänder Instrumentenbauer Giuseppe Tumiati nach einem Vorbild angefertigt hat, das Martin Hoffmann um 1690 in Leipzig geschaffen hat. Die Beschäftigung mit Falckenhagens Musik erscheint durchaus lohnenswert; sie verbindet formale Strenge mit einem Feuerwerk an melodischen Einfällen und theatralischen Effekten. Und eine gelungene, ausgewogene Einspielung ist nun hiermit auch verfügbar – meine Empfehlung!
Alberto Crugnola spielt diese Werke auf einer dreizehnchörigen Barocklaute, die der Mailänder Instrumentenbauer Giuseppe Tumiati nach einem Vorbild angefertigt hat, das Martin Hoffmann um 1690 in Leipzig geschaffen hat. Die Beschäftigung mit Falckenhagens Musik erscheint durchaus lohnenswert; sie verbindet formale Strenge mit einem Feuerwerk an melodischen Einfällen und theatralischen Effekten. Und eine gelungene, ausgewogene Einspielung ist nun hiermit auch verfügbar – meine Empfehlung!
Sonntag, 15. September 2013
Purcell: Close thine eyes (Stradivarius)
Einige der schönsten Lieder von Henry Purcell sind auf dieser CD zu finden. Die kristallklare Sopran- stimme von Joanna Klisowska und der prachtvolle Bass von Peter Kooij machen diese Aufnahme zu einem Genuss. Und Pietro Prosser, Erzlaute und Barocklaute, Cristiano Contadin, Viola da gamba, sowie Lorenzo Feder an Orgel und Cembalo begleiten die Sänger nicht nur kongenial. Die Musiker lassen sich auch mit stilistisch passenden instrumentalen Zwischenspielen zwischen den Songs vernehmen. Wunderbar. Bravi!
Dienstag, 2. April 2013
Dresden Moskau (Querstand)
"Lautenmusik von Silvius Leopold Weiss", lautet der Untertitel dieser CD, die Bernhard Hofstötter bei dem Altenburger Label Querstand veröffentlicht hat. Insofern ist Dresden nachvollziehbar - am kursächsischen Hofe wirkte Weiss, einer besten Lautenisten seiner Zeit. 1718 trat er in die Hofkapelle ein, in der damals auch andere berühmte Musiker spielten, wie Pisendel, Veracini, Buffardin oder Quantz. Keiner dieser Stars aber wurde besser bezahlt als der Lautenist - und der wiederum schätzte seinen Dienstherrn derart, dass er 1736 einen Ruf nach Wien ablehnte und bis an sein Lebensende 1750 in Dresden blieb.
Wie aber passt Moskau zu einen Musikerleben, das derart durch Be- ständigkeit geprägt war? Nun, die Erklärung ist nicht wirklich eine Überraschung: Weiss hat zu Lebzeiten nur ein einziges seiner Stücke in Druck gegeben. Dennoch finden sich Abschriften seiner Werke heute in Bibliotheken in ganz Europa. Man sieht daran, wie begehrt sie waren - und wieviele Schüler der Lautenist offenbar hatte. Zu ihnen gehörte auch Timofei Bielogradsky, der aus der Ukraine stammte, und nach seiner Ausbildung in Dresden als Lautenist am russischen Zaren- hof musizierte. Es könnte sein, dass das Manuskript auf ihn zurück- geht, das sich heute im Moskauer Glinka-Museum befindet.
Hofstötter spielt daraus die Sonata in d-Moll, ein Spätwerk des be- rühmten Kollegen, das mehrfach an Klänge Johann Sebastian Bachs erinnert. Der Lautenist und der Thomaskantor kannten sich gut; es ist überliefert, dass sie sogar gemeinsam improvisiert haben sollen. Auch die Sonata in B-Dur, die die CD eröffnet, gehört zu Weiss' Spät- werk - faszinierende Musik, die teilweise bald wie ein Concerto grosso wirkt. Es ist erstaunlich, wie orchestral sich die Laute einsetzen lässt. Hofstötter lässt das Instrument in großen melodischen Bögen klingen - und bewältigt die virtuosen Passagen ebenso souverän. Er spielt kraftvoll, durchdacht und prägnant, ihm zuzuhören ist eine große Freude.
Wie aber passt Moskau zu einen Musikerleben, das derart durch Be- ständigkeit geprägt war? Nun, die Erklärung ist nicht wirklich eine Überraschung: Weiss hat zu Lebzeiten nur ein einziges seiner Stücke in Druck gegeben. Dennoch finden sich Abschriften seiner Werke heute in Bibliotheken in ganz Europa. Man sieht daran, wie begehrt sie waren - und wieviele Schüler der Lautenist offenbar hatte. Zu ihnen gehörte auch Timofei Bielogradsky, der aus der Ukraine stammte, und nach seiner Ausbildung in Dresden als Lautenist am russischen Zaren- hof musizierte. Es könnte sein, dass das Manuskript auf ihn zurück- geht, das sich heute im Moskauer Glinka-Museum befindet.
Hofstötter spielt daraus die Sonata in d-Moll, ein Spätwerk des be- rühmten Kollegen, das mehrfach an Klänge Johann Sebastian Bachs erinnert. Der Lautenist und der Thomaskantor kannten sich gut; es ist überliefert, dass sie sogar gemeinsam improvisiert haben sollen. Auch die Sonata in B-Dur, die die CD eröffnet, gehört zu Weiss' Spät- werk - faszinierende Musik, die teilweise bald wie ein Concerto grosso wirkt. Es ist erstaunlich, wie orchestral sich die Laute einsetzen lässt. Hofstötter lässt das Instrument in großen melodischen Bögen klingen - und bewältigt die virtuosen Passagen ebenso souverän. Er spielt kraftvoll, durchdacht und prägnant, ihm zuzuhören ist eine große Freude.
Samstag, 13. Oktober 2012
Two Lutes (Sono Luminus)
Lautenmusik aus Englands Goldenem Zeitalter präsentiert Dorian/Sono Luminus auf dieser CD. Gespielt wird diese phantasti- sche Musik von Ronn McFarlane und William Simms. Eine bessere Besetzung ist für Lautenduette kaum denkbar.
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody."
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012!
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody."
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012!
Sonntag, 24. Juni 2012
Piccinini: Works for Archlute (Carpe Diem)
Die Familie Piccinini aus dem ita- lienischen Bologna hat im 16. und 17. Jahrhundert eine ganze Reihe große Lautenisten hervorgebracht. Sowohl Vater Leonardo Maria Piccinini als auch mindestens drei seiner Söhne - Alessandro, Girola- mo und Filippo - spielten dieses Instrument. Auch Alessandros Sohn, der wie der Großvater Leo- nardo Maria hieß, sah darin seine Berufung.
Rosario Conte, ohne Zweifel einer der führenden Lautenisten der Gegenwart, zeigt sich sehr fasziniert von ihren Werken. Der Hörer kann dies bald nachvollziehen, denn diese Musik zeichnet sich einerseits durch spannende harmonische Wendungen und schöne Melodien aus. Andererseits sind auch die einzelnen Stimmen mit größter Sorgfalt ausgearbeitet. Conte spielt virtuos, und vollzieht so die musikalischen Dialoge nach, die die Piccinini einst entworfen haben. Bezaubernde Musik, die gelegentlich noch Formen aus der Renaissance zitiert, ausdrucksstark und unver- wechselbar. Wer gern Lautenmusik hört, der sollte sich diese CD un- bedingt zulegen - es lohnt sich!
Rosario Conte, ohne Zweifel einer der führenden Lautenisten der Gegenwart, zeigt sich sehr fasziniert von ihren Werken. Der Hörer kann dies bald nachvollziehen, denn diese Musik zeichnet sich einerseits durch spannende harmonische Wendungen und schöne Melodien aus. Andererseits sind auch die einzelnen Stimmen mit größter Sorgfalt ausgearbeitet. Conte spielt virtuos, und vollzieht so die musikalischen Dialoge nach, die die Piccinini einst entworfen haben. Bezaubernde Musik, die gelegentlich noch Formen aus der Renaissance zitiert, ausdrucksstark und unver- wechselbar. Wer gern Lautenmusik hört, der sollte sich diese CD un- bedingt zulegen - es lohnt sich!
Donnerstag, 31. Mai 2012
Une Douceur violente (Ramée)
Über die Lebenswege der Laute- nisten Charles Mouton, Jacques de Gallot und Pierre Gallot ist fast nichts bekannt. Sie lebten im
17. Jahrhundert, unterrichteten ihre teils namhaften Schüler und schufen Lautenmusik, die fest in der französischen Tradition verankert erscheint - aber dabei mit einer Vielzahl origineller Details und einer Intensität des Ausdrucks aufwartet, die noch heute begeistert.
Anthony Bailes, ein ausgesprochen renommierter Spezialist, hat sich dieser wenig bekannten Werke aus der Spätphase der berühmten französischen Lautenschule angenommen. Wer Lautenklänge liebt, der findet bei Ramée eine überzeugende und bis hin zum Spiel- geräusch der Finger auf den Darmsaiten authentische Interpretation dieser charmanten Stücke.
17. Jahrhundert, unterrichteten ihre teils namhaften Schüler und schufen Lautenmusik, die fest in der französischen Tradition verankert erscheint - aber dabei mit einer Vielzahl origineller Details und einer Intensität des Ausdrucks aufwartet, die noch heute begeistert.
Anthony Bailes, ein ausgesprochen renommierter Spezialist, hat sich dieser wenig bekannten Werke aus der Spätphase der berühmten französischen Lautenschule angenommen. Wer Lautenklänge liebt, der findet bei Ramée eine überzeugende und bis hin zum Spiel- geräusch der Finger auf den Darmsaiten authentische Interpretation dieser charmanten Stücke.
Sonntag, 13. Mai 2012
Kellner: Phantasia (Glossa)
"Esteautor conocía el estilo galan- te que había aparecido en la música al final del barroco, ysus composiciones tienen influencias alemanas, francesas e italianis", meint José Miguel Moreno. "Lo especial de esta música es que no la escribió como la haría un lau- dista normal, que actuase en las cortes a solo o en grupo, sino que la compuso como lo haría un organista, clavecinista y también intérprete de cembal d'amour."
Doch obwohl sich die Musikwissenschaft nach wie vor nicht einig ist, ob David Kellner (um 1670 bis 1748) das Instrument überhaupt selbst beherrschte, spricht einiges dafür, dass er nicht nur das Ca- rillon und die Orgel spielte - wofür er in Stockholm angestellt war. Denn er notierte seine Lautenwerke in französischer Lautentabulatur für eine elfchörige Laute - was einigermaßen verblüfft, wurden doch zu seinen Lebzeiten dreizehnchörige Instrumente gespielt. Wer sich für die Biographie des Musikers interessiert, der sei an dieser Stelle auf frühere Blog-Einträge verwiesen.
Moreno aber ist nicht nur Lautenist, sondern auch Lautenbauer. Und so hat er eigens für die Auseinandersetzung mit den XVI. Auserlese- nen Lauten=Stücken Kellners ein elfchöriges Instrument entworfen, angefertigt und in Stimmton und Saitenlänge angepasst. Er spielt die 17 Lautenwerke Kellners auf dieser CD vollständig und in der Reihen- folge, in der sie 1747 im Druck erschienen sind. Damit ist diese Auf- nahme ganz sicher eine Rarität. Leider begeistert mich die Interpre- tation nicht in dem gleichen Maße; Moreno gestaltet zwar die Ober- stimme, doch alles, was sich darunter abspielt, wird nicht mit der- selben Sorgfalt strukturiert. Das ist schade, weil Kellners Lauten- stücke eben nicht aus einer dominanten Melodie mit ein bisschen Begleitmulm bestehen. Hier hätte man sich doch mehr Präzision ge- wünscht.
Doch obwohl sich die Musikwissenschaft nach wie vor nicht einig ist, ob David Kellner (um 1670 bis 1748) das Instrument überhaupt selbst beherrschte, spricht einiges dafür, dass er nicht nur das Ca- rillon und die Orgel spielte - wofür er in Stockholm angestellt war. Denn er notierte seine Lautenwerke in französischer Lautentabulatur für eine elfchörige Laute - was einigermaßen verblüfft, wurden doch zu seinen Lebzeiten dreizehnchörige Instrumente gespielt. Wer sich für die Biographie des Musikers interessiert, der sei an dieser Stelle auf frühere Blog-Einträge verwiesen.
Moreno aber ist nicht nur Lautenist, sondern auch Lautenbauer. Und so hat er eigens für die Auseinandersetzung mit den XVI. Auserlese- nen Lauten=Stücken Kellners ein elfchöriges Instrument entworfen, angefertigt und in Stimmton und Saitenlänge angepasst. Er spielt die 17 Lautenwerke Kellners auf dieser CD vollständig und in der Reihen- folge, in der sie 1747 im Druck erschienen sind. Damit ist diese Auf- nahme ganz sicher eine Rarität. Leider begeistert mich die Interpre- tation nicht in dem gleichen Maße; Moreno gestaltet zwar die Ober- stimme, doch alles, was sich darunter abspielt, wird nicht mit der- selben Sorgfalt strukturiert. Das ist schade, weil Kellners Lauten- stücke eben nicht aus einer dominanten Melodie mit ein bisschen Begleitmulm bestehen. Hier hätte man sich doch mehr Präzision ge- wünscht.
Samstag, 12. Mai 2012
Lute Music of the Netherlands (Carpe Diem)
Anthony Bailes gehört zu den Alt- meistern des Lautenspiels. Auf dieser CD spürt er der Lautenmusik aus den Niederlanden nach. Da gibt es in der Tat einiges zu entdecken, denn das Instrument war dort sehr beliebt, und erfreute sich einer lang anhaltenden Blütezeit.
Dennoch ist von den Musikern, die im 16. Jahrhundert für die Laute komponierten, oftmals nicht einmal der Name bekannt. Und die Werke sind häufig eher zufällig überliefert. So hat der Theologe Adriaan Joriszoon Smout schon als Student begonnen, Lautenmusik zusammenzutragen. Das Ergebnis dieser Sammelleidenschaft, Thysius Lautenbuch, benannt nach sei- nem späteren Besitzer Joan Thijs, enthält auf 521 Seiten 907 Lauten- stücke, die meisten davon anonym. Bailes hat sechs davon für diese CD ausgewählt.
In Antwerpen scheint es besonders viele gute Lautenisten gegeben zu haben. So gab Emanuel Adriaenssen (um 1554 bis 1604) drei wichtige Lautenbücher heraus. Aus dem ersten, Pratum Musicum, stellt Bailes drei Werke vor. Allerdings gingen nach der Eroberung der Stadt durch die Spanier 1585 auch viele Musiker ins Exil. So musizierte Gregorio Huwet (vor 1550 bis um 1610) unter anderem an den Höfen in Wolfenbüttel und in Kassel. Dort wirkte zur gleichen Zeit auch John Dowland, was den Niederländer offenbar inspiriert hat, wie seine beiden Fantasien belegen, die auf dieser CD zu hören sind.
Auch Joachim van den Hove (1567 bis 1620) wanderte aus Antwer- pen aus, er ging nach Leiden, und veröffentlichte dort drei umfang- reiche Sammlungen mit Lautenmusik. Bailes hat daraus einige Werke zusammengestellt, und darüber hinaus noch etliche Raritäten er- gänzt, die als Manuskripte in Hamburg und Berlin überliefert sind. Besonders beeindruckend ist van den Hoves reich verzierte Version der berühmten Lachrimae Pavane von John Dowland. Das ist zugleich ein herausragendes Beispiel dafür, wie gut schon damals die Virtuosen über das Schaffen ihrer Kollegen informiert waren.
Auch attraktive Märkte sprachen sich offenbar herum. Der Franzose Nicolas Vallet (um 1583 bis nach 1644) beispielweise ließ sich um 1610 in Amsterdam nieder, und wirkte dort erfolgreich als Musiker und Musikpädagoge. Er gab nicht nur Lauten- sondern auch Tanz- unterricht, und veröffentlichte sechs Sammlungen mit Lautenmusik. Auch aus seinem Werk wählte Bailes vier Stücke für diese CD aus.
Der Lautenist beherrscht sein Instrument virtuos. Er gestaltet sehr schön, durchdacht und strukturiert. Es ist eine Freude, Bailes' Spiel anzuhören - diese CD gehört zu den besten Einspielungen von Lautenmusik, die mir jemals in den Player gekommen sind. Meine Empfehlung!
Dennoch ist von den Musikern, die im 16. Jahrhundert für die Laute komponierten, oftmals nicht einmal der Name bekannt. Und die Werke sind häufig eher zufällig überliefert. So hat der Theologe Adriaan Joriszoon Smout schon als Student begonnen, Lautenmusik zusammenzutragen. Das Ergebnis dieser Sammelleidenschaft, Thysius Lautenbuch, benannt nach sei- nem späteren Besitzer Joan Thijs, enthält auf 521 Seiten 907 Lauten- stücke, die meisten davon anonym. Bailes hat sechs davon für diese CD ausgewählt.
In Antwerpen scheint es besonders viele gute Lautenisten gegeben zu haben. So gab Emanuel Adriaenssen (um 1554 bis 1604) drei wichtige Lautenbücher heraus. Aus dem ersten, Pratum Musicum, stellt Bailes drei Werke vor. Allerdings gingen nach der Eroberung der Stadt durch die Spanier 1585 auch viele Musiker ins Exil. So musizierte Gregorio Huwet (vor 1550 bis um 1610) unter anderem an den Höfen in Wolfenbüttel und in Kassel. Dort wirkte zur gleichen Zeit auch John Dowland, was den Niederländer offenbar inspiriert hat, wie seine beiden Fantasien belegen, die auf dieser CD zu hören sind.
Auch Joachim van den Hove (1567 bis 1620) wanderte aus Antwer- pen aus, er ging nach Leiden, und veröffentlichte dort drei umfang- reiche Sammlungen mit Lautenmusik. Bailes hat daraus einige Werke zusammengestellt, und darüber hinaus noch etliche Raritäten er- gänzt, die als Manuskripte in Hamburg und Berlin überliefert sind. Besonders beeindruckend ist van den Hoves reich verzierte Version der berühmten Lachrimae Pavane von John Dowland. Das ist zugleich ein herausragendes Beispiel dafür, wie gut schon damals die Virtuosen über das Schaffen ihrer Kollegen informiert waren.
Auch attraktive Märkte sprachen sich offenbar herum. Der Franzose Nicolas Vallet (um 1583 bis nach 1644) beispielweise ließ sich um 1610 in Amsterdam nieder, und wirkte dort erfolgreich als Musiker und Musikpädagoge. Er gab nicht nur Lauten- sondern auch Tanz- unterricht, und veröffentlichte sechs Sammlungen mit Lautenmusik. Auch aus seinem Werk wählte Bailes vier Stücke für diese CD aus.
Der Lautenist beherrscht sein Instrument virtuos. Er gestaltet sehr schön, durchdacht und strukturiert. Es ist eine Freude, Bailes' Spiel anzuhören - diese CD gehört zu den besten Einspielungen von Lautenmusik, die mir jemals in den Player gekommen sind. Meine Empfehlung!
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