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Dienstag, 4. Januar 2022

Christopher Tye: Complete Consort Music (Linn Records)

 

„Sing ye trew & care not, for I am trew, feare not“ – so notierte Christopher Tye in seinen Noten. Der Renaissancekomponist, geboren um 1505 und gestorben 1573, gehörte in einer schwierigen Zeit zu den führenden Komponisten geistlicher Vokalmusik. Denn er erlebte vier Herrscher, die jeweils einem anderen christlichen Glauben frönten, und diesen ebenfalls von ihrem Volk einforderten – notfalls mit Schwert und Scheiterhaufen. 

Das preisgekrönte Consort Phantasm allerdings widmet sich mit dieser Einspielung den Instrumentalkompositionen Tyes. Seine Werke, die zu den frühesten überlieferten Beispielen für Kammermusik gehören, haben es durchaus in sich. Ein gutes Beispiel dafür gibt Trust (wer will, kann hier in die Noten schauen); dieses Stück aus den 21 In nomines trägt seinen Namen, wie jedermann beim Blick in diese Partitur bald erkennen wird, sehr zu recht. 

Auch in Sit Fast – obwohl das Stück nur dreistimmig ist und auf den ersten Blick gar nicht so schwierig aussieht – werden die rhythmischen Fähigkeiten der Musiker durch die schwindelerregende metrische Komplexität auf Herz und Nieren geprüft. Das oben angeführte Zitat darf man also durchaus ernst nehmen. 

Das Consort Phantasm navigiert gekonnt und mit Spielfreude durch die mitunter derben musikalischen Scherze des Engländers. Enormes Hörvergnügen, meine unbedingte Empfehlung! 


Freitag, 30. September 2016

Dowland: Lachrimae or Seven Tears (Linn)

Musik für Gambenconsort? Da führt kein Weg an dem britischen Ensem- ble Phantasm vorbei. Das Quintett, gegründet und geleitet von Laurence Dreyfus, hat mittlerweile etliche Einspielungen vorgelegt. Dafür wird die Besetzung bei Bedarf erweitert. So hat Phantasm 2009, unter Mitwir- kung von Wendy Gillespie, die Consort-Musik von John Ward (1571 bis 1639) für fünf und sechs Gamben eingespielt. Diese spektakuläre Aufnahme ist erst kürzlich bei Linn Records wiederveröffentlicht worden. 
Im vergangenen Jahr publizierte das Ensemble The Royal Consort von William Lawes (1602 bis 1645). Er war der Sohn eines Kantors, und stand im Dienst König Charles I. Sein Royal Consort ist auf dieser Doppel-CD in der Version für Gamben und Theorbe erstmals vollständig zu hören. Einige der Setts verlangen im Continuo „to the Organ“. Den Orgelpart übernahm Daniel Hyde, die Theorbe spielt Elizabeth Kenny, und die sechste Gambe ergänzt, wo erforderlich, Emily Ashton. Zur Qualität dieser Aufnahme fällt mir nur ein Wort ein: Hin- reißend! 
Ähnlich gelungen ist auch das jüngste Album des Ensembles, Lachrimae or Seven Tears, das sich dem Ausdruck der Melancholie in der Musik John Dowlands widmet. Diese Klagegesänge sind unbeschreiblich; schöner kann man wohl nicht trauern – und Phantasm musiziert gemeinsam mit Elizabeth Kenny, Theorbe, in einer solchen Ausdrucksstärke und Homo- genität, dass man nur staunen kann. Unbedingt anhören!

Freitag, 2. März 2012

Byrd: Complete Consort Music (Linn Records)

William Byrd (um 1540 bis 1623) gehört zu den großen Komponisten der Shakespeare-Zeit. Er galt als "englischer Palestrina", und wirkte, wie sein ebenfalls berühmter Zeitgenosse Thomas Tallis, an der Chapel Royal. 
Das Ensemble Phantasm hat auf der vorliegenden CD sämtliche Werke von William Byrd zusam- mengetragen, die dieser für (Gamben-)Consort geschaffen hat. Diese Musik ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen war sie damals der absoluten gesellschaftlichen Elite vorbehalten; zu Byrds Lebzeiten erklang sie in Großbritannien zunächst nur bei Hofe, und dann mehr und mehr auch in den Adelshäusern. Zum anderen war die Consort-Musik damals im Reich Königin Elisabeths I. eine von sehr wenigen Möglichkeiten, Musik außerhalb der Kirche weiterzu- entwickeln. 
Und wie klingt diese Musik? Beinahe hypnotisch, würde ich sagen. Denn anders als der moderne Geiger legte der Spieler einer Gambe seinerzeit Wert auf ein glattes, von deftigen individuellen Akzenten freies Klangbild. So wirkt das Gambenconsort, wenn es so perfekt und harmonisch gespielt wird wie durch die Musiker von Phantasm, oftmals wie ein einziges Instrument. Phantastisch!