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Dienstag, 4. Januar 2022

Christopher Tye: Complete Consort Music (Linn Records)

 

„Sing ye trew & care not, for I am trew, feare not“ – so notierte Christopher Tye in seinen Noten. Der Renaissancekomponist, geboren um 1505 und gestorben 1573, gehörte in einer schwierigen Zeit zu den führenden Komponisten geistlicher Vokalmusik. Denn er erlebte vier Herrscher, die jeweils einem anderen christlichen Glauben frönten, und diesen ebenfalls von ihrem Volk einforderten – notfalls mit Schwert und Scheiterhaufen. 

Das preisgekrönte Consort Phantasm allerdings widmet sich mit dieser Einspielung den Instrumentalkompositionen Tyes. Seine Werke, die zu den frühesten überlieferten Beispielen für Kammermusik gehören, haben es durchaus in sich. Ein gutes Beispiel dafür gibt Trust (wer will, kann hier in die Noten schauen); dieses Stück aus den 21 In nomines trägt seinen Namen, wie jedermann beim Blick in diese Partitur bald erkennen wird, sehr zu recht. 

Auch in Sit Fast – obwohl das Stück nur dreistimmig ist und auf den ersten Blick gar nicht so schwierig aussieht – werden die rhythmischen Fähigkeiten der Musiker durch die schwindelerregende metrische Komplexität auf Herz und Nieren geprüft. Das oben angeführte Zitat darf man also durchaus ernst nehmen. 

Das Consort Phantasm navigiert gekonnt und mit Spielfreude durch die mitunter derben musikalischen Scherze des Engländers. Enormes Hörvergnügen, meine unbedingte Empfehlung! 


Samstag, 20. Mai 2017

Cynthia's Revels (FHR)

Musik aus Elisabethaníscher Zeit erklingt auf dieser CD des Blockflö- tenquartetts The Flautadors. Das britische Ensemble, bestehend aus Catherine Fleming, Merlin Harrison, Celia Ireland und Ian Wilson, hat sich dazu noch Leo Chadburn als Verstärkung geholt. 
Für die vorliegende Aufnahme spielt das Quartett Flöten aus der Werkstatt Thomas Prescotts nach Instrumenten des 16. Jahrhunderts, die sich heute in den Beständen des Kunsthistori- schen Museums Wien befinden. Zu hören sind Werke von Anthony Holborne (um 1545 bis 1602), William Byrd (1540 bis 1623), John Dowland (1563 bis 1626), Jacob van Eyck (1590 bis 1657), Thomas Morley (1557 bis 1602) und anderen Kompo- nisten – vor allem Tänze, aber auch Phantasien und Lieder. The Flauta- dors spielen elegant, aber auch ein wenig langweilig. Sie musizieren immer schön geradeaus, ohne individuell Akzente zu setzen und ohne dynamische Differenzierung. Bei mehr als einer Stunde Spielzeit wird da das Zuhören irgendwann anstrengend – schade!