Mit dieser CD schließt Siegbert Rampe seine Gesamteinspielung von Mozarts Clavierwerken auf Instrumenten der Mozart-Zeit ab. Die meisten davon erklingen hier in Ersteinspielung auf historischen Instrumenten; manches, wie die Clavierfassung des Rondeau D-Dur KV 382, lag bislang überhaupt noch nicht als Aufnahme vor. Das gilt auch für einige andere Stücke auf dieser CD.
In dem informativen Beiheft er- läutert Rampe ausführlich, warum er das jeweilige Stück mit aufgenommen und wieso er sich dabei gerade für dieses Instrument entschieden hat. Zur Auswahl standen ein Cembalo von Allan Winkler nach einem Vorbild, das 1711 in der Werkstatt von Pierre Donzelague in Lyon gebaut worden war, ein Cembalo von Burkat Shudi, London 1771, ein Tangentenflügel - ein Instrument, bei dem die Saiten durch ein Holzstäbchen, die soge- nannte Tangente, zum Klingen gebracht wird - unbekannter Herkunft, ein Clavichord von Allan Winkler nach einem Instrument von Johann David Schiedmayer, und ein Fortepiano von Barbara und Thomas Wolf, bei dem es sich um den Nachbau eines Instrumentes von Johan Schantz, Wien um 1795, handelt. Für die Aufnahmen sind Rampe und die Techniker und Tonmeister von MDG zu den Instrumenten gereist.
Es verwundert daher nicht, dass auf dieser CD eine enorme klangliche Vielfalt herrscht. Rampe erweist sich erneut als ein feinsinniger Inter- pret, der Quellen mit großer Sorgfalt auswertet, prüft und hinterfragt. Seine Mozart-Aufnahmen überzeugen durch Souveränität - man sollte die Herausforderung, gerade die "einfachen" Stücke hörenswert zu gestalten, durchaus nicht unterschätzen - und durch Humor. So wird auch mancher musikalische Scherz den Komponisten nachvollzieh- bar.
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Samstag, 10. November 2012
Mittwoch, 14. Juli 2010
Graupner: Orchestral Works Vol. 3 (MDG)
Das Dreigestirn des deutschen Barock - Bach, Händel, Telemann - müsste eigentlich erweitert werden, zumindest um den Namen Christoph Graupner. Er galt schon zu Lebzeiten weithin als die Num- mer zwei unter den in Deutsch- land leuchtenden Sternen am musikalischen Himmel, gleich hinter Telemann. So wird es nicht verblüffen, dass ihn die Leipziger Stadtväter nach dem Tode seines Lehrers Kuhnau und nach der Absage Telemanns zum Thomas- kantor erwählt hatten - allein sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, wollte den Hofkapellmeister behalten und gab ihn nicht frei.
So bekam Johann Sebastian Bach die Stelle in Leipzig. Graupner aber blieb, mit einem sehr ordentlichen Salär, in Darmstadt und schuf dort ein gewaltiges Werk, das heute weitgehend vergessen ist. Siegbert Rampe hat sich mit seinem Ensemble Nova Stravaganza die Einspie- lung zumindest der Orchesterwerke vorgenommen; die dritte CD erschien kürzlich im Hause Dabringhaus & Grimm.
Ihr Glanzstück ist ohne Zweifel der Canon all'unisono GWV 218 in B-Dur für zwei Oboen, Violoncello und Continuo - eine Triosonate mit sechs Sätzen, die sämtlich die beiden Oboen im Kanon prägen. Cello und Continuo sorgen für kontrapunktische Ergänzungsstimmen. Das komplizierte Gebilde wird nochmals komplexer, weil die beiden Solistinnen Saskia Fikentscher und Christine Allanic, Barockoboe, selbstverständlich verzieren, wie es damals Brauch war.
Auf den Canon folgen zwei Flötensonaten, von denen die erste,
GWV 711, eine Sonate mit obligatem Cembalo ist, bei der die Flöte eigentlich nur begleitet - aber das ausgesprochen delikat. Der zweiten Sonate, GWV 707, kann ich nicht so viel abgewinnen. Sie wirkt wesentlich unbeholfener und eingeschränkter, was aber vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass sie ganz offenbar zu den ältesten überlieferten Kompositionen im deutschen Sprachraum für die seinerzeit innovative Traversflöte gehört.
Die CD endet mit der Ouvertüre F-Dur GWV 447 im Stile Telemanns, an der eigentlich nur bemerkenswert ist, dass Graupner um 1740 noch eine Blockflöte als Soloinstrument verwendet. Musiziert wird korrekt, aber ein bisschen langweilig. Insbesonders eine stärkere dynamische Differenzierung hätte hier und da möglicherweise die Musik etwas frischer, lebhafter wirken lassen.
GWV 711, eine Sonate mit obligatem Cembalo ist, bei der die Flöte eigentlich nur begleitet - aber das ausgesprochen delikat. Der zweiten Sonate, GWV 707, kann ich nicht so viel abgewinnen. Sie wirkt wesentlich unbeholfener und eingeschränkter, was aber vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass sie ganz offenbar zu den ältesten überlieferten Kompositionen im deutschen Sprachraum für die seinerzeit innovative Traversflöte gehört.
Sonntag, 14. Februar 2010
Mozart: Complete Clavier Works, Vol. 11; Siegbert Rampe (MDG)
Siegbert Rampe, ausgewiesener Experte für eine dem historischen Original angenäherte Inter- pretation, spielt in diesem Zyklus Mozarts Werke auf Instrumenten seiner Zeit ein - statt Bechstein, Blüthner oder Bösendorfer erklingen hier Cembalo, Clavi- chord und Hammerklavier.
Die verwendeten Instrumente sind mit Bedacht ausgewählt. So hat Mozart bei seinem Aufenthalt in London 1765 nachweisbar ein Cembalo von Burkat Shudi ge- spielt, das mit einigen damals hochmodernnen technischen Raffinessen ausgestattet war - und ein ganz ähnliches Cembalo aus Shudis Werkstatt, wenn auch erst 1771 gebaut, bringt Rampe hier zum Klingen. Es befindet sich heute im Museum des Landes Glarus in der Schweiz, wo der renommierte Londoner Instrumentenbauer ursprünglich herstammte.
Der Professor zeigt, dass die spieltechnische wie klangliche Identität der historischen Instrumente durchaus Auswirkungen auf die Kompositionen Mozarts hatte. Die Stücke, dem Musikfreund zumeist ja gut bekannt, klingen zunächst extrem ungewohnt - und dann stellt der Zuhörer fest: Jawohl, das passt. Aus diesem Klangbild wird die Struktur des Werkes besser verständlich. Ein spannender Ausflug in eine längst verstummte, aber sehr reizvolle Klangwelt.
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