Posts mit dem Label Orchesterwerke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Orchesterwerke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 26. Juli 2020

Franz Liszt - The Sound of Weimar (Gramola)

In Sondershausen, im Dachgeschoss der Landesmusikakademie, gibt es eine kleine Ausstellung. Sie macht deutlich, wie groß die Bedeutung der einstigen Residenz und ihres Orchesters seinerzeit für die europäische Musikwelt war. Und sie rückt vor allem einen Komponisten und Kapellmeister in den Mittelpunkt: Franz Liszt (1811 bis 1886) ist hier nicht als Tastenheros präsent, sondern vor allem als Schöpfer und Interpret von Orchestermusik. 
Im November 1842 wurde der Klaviervirtuose von Großherzog Carl Alexander im nahegelegenen Weimar zum Kapellmeister ernannt. War er zunächst nur sporadisch anwesend, so ließ er sich 1848, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Caroline zu Sayn-Wittgenstein, dort nieder. Die Jahre in Thüringen waren für den Musiker eine höchst produktive Zeit: In Weimar entstanden viele seiner Kompositionen; Liszt etablierte sich zudem als Dirigent, und er brachte mit dem Orchester in den Hofkonzerten viele Werke von Zeitgenossen zur Aufführung. So unterstützte er Richard Wagner, und er schätzte auch Hector Berlioz sehr. Dieses Engagement beeinflusste aber auch sein eigenes Schaffen. 
Liszt nicht nur als Klaviervirtuosen, sondern auch als Schöpfer von Orchestermusik zu präsentieren, ist das Anliegen der vorliegenden Aufnahmen, die in den Jahren 2010 bis 2017 im Franz Liszt Konzertsaal im burgenländischen Raiding, dem Geburtsort des Musikers, aufgezeichnet worden sind. Martin Haselböck hat mit dem Orchester Wiener Akademie Liszts Orchesterwerke erkundet. Beteiligt waren daran mitunter auch der Chorus sine nomine, Tenor Steve Davislim und der Pianist Gottlieb Wallisch. 
Das Spannende an dieser Aufnahme ist nicht nur ihr beachtlicher Umfang; auf den neun CD findet sich von der Faust-Sinfonie über die kompletten Sinfonischen Dichtungen wie Les Préludes, Hunnenschlacht und Mazeppa bis hin zu den Ungarischen Rhapsodien das komplette Orchesterwerk des Komponisten. 
Musiziert wird in reduzierter Besetzung und auf historischen Instrumenten; so verwenden die Streicher Darmsaiten in Verbindung mit den damals üblichen Bögen. Haselböck nimmt die Partitur ernst, und er vermeidet Pathos. Das Ergebnis beeindruckt. So führen die hellen, klaren Frauenstimmen des Chorus sine nomine, umrankt von allerlei Harfen-Arpeggien und allgemeiner Dreiklangsseligkeit, den Hörer hier nicht in die finsteren Abgründe des Kitsches, sondern in die lichten Weiten des Paradieses. 
Auch bei den Sinfonischen Dichtungen gelingt es Haselböck, deutlich werden zu lassen, wie kühn und neu diese Stücke einst gewesen sein müssen. Manches, was Liszt seinerzeit in Weimar ausprobierte, wie die Arbeit mit Leitmotiven, das haben andere Komponisten wie Richard Wagner und Richard Strauss dann aufgenommen und weitergeführt, vielleicht auch vollendet. 
Der Farbenreichtum und generell der Orchesterklang dieser Aufnahmen dürfte dem einst von Liszt in Weimar erzeugten sehr nahe kommen. Den Musikern des Orchesters Wiener Akademie gelingt aber nicht nur die Rekonstruktion dieses einzigartigen „Sound of Weimar“, sondern zugleich die Rehabilitation des Sinfonikers Franz Liszt. Eine Referenzaufnahme, die seine noch immer unterschätzte Orchestermusik in bestes Licht rückt. Bravi!

Sonntag, 3. Dezember 2017

Koechlin: Oeuvres orchestrales (SWR Music)

Die Musik von Charles Koechlin (1867 bis 1950) ist hierzulande wenig bekannt. Zum hundertfünfzigsten Geburtstag des Komponisten – der am 27. November 1867 in Paris das Licht der Welt erblickte, aber seine Wurzeln im Elsass hatte – sind nun bei SWR Music in zwei Boxen jeweils sieben CD alle Koechlin-Produktio- nen des Senders erschienen. 
Als Zugabe gibt es jeweils ein umfangreiches Beiheft. Es enthält einen detailreichen Aufsatz von Otfrid Nies, der einen Überblick über Leben und Schaffen des Komponisten bietet. Nies setzt sich seit viele Jahren dafür ein, diesem Zeitgenossen von Debussy und Ravel mehr Beachtung zu verschaffen. Er hat dazu 1984 in Kassel das „Archiv Charles Koechlin“ gegründet, das mittlerweile über eine beeindruckende Kollektion an Dokumenten verfügt. 

Mit Sorgfalt zusammengestellt: höchst informatives Beiheft 

Otfried Nies und Robert Orledge, ebenfalls ein ausgewiesener Koechlin-Experte, haben dann ausführliche Anmerkungen zu den einzelnen Werken hinzugefügt. Diese werden gelegentlich durch Kommentare der beteiligten Musiker ergänzt. Außerdem sind die Texte sämtlicher Vokalwerke zu finden, und Kurzbiographien der Mitwirkenden – und all das auf Deutsch, Französisch und Englisch. Und als Zugabe gibt es obendrein noch Photographien von Koechlin. Soviel Sorgfalt ist selten; desto mehr ist der SWR zu loben, der diesen Aufwand treibt, um den Jubilar zu ehren und dem Musikfreund den Zugang zu seinem eigenwilligen Werk zu erleichtern. 
Charles Koechlin, obgleich mit Musik aufgewachsen, wollte eigentlich Ingenieur werden. Doch dann erkrankte er schwer an Tuberkulose, und musste seine Lebenspläne ändern. Er wandte sich der Musik zu, und studierte am Conservatoire, zunächst bei Jules Massenet, und dann bei Gabriel Fauré. Aber auch die Musik von Claude Debussy schätzte Koechlin sehr: „Il suffit parfois d'une seule mesure chez un génial confrère, pour nous ouvrir la porte sur des jardins enchantés, où nous pourrons très bien cueillir d'autres fleurs que les siennes“, so beschrieb er in seinen Memoiren die Inspiration, die er durch dessen Stück Mandoline erfuhr. 
Das Werk von Charles Koechlin ist umfangreich, und umfasst nahezu alle Gattungen mit Ausnahme von Opern, Oratorien und anderer geistlicher Chormusik. Ein besonderes Faible hatte der Komponist für das Orchestrieren; diese Gabe nutzten auch seine Kollegen gern, so dass er beispielsweise Faurés Musik zu Pelléas et Mélisande oder Debussys Ballettmusik Khamma orchestrierte. Seine Erfahrungen in diesem Bereich gab er in dem vierbändigen Traité de l'orchestration weiter. 
Schon im Jahre 2001 startete der SWR das Koechlin-Projekt; dabei arbeiteten der Stuttgarter Rundfunksender mit seinem Radio-Sinfonie- orchester, Dirigent Heinz Holliger und Otfrid Nies mit dem Archiv Charles Koechlin eng zusammen. Die beiden CD-Boxen zeigen, wie viele Facetten Koechlins Werk hat. Da wäre zunächst die Kammermusik, auf vier CD zusammengefasst – wobei der Komponist die Bläser offenbar sehr schätzte, insbesondere Klarinette und Flöten. Doch auch für Streichinstru- mente hat er etliche Werke geschrieben. 

Koechlins magische Musik - oder: Fronarbeit im Zaubergarten  

Entstanden sind die Aufnahmen im Laufe vieler Jahre. Auch die Liste der Mitwirkenden ist lang; sie reicht von Dirk Altmann, Klarinette, über Peter Bruns, Violoncello, bis hin zu Peter Thalheimer, Flöte. Die meisten Interpreten sind Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und haben sich über viele Jahre mit dem Werk Koechlins beschäftigt. 
Die Klavierwerke, auf drei CD, hat Michael Korstick eingespielt. Der Pianist wurde durch eine CD auf die Musik Koechlins aufmerksam: „Gleich mit den ersten Akkorden öffnete sich ein fremdartiger Zaubergarten voller süchtig machender Farben und Düfte“, berichtet er. Korstick fragte beim Archiv nach – und bekam von Otfried Nies ein Notenpaket. „Allerdings sind die feinsinnigen und farbigen, eine große innere Ruhe ausstrahlenden Klavierschöpfungen Koechlins für den Pianisten eine harte Nuss“, stellt Korstick fest. „Der stark orchestral konzipierte Satz kümmert sich nicht im geringsten um das mit zwei Händen Machbare, wirkt mit seinen extrem aufgefächerten Akkorden über weite Strecken wie das Particell eines Orchesterwerks, welches vom Pianisten erst in einem ,Griffplan' eingerichtet werden muss und zudem noch ganz eigene, hoch differenzierte Pedaltechniken erforderlich macht.“ 
Die Veröffentlichung mit den Orchesterwerken Koechlins enthält zahlreiche Weltersteinspielungen. Sie bietet einen breiten Überblick über Koechlins Schaffen, von den frühen Orchesterliedern über orchestrierte Werke anderer Komponisten bis hin zu seinen klanggewaltigen und üppig besetzten Spätwerken. 
Koechlins Musikstücke beziehen sich oftmals auf Außermusikalisches, wie Literatur oder Filme. Am ehesten bekannt sind wohl seine Musikstücke zum Dschungelbuch von Rudyard Kipling, wie Chanson de nuit dans la jungle, Le Chant de Kala Nag oder Les Bandar-Log. Auf sieben CD erklingen die von 2000 bis 2012 aufgenommenen und veröffentlichten Produktionen des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart unter Heinz Holliger sowie La Méditation de Purun Bhagat, ebenfalls ein Dschungelbuch-Stück. 

Sonntag, 20. Januar 2013

Eilenberg: Petersburger Schlittenfahrt (cpo)

Ähnlich populär wie die Strauß-Familie in Wien war einst in Berlin Richard Eilenberg (1848 bis 1927). Sein Vater war Stabstrompeter beim 12. Husarenregiment in Merseburg bei Leipzig. So wird Richard Eilen- berg mit Militärmusik aufgewachsen sein. Ausgebildet wurde er dann im Militärknabenerziehungsinstitut im sächsischen Annaberg. Mit Fleiß widmete er sich dort insbesondere dem Klavierspiel und dem Fach Komposition; mit 16 Jahren legte Eilenberg bereits eine Konzert- ouvertüre vor. 1873 ging er als Musikdirektor und Dirigent nach Stettin. 
Eilenberg scheint ein versierter Kapellmeister gewesen zu sein; er erhielt Einladungen zu Gastspielreisen aus ganz Europa, unter anderem von Zar Alexander II. und vom rumänischen König. 1889 zog er nach Berlin um. Und stets komponierte er - Operetten, ein Ballett, Charakterstücke, Tänze, Märsche, Salonmusik, etwa 350 Werke Eilenbergs sind überliefert. Dennoch ist seine Musik auf dem Konzertpodium heute kaum noch zu hören. Dass der Komponist nicht vollends dem Vergessen anheim gefallen ist, verdankt er in erster Linie der berühmten Petersburger Schlittenfahrt - einem Werk, das ähnlich populär ist wie etwa An der schönen blauen Donau. Jeder Klassikfreund kann diese Melodien mitpfeifen. 
Das WDR Rundfunkorchester hat sich unter Leitung von Christian Simonis schon des öfteren selten gespielter Musik angenommen. So hat das Orchester, dass auf Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau spezialisiert ist, bei cpo bereits eine CD mit Werken von Benjamin Bilse vorgelegt. Hier folgt nun eine Entdeckungsreise durch das Werk Eilenbergs. Das ist er- freulich, denn diese Musik erweist sich als abwechslungsreich, ideenreich, und anschaulich, wo sie charakterisiert. Wie der Komponist in der Mando- linen-Serenade op. 117 die Violinen einsetzt, wie er die Norwegische Rentierpost op. 314 dahinflitzen lässt oder den Kosakenritt op. 149, das ist schon großes Kino. Schade nur, dass diese witzigen Werke so selten zu hören sind. Um so dankbarer ist der Zuhörer Simonis und dem WDR Rundfunkorchester, das diese Perlen der leichten Muse mit Esprit zele- briert.  

Sonntag, 18. November 2012

Fasch: Orchestral works Vol. 3 (Chaconne)

Das Tempesta di Mare Philadelphia Baroque Orchestra hat erneut eine CD mit Orchesterwerken von Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758) veröffentlicht. Dabei ge- lingen dem Ensemble, das durch die Flötistin Gwyn Roberts und den Lautenisten Richard Stone geleitet wird, erneut einige Entdeckungen. So sind vier der sechs Konzerte und Ouvertüren auf dieser CD in Ersteinspielung zu hören. 
Es erklingt ein Lautenkonzert, das Fasch möglicherweise für den berühmten Dresdner Lautenisten Sylvius Leopold Weiss (1687 bis 1750) geschrieben hat. Auch ein Blockflötenkonzert, das stilistisch an die Werke Vivaldis erinnert, haben die Musiker aufgespürt und ein- gespielt. Der Konzertsatz in F-Dur hingegen klingt wie eine Parodie des galanten Stils, so lehrbuchmäßig folgt der Komponist hier der damaligen Mode. 
Ansonsten sind die Konzerte sehr häufig typisch Fasch; sein höchst individueller Stil, der stets Überraschungen bereithält, ist klar zu erkennen. Leider wird bei dieser CD nicht deutlich, wo die Musiker die einzelnen Werke gefunden haben. Das ist durchaus eine interessante Frage, denn Fasch, Kapellmeister in Zerbst, stand zeitlebens in regem Austausch mit Kollegen und Freunden. Wer also unveröffentlichte Werke sucht, der sollte diesem Netzwerk nachspüren. Das lohnt sich, wie hier zu hören ist. Und man darf gespannt bleiben, was Tempesta di Mare in den nächsten Folgen dieser Reihe vorstellen wird. 

Sonntag, 13. Mai 2012

Fasch: Orchestral Works, Volume 2 (Chaconne)

Johann Friedrich Fasch (1688 bis 1758), Kapellmeister in Zerbst, muss ein fleißiger Briefschreiber gewesen sein. Denn er stand in regem Austausch mit Kollegen und Freunden, die er teilweise noch aus seinen Leipziger Jahren kannte. So sammelte Christoph Graupner, Kapellmeister zu Darmstadt, die Werke des Komponisten, dessen Präfekt er einst an der Thomas- schule gewesen war. Auch in Dresden blieb eine erfreulich große Anzahl seiner Stücke erhalten, die einst Johann David Heinichen und der Konzertmeister Johann Georg Pisendel - Studienfreunde aus Leipziger Tagen - zusammengetragen hatten. 
Aus den Schätzen, die im legendären "Schranck No: II." der Sächsi- schen Landes-und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden aufgefun- den und in jüngster Vergangenheit auch erschlossen und digitalisiert wurden, hat das Tempesta di Mare, Philadelphia Baroque Orchestra diese CD mit Ersteinspielungen zusammengestellt. Sie ist Teil einer Serie, die Faschs Orchesterwerke, so sie überliefert sind, erstmals komplett auf CD vorstellen soll. Das amerikanische Ensemble, das von der Flötistin Gwyn Roberts und dem Lautenisten Richard Stone geleitet wird, musiziert klangschön und temperamentvoll. Insofern darf man sich auf die Fortsetzung freuen. 

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Liszt: Orchesterwerke (EMI Classics)

Es ist erstaunlich - doch Franz Liszt (1811 bis 1886) hat lediglich 25 Werke geschaffen, in denen das Orchester eine maßgebliche Rolle spielt. 13 davon sind Tondich- tungen - Musik, die Ideen zum Gegenstand hat, Mythen oder andere literarische Vorlagen. Die meisten davon hat er in seiner Weimarer Zeit, in den Jahren zwischen 1843 und 1861, voll- endet. 
Doch auch Goethes Faust und Dantes Göttlicher Komödie wid- mete Liszt Sinfonien. Hinzu kommen zwei Klavierkonzerte und eine Reihe weiterer, keineswegs weniger gewichtiger Werke für Klavier und Orchester - darunter die Transkription von Schuberts Wanderer-Fantasie, die Grande Fantaisie symphonique sur des thèmes de Lélio de Berlioz oder der berühmte Totentanz
Zum Liszt-Jubiläum legt EMI Classics nun eine legendäre Aufnahme all dieser Werke wieder vor: Die erste deutsche Gesamtaufnahme, eingespielt vom Gewandhausorchester Leipzig unter Kurt Masur Anfang der 80er Jahre in Leipzig. Die Klavierparts übernahm seiner- zeit Michel Béroff. Und man muss sagen, dass diese Edition noch immer Maßstäbe setzt, die alle Nachfolger erst einmal erreichen müssen. 

Mittwoch, 14. Juli 2010

Graupner: Orchestral Works Vol. 3 (MDG)

Das Dreigestirn des deutschen Barock - Bach, Händel, Telemann - müsste eigentlich erweitert werden, zumindest um den Namen Christoph Graupner. Er galt schon zu Lebzeiten weithin als die Num- mer zwei unter den in Deutsch- land leuchtenden Sternen am musikalischen Himmel, gleich hinter Telemann. So wird es nicht verblüffen, dass ihn die Leipziger Stadtväter nach dem Tode seines Lehrers Kuhnau und nach der Absage Telemanns zum Thomas- kantor erwählt hatten - allein sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt, wollte den Hofkapellmeister behalten und gab ihn nicht frei. 
So bekam Johann Sebastian Bach die Stelle in Leipzig. Graupner aber blieb, mit einem sehr ordentlichen Salär, in Darmstadt und schuf dort ein gewaltiges Werk, das heute weitgehend vergessen ist. Siegbert Rampe hat sich mit seinem Ensemble Nova Stravaganza die Einspie- lung zumindest der Orchesterwerke vorgenommen; die dritte CD erschien kürzlich im Hause Dabringhaus & Grimm. 
Ihr Glanzstück ist ohne Zweifel der Canon all'unisono GWV 218 in B-Dur für zwei Oboen, Violoncello und Continuo - eine Triosonate mit sechs Sätzen, die sämtlich die beiden Oboen im Kanon prägen. Cello und Continuo sorgen für kontrapunktische Ergänzungsstimmen. Das komplizierte Gebilde wird nochmals komplexer, weil die beiden Solistinnen Saskia Fikentscher und Christine Allanic, Barockoboe, selbstverständlich verzieren, wie es damals Brauch war. 
Auf den Canon folgen zwei Flötensonaten, von denen die erste,
GWV 711, eine Sonate mit obligatem Cembalo ist, bei der die Flöte eigentlich nur begleitet - aber das ausgesprochen delikat. Der zweiten Sonate, GWV 707, kann ich nicht so viel abgewinnen. Sie wirkt wesentlich unbeholfener und eingeschränkter, was aber vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass sie ganz offenbar zu den ältesten überlieferten Kompositionen im deutschen Sprachraum für die seinerzeit innovative Traversflöte gehört. 
Die CD endet mit der Ouvertüre F-Dur GWV 447 im Stile Telemanns, an der eigentlich nur bemerkenswert ist, dass Graupner um 1740 noch eine Blockflöte als Soloinstrument verwendet.  Musiziert wird korrekt, aber ein bisschen langweilig. Insbesonders eine stärkere dynamische Differenzierung hätte hier und da möglicherweise die Musik etwas frischer, lebhafter wirken lassen.