Was macht ein Ensemble, nachdem es Bachs monumentales Kantaten- werk eingespielt hat? Masaaki Suzuki hat sich mit dem Bach Collegium Japan bereits im vergangenen Jahr dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozart zugewandt: Als erstes Werk hatte er das Requiem KV 626 ausgewählt; komplettiert wurde diese CD durch die Vesperae solennes de Confessore KV 339.
Nun folgt die Messe c-Moll KV 427, das einzige Werk für die Kirchen- musik, das Mozart während seiner Jahre als freischaffender Musiker in Wien komponiert hat – abgesehen vom Requiem, das aber ein Auftrags- werk war. Diese Messe wäre in der Tat stilistisch und vom Umfang her eine „Große“ Messe geworden – wenn Mozart sie jemals fertiggestellt hätte; begonnen hat er sie möglicherweise, damit seine ihm soeben angetraute Frau Constanze sich 1783 bei einem Besuch in Salzburg als Sängerin präsentieren kann.
Als gesichert kann jedenfalls gelten, dass sie dort am 26. Oktober 1783 aufgeführt worden ist, und zwar als Kyrie-Gloria-Messe, denn die dafür notwendigen Teile sind vollendet, und einige Stimmen sind zudem in Salzburg erhalten. Vom verbleibenden Rest sind nur Fragmente überliefert, die aber nachvollziehbar aufzeigen, wie Mozart den jeweiligen Abschnitt gestalten wollte. Die vorliegende Einspielung nutzt eine Bearbeitung von Franz Beyer. Er hat 1989 die ausstehenden Stimmen ergänzt; die fehlenden Teile des Credos sowie das ebenfalls fehlende Agnus Dei allerdings wurden nicht „rekonstruiert“ – was eine ehrliche Lösung ist, wie ich finde.
Das Bach Collegium Japan musiziert unter Masaaki Suzuki hingebungs- voll, und auch das Solistenquartett ist mit Carolyn Sampson, Olivia Vermeulen, Makoto Sakurada und Christian Immler solide besetzt. Sehr gute Mozart-Aufnahmen allerdings gibt es einige; diese Einspielung reiht sich da ein, aber sie setzt keine Maßstäbe. Das gilt auch für den zweiten Teil der Super Audio CD mit der ebenso berühmten wie virtuosen Motette Exsultate, jubilate KV 165. Entstanden ist sie einst für eine Kastraten- stimme; Carolyn Sampson nutzt diese Gelegenheit, um noch einmal ihren Sopran erstrahlen zu lassen – zumal anschließend als Zugabe noch einmal die eröffnende Arie in einer späteren Version mit leicht verändertem Text und mit Flöten statt der Oboen erklingt.
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Dienstag, 29. November 2016
Samstag, 7. November 2015
Bach: Birthday Cantatas (BIS)
„Das Bachische Collegium Musicum wird Morgen als dem 5. Sept. a.c.
im Zimmermannischen Garten vor dem Grimmischen Thore den hohen Geburts-Tag des Durchl. Chur-Prinzen von Sachsen mit einer solennen Musick von Nachmittag 4. bis 6. Uhr unterthänigst celebrieren“, kündigte 1733 die Leipziger Zeitun- gen an. Im Februar war August der Starke gestorben, und von seinem Nachfolger Friedrich August II. erhoffte Johann Sebastian Bach die Ernennung zum Hofkomponisten. Die Huldigungskantaten zum Geburtstag des – elfjährigen – Kurprinzen sowie der Gattin des Herrschers, Maria Josepha, waren daher Bestandteil einer Werbekampagne in eigener Sache – und Bach hatte damit letztendlich auch Erfolg; 1736 erhielt er den Titel.
Masaaki Suzuki, der bereits mit der Gesamteinspielung der geistlichen Kantaten Bachs international für Furore sorgte, wendet sich nun mit dem Bach Collegium Japan offenbar den weltlichen Kantaten zu. Diese CD enthält Lasst uns sorgen, lasst uns wachen BWV 213 und Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! BWV 214, die beiden oben benannten Kantaten. Dem Musikfreund werden sie sehr bekannt vorkommen, denn die allermeisten Stücke daraus hat Bach recycelt – im Weihnachtsora- torium.
Wer diese beiden Kantaten mit Verstand anhört, der wird erstaunt sein über die meisterhafte Parodie. Denn im Original wird der antike Halbgott Herkules – noch minderjährig, also Alt, durch die Wollust, Sopran, in Versuchung geführt, entscheidet sich aber für die Tugend, Tenor. Und weil man für ein Sängerquartett auch einen Bass benötigt, wird diesem die Figur des Merkur zugewiesen.
Noch kurioser sind übrigens die Rollen besetzt in der Kantate für die Kurfürstin – es treten auf Bellona, die Göttin des Krieges, Sopran, Pallas Athene, Alt, die Göttin der Künste und der Wissenschaften, die Friedens- göttin Irene, Tenor, und die Göttin Fama, zuständig für den Ruhm, Bass. Aber die Musik ist grandios, und die Einspielung ist auch nicht zu verachten. Allerdings erscheint die Innigkeit, die man bei Suzukis Aufnahmen der geistlichen Kantaten so bewundert, bei den weltlichen Werken nicht ganz passend. Für das politische Dramma per musica hätte man sich mehr Schwung, mehr Jubel und mehr Theatralik gewünscht, insbesondere auch bei den Chören.
im Zimmermannischen Garten vor dem Grimmischen Thore den hohen Geburts-Tag des Durchl. Chur-Prinzen von Sachsen mit einer solennen Musick von Nachmittag 4. bis 6. Uhr unterthänigst celebrieren“, kündigte 1733 die Leipziger Zeitun- gen an. Im Februar war August der Starke gestorben, und von seinem Nachfolger Friedrich August II. erhoffte Johann Sebastian Bach die Ernennung zum Hofkomponisten. Die Huldigungskantaten zum Geburtstag des – elfjährigen – Kurprinzen sowie der Gattin des Herrschers, Maria Josepha, waren daher Bestandteil einer Werbekampagne in eigener Sache – und Bach hatte damit letztendlich auch Erfolg; 1736 erhielt er den Titel.
Masaaki Suzuki, der bereits mit der Gesamteinspielung der geistlichen Kantaten Bachs international für Furore sorgte, wendet sich nun mit dem Bach Collegium Japan offenbar den weltlichen Kantaten zu. Diese CD enthält Lasst uns sorgen, lasst uns wachen BWV 213 und Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! BWV 214, die beiden oben benannten Kantaten. Dem Musikfreund werden sie sehr bekannt vorkommen, denn die allermeisten Stücke daraus hat Bach recycelt – im Weihnachtsora- torium.
Wer diese beiden Kantaten mit Verstand anhört, der wird erstaunt sein über die meisterhafte Parodie. Denn im Original wird der antike Halbgott Herkules – noch minderjährig, also Alt, durch die Wollust, Sopran, in Versuchung geführt, entscheidet sich aber für die Tugend, Tenor. Und weil man für ein Sängerquartett auch einen Bass benötigt, wird diesem die Figur des Merkur zugewiesen.
Noch kurioser sind übrigens die Rollen besetzt in der Kantate für die Kurfürstin – es treten auf Bellona, die Göttin des Krieges, Sopran, Pallas Athene, Alt, die Göttin der Künste und der Wissenschaften, die Friedens- göttin Irene, Tenor, und die Göttin Fama, zuständig für den Ruhm, Bass. Aber die Musik ist grandios, und die Einspielung ist auch nicht zu verachten. Allerdings erscheint die Innigkeit, die man bei Suzukis Aufnahmen der geistlichen Kantaten so bewundert, bei den weltlichen Werken nicht ganz passend. Für das politische Dramma per musica hätte man sich mehr Schwung, mehr Jubel und mehr Theatralik gewünscht, insbesondere auch bei den Chören.
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