Was macht ein Ensemble, nachdem es Bachs monumentales Kantaten- werk eingespielt hat? Masaaki Suzuki hat sich mit dem Bach Collegium Japan bereits im vergangenen Jahr dem Schaffen Wolfgang Amadeus Mozart zugewandt: Als erstes Werk hatte er das Requiem KV 626 ausgewählt; komplettiert wurde diese CD durch die Vesperae solennes de Confessore KV 339.
Nun folgt die Messe c-Moll KV 427, das einzige Werk für die Kirchen- musik, das Mozart während seiner Jahre als freischaffender Musiker in Wien komponiert hat – abgesehen vom Requiem, das aber ein Auftrags- werk war. Diese Messe wäre in der Tat stilistisch und vom Umfang her eine „Große“ Messe geworden – wenn Mozart sie jemals fertiggestellt hätte; begonnen hat er sie möglicherweise, damit seine ihm soeben angetraute Frau Constanze sich 1783 bei einem Besuch in Salzburg als Sängerin präsentieren kann.
Als gesichert kann jedenfalls gelten, dass sie dort am 26. Oktober 1783 aufgeführt worden ist, und zwar als Kyrie-Gloria-Messe, denn die dafür notwendigen Teile sind vollendet, und einige Stimmen sind zudem in Salzburg erhalten. Vom verbleibenden Rest sind nur Fragmente überliefert, die aber nachvollziehbar aufzeigen, wie Mozart den jeweiligen Abschnitt gestalten wollte. Die vorliegende Einspielung nutzt eine Bearbeitung von Franz Beyer. Er hat 1989 die ausstehenden Stimmen ergänzt; die fehlenden Teile des Credos sowie das ebenfalls fehlende Agnus Dei allerdings wurden nicht „rekonstruiert“ – was eine ehrliche Lösung ist, wie ich finde.
Das Bach Collegium Japan musiziert unter Masaaki Suzuki hingebungs- voll, und auch das Solistenquartett ist mit Carolyn Sampson, Olivia Vermeulen, Makoto Sakurada und Christian Immler solide besetzt. Sehr gute Mozart-Aufnahmen allerdings gibt es einige; diese Einspielung reiht sich da ein, aber sie setzt keine Maßstäbe. Das gilt auch für den zweiten Teil der Super Audio CD mit der ebenso berühmten wie virtuosen Motette Exsultate, jubilate KV 165. Entstanden ist sie einst für eine Kastraten- stimme; Carolyn Sampson nutzt diese Gelegenheit, um noch einmal ihren Sopran erstrahlen zu lassen – zumal anschließend als Zugabe noch einmal die eröffnende Arie in einer späteren Version mit leicht verändertem Text und mit Flöten statt der Oboen erklingt.
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Dienstag, 29. November 2016
Samstag, 9. Juli 2016
Trauerode (BIS)
Masaaki Suzuki rundet seine Bach-Kantaten-Edition mit dem Bach-Collegium Japan ab, indem er nunmehr auch die Kantaten des Thomaskantors einspielt, die nicht für den regulären Gottesdienst ent- standen sind. Es sind dies Auftrags- werke, wie Huldigungskantaten oder aber Musiken für Geburtstage, Hoch- zeiten und Begräbnisse.
Drei Beispiele für letzteres sind auf der vorliegenden CD anzuhören. Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl BWV 198, die sogenannte Trauer-Ode, wurde 1727 bei der Gedenkfeier für die verstorbene Ehefrau Augusts des Starken, Christiane Eberhardine, in der Leipziger Paulinerkirche aufgeführt. Sie war beim sächsischen Volk sehr angesehen, weil sie protestantisch geblieben war, derweil ihr Gatte zum Katholizismus konvertierte, um König von Polen werden zu können. Organisiert wurde die repräsentative Trauerfeier in der Universitätskirche der Messestadt von einem adligen Studenten, der bei Johann Sebastian Bach die Musik für diesen durchaus politischen Festakt orderte. Den Text dazu ließ er sich von Johann Christoph Gottsched schreiben. Er folgt den Konventionen von Herrscherlob und Totenklage; Bach hat ihn gekonnt vertont (und die Musik später mehrfach wiederverwendet; bekannt ist ihre Nutzung in der Trauermusik für seinen früheren Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen sowie in der Markuspassion).
Die Alt-Arie Schlage doch, gewünschte Stunde BWV 53 stammt wahr- scheinlich ebenfalls aus einer Trauermusik. Die Forschung hat allerdings herausgefunden, dass dieses Werk nicht von Bach, sondern von Melchior Hoffmann (?1679 bis 1715) stammt, der ab 1705 Musikdirektor der Leipziger Neuen Kirche war.
Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 gibt der Musikwissenschaft eine Reihe von Rätseln auf. Für wen Bach diese Duett-Kantate geschaffen hat, ist ebenso unbekannt wie der Grund dafür, dass er sich auf diese Weise mit dem Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) ausein- andergesetzt hat. Eine Verwendung im Gottesdienst dürfte auszuschließen sein, auch wenn der ursprüngliche Text der Sequenz durch eine Neudich- tung nach Psalm 51 von einem unbekannten, aber versierten Autor ersetzt wurde. Bach hat Pergolesis Musik nicht einfach angepasst, er hat sie obendrein nach seinem stilistischen Empfinden modifiziert. Das Ergebnis klingt erstaunlich altmodisch – das Original wirkt vergleichsweise moder- ner. Wirklich verblüffend.
Drei Beispiele für letzteres sind auf der vorliegenden CD anzuhören. Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl BWV 198, die sogenannte Trauer-Ode, wurde 1727 bei der Gedenkfeier für die verstorbene Ehefrau Augusts des Starken, Christiane Eberhardine, in der Leipziger Paulinerkirche aufgeführt. Sie war beim sächsischen Volk sehr angesehen, weil sie protestantisch geblieben war, derweil ihr Gatte zum Katholizismus konvertierte, um König von Polen werden zu können. Organisiert wurde die repräsentative Trauerfeier in der Universitätskirche der Messestadt von einem adligen Studenten, der bei Johann Sebastian Bach die Musik für diesen durchaus politischen Festakt orderte. Den Text dazu ließ er sich von Johann Christoph Gottsched schreiben. Er folgt den Konventionen von Herrscherlob und Totenklage; Bach hat ihn gekonnt vertont (und die Musik später mehrfach wiederverwendet; bekannt ist ihre Nutzung in der Trauermusik für seinen früheren Dienstherrn Fürst Leopold von Anhalt-Köthen sowie in der Markuspassion).
Die Alt-Arie Schlage doch, gewünschte Stunde BWV 53 stammt wahr- scheinlich ebenfalls aus einer Trauermusik. Die Forschung hat allerdings herausgefunden, dass dieses Werk nicht von Bach, sondern von Melchior Hoffmann (?1679 bis 1715) stammt, der ab 1705 Musikdirektor der Leipziger Neuen Kirche war.
Tilge, Höchster, meine Sünden BWV 1083 gibt der Musikwissenschaft eine Reihe von Rätseln auf. Für wen Bach diese Duett-Kantate geschaffen hat, ist ebenso unbekannt wie der Grund dafür, dass er sich auf diese Weise mit dem Stabat mater von Giovanni Battista Pergolesi (1710 bis 1736) ausein- andergesetzt hat. Eine Verwendung im Gottesdienst dürfte auszuschließen sein, auch wenn der ursprüngliche Text der Sequenz durch eine Neudich- tung nach Psalm 51 von einem unbekannten, aber versierten Autor ersetzt wurde. Bach hat Pergolesis Musik nicht einfach angepasst, er hat sie obendrein nach seinem stilistischen Empfinden modifiziert. Das Ergebnis klingt erstaunlich altmodisch – das Original wirkt vergleichsweise moder- ner. Wirklich verblüffend.
Samstag, 7. November 2015
Bach: Birthday Cantatas (BIS)
„Das Bachische Collegium Musicum wird Morgen als dem 5. Sept. a.c.
im Zimmermannischen Garten vor dem Grimmischen Thore den hohen Geburts-Tag des Durchl. Chur-Prinzen von Sachsen mit einer solennen Musick von Nachmittag 4. bis 6. Uhr unterthänigst celebrieren“, kündigte 1733 die Leipziger Zeitun- gen an. Im Februar war August der Starke gestorben, und von seinem Nachfolger Friedrich August II. erhoffte Johann Sebastian Bach die Ernennung zum Hofkomponisten. Die Huldigungskantaten zum Geburtstag des – elfjährigen – Kurprinzen sowie der Gattin des Herrschers, Maria Josepha, waren daher Bestandteil einer Werbekampagne in eigener Sache – und Bach hatte damit letztendlich auch Erfolg; 1736 erhielt er den Titel.
Masaaki Suzuki, der bereits mit der Gesamteinspielung der geistlichen Kantaten Bachs international für Furore sorgte, wendet sich nun mit dem Bach Collegium Japan offenbar den weltlichen Kantaten zu. Diese CD enthält Lasst uns sorgen, lasst uns wachen BWV 213 und Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! BWV 214, die beiden oben benannten Kantaten. Dem Musikfreund werden sie sehr bekannt vorkommen, denn die allermeisten Stücke daraus hat Bach recycelt – im Weihnachtsora- torium.
Wer diese beiden Kantaten mit Verstand anhört, der wird erstaunt sein über die meisterhafte Parodie. Denn im Original wird der antike Halbgott Herkules – noch minderjährig, also Alt, durch die Wollust, Sopran, in Versuchung geführt, entscheidet sich aber für die Tugend, Tenor. Und weil man für ein Sängerquartett auch einen Bass benötigt, wird diesem die Figur des Merkur zugewiesen.
Noch kurioser sind übrigens die Rollen besetzt in der Kantate für die Kurfürstin – es treten auf Bellona, die Göttin des Krieges, Sopran, Pallas Athene, Alt, die Göttin der Künste und der Wissenschaften, die Friedens- göttin Irene, Tenor, und die Göttin Fama, zuständig für den Ruhm, Bass. Aber die Musik ist grandios, und die Einspielung ist auch nicht zu verachten. Allerdings erscheint die Innigkeit, die man bei Suzukis Aufnahmen der geistlichen Kantaten so bewundert, bei den weltlichen Werken nicht ganz passend. Für das politische Dramma per musica hätte man sich mehr Schwung, mehr Jubel und mehr Theatralik gewünscht, insbesondere auch bei den Chören.
im Zimmermannischen Garten vor dem Grimmischen Thore den hohen Geburts-Tag des Durchl. Chur-Prinzen von Sachsen mit einer solennen Musick von Nachmittag 4. bis 6. Uhr unterthänigst celebrieren“, kündigte 1733 die Leipziger Zeitun- gen an. Im Februar war August der Starke gestorben, und von seinem Nachfolger Friedrich August II. erhoffte Johann Sebastian Bach die Ernennung zum Hofkomponisten. Die Huldigungskantaten zum Geburtstag des – elfjährigen – Kurprinzen sowie der Gattin des Herrschers, Maria Josepha, waren daher Bestandteil einer Werbekampagne in eigener Sache – und Bach hatte damit letztendlich auch Erfolg; 1736 erhielt er den Titel.
Masaaki Suzuki, der bereits mit der Gesamteinspielung der geistlichen Kantaten Bachs international für Furore sorgte, wendet sich nun mit dem Bach Collegium Japan offenbar den weltlichen Kantaten zu. Diese CD enthält Lasst uns sorgen, lasst uns wachen BWV 213 und Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! BWV 214, die beiden oben benannten Kantaten. Dem Musikfreund werden sie sehr bekannt vorkommen, denn die allermeisten Stücke daraus hat Bach recycelt – im Weihnachtsora- torium.
Wer diese beiden Kantaten mit Verstand anhört, der wird erstaunt sein über die meisterhafte Parodie. Denn im Original wird der antike Halbgott Herkules – noch minderjährig, also Alt, durch die Wollust, Sopran, in Versuchung geführt, entscheidet sich aber für die Tugend, Tenor. Und weil man für ein Sängerquartett auch einen Bass benötigt, wird diesem die Figur des Merkur zugewiesen.
Noch kurioser sind übrigens die Rollen besetzt in der Kantate für die Kurfürstin – es treten auf Bellona, die Göttin des Krieges, Sopran, Pallas Athene, Alt, die Göttin der Künste und der Wissenschaften, die Friedens- göttin Irene, Tenor, und die Göttin Fama, zuständig für den Ruhm, Bass. Aber die Musik ist grandios, und die Einspielung ist auch nicht zu verachten. Allerdings erscheint die Innigkeit, die man bei Suzukis Aufnahmen der geistlichen Kantaten so bewundert, bei den weltlichen Werken nicht ganz passend. Für das politische Dramma per musica hätte man sich mehr Schwung, mehr Jubel und mehr Theatralik gewünscht, insbesondere auch bei den Chören.
Montag, 10. Juni 2013
Bach: Cantatas; Suzuki (BIS)
Mit großem Engagement treiben alle Beteiligten die Bach-Kantaten- edition des Bach Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki bei BIS Records voran. Mittlerweile liegt Super Audio-CD Nummer 53 vor; dazu kommt CD Nummer drei mit weltlichen Kantaten. Sie enthält auch das fragmentarisch über- lieferte Quodlibet BWV 524, vom dem hier vermutet wird, es sei zu einer Hochzeit entstanden.
Suzuki musiziert stets mit einem ausgesuchten kleinen Ensemble. Den Solisten stehen einige wenige Ripienisten zur Seite. Auch Orche- ster und Continuo sind schlank besetzt. Diese Einspielung ist in ihrer exzellenten Qualität derzeit unübertroffen. Man freut sich über die Brillanz, die Intensität und die Ausdrucksstärke, mit der diese Auf- nahmen immer wieder beeindrucken. Bravi!
Suzuki musiziert stets mit einem ausgesuchten kleinen Ensemble. Den Solisten stehen einige wenige Ripienisten zur Seite. Auch Orche- ster und Continuo sind schlank besetzt. Diese Einspielung ist in ihrer exzellenten Qualität derzeit unübertroffen. Man freut sich über die Brillanz, die Intensität und die Ausdrucksstärke, mit der diese Auf- nahmen immer wieder beeindrucken. Bravi!
Freitag, 6. April 2012
Bach for Japan (BIS)
"Bei der Zusammenstellung dieser CD waren wir mit unseren Gedanken bei all jenen Menschen in Japan, die zu den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis vom 11. März 2011 gehören", schreibt Masaaki Suzuki, der künstlerische Leiter des Bach Collegiums Japan, im Beiheft zu dieser CD. Sie hat gleich zwei Ziele: Zum einen handelt es sich um eine Benefiz-CD, die erscheint, um Geld zu sammeln für das "Tohoku Help"-Netzwerk der christlichen Kirchen des vom Erdbeben schwer getroffenen Gebietes. Dieses Projekt wurde wenige Tage nach dem Erdbeben gegründet, um die Opfer der Katastrophe unterstützen.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen."
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229.
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen.
"In den vergangenen 20 Jahren haben wir mit dem Bach Collegium Japan erlebt, wie die Musik J. S. Bachs modernen Hörern Trost und Hoffnung bietet, ganz wie sie es auch im 18. Jahrhundert tat", erläu- tert Suzuki das zweite Ziel. "Angesichts der gegenwärtigen Situation haben wir uns dieser Erfahrungen erinnert und das vorliegende Album zusammengestellt - im Gedenken an die vielen Menschen, die ihr Leben verloren, und in der Hoffnung, dass die Musik denen Trost spenden möge, die schmerzliche Verluste erlitten haben, dass sie ihre Schmerzen lindere und ihnen die Kraft gebe, das Land für die nächste Generation wieder aufzubauen."
Es ist ein ruhiges Programm, Musik der Trauer, der Besinnung und der Glaubensgewissheit, vorgetragen in jener exzellenten Qualität, die man mit dem Bach Collegium Japan, seinen hervorragenden Sängern und Musikern verbindet. Die CD beginnt mit Ich steh mit einem Fuß im Grabe BWV 156. Und sie schliesst mit Bachs Motette Komm Jesu, komm BWV 229.
Diese Musik würde auch in Kirchgemeinden hierzulande und auf deutschen Friedhöfen Trauernde wunderbar trösten; es ist ein wohlüberlegtes, erstaunlich farbenreiches Programm, und ich denke, dass diese CD jeder Bestatter kennen sollte. Man kann sie ganz sicher auch an Trauernde verschenken, um Trost zu spenden - und auch wenn sich mit dem Thema in unserem Kulturkreis heutzutage wohl niemand mehr freiwillig auseinandersetzt: Leute, kauft diese CD. Sie ist wirklich phantastisch, und die Menschen in Japan können Hilfe noch immer brauchen.
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Bach: Cantatas; Suzuki (BIS)
Die Bach-Kantatenedition des Bach Collegiums Japan unter Masaaki Suzuki ist mittlerweile bei Super Audio-CD Nummer 50 angekom- men. Die Rezensentin hat in die CD 47 und 49 hineingehört, und war erneut begeistert. Hier wird wirk- lich auf dem allerletzten, absolut aktuellen Stand der Forschung fundiert musiziert. Doch dabei kom- men weder der Ausdruck noch die Andacht zu kurz. Diese Aufnahmen haben eine ganz er- staunliche Ausstrahlung, die weit über die pure musikalische Brillanz hinausgeht.
Suzuki setzt auf ein Mini-Ensemble; die Solisten werden durch einige wenige Ripienisten unterstützt, und auch das Orchester und das Con- tinuo sind außerordentlich schlank besetzt. Das hindert die Musiker aber nicht daran, beispielsweise in der Kantate Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm zum Neujahr BWV 171 eine faszinierende Klangpracht zu entwickeln. Dies ist ohne Zweifel derzeit die beste Bach-Kantateneinspielung auf dem Markt - auch wenn die Bläser nicht durchweg der reine Genuss sind. Unbedingt zu empfehlen!
Suzuki setzt auf ein Mini-Ensemble; die Solisten werden durch einige wenige Ripienisten unterstützt, und auch das Orchester und das Con- tinuo sind außerordentlich schlank besetzt. Das hindert die Musiker aber nicht daran, beispielsweise in der Kantate Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm zum Neujahr BWV 171 eine faszinierende Klangpracht zu entwickeln. Dies ist ohne Zweifel derzeit die beste Bach-Kantateneinspielung auf dem Markt - auch wenn die Bläser nicht durchweg der reine Genuss sind. Unbedingt zu empfehlen!
Donnerstag, 21. Oktober 2010
A Choral Year with Bach (BIS)
Eine musikalische Reise durch das Kirchenjahr - und zwar anhand der Eingangschöre von Bachs Kanta- ten, die das Bach Collegium Japan mittlerweile, im 20. Jahr seines Bestehens, nahezu vollständig eingespielt hat. Die Idee dazu hatte BIS-Chef Robert von Bahr, berich- tet Masaaki Suzuki, der musikali- sche Leiter dieses Ensembles, im Beiheft.
Diese CD zum Jubiläum enthält seine ganz persönliche Bach- Auslese: "Das Programm dieser CD folgt dem protestantischen Kirchenjahr und stellt eine Auswahl derjenigen Eingangschöre dar, die mich besonders stark beeindruckt haben."
Selbstverständlich beginnt die CD mit dem ersten Advent, und mit Nun komm der Heiden Heiland BWV 61/1. Sie feiert den Neujahrstag mit Singet dem Herrn ein neues Lied BWV 190/1 - einem Chor, von dem nur die Stimmen des Chores und der Violine erhalten sind. Suzuki war davon so bezaubert, dass er seinen Sohn beauftragte, den Satz zu rekonstruieren: "Ich kann nur hoffen", meint der Musiker, "dass Bach keinen Zornesstrahl auf mich herabschleudern wird!"
Es folgen Hits wie Alles nur nach Gottes Willen BWV 72/1, Mit Fried und Freud ich fahr dahin BWV 125/1 oder das berühmte Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen aus der Matthäus-Passion BWV 244/1. Nur soviel sei hier verraten: Mit Ein feste Burg ist unser Gott BWV 80/1, geschrieben für das Reformationsfest, lässt Suzuki seine Auslese noch nicht enden. Musiziert wird ohnehin grandios.
Samstag, 7. August 2010
Bach: Cantatas, Vol. 46 (BIS)
Die vier Kantaten auf dieser Super Audio-CD entstanden in der zweiten Jahreshälfte 1726. Musik- wissenschaftler haben festgestellt, dass Bach damals die Musik für die sonntäglichen Kantatenaufführun- gen nicht mehr durchweg selbst geschrieben hat, sondern auch auf Werke anderer Komponisten zurückgriff.
So erklangen vom Februar bis September 1726 nachgewiesener- maßen auch 18 Kantaten des Mei- ninger Hofkapellmeisters Johann Ludwig Bach, eines entfernten Verwandten. Ob Bach dadurch ent- lastet worden ist, so dass er sich intensiver mit eigenen Projekten beschäftigen konnte, darüber können wir heute nur spekulieren.
Erkennbar ist aber, dass sich seine Kantaten verändert haben. Ins- besondere die Eingangschöre haben an Gewicht gewonnen; und die musikalische Konzeption der Kantaten erscheint durchgängig, wie aus einem Guss. So stellt Bach die wesentlichen Themen der Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben BWV 102 schon in der instru- mentalen Einleitung vor. Der Eingangschor der Kantate Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist erweist sich als ebenso faszinierende wie eindrückliche musikalische Predigt. In Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17 lenkt Bach zunächst den Blick zum Himmel, und dann auf die Endlichkeit irdischen Strebens.
So erklangen vom Februar bis September 1726 nachgewiesener- maßen auch 18 Kantaten des Mei- ninger Hofkapellmeisters Johann Ludwig Bach, eines entfernten Verwandten. Ob Bach dadurch ent- lastet worden ist, so dass er sich intensiver mit eigenen Projekten beschäftigen konnte, darüber können wir heute nur spekulieren.
Erkennbar ist aber, dass sich seine Kantaten verändert haben. Ins- besondere die Eingangschöre haben an Gewicht gewonnen; und die musikalische Konzeption der Kantaten erscheint durchgängig, wie aus einem Guss. So stellt Bach die wesentlichen Themen der Kantate Herr, deine Augen sehen nach dem Glauben BWV 102 schon in der instru- mentalen Einleitung vor. Der Eingangschor der Kantate Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist erweist sich als ebenso faszinierende wie eindrückliche musikalische Predigt. In Wer Dank opfert, der preiset mich BWV 17 lenkt Bach zunächst den Blick zum Himmel, und dann auf die Endlichkeit irdischen Strebens.
Es erhub sich ein Streit BWV 19 zeigt den Kampf des Erzengels Michael gegen den Teufel als wilde Schlacht, ein martialisches Geschehen, begleitet von Pauken und Trompeten, die auch den Sieg dann in festlichem Glanz feiern. Der Hörer darf sich freuen, denn diese Einspielung überzeugt vom ersten bis zum letzten Ton. Sie beruht auf sorgfältigem Studium der Quellen - aber letztendlich begeistert das ausdrucksstarke Musizieren des Bach Collegiums Japan unter seinem Leiter Masaaki Suzuki.
Die Solisten Hana Blaziková (Sopran), Robin Blaze (Alto), Gerd Türk (Tenor) und Peter Kooij (Bass) singen ebenso wundervoll wie der ganze schlank besetzte Chor, in den sie nach ihren Soli jeweils wieder zurücktreten. So hat man diese Kantaten noch nicht gehört; das ist definitiv die beste Aufnahme, die derzeit erhältlich ist. Phantastisch!
Donnerstag, 11. Februar 2010
Bach Motets - Bach Collegium Japan (BIS)
"Nur eine Eisenstange könnte seiner Frische, Ernsthaftigkeit und geistigen Kraft ungerührt wider- stehen." Das schrieb die Times über Masaaki Suzuki, den Gründer und musikalischen Leiter des Bach Collegiums Japan. Und damit hat die britische Zeitung ohne Zweifel recht.
Der Spezialist für Alte Musik arbeitet seit Jahren mit seinem Ensemble an einer Gesamt- einspielung von Bachs Vokalwerk für das schwedische Label BIS Records. Diese CD enthält die fünf allgemein bekannten Motetten Bachs, und noch drei weitere Werke, um deren Authentizität bzw. Gattungszugehörigkeit Musikwissenschaftler streiten. Suzuki weiß das, aber es ficht ihn nicht an. Denn von Bach kann das japanische Ensemble offensichtlich nicht genug bekommen.
Der Spezialist für Alte Musik arbeitet seit Jahren mit seinem Ensemble an einer Gesamt- einspielung von Bachs Vokalwerk für das schwedische Label BIS Records. Diese CD enthält die fünf allgemein bekannten Motetten Bachs, und noch drei weitere Werke, um deren Authentizität bzw. Gattungszugehörigkeit Musikwissenschaftler streiten. Suzuki weiß das, aber es ficht ihn nicht an. Denn von Bach kann das japanische Ensemble offensichtlich nicht genug bekommen.
Jeder Takt, den Suzuki und seine Musiker erklingen lassen, ist theoretisch wohlfundiert. Und natürlich setzt das Bach Collegium Japan bei der Aufführung von Bachs Motetten Instrumente ein. Die Interpretation erinnert in ihrer Schwerelosigkeit und Beschwingtheit stark an die Vortragsmanier der American Bach Soloists. Auch das Bach Collegium Japan ist so schlank besetzt, dass die gesamte Einspielung eher solistisch als chorisch wirkt. Das hat Vorteile. So wird überaus reich verziert, und die Tempi erscheinen durchweg ausgesprochen mutig. Es hat aber auch Nachteile, denn es erschwert die dynamische Differenzierung. Es fehlt der Wechsel zwischen Solisten und Tutti, und das nimmt der Doppelchörigkeit an manchen Stellen schon etwas von ihrem Reiz.
Unterm Strich jedoch ist diese CD ausgesprochen hörenswert; das Bach Collegium Japan ist ohne Zweifel ein erstklassiges Ensemble, und die (Barock-)Sänger sind ohne Einschränkungen exzellent.
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