Jeder Gitarrenschüler kennt Musik von Fernando Sor (1778 bis 1839). Der Virtuose hat seinerzeit, offenbar mit resigniertem Blick auf den Markt, zahlreiche ultra-leichte Stücke geschrieben. Mit dieser CD bricht der renommierte Gitarrist Frank Bungar- ten eine Lanzen für den anderen Teil dieser stets wohlklingenden Werke – die Gitarrenmusik, die man wirklich üben muss.
Man stellt verwundert fest, dass es sich auch hier um Etüden handelt. Mit den üblichen Übungsstücken, an denen Musiker technische Abläufe oder aber ihre Geläufigkeit schulen – und die des öfteren auch ziemlich langweilig klingen – haben diese Werke nichts gemein. Man höre nur die Flageolett-Etüde, die einen vollständigen Liedsatz in die Obertöne verlegt. Doch auch die „kleinen“ Etüden aus op. 6 wirken keineswegs trivial.
Aus 97 Etüden, die in fünf Bänden erschienen sind, hat Bungarten seine persönlichen Favoriten ausgewählt und daraus ein anspruchsvolles Konzertprogramm zusammengestellt. „Tiefer Vertraute erkennen in den Etüden grundweg die Essenz der charakteristischen, eigenständigen Tonsprache des Fernando Sor“, schreibt der Gitarrist im Beiheft zu dieser CD: „Das verfeinerte Ausdrucksspektrum seiner Vorhaltsharmonik. Den Nachklang opernhafter Dramatik neben den zarten, verwehten Miniatu- ren. Die heroische In-die-Welt-hinaus-Gebärde des Napoleonanhängers und die elegische Melodik seiner russischen Lebensphase. Die Momente unschuldiger Anmut oder beinahe Schubertscher Gebrochenheit.“
Und all das findet sich auch im Spiel des Gitarristen wieder. Bungarten musiziert großartig. Jede Phrase ist mit Sorgfalt gestaltet, jede Stimme liebevoll herausgearbeitet – das ist Sor mit Noblesse, man freut sich über jedes Stück und jede einzelne Minute. Bravo! Und gern mehr davon.
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Sonntag, 14. Dezember 2014
Donnerstag, 31. Januar 2013
The Art of Ida Presti (Idis)
Ida Presti - eigentlich hieß sie Ida Yvette Montagnon - (1924 bis 1967) war eine legendäre Gitarri- stin. Sie stammte aus Frankreich, und erhielt den ersten Unterricht auf diesem Instrument bereits im Vorschulalter. Ihr Vater war ihr Mentor und ihr Lehrer, bis er 1938 starb. Sie soll auch durch Mario Maccaferri unterrichtet worden sein. Ihr offizielles Debüt gab Ida Presti 1934 - und wurde dafür euphorisch gefeiert; die Presse pries sie als "weiblichen Mozart". In den 50er Jahren gab sie ihre Solokarriere auf, und bildete statt dessen gemeinsam mit ihrem Ehemann Alexandre Lagoya das erste Gitarrenduo von Weltruf. Leider starb sie viel zu früh am Lungen- krebs.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Auf dieser CD ist Ida Presti mit Studioaufnahmen zu hören, die sie in den Jahren 1938 bis 1956 eingespielt hat. Es erklingen Werke von Robert de Visée, Johann Sebastian Bach und Niccolò Paganini, aber auch beispielsweise von Isaac Albéniz, Fedrico Moreno Torrobo, Fernando Sor, Heitor Villa-Lobos oder Emilio Pujol. Die Technik der Gitarristin erweist sich als überragend, und die Auswahl sowie die Gestaltung der eingespielten Werke lässt auf einen ausgeprägten Sinn für Qualität schließen. Dieses Wunderkind ist nicht verglüht wie so manche andere Sternschnuppe, die nur kurz am Musikerhimmel zu bewundern ist. Presti trotzte den widrigen Zeitumständen, und beeindruckt uns noch heute durch ihr meisterhaftes Gitarrenspiel.
Dienstag, 10. Juli 2012
Anabel Montesinos (Naxos)
Anabel Montesinos gehört ohne Zweifel zu den besten Gitarren- virtuosen der jungen Generation. Sie begann ihre musikalische Aus- bildung im Alter von fünf Jahren, und widmet sich seit ihrem sechsten Lebensjahr der Gitarre. Mit zwölf hat Montesinos auf Mallorca ihr erstes Solokonzert gespielt. Übermütig ist sie durch diese Wunderkind-Karriere nicht geworden, wie man sieht. Die Musikerin, Jahrgang 1984, hat an den Conservatorios Superiores de Música in Tarragona und in Alicante studiert, und mittlerweile eine Vielzahl von Wettbewerben gewonnen, darunter den renommierte Francisco Tárrega Gitarrenwettbewerb 2002 und den Michele Pitta- luga Wettbewerb in Alessandria 2010. Und sie hat Konzerterfahrung gesammelt; so musizierte sie gemeinsam mit Pac de Lucia im schwedischen Uppsala. Auf dieser CD präsentiert sie sich - wie sollte es anders sein - mit Gitarrenmusik aus Spanien von Fernando Sor über Enrique Granados, dessen Werke sie in eigenen Arrangements vorstellt, bis hin zu Joaquín Rodrigo. Die Stimmung der Musik ist zumeist elegisch bis melancholisch. Doch die Brillanz, mit der Montesinos hier musiziert, sorgt beim Zuhörer für gute Laune. Um die spanische Gitarrentradition jedenfalls muss man nicht bangen.
Mittwoch, 28. Dezember 2011
Le Calme. Fernando Sor late works (Linn)
Die Werke von Fernando Sor (1778 bis 1839) seien schon oft und auch sehr gut eingespielt worden, meint William Carter. Warum der Gitar- rist den Aufnahmen eines Andrés Segovia oder Julian Bream dennoch eine weitere hinzufügt? "The answer comes down to a simple question of 'fingernails'", sagt Carter.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
Eine Handvoll Virtuosen bewirkte seinerzeit den Einzug der Gitarre in die Salons und Konzertsäle - dazu gehörten neben Sor unter anderem sein Freund Dionisio Aguado, Mauro Giuliani, Matteo Carcassi und Ferdinando Carulli. An die Stelle der fünfchörigen Barockgitarre, die zehn Saiten hatte, trat die moderne Konzertgitarre mit sechs Saiten. Auch die Spielweise veränderte sich, und das führte zu damals einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Anschlags mit den Fingerkuppen und jenen Virtuosen, die dafür die Fingernägel nutzten.
Auch Segovia und Bream spielen, wie heute üblich, mit den Nägeln - doch Sor lehnte dies seinerzeit ab. Diese andere Art des Anschlags aber bringt auch einen veränderten Klang mit sich, erläutert Carter: "The sound is softer but perhaps more vocal in quality. While each of these methods of playing can give wonderful results (this is my opinion, anyway) they are very different in their basic sound and Sor was a fingertip player." Sor selber schrieb dazu, dass der Klang einer Gitarre, die mit den Nägeln gespielt wird, sich von seinem unterscheide wie ein Cembalo vom Pianoforte.
Um diese Spielweise nachzuvollziehen, ließ sich Carter von dem Gitarrenbauer Tony Johnson eigens ein Instrument bauen, dass sechs Saiten hat, aber wesentlich weicher zu spielen ist, als wir das heute gewohnt sind. "It has the range of colour and dept of bass wich I associate with the guitar (as opposed to a lute) but speaks easily when plucked with bare fingers", schwärmt der Gitarrist.
Der Zuhörer, der ihn spielen hört, wird davon begeistert sein, denn sein Klang ist in der Tat wundervoll, er ist wandlungsfähig und farbenreich. Carter ist ein exzellenter Gitarrist; man spürt jedoch zugleich, dass er nicht einfach Stücke abspielt. Er stellt vielmehr jedes dieser Werke in einen musikhistorischen Kontext. Erstaunt stellt man fest, wie stark die Musik Sors in deutlich älterem Kontext verwurzelt ist. Diese CD ist ein Erlebnis - so wünscht man sich die Auseinander- setzung mit den Klassikern der Gitarre.
Sonntag, 14. August 2011
Irina Kulikova - Guitar Recital (Naxos)
Die junge Gitarristin Irina Kulikova hat bereits eine Vielzahl von Prei- sen gewonnen. Sie stammt aus dem russischen Tscheljabinsk und wuchs mit Musik auf, denn ihre Mutter ist Cellistin. Sie hat sich auch um die ersten Schritte in der Ausbildung ihrer Tochter geküm- mert.
Kulikova hat dann bei Viktor Kos- low und Alexander Wolgusnow, an der Moskauer Gnessin-Akademie, bei Carlo Marchione in Maastricht, bei Marco Tamayo am Mozarteum in Salzburg und bei vielen anderen namhaften Lehrern gelernt. Die Musikerin konzertiert seit ihrem zwölften Lebensjahr. Mittlerweile dürfte sie in sämtlichen bedeutenden Konzertsälen im Osten wie im Westen gespielt haben; seit 2007 lebt die Gitarristin in Den Haag.
In der Preisträger-Serie bei Naxos hat Kulikova nun schon zum zwei- ten Male eine CD veröffentlicht. Das Programm, das sie als Gewinnerin des Alhambra-Gitarrenwettbewerbs 2008 eingespielt hat, ist an- spruchsvoll und abwechslungsreich. Die Gitarristin beginnt mit einer eigenen Bearbeitung der von Gitarristen oft und gern gespielten Cello-Suite Nr. 1 BWV 1007 von Johann Sebastian Bach. Anschließend arbeitet sie sich schrittweise an die Moderne heran - mit der Fantaisie op. 30 von Fernando Sor, der Gitarrensonate in D-Dur op. 77 "Omaggio a Boccherini" von Mario Castelnuovo-Tedesco und der California Suite von José María Gallardo del Rey. Zum Abschluss, als besondere Referenz an die Veranstalter des Wettbewerbs, folgt Recuerdos de la Alhambra von Francisco Tárrega.
Dieses Programm gibt Kulikova nicht nur die Gelegenheit, ihre über- legene Technik zu demonstrieren. Auch ihre Ausdrucksstärke und ihre Fähigkeit, in ihrem Spiel den musikalischen Charakter jedes einzelnen Stückes ganz entschieden herauszustellen, kommen so bestens zur Geltung. Eine beeindruckende Gitarren-CD, die ich nur empfehlen kann.
Kulikova hat dann bei Viktor Kos- low und Alexander Wolgusnow, an der Moskauer Gnessin-Akademie, bei Carlo Marchione in Maastricht, bei Marco Tamayo am Mozarteum in Salzburg und bei vielen anderen namhaften Lehrern gelernt. Die Musikerin konzertiert seit ihrem zwölften Lebensjahr. Mittlerweile dürfte sie in sämtlichen bedeutenden Konzertsälen im Osten wie im Westen gespielt haben; seit 2007 lebt die Gitarristin in Den Haag.
In der Preisträger-Serie bei Naxos hat Kulikova nun schon zum zwei- ten Male eine CD veröffentlicht. Das Programm, das sie als Gewinnerin des Alhambra-Gitarrenwettbewerbs 2008 eingespielt hat, ist an- spruchsvoll und abwechslungsreich. Die Gitarristin beginnt mit einer eigenen Bearbeitung der von Gitarristen oft und gern gespielten Cello-Suite Nr. 1 BWV 1007 von Johann Sebastian Bach. Anschließend arbeitet sie sich schrittweise an die Moderne heran - mit der Fantaisie op. 30 von Fernando Sor, der Gitarrensonate in D-Dur op. 77 "Omaggio a Boccherini" von Mario Castelnuovo-Tedesco und der California Suite von José María Gallardo del Rey. Zum Abschluss, als besondere Referenz an die Veranstalter des Wettbewerbs, folgt Recuerdos de la Alhambra von Francisco Tárrega.
Dieses Programm gibt Kulikova nicht nur die Gelegenheit, ihre über- legene Technik zu demonstrieren. Auch ihre Ausdrucksstärke und ihre Fähigkeit, in ihrem Spiel den musikalischen Charakter jedes einzelnen Stückes ganz entschieden herauszustellen, kommen so bestens zur Geltung. Eine beeindruckende Gitarren-CD, die ich nur empfehlen kann.
Sonntag, 13. März 2011
Adriano del Sal - Guitar Recital (Naxos)
Einer der derzeit besten jungen Gitarristen hat bei Naxos seiner erste CD eingespielt: Adriano Del Sal, ausgebildet von Stefano Viola und Paolo Pegoraro an der Fran- cisco Tárrega Accademia in Porde- none und am J. Tomadini Konser- vatorium in Udine, besuchte zu- sätzlich Meisterklassen bei bedeu- tenden Solisten, wie David Russell, Manuel Barrueco, Stefano Grondo- na, Angelo Giardino, Alberto Ponce und Carlo Marchione.
Del Sal hat bereits zwölf wichtige Wettbewerbe gewonnen, so den Julián Arcas Wettbewerb in Almería, den Michele Pittaluga Wettbewerb in Alessandria und den Francisco Tárrega Wettbewerb im spanischen Benecasim. Er erhielt zudem den Preis La chitarra d’oro als weltweit bester Nachwuchsgitarrist.
Del Sal spielt eine Konzertgitarre des deutschen Gitarrenbauers Matthias Dammann, Neuhaus am Inn. Dieses Instrument klingt wirklich exzellent, wie diese CD zeigt, die in erster Linie Virtuosen- literatur von Francisco Tárrega, Fernando Sor, Federico Moreno Torroba und Joaquín Rodrigo enthält. Zum Schluss, und als beson- deres Bonbon gibt's Filmmusik aus The Mission - Gabriel's Oboe von Ennio Morricone in einem Arrangement für die Konzertgitarre. Adriano Del Sal beeindruckt mit einer herausragenden Technik, die keinerlei Schwierigkeiten zu kennen scheint. Wer klassische Gitar- renmusik liebt, der sollte sich diesen Namen merken.
Del Sal hat bereits zwölf wichtige Wettbewerbe gewonnen, so den Julián Arcas Wettbewerb in Almería, den Michele Pittaluga Wettbewerb in Alessandria und den Francisco Tárrega Wettbewerb im spanischen Benecasim. Er erhielt zudem den Preis La chitarra d’oro als weltweit bester Nachwuchsgitarrist.
Del Sal spielt eine Konzertgitarre des deutschen Gitarrenbauers Matthias Dammann, Neuhaus am Inn. Dieses Instrument klingt wirklich exzellent, wie diese CD zeigt, die in erster Linie Virtuosen- literatur von Francisco Tárrega, Fernando Sor, Federico Moreno Torroba und Joaquín Rodrigo enthält. Zum Schluss, und als beson- deres Bonbon gibt's Filmmusik aus The Mission - Gabriel's Oboe von Ennio Morricone in einem Arrangement für die Konzertgitarre. Adriano Del Sal beeindruckt mit einer herausragenden Technik, die keinerlei Schwierigkeiten zu kennen scheint. Wer klassische Gitar- renmusik liebt, der sollte sich diesen Namen merken.
Samstag, 10. Juli 2010
The Czar's Guitars - Souvenirs of Russia (Dorian)
"Die Gitarren des Zaren" - so nennen sich Oleg Timofejew und John Schneiderman. Die beiden Musiker haben sich zusammen- getan, um die russische Gitarren- tradition zu pflegen. Dabei spielen sie sowohl "westliche" als auch russische zeitgenössische Instru- mente.
Die russische Gitarre, im Westen wenig bekannt, ist kleiner als ihre spanische Schwester und hat sieben Saiten. Sie klingt zudem weicher und sanfter. Die Musik, die Timofejew und Schneiderman für diese CD ausgewählt haben, ist zwar virtuos, aber auch volkstümlich. Das beginnt schon bei dem Gitarren- duett Souvenir de Russie op. 63 des Spaniers Fernando Sor. Er lebte drei Jahre lang in Russland - aber was der berühmte Gitarrist während dieser Zeit getan hat, verbleibt im Nebel der Geschichte. Wir wissen nur, dass er seine Frau Fèlicitè Hullen begleitete, die als Primaballerina in Moskau tanzte.
Die beiden Themen von Souvenir de Russie sind bekannte russische Volkslieder, die auch andere damals gerne in Variationen verwende- ten. Doch bevor solche Werke von Wladimir Morkow, Michael Glinka und etlichen anderen erklingen, beginnt die CD mit der früheren russischen Nationalhymne, und zwar in Solo-Variationen von Pietro Pettoletti. Ähnlich patriotisch schließt das Opus - nämlich mit einem Lied, das zuvor die Nationalhymne war, und auf der Melodie von God Save the Queen basierte. Es wurde 1833 durch die Hymne von Alexej Fjodorowitsch Lwow abgelöst, die dann bis 1917 im Gebrauch war.
Und auch sonst gab es einen erstaunlich regen Austausch zwischen dem Zarenreich und dem "Westen", wie das Beiheft sehr ausführlich am jeweiligen Beispiel zeigt. Verzichtet man auf die Theorie, und hört nur die Musik, so werden ebenfalls zahlreiche Querverbindungen hörbar. Ansonsten hält sich der musikalische Aha-Effekt in Grenzen; ebenso wie das Niveau der meisten Kompositionen.
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