Posts mit dem Label Sieber werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sieber werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 24. Juni 2015

Accademia dell'Arcadia - Roma 1710 (Tyxart)

Sabrina Frey spielt Blockflötenmusik aus Rom, entstanden um 1700. Wer sich mit dem Leben in der heiligen Stadt zu dieser Zeit beschäftigt, der wird feststellen, dass es stark durch den Kirchenstaat geprägt wurde. So reformierte Papst Innozenz XII. nicht nur die Kurie, er verbot 1698 auch Theater- und Opernaufführungen. Sein Nachfolger Clemens XI. behielt dieses Verbot bei; es wurde erst 1710 wieder aufgehoben. 
Die „geheimen Nischen“ von der Sabrina Frey so fasziniert im Beiheft zu dieser CD berichtet, waren allerdings nicht erforderlich, um Instrumentalmusik aufzuführen. Und wenn sie Opern hören wollten, reisten die Begüterten nach Neapel, nach Venedig, nach Florenz – oder aber einfach auf ihre Landgüter. Literarische Gesellschaften wie die Accademia dell'Arcadia, 1690 gegründet, waren damals in Europa modern. Die Fruchtbringende Gesellschaft, 1617 in Weimar ins Leben gerufen, hatte immerhin 890 Mitglieder; sie war die älteste deutsche Sprachakademie und hatte bis 1680 Bestand. Die Nürnberger Pegnitzschäfer, 1644 gegründet, gibt es sogar heute noch. Auch die Begeisterung fürs ländliche Ambiente war weit verbreitet. Selbst in Versailles schwärmte die höfische Gesellschaft für das Landleben, als nette Deko, und veranstaltete Schäferspiele. 
Dennoch darf sich der Zuhörer darüber freuen, dass die römischen Arkadier zum Emblem ihres Bundes eine Flöte wählten. Denn Frey fühlte sich dadurch inspiriert, nach Musikstücken von „Pastori Arcadia“ für dieses Instrument zu suchen. Sie hat eine Menge interessante Werke gefunden – die von Giovanni Battista Bononcini und Giuseppe Valentini erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Ausgewählt hat die Flötistin zudem Musik von Arcangelo Corelli (Arkadiername: „Arcomelo Erimanteo“), Alessandro Scarlatti („Terpandro Politeio“) und Benedetto Marcello („Driante Sacreo“). Ignazio Sieber (1680 bis 1757), Oboist und wie Antonio Vivaldi Lehrer am Ospedale della Pietà inVenedig, war mit Georg Friedrich Händel befreundet. Er spielte die Oboenpartien bei Aufführungen von Händels Oratorien in Rom und  soll als Gast an Veranstaltungen der Accademia dell'Arcadia teilgenommen haben. 
Musiziert wird gekonnt. Die Blockflötistin konnte für diese Aufnahme erstklassige Mitstreiter gewinnen. Die Violinisten Fiorenza de Donatis und Andrea Rognoni sowie Cellist Marco Frezzato sind Konzertmeister und Stimmführer bekannter Originalklang-Ensembles. Besonderen Wert legte Sabrina Frey auf eine abwechslungsreiche Gestaltung des Basso continuo. Entsprechend üppig ist die Continuo-Gruppe besetzt: Cembalo und Truhenorgel spielt Philippe Grisvard. Vincent Flückiger bereichert mit Theorbe und Barockgitarre das Klangbild, und Bret Simner am Violone gibt dem Continuo das Fundament. An der Orgel zu hören ist zudem Naoki Kitaya. Entstanden sind so farbenfrohe und vielschichtige Interpretatio- nen, getragen von barocker Spielfreude. 

Mittwoch, 29. Februar 2012

Schumann: Cello Concerto in A minor; Klöckner (Genuin)

Diese CD bietet gleich zwei außer- ordentlich spannende Versionen von Schumanns berühmtem Cellokonzert. Da wäre zum einen eine Bearbeitung für Solocello und Streichorchester von Florian Vygen und Alexander Kahl. Darauf folgt dann gleich noch ein weiteres Arrangement - für vier Celli. Es stammt von Richard Klemm (1902 bis 1988), Cellist in der Staatska- pelle und ab 1958 Professor an der Musikhochschule in Berlin. Er be- arbeitete etliche bekannte Werke für vier Celli, in erster Linie für Unterrichtszwecke. Denn die Schüler sollten das jeweilige Konzert bestmöglich kennenlernen, um schließ- lich den Solopart des Originals souverän und homogen gestalten zu können. 
Solist Benedict Klöckner, Jahrgang 1989 und Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist ein Schüler von Professor Martin Ostertag, Karlsruhe, und studiert seit Oktober 2009 an der Kronberg Academy bei Professor Frans Helmerson. Bei dieser Aufnahme ist er von renommierten Kollegen umgeben. So musizieren im Quartett gemeinsam mit ihm Leander Kippenberg, Lukas Sieber und Michael Preuß, die früheren Solocellisten der Deutschen Streicherphilharmo- nie. 
Dieses Elite-Ensemble, in dem die besten Schüler von deutschen Musikschulen im Alter von elf bis 19 Jahren musizieren, ist auch bei der ersten Version des Schumann-Cellokonzertes zu hören. Es wird seit 2003 von Michael Sanderling geleitet, der viele Jahre lang als Violoncellosolist erfolgreich war, in Frankfurt/Main Cello-Studenten unterrichtet, und sich in den letzten Jahren zunehmend aufs Diri- gieren verlegt hat. 
Die Deutsche Streicherphilharmonie gestaltet gemeinsam mit Bene- dict Klöckner die klangschönste Aufnahme des Schumann-Cello- konzertes, die ich kenne. Mit einem derart noblen, singenden Ton war das Werk noch nie zu hören. Das "Concertstück" hat allerdings auch dramatische Passagen - und dort gerät diese Werkauffassung an ihre Grenzen. 
Die Quartett-Version begeistert durch ihre kammermusikalische Transparenz und eine breite Palette an Klangfarben, die von den vier Cellisten sehr gezielt eingesetzt werden. Technische Probleme haben die jungen Musiker ohnehin an keiner Stelle. Wenn das die Profis von morgen sind, dann ist einem um die Zukunft der klassischen Musik hierzulande nicht bange.