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Mittwoch, 26. Januar 2022

Couperin: Werke für Cembalo (Tyxart)


 Tilman Skowroneck hat für Tyxart drei Cembalo-Suiten – Ordres – aus dem ersten und zweiten Buch der Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 bis 1733) eingespielt. Vorangestellt hat er ihnen jeweils das zugehörige Prélude aus L'Art de Toucher le Clavecin. Der Cembalist beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Musik des französischen Komponisten, der seinerzeit die Tänze häufig nutzte, um Ideen oder Persönlichkeiten mit musikalischen Mitteln zu charakterisieren. 

An seine erste Begegnung mit diesen Stücken kann sich Tilman Skowroneck noch heute erinnern: „Couperins Cembalomusik kam in den späten Sechzigerjahren in meine Welt, als meine Eltern die Aufnahme […] von Alan Curtis zu Weihnachten geschenkt bekamen. Meine Ohren waren an einige der einfacheren Stücke von Bachs Klavierbüchlein und an ein paar Anfängerstücke für Virginal gewöhnt, und Couperins Welt schien mir skurril und voll von geheimnisvollen Bildern.“ 

Mit dieser Aufnahme gelingt es Skowroneck, diese Faszination auch dem Hörer zu vermitteln. Er spielt dabei übrigens ein zweimanualiges Instrument, das sein Vater Martin Skowroneck 1981 nach französischen Vorbildern des 18. Jahrhunderts gebaut hat.  

Sonntag, 5. September 2021

Melodies - 17 Original Horn Themes (Tyxart)

 

Eine Kollektion traumschöner Horn-Melodien präsentieren Hervé Joulain und seine Klavierpartnerin Ariane Jacob auf dieser CD. 

Der Hornist berückt dabei mit seinem samtweichen, wandelbaren und faszinierend farbenreichen Ton. Zu hören sind bekannte und weniger populäre Horn-Soli, unter anderem von Richard Strauss und seinem Vater, dem Hornisten Franz Strauss, Luigi Cherubini, Leonard Bernstein, Jean-Michel Damase, Reinhold Glière, Alexander Glasunow, Vincent d’Indy oder Maurice Ravel. 

Mitunter staunt man beim Anhören, doch ein Blick in das höchst informative Beiheft macht schnell deutlich, dass es sich tatsächlich um 17 originale Horn-Themen handelt. Die perfekte Musik für einen sonnigen Spätsommer-Nachmittag, zu genießen mit einem Seitenblick auf die ersten gilbenden Blätter. 

Samstag, 16. Januar 2021

Masterpieces Among Peers (Tyxart)


 Zwei Spätwerke kombiniert das Namirovsky-Lark-Pae Trio auf diesem Album: Es erklingen die überarbeitete Version des Klaviertrios Nr. 1 op. 8 von Johannes Brahms (1833 bis 1897) und das Klaviertrio Nr. 2, H. 178 von Frank Bridge (1879 bis 1941). 

Diese Zusammenstellung „mag auf den ersten Blick als eine seltsame Wahl erscheinen“, räumt Misha Namirovsky ein. Doch das Anliegen des Pianisten ist es, gemeinsam mit Tessa Lark, Violine, und Deborah Pae, Violoncello, sowohl das Publikum als auch die Musikerkollegen auf Bridges Komposition aufmerksam zu machen. 

Deshalb stellt das Ensemble bei seinem CD-Debüt sein Klaviertrio neben Brahms‘ beliebtes und bekanntes Werk. Die Aufnahme vermag in jeder Hinsicht zu überzeugen. 


Sonntag, 27. Dezember 2020

Die Späth-Orgel in St. Oswald Regensburg (Tyxart)


 Am 27. Dezember 1750, „mit Musiken von Trp. Und Pauken“, wurde die Orgel der Regensburger Oswaldkirche eingeweiht. Erbaut wurde dieses Instrument von dem ortsansässigen Frantz Jacob Späth (1714 bis 1786). Berühmtheit erlangte der experimentierfreudige Meister allerdings als Erfinder des Tangentenflügels. 

Die Orgel in der Oswaldkirche hat Frantz Jacob Späth gemeinsam mit Johann Andreas Stein errichtet. Dieser hatte das Handwerk bei Johann Andreas Silbermann in Straßburg erlernt, und nach seiner Tätigkeit bei Späth ließ er sich schließlich in Augsburg als Orgel- und Klavierbauer nieder. In seiner Bewerbung dort führte er an, er habe „in Regensburg in der großen schönen Orgel von St. Oswald das ganze Pfeiffwercke, als das Wesen einer Orgel, von meiner eigenen Handt verfertiget und intonieret.“ 

Glücklicherweise blieb das Instrument über Jahrhunderte unverändert; eine Erweiterung durch Paul Ott aus dem Jahre 1954 wurde in den Jahren 1986 bis 1991 durch die Bonner Orgelbaufirma Klais im Zuge einer umfassenden Restaurierung wieder rückgängig gemacht. So präsentiert sich die Späth-Orgel heute wieder im exzellenten und ursprünglichen Zustand. 

Roman Emilius, Stadt- und Dekanatskantor in Regensburg, stellt auf dieser CD das Instrument vor, das durch einzigartige Klangfarben begeistert. In bester süddeutscher Tradition, wirkt diese Orgel ausgesprochen charaktervoll und ausdrucksstark. Und mit seinem geschickt zusammengestellten Programm bringt Roman Emilius die Vorzüge des Instrumentes hervorragend zur Geltung. Für Kenner und Liebhaber bietet seine Werkauswahl zudem auch einige spezielle Höhepunkte. Humor und Orgel – eine Kombination, die ich nur empfehlen kann. 


Dienstag, 10. Dezember 2019

Regina Coeli (Tyxart)

Kirchenmusik erklang in der Regensburger Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle bereits im Mittelalter. So gab es dort jahrhundertelang einen Knabenchor. Und im 19. Jahrhundert engagierten sich einige der Stiftskanoniker für die Wiederentdeckung lang vergessener Musik, von der Gregorianik bis zu Palestrina und seinen Zeitgenossen. Diese kirchenmusikalische Reformbewegung, der sogenannte Cäcilianismus, pflegte vor allem auch den A-cappella-Gesang. 
In Regensburg entwickelte sich damals eine ganz eigene Tradition der Vokalpolyphonie; sogar im Dom begann man wieder, a cappella zu singen. 
Dort sind die Regensburger Domspatzen ansässig, bei denen Josef Kohlhäufl einst nach dem Studium seine Musikerlaufbahn begann. Er wirkte von 1984 bis 2011 als Stiftskapellmeister an der Basilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. Und er leitete etliche Chöre, so den Regensburger Motettenchor, Choralschola und Männerchor ehemaliger Regensburger Domspatzen sowie die von ihm gegründeten (semiprofessionellen) Regensburger Vokalsolisten. 
Kohlhäufl engagierte sich stark für die Weitergabe des musikalischen Erbes und die Traditionspflege, wie diese CD zeigt. Zu hören sind „seine“ Ensembles mit Werken von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 bis 1594), Francesco Suriano (1549 bis 1621) und Gregor Aichinger (1564 bis 1628). Außerdem erklingen Kompositionen von Michael Haller (1840 bis 1915), der als „Palestrina des 19. Jahrhunderts“ gilt. Musikhistorisch ist diese Produktion sehr interessant. 

Dienstag, 22. Oktober 2019

Favorites (Tyxart)

Georg Philipp Telemann war nicht nur als Komponist sehr kreativ. Auch als Geschäftsmann war er recht erfolgreich. So bot er regelmäßig seine Werke jedem Interessenten zur Subskription an: Musikverlag im Abonnement. Wie man aus den Subskriptionslisten erfahren kann, nutzten dieses Angebot musikalisch gebildete Laien ebenso gerne wie Telemanns Kollegen. Mit vielen von ihnen stand der Musiker ohnehin in regem Austausch. 
Mit ihrer neuen CD bei Tyxart gibt Tabea Debus Einblick in das Netzwerk, das Telemann seinerzeit pflegte. Für diese Einspielung kombinierte sie daher Werke Telemanns und seiner Zeitgenossen. Die junge Blockflötistin greift dabei nicht nur auf originale Werke des Komponisten für das Instrument zurück, sondern stellt auch eigene Arrangements nach Werken von Bach, Händel, Blavet und Telemann vor. Engagiert begleiten sie bei diesem Spaziergang durch die Musikgeschichte Claudia Norz und Henry Tong, Violine, Jordan Bowron, Viola, Jonathan Rees, Violoncello und Viola da gamba sowie Tom Forster, Cembalo. Sehr gelungen! 

Montag, 11. März 2019

Felix Draeseke (Tyxart)

Aus dem Blick geratenen Komponi- sten, vom Barock bis zur Moderne, wendet sich die Joachim-Wollenweber-Edition zu. Ihr Ziel ist es, vergessene Meisterwerke wieder zugänglich und zugleich das Publikum auf diese musikalischen Juwelen aufmerksam zu machen. Deshalb werden zum einen in Zusammen- arbeit mit Interpreten von Rang und Musikwissenschaftlern neue Noten- ausgaben erarbeitet. Zum anderen entstehen CD-Aufnahmen, oft in Co-Produktion mit Rundfunkanstalten, die bei TYXart veröffentlicht werden. 
Eröffnet wurde diese Reihe durch ein Album mit Klavierquartett und Klavierquintett von Hermann Gustav Goetz (1840 bis 1876). Er stammte aus aus Königsberg in Ostpreußen, und studierte dann in Berlin am Stern'schen Konservatorium, unter anderem bei Hans von Bülow und Julius Stern. Nachdem Goetz sein Examen mit Bravour bestanden hatte, vermittelte ihm Carl Reinecke 1863 eine Anstellung als Organist der Stadtkirche in Winterthur in der Schweiz. 
Wenige Tage vor seinem 36. Geburtstag starb der Komponist an Tuber- kulose. Vollenden konnte er zwei Sinfonien, die Frühlingsouvertüre, zwei Klavierkonzerte und ein Violinkonzert; er schrieb zudem Klavier- und Kammermusik sowie einige Vokalwerke. Erfolgreich war insbesondere Goetz' Oper Der Widerspenstigen Zähmung, uraufgeführt 1874 in Mannheim. 
Seine Musik erscheint zunächst vergleichsweise unspektakulär – doch in diesem Falle lohnt es sich, genauer hinzuschauen und nachzuhören. Denn Goetz hat zwischen den musikalischen Strömungen jener Zeit einen ganz eigenen Weg und auch einen sehr eigenen Klang gefunden. Das Klavier- quartett E-Dur, entstanden im Herbst 1867, Brahms gewidmet, gilt als Meisterstück des Komponisten. 
Mit dem Klavierquintett in c-Moll , düster und bestürzend, schuf Goetz sich wohl ein Requiem: „Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide“, schrieb der Komponist 1874 als Motto über die Musik. Oliver Triendl, Klavier, Marina Chiche, Violine, Peijun Xu, Viola, Niklas Schmidt, Violoncello und Matthias Beltinger, Kontrabass, stellen die beiden gehaltvollen Werke vor. 
Die zweite und die siebente CD dieser Kammermusik-Edition präsentieren Musik des österreichischen Komponisten Robert Fuchs (1847 bis 1927). Er war ein Schüler von Anton Bruckner, und wirkte von 1875 bis 1912 als Professor für Theorie am Wiener Konservatorium, wo von Leo Fall über Jean Sibelius bis Richard Strauss zahlreiche bekannte Komponisten zu seinen Schülern gehörten. Máté Sczücs, Viola, Noah Bendix-Balglay, Violine und Oliver Triendl, Klavier, widmen sich Fuchs' Schaffen für die Bratsche; auf der anderen CD stellt Triendl gemeinsam mit dem exquisiten Cellisten Martin Ostertag Fuchs' überaus elegante Musik für Violoncello vor. 
Die dritte CD der Reihe fasst für Kammermusikgenießer exemplarisch Sonaten für Bratsche und Klavier mit vergessenen, aber umso interessanteren Werken von Friedrich Kiel (1821 bis 1885), Carl Reinecke (1824 bis 1910) und Heinrich XXIV. Prinz Reuß (1855 bis 1910) zusammen, in ausdrucksvollen Interpretationen. Es musizieren Anna Kreetta Gribajcevic und Oliver Triendl. 
CD Nummer vier gilt einem Komponisten der Spätromantik: Philipp Scharwenka (1847 bis 1917), einst hoch angesehen; heute nur noch Liebhabern ein Begriff. Natalia Prishepenko und Oliver Triendl präsentieren hier durchaus bedeutende Werke für Geige und Klavier. 
Auch bei Felix Draeseke (1835 bis 1913) fragt man sich, wie derart faszinierende Musik denn in Vergessenheit geraten kann. Die sechste CD der Reihe enthält sein Hornquintett, dazu eine Klarinettensonate und mit der Romanze in F-Dur sowie dem Adagio in a-Moll zwei ebenfalls sehr beachtliche Werke für Horn und Klavier. Es musizieren Pascal Moraguès, Klarinette, Hervé Joulain, Horn, Lisa Schatzman, Violine, Marie Chilemme, Viola, David Pia, Violoncello und Oliver Triendl, Klavier. 
Die fünfte CD widmet sich vier böhmischen Komponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Antonín Kammel, Florian Leopold Gassmann, Franz Koczwara und Anton Zimmermann. Bei den Werken handelt es sich zum Großteil um Ersteinspielungen, hervorragend interpretiert vom Sojka Streichquartett aus Pilsen/Tschechien. 
Die achte und bislang letzte erschienene CD dieser Kammermusik-Reihe ist dem venezianischen Komponisten Sandro Blumenthal (1874 bis 1919) gewidmet. Nach einem verheißungsvollen Beginn als Komponist ernster Musik wandte sich dieser dem Kabarett zu und wurde zu einem bedeutenden Liederkomponisten und -sänger der Kleinkunstbühnen. Auf dieser CD erklingen einige seiner Frühwerke – Klavierlieder und Streichquintette. Zu hören sind Sophie Klußmann, Sopran, Oliver Triendl, Klavier, Daniel Giglberger und Hélène Maréchaux, Violine, Corina Golomoz, Viola, Bridget MacRae, Violoncello. 

Sonntag, 16. Dezember 2018

Haas: Christnacht (Tyxart)

Was tun, wenn die Weihnachtszeit naht, und der örtliche Chor zwar engagiert, aber nicht brillant singt? Die bekannten Großwerke, wie Bachs Weihnachtsoratorium, sollte man in diesem Falle besser meiden – doch wo finden sich Alternativen, die das Publikum ebenso erfreuen und erbauen? 
Einen Mangel an „abendfüllender Weihnachtsmusik, die den ,hohen Stil' meidet und doch künstlerische Haltung hat“, beklagte schon Joseph Haas (1879 bis 1960), Schüler Max Regers und Mitbegründer der Donaueschinger internationalen Kammermusikfeste für Neue Musik. Und so schuf der Münchner Professor, inspiriert durch die Krippensammlung des bayerischen Nationalmuseums sowie durch Krippenlieder aus Oberbayern und dem Tirol, das Weihnachtsliederspiel Christnacht op. 85. 
„Das süddeutsche Krippenspiel sollte in meinem Werke triumphieren, nicht mein Kunstverstand“, schrieb der Komponist damals. „Dem gemäß durften die Melodien auch keine Prunkgewänder tragen. Die altbayeri- sche Krippe kennt auch nur geigende, flötende, schalmeienspielende, horntutende und harfenleiernde Englein als Musikanten.“ 
Das Schalmeienspielen, Horntuten, Geigen und Flöten übernimmt bei dieser Aufnahme die Orgel. Norbert Düchtel hat im Interesse der Aufführbarkeit eine Fassung ohne Orchester erstellt, und spielt den Orgelpart auch selbst. Das ist in diesem Falle eine ebenso farbenreiche wie humorvolle Angelegenheit – man lausche  nur der Herbergsuche von Maria und Joseph in Bethlehem. Auch die Debatten der Hirten sind köstlich anzuhören. 
Der Chor Cantica Nova Holzkirchen unter Leitung von Katrin Wende-Ehmer gestaltet die vielen kleinen Details und Facetten dieses Weih- nachtsliederspieles mit Sorgfalt und sehr viel Liebe. Haas' Komposition erweist sich als ein ausdrucksstarkes und sehr charmantes Werk, das die poetische Kraft der derben, kantigen Texte wunderbar zur Geltung bringt. Was für ein Hörvergnügen! 

Montag, 29. Oktober 2018

Süddeutsche Orgelmusik der Spätromantik (Tyxart)

Spätromantische Orgelmusik von Komponisten der sogenannten Münchner Schule präsentiert Gerhard Weinberger auf dieser CD. Zu hören sind Kompositionen von Gottfried Rüdinger, Joseph Haas, Anton Beer-Walbrunn, Joseph Schmid, Joseph Renner, Arthur Piechler und Gustav Geierhaas. Mit dieser Aufnahme möchte Weinberger zum einen an diese Musiker erinnern, die um die Jahrhundertwende sowie in der ersten Hälfte des 20. Jahr- hunderts das Musikleben in Süddeutschland maßgeblich mit prägten, und heute weitgehend vergessen sind. So erklingen auch ihre Werke hier zumeist in Weltersteinspielungen. 
Zum anderen stellt der Kirchenmusiker eine ausgesprochen klangschöne Orgel vor, die die Firma Orgelbau Goll AG aus Luzern für die Pfarrkirche St. Martin in München-Moosach erbaut hat. Das Instrument, 2015 ge- weiht, verfügt über 40 Register auf drei Manualen und Pedal. Es eignet sich für dieses Repertoire wirklich hervorragend. 

Sonntag, 25. Februar 2018

C.P.E. Bach: Sonatas for Flute & Basso Continuo (Tyxart)

Flötensonaten hat Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) in erstaunlich großer Zahl geschrieben. Schon in Leipzig, in seinen Lehr- jahren beim Vater, komponierte der älteste Sohn von Johann Sebastian Bach für dieses Instrument, das damals neu und modern war. 
Diese CD bietet eine Auswahl aus den Flötensonaten – vom  Frühwerk, entstanden während des Jurastudiums in Frankfurt/Oder, über Musik aus jenen Jahren, die Carl Philipp Emanuel Bach als Kammercembalist im Dienste des preußischen Königs Friedrich II. stand, bis hin zur berühmten Hamburger Sonate. Als Bach dieses Werk schrieb, war er bereits Nachfolger seines Taufpaten Georg Philipp Telemann als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum in Hamburg. 
Katalin Horvath, Traversflöte, Thomas Platzgummer, Violoncello, und Eva Maria Pollerus, Tasteninstrumente, setzen ihren Ehrgeiz daran, diese Werke möglichst authentisch zu interpretieren. Dabei kommt dem Tasteninstrument entscheidende Bedeutung zu, wie die drei Musiker festgestellt haben. 
„Die Auswahl an besaiteten Tasteninstrumenten war vielfältig zur Zeit der Bach-Söhne“, schreibt Pollerus im Beiheft zu dieser CD: „Das Cembalo war noch der König der Tasten, das Hammerklavier – wenn auch eine rare Option – schon dabei, die Herzen der Musiker zu erobern, und das Clavichord liebste Wahl für die intime musikalische Zwiesprache.“ 
In Sanssouci stand Bach ein Hammerflügel von Gottfried Silbermann zur Verfügung. Weil es nicht gelungen ist, für diese Einspielung ein solches Instrument zu besorgen, haben sich die Musiker für ein anderes entschie- den, das in Hamburg seinerzeit gebräuchlich war: Ein Tafelklavier, um 1780/90 in Hamburg oder England gebaut. „Es zeichnet sich durch eine ungemein sensible Leichtgängigkeit, erstaunlich sichere und schnelle Tonrepetition und einen inspirierenden, fast ,Pantaleon'- bzw. ,Hackbrett-'artigen silbrigen Klang aus“, schwärmt die Cembalistin. 
Zu hören sind auch ein Clavichord und ein Cembalo; bei der Wahl der jeweiligen Besetzung haben die Musiker sehr genau in den Notentext geschaut. Und so steht das Tasteninstrument bei dieser Aufnahme letztendlich im Mittelpunkt. Die Flötistin möge mir verzeihen, aber was das Continuo hier an Gestaltungsvarianten austestet, das macht selbst simples Generalbass-Spiel zum musikalischen Abenteuer. 

Dienstag, 9. Januar 2018

Cantata per Flauto (Tyxart)

„Singen ist das Fundament zur Music in allen Dingen. Wer die Composition ergreifft / muß in seinen Sätzen singen. Wer auf Instrumenten spielt / muß des Singens kündig seyn. Also präge man das Singen jungen Leuten fleißig ein“, reimte einst Georg Philipp Telemann. Über Jahrhunderte betonten Musiker wie Musiktheoretiker, dass auch für Instrumentalisten die Imitation der menschlichen Stimme das Ideal darstellt.
Auf dieser CD singt nun Tabea Debus mit ihren Blockflöten. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen. So beginnt die CD mit einer Cantata per Flauto von Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783). Dieser beherrscht es in der Tat großartig, seine Stücke sanglich zu gestalten – kein Wunder, denn er war mit Faustina Bordoni verheiratet, einer berühmten Opernsängerin, für die Hasse auch komponierte.
Zwei Stücke von Adam Jarzębski erweisen sich als Diminuitionen, kunst- volle Auszierungen von Gesangsstücken. Außerdem bietet das Programm Variationen über ein Lied des englischen Lautenisten John Dowland von Jacob van Eyck, Konzerte von Domenico Natale Sarro und Georg Philipp Telemann, An Evening Hymn von Henry Purcell sowie zwei zeitgenössische Kompositionen von Calliope Tsoupaki und Thorsten Töpp. Diese lassen dann auch die Musiker singen.
Die junge Blockflötistin Tabea Debus musizierte bei diesem Aufnahme- projekt gemeinsam mit Hongxia Cui, Katrin Ebert, Kerstin Fahr, Barock- violine, Johanna Brückner, Barockviola, Lea Rahel Bader, Barockcello und Viola da gamba, Niklas Sprenger, Kontrabass, Kohei Ota, Theorbe und Barockgitarre sowie Johannes Lang, Cembalo und Orgel. Schon an dieser umfangreichen Liste ist zu ersehen, dass dieses Ensemble weit mehr leistet, als nur einen Continuo-Part. Sie machen diese CD ausgesprochen abwechslungs- und farbenreich; allerdings wünscht man sich gelegentlich etwas mehr Sensibilität von begleitenden Streichern, damit die Flöte gebührend zur Geltung kommt. 

Samstag, 3. Dezember 2016

Gloria - Festive Music for Trumpet and Organ (Tyxart)

Trompeter Hans Jürgen Huber musiziert gemeinsam mit dem Organisten Norbert Düchtel. Dabei präsentieren die beiden Solisten nicht nur Altbekanntes, wie das Air von Johann Sebastian Bach, das Ave Maria in den populären Versionen von Franz Schubert und von Charles Gounod, oder das Concerto C-Dur von Valentin Rathgeber. Ihre Musikauswahl, die vom Barock bis in die Gegenwart reicht, enthält auch eine echte Entdeckung – die Kleine Partita für Trompete und Orgel Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren von Lothar Graap (*1933). Dieses Werk passt mit seiner moderat-modernen Klangsprache perfekt an den Schluss dieser CD, die zwar festliche Glanzlichter setzt, aber nicht explizit auf das Weihnachtsfest abzielt. 
Norbert Düchtel gelingt, quasi nebenher, einmal mehr das Kunststück, mit einigen wenigen Orgel-Solowerken das Instrument in seinen Klangmög- lichkeiten vorzustellen. In diesem Falle handelt es sich um die 2005 durch die Schweizer Orgelbaufirma Mathis aus Näfels erbaute Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Rieden in der Oberpfalz. Sie ist mit insgesamt 18 Registern auf zwei Manualen und Pedal relativ klein, aber überzeugt durch ihre stimmige Disposition und ihren harmonischen Klang. Sehr hörenswert. 

Montag, 14. November 2016

Vojago - Vulkan Quartett (Tyxart)

Gehobene Salonmusik ist die Spezia- lität des Vulkan Quartetts, gegründet 2009 durch den Tenor Arpad Vulkan gemeinsam mit drei Musikerkollegen des Theaters Regensburg. Sándor Galgóczi spielt von Anbeginn in diesem Ensemble die Geige; zur Besetzung gehören heute zudem der Pianist und Arrangeur Hans Martin Gräbner sowie der Kontrabassist Frank Wittich. Auf dieser CD präsentiert das Vulkan Quartett ein Programm, das sich durch eine große Portion südliche Sonne und Temperament auszeichnet. Ein besonderer Schwerpunkt sind dabei, neben Hits aus Italien, Werke von Carlos Gardel. 

Dienstag, 26. Juli 2016

Strauss: Ein Leben in Liedern (Tyxart)

Musikalische Nachlese zum Strauss-Jahr 2014: „Eigentlich sind mir die Lieder das Liebste von allem, was ich geschrieben habe“, so sprach Richard Strauss (1864 bis 1949) einst zu Hans Hotter. Der große Sänger war 1944 zu dem Komponisten gereist, um gemeinsam mit ihm das Programm für einen Festliederabend zu Strauss' 80. Geburtstag im Wiener Musik- verein vorzubereiten. 
Lieder hat Strauss immer geschrieben – angefangen vom Weihnachtslied des Sechsjährigen, unter das seine Mutter den Text schreiben musste, weil das Kind es noch nicht konnte, bis hin zu den Vier letzten Liedern aus dem Sterbejahr 1949. 
Timothy Sharp, begeisterter Teilnehmer an etlichen Meisterkursen von Hans Hotter, hat eine ganz besondere Beziehung zu Strauss' Liedwerk. Der Bariton hat gemeinsam mit seinem Klavierbegleiter Jan Roelof Wolthuis ein Programm daraus zusammengestellt, das die verschiedenen Stationen im Leben eines Mannes nachvollzieht – er verliebt sich, wirbt und wird erhört; er heiratet, wird Vater, dann Witwer, und denkt schließlich an den Tod. 
Die Liedfolge ist, ebenso wie der detailreich ausgearbeitete Text im Beiheft, klug erdacht – allerdings gefällt mir die Umsetzung durch den Sänger nicht. Sharp zitiert Hotter, der wiederum berichtet, Strauss habe gesagt, „man müsse seine Mittel wohl dosieren, da seine Lieder sonst leicht Gefahr laufen, kitschig zu werden.“ Man möge also Sensibilität walten lassen und „seine Lieder wie Schubert-Lieder singen“
Davon ist hier leider wenig zu spüren: Sharp verwechselt Lautstärke mit Intensität; es mangelt an gestalterischer Delikatesse, und wenn der Text nicht zu verstehen ist, dann ist Liedgesang ohnehin wie der Versuch, ein Haus zu bauen ohne Fundament. Schade drum. 

Montag, 7. März 2016

Dich Maria heut zu preisen (Tyxart)

Kompositionen zum Lobpreis der Gottesmutter Maria kombiniert diese CD mit Musik für Oboe und Orgel. Es musizieren Mechthild Kiendl, Sopran, Anne Dufresne, Oboe, und Norbert Düchtel, Orgel. Das Pro- gramm ist liebevoll zusammenge- stellt. Lobenswert ist sein starker Bezug auf die Region – im süddeut- schen Raum war die Marienvereh- rung im 17. und 18. Jahrhundert besonders ausgeprägt, was natürlich auch in der liturgisch-musikalischen Praxis dieser Zeit Spuren hinterlassen hat. 
So stammt die Arie, die der CD den Titel gab, aus der Lytania rurales op. 19, einer Litanei für ländliche Pfarrkirchen, von Fr. Marianus Königs- perger OSB (1708 bis 1769). Der Benediktiner lebte im Kloster Prüfening bei Regensburg. Er ist auf der CD auch mit Orgelmusik vertreten. P. Benedikt Biechteler (1689 bis 1759) studierte in der Abteil St. Gallen und trat dann in die Benediktinerabtei Wiblingen ein. Auf der CD erklingen zwei Solokantaten des Komponisten für Sopran, Oboe und Orgel aus der Sammlung 24 Marianische Antiphonen op. 2. Ebenfalls für Sopran, Melodieinstrument und Orgel schrieb P. Valentin Rathgeber (1682 bis 1750) seine marianische Antiphon Regina Coeli. Er lebte und wirkte im Kloster Banz. 
Die Kombination von Oboe und Orgel war sowohl in der Klassik als auch in der Romantik beliebt; aus dem Fundus der Originalkompositionen für diese Besetzung ausgewählt wurden für diese Einspielung die Partita I C-Dur für Oboe und obligate Orgel von Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789) und das Andante Pastorale aus op. 98 von Josef Gabriel Rhein- berger (1839 bis 1901). Aus dem reichen kirchenmusikalischen Werk sind Rheinbergers sind zudem das Ave Maria op. 171, 1a sowie Orgelmusik zu hören. 
Für die Aufnahme hat Norbert Düchtel die Kirche Mariä Himmelfahrt Oberndorf/Bayern ausgewählt, die früher zum Grundbesitz des Klosters Prüfening gehörte. Sie wurde vermutlich um 1220 erbaut, und erhielt 2010 eine neue Orgel der renommierten Firma Mathis Orgelbau, im süddeut- schen barocken Stil. Düchtel ist mit diesem Instrument bestens vertraut, denn er hat das Projekt betreut und die Disposition erstellt. Die klang- schöne kleine Orgel verfügt über 14 Register auf zwei Manualen und Pedal. Mit Oboe und Sopran harmoniert sie hervorragend. 

Freitag, 11. Dezember 2015

Still, o Himmel (Tyxart)

Eine Weihnachts-CD, die sich erfreu- lich von der üblichen Handelsware abhebt, legen uns der Münchner Frauenchor und der Münchner Mädchenchor unter der Leitung von Katrin Wende-Ehmer auf den Gabentisch. Im Mittelpunkt stehen Werke von Joseph Haas (1879 bis 1960). Der Komponist, Sohn eines Lehrers und selbst zunächst auch Lehrer, war ein Schüler von Max Reger. Er unterrichtete erst am Konservatorium Stuttgart und später dann an der Akademie der Tonkunst in München Komposition. Haas gründete 1920 gemeinsam mit Paul Hindemith und Heinrich Burkard die Donaueschinger Musiktage. Doch obwohl er sich für die „Neue“ Musik engagierte, blieb Haas in seinen eigenen Werken stets tonal und traditionsbezogen: „Die Musik soll erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren“, so formulierte der Komponist seine Auffassung. Davon zeugen auch die beiden Liederzyklen, aus denen Werke auf dieser CD erklingen.
Haas sah einen Mangel an „abendfüllender Weihnachtsmusik, die den ,hohen Stil' meidet und doch künstlerische Haltung hat“; und er beschloss, aus Volksweisen ein solches Werk zu schaffen – Christnacht op. 85. „Als ich den Plan durchdachte, wurde mir klar, dass sich nur solche Melodien, die der gleichen Landschaft angehören, zu einem stilistisch einwandfreien Organismus verbinden können“, so Haas. Er entschied sich für Krippen- lieder aus Oberbayern und dem Tirol: „Die unerhörte Ausdruckskraft der zwar holprigen und unbeholfenen Textworte, ihr einzigartiger Bilder- reichtum, die äußerliche Härte und Derbheit und die innerliche Zartheit und Beschwingtheit der Sprache haben es mir ebenso angetan, wie die unbeschreibliche melodische Schönheit der Tonweisen und die Vielfältig- keit ihrer Formgebung. Hier haben wir stilechte Kunst süddeutschen Bauernbarocks!“, schrieb der Komponist. „Das süddeutsche Krippenspiel sollte in meinem Werke triumphieren, nicht mein Kunstverstand.“ 
Entsprechend beschwingt klingt Christnacht, allerdings singt der Münchner Frauenchor auf dieser CD nur eine Auswahl der Lieder. Sie wurden von Norbert Düchtel für Frauenchor und Orgel arrangiert. Der Organist begleitet das gesamte Programm; er hat eigens dafür Orgel- bearbeitungen geschaffen, die ganz auf Understatement setzen – Düchtel unterstützt dezent die Chorsängerinnen, und er setzt durchaus auch eigene Akzente, aber er spielt sich nie in den Vordergrund. Es ist eine Freude, die Orgelpartie zu verfolgen, weil Düchtel auch sehr abwechslungsreich registriert. 
Auf dem Programm stehen ergänzend zu den Gesängen aus Christnacht auch sieben der Zehn Marienlieder op. 57 von Joseph Haas. Sie basieren auf alten Melodien, und sind als unkomplizierte Gebrauchsmusik für Frauenchor geschrieben. Der Orgelpart gibt diesen eher schlichten Liedern die Würze; somit können auch weniger versierte Chöre diese Werke singen. In diesem Falle aber ist Rücksicht nicht vonnöten – die beiden Münchner Chöre sind durchaus solide aufgestellt und werden durch Katrin Wende-Ehmer mit sicherer Hand geführt. Und so wird das Programm dieser CD dann noch ergänzt durch Werke aus Haas' Umfeld. Vertreten sind unter anderem sein Lehrer Max Reger, sowie Haas' Freunde und Schüler. Sehr gelungen – und wunderbar fröhlich! 

Samstag, 31. Oktober 2015

Tierisch Barock (Tyxart)

Immer wieder gern gehört: Barockmusik, die Tierstimmen kunstvoll imitiert. Ähnlich wie in der Malerei, wo Stillleben in Mode kamen, die dem kundigen Auge wesentlich mehr boten als nur ein Abbild geschickt arrangierter Dinge, nutzten auch Komponisten die tierischen Lautäußerungen höchst doppelbödig. Zum einen ermöglichen sie virtuose Stücke, mitunter auch äußerst komische. Zum anderen führten aber auch die Tiere oftmals eine Doppelexistenz in einer mythischen Welt, die sich uns heute nur dann erschließt, wenn wir uns intensiv mit jener Zeit und ihren Ideen beschäftigen. 
Das muss man aber nicht; man kann die Musikstücke auch einfach genießen. Nel Dolce – Das Kölner Barockensemble hat dafür eine Auswahl repräsentativer barocker Werke zusammengestellt und bei Tyxart eingespielt. Sie reichen von Tarquinio Merula (1595 bis 1665) über Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704), der eine ganze Sonata quasi in den Lustgarten verlegt, bis hin zur Katzenfuge von Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Zu hören sind beispielsweise Nachtigall, Kuckuck und Distelfink, diverse Hühner und Hähne sowie ein frecher Frosch. Stephanie Buyken, Blockflöte, Olga Piskorz, Violine, Harm Meiners, Violoncello und Luca Quintavalle, Cembalo, werden dabei klangvoll unterstützt durch Philipp Wagner, Blockflöte und Oboe. Und wer schon immer wissen wollte, wie man auch eine Schildkröte, einen Pelikan oder aber ein lahmes Pferdchen mit musikalischen Mitteln schildern kann, der sollte sich diese CD nicht entgehen lassen. 

Mittwoch, 24. Juni 2015

Accademia dell'Arcadia - Roma 1710 (Tyxart)

Sabrina Frey spielt Blockflötenmusik aus Rom, entstanden um 1700. Wer sich mit dem Leben in der heiligen Stadt zu dieser Zeit beschäftigt, der wird feststellen, dass es stark durch den Kirchenstaat geprägt wurde. So reformierte Papst Innozenz XII. nicht nur die Kurie, er verbot 1698 auch Theater- und Opernaufführungen. Sein Nachfolger Clemens XI. behielt dieses Verbot bei; es wurde erst 1710 wieder aufgehoben. 
Die „geheimen Nischen“ von der Sabrina Frey so fasziniert im Beiheft zu dieser CD berichtet, waren allerdings nicht erforderlich, um Instrumentalmusik aufzuführen. Und wenn sie Opern hören wollten, reisten die Begüterten nach Neapel, nach Venedig, nach Florenz – oder aber einfach auf ihre Landgüter. Literarische Gesellschaften wie die Accademia dell'Arcadia, 1690 gegründet, waren damals in Europa modern. Die Fruchtbringende Gesellschaft, 1617 in Weimar ins Leben gerufen, hatte immerhin 890 Mitglieder; sie war die älteste deutsche Sprachakademie und hatte bis 1680 Bestand. Die Nürnberger Pegnitzschäfer, 1644 gegründet, gibt es sogar heute noch. Auch die Begeisterung fürs ländliche Ambiente war weit verbreitet. Selbst in Versailles schwärmte die höfische Gesellschaft für das Landleben, als nette Deko, und veranstaltete Schäferspiele. 
Dennoch darf sich der Zuhörer darüber freuen, dass die römischen Arkadier zum Emblem ihres Bundes eine Flöte wählten. Denn Frey fühlte sich dadurch inspiriert, nach Musikstücken von „Pastori Arcadia“ für dieses Instrument zu suchen. Sie hat eine Menge interessante Werke gefunden – die von Giovanni Battista Bononcini und Giuseppe Valentini erklingen auf dieser CD in Weltersteinspielung. Ausgewählt hat die Flötistin zudem Musik von Arcangelo Corelli (Arkadiername: „Arcomelo Erimanteo“), Alessandro Scarlatti („Terpandro Politeio“) und Benedetto Marcello („Driante Sacreo“). Ignazio Sieber (1680 bis 1757), Oboist und wie Antonio Vivaldi Lehrer am Ospedale della Pietà inVenedig, war mit Georg Friedrich Händel befreundet. Er spielte die Oboenpartien bei Aufführungen von Händels Oratorien in Rom und  soll als Gast an Veranstaltungen der Accademia dell'Arcadia teilgenommen haben. 
Musiziert wird gekonnt. Die Blockflötistin konnte für diese Aufnahme erstklassige Mitstreiter gewinnen. Die Violinisten Fiorenza de Donatis und Andrea Rognoni sowie Cellist Marco Frezzato sind Konzertmeister und Stimmführer bekannter Originalklang-Ensembles. Besonderen Wert legte Sabrina Frey auf eine abwechslungsreiche Gestaltung des Basso continuo. Entsprechend üppig ist die Continuo-Gruppe besetzt: Cembalo und Truhenorgel spielt Philippe Grisvard. Vincent Flückiger bereichert mit Theorbe und Barockgitarre das Klangbild, und Bret Simner am Violone gibt dem Continuo das Fundament. An der Orgel zu hören ist zudem Naoki Kitaya. Entstanden sind so farbenfrohe und vielschichtige Interpretatio- nen, getragen von barocker Spielfreude. 

Samstag, 29. November 2014

Claviermusik aus Nürnberg (Tyxart)

Nürnberg gehörte einstmals zu den bedeutenden Zentren deutscher Musik. Die Bürger der Freien Reichsstadt wachten nicht nur über die Reichskleinodien. Sie waren offenbar auch sehr musikbegeistert: In Nürnberg florierten sowohl der Notendruck als auch der Instrumentenbau – was darauf hindeutet, dass nicht nur die Rats- und Kirchenmusiker Noten und Instrumente einkauften. 
Die wichtigsten Protagonisten des städtischen Musiklebens waren Organisten. Etliche von ihnen stammten aus Nürnberg, sie wurden in der Stadt ausgebildet und wirkten dort oftmals auch bis zu ihrem Tod. Die „Nürnberger Schule“ setzt ein mit der Ankunft Johann Stadens d.Ä. (1581 bis 1634), der nach Stationen in Bayreuth und Dresden in der Stadt heimisch wurde und eine Vielzahl von Schülern unterrichtete. Der Stammbaum seiner Schüler und Enkelschüler lässt sich über fünf Generationen verfolgen, und wuchs auch geographisch betrachtet weit über die Stadtgrenzen hinaus. So war beispielsweise Johann Erasmus Kindermann (1616 bis 1655) ein Schüler Stadens. 
Ralf Waldner stellt auf dieser CD Musik dieser Organistenschule vor. Zu hören sind aber auch Werke von Hans Leo Haßler (1564 bis 1612), der Sohn eines Nürnberger Organisten war und bei Andrea Gabrieli in Venedig studiert hatte. Dabei erinnert Waldner zum einen daran, dass die Orgel seinerzeit durchaus auch zu weltlichen Zwecken gespielt wurde. Zum anderen nutzt er das „Clavier“, damaligem Gebrauch folgend, wie es gefällt, und so erklingen neben Cembalo und Orgel auch Regal und Clavichord. Für diese CD hat er einige Raritäten „ausgegraben“, wie einer der ersten deutschen Claviersuiten – sie stammt von Benedict Schultheiß (1653 bis 1693) – oder die Choralpartita Freu dich sehr, o meine Seele von Johann Pachelbel (1653 bis 1706). So sind ihm zahlreiche Ersteinspielungen gelungen. All das macht diese CD sehr abwechslungsreich, und man folgt Waldner gern durch drei Jahrhunderte Nürnberger Musikgeschichte. 

Freitag, 27. Dezember 2013

In dulci jubilo - Christmas Organ Music (Tyxart)

Dass es auch kleine Orgeln gibt mit einem großartigen Klang, beweist eine neue CD aus dem Hause Tyxart. Denn die neue Orgel der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Oberpfälzer Rieden, errichtet jüngst von der Firma Mathis Orgelbau, hat nur 18 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, sowie knapp tausend Pfeifen, zumeist aus einer Zinn-Blei-Legierung. „Die Klanggestal- tung orientiert sich an den bekannten Mensurverhältnissen von Johann Konrad Funtsch, ohne dass die Rekonstruktion einer Funtsch-Orgel angestrebt wurde“, berichtet Orgelbauer Hermann Mathis. 
Die Familie Funtsch, eine bedeutende Oberpfälzer Orgelbauer- dynastie, schuf einst die Orgel für die Riedener Pfarrkirche, wobei der Sohn Johann Konrad Funtsch (1710 bis 1792) letztendlich das Instrument des Vaters Johann Baptist Funtsch durch ein eigenes ersetzte. Es hatte Bestand, bis am Ende des 19. Jahrhunderts die zu klein gewordene Kirche verlängert wurde. Im Zuge dieses Umbaus erwarb die Gemeinde 1898 eine pneumatische Kegelladenorgel. Von der Funtsch-Orgel blieb damals nur ein Teil des Gehäuses übrig. 
Es wurde nun sorgsam restauriert, und nach dem Vorbild erhaltener Instrumente ergänzt. Die Mathis Orgelbau AG aus Näfels in der Schweiz hat in die alte Hülle eine komplett neue Orgel hineingebaut. Wie das Instrument klingt, das demonstriert nun Professor Norbert Düchtel. Er hat dafür weihnachtliche Orgelmusik des Barock und der Romantik herausgesucht und mit großem Geschick zu einem Programm zusammengestellt, wie man es selten zu hören bekommt. 
Düchtel zeigt, dass man an der Mathis-Orgel zwar auch Bach hervorragend spielen kann. Doch ihr Klang zeigt sich am schönsten, wenn der Organist nicht die ganz großen Werke, sondern sogenannte Pastorellen erklingen lässt – Hirtenmusiken, treue Begleiter der Weihnacht, die uns teilhaben lassen an der Freude der Hirten beim Anblick des Kindes in der Krippe. Der Organist musiziert hingebungs- voll und mit beispielhafter struktureller Klarheit und Präzision. Ich muss sagen, dass ich lange keine so rundum gelungene CD mit Orgelmusik mehr gehört habe. 
Die ausgewählten Stücke, so der international renommierte Organist, „sollten das ganze Klangspektrum der neuen Orgel widerspiegeln“. So entschied sich Düchtel, neben Werken der Funtsch-Zeitgenossen Marianus Königsperger und P. Theodor Grünberger auch Musik von Komponisten aus dem 19. Jahrhundert mit aufzunehmen. Werke von Gustav Adolf Merkel, Joseph Gabriel Rheinberger, Carl Sattler oder Paul Geist – sein Weihnachts-Vorspiel über den Choral Vom Himmel hoch erklingt hier in Weltersteinspielung – waren, so Düchtel, „damals bei bei den Lehrer-Organisten auf dem Lande sehr beliebt und wurden vielleicht auch in der Pfarrkirche in Rieden gespielt“.