Posts mit dem Label Klöckner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Klöckner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 21. November 2019

Madame Schumann - Ragna Schirmer (Berlin Classics)

In diesem Jahr feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag von Clara Schumann (1819 bis 1896). Ausgebildet wurde sie von ihrem Vater Friedrick Wieck, der sich mit Leidenschaft für sein Wunderkind einsetzte; ihr Debüt gab Clara als Neunjährige im Leipziger Gewandhaus. Sie komponierte auch schon früh, und wurde, da war sie gerade einmal 18 Jahre alt, in Wien zur kaiserlich-königlichen Kammer-Virtuosin ernannt. 
Robert Schumann lernte Clara Wieck schon im Kindesalter kennen. Dass sie sich dann in ihn verliebte, war ihrem Vater gar nicht recht. 1837 verlobte sich das Paar, doch erst 1840 gelang es den beiden, über das Gericht die Genehmigung zur Eheschließung zu erhalten. 
Wie es dann im Hause Schumann zuging, das kann man aus dem Ehetagebuch erfahren, das das Paar führte; es wurde mittlerweile veröffentlicht. Konflikte gab es jedenfalls genug, denn Clara dachte gar nicht daran, sich mit einem Dasein als Hausfrau und Mutter zu bescheiden. Auch mit Blick auf die Finanzen der Familie nahm sie schon bald das Konzertieren wieder auf. 
Clara Schumann galt schon in jungen Jahren als Klaviervirtuosin; ihre Zeitgenossen schätzten sie ebenso sehr wie etwa Sigismund Thalberg oder Franz Liszt. Ihre Konzertreisen führten sie quer durch Europa, wobei sie oftmals gemeinsam mit Kollegen musizierte. So spielte sie hunderte Konzerte zusammen mit dem Geiger Joseph Joachim. Reine Klavierabende hingegen waren damals eher unüblich. 
Mit dem Leben und Schaffen der Künstlerin, die letzten Endes bis ins hohe Alter als Berufsmusikerin tätig war, hat sich kaum jemand ähnlich intensiv auseinandergesetzt wie Ragna Schirmer. So hat die Hallenser Pianistin mit der Staatskapelle Halle unter Leitung von Ariane Matiakh das Klavierkonzert a-Moll op. 7, das Clara als 15jährige komponiert hat, und das 4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven eingespielt, das Clara mehr als 50mal in Konzerten vorgetragen hat, und zu dem sie eigene Kadenzen verfasste. 
Was Clara Schumann in ihren Konzerten gespielt hat, das lässt sich vielfach noch heute nachvollziehen. Denn die Musikerin hat im Laufe ihres Lebens mehr als 1.300 Programmzettel zusammengetragen, auf denen ihre Konzert dokumentiert sind. Diese Sammlung hat Ragna Schirmer im Schumannhaus Zwickau angesehen - „voller Bewunderung, wie viele großartige Werke Sie in Ihrem Leben studiert und zur Aufführung gebracht haben“, so schreibt sie in einem Brief ihre Gedanken nieder. Zum 200. Geburtstag widmete die Pianistin der berühmten Kollegin dann ein ganz besonderes Projekt: Sie spielte einige ihrer Konzertprogramme nach. 
So waren Clara und ihr Mann Robert Schumann im Jahre 1847 zu Gast bei einer Matinee im Berliner Salon von Fanny Hensel. Neben zwei Liedern, eines von Robert Schumann und eines von der Gastgeberin, erklangen dort die Uraufführungen des Klavierquartetts op. 47 von Robert und des Klaviertrios op. 17 von Clara Schumann. Dieses Programm, das einen direkten Vergleich der Kompositionen der beiden Eheleute gestattet, ist im ersten Teil dieser Einspielung zu hören. Musizierpartner von Ragna Schirmer sind hier die Sopranistin Nora Friedrichs sowie Iason Keramidis, Violine, Julien Heichelbech, Viola, und Benedict Klöckner, Violoncello. 
„Der zweite Silberling wiederholt Ihren letzten reinen Klavierabend, erklungen in den Assembly Rooms in St. Leonards-on-Sea, England“, wendet sich Ragna Schirmer in ihrem Brief an Clara Schumann. „Ein unglaubliches Programm, wie ich finde! Wissen Sie noch, wie Sie sich fühlten? Sie hatten Schmerzen in den Händen und präsentierten dennoch dem Publikum all die schönen Stücke, die Ihr Leben begleiteten. Sie schenkten den Zuhörern sogar Ihre improvisierten Überleitungen zwischen einigen Werken, an denen ich mich bescheiden auch versuche, indem ich mir solche von einem Kollegen komponieren ließ, der die Improvisations-Studien Ihres Vaters und Ihre Aufzeichnungen über das Präludieren verglich und einflocht. So sind Ihre Konzerte heute noch lebendig.“ 
Von Schumanns Kinderszenen über einzelne Werke von Beethoven, Scarlatti, Händel, Gluck, Chopin und Mendelssohn reicht dieses Programm, das Ragna Schirmer versiert und wunderbar nuancenreich vorstellt. Dazu bietet das Beiheft umfangreiche, mit ebenso großer Sorgfalt zusammengestellte Info-Texte. Ohne Zweifel ist dies der wichtigste musikalische Beitrag zum Clara-Schumann-Jahr. 

Mittwoch, 29. Februar 2012

Schumann: Cello Concerto in A minor; Klöckner (Genuin)

Diese CD bietet gleich zwei außer- ordentlich spannende Versionen von Schumanns berühmtem Cellokonzert. Da wäre zum einen eine Bearbeitung für Solocello und Streichorchester von Florian Vygen und Alexander Kahl. Darauf folgt dann gleich noch ein weiteres Arrangement - für vier Celli. Es stammt von Richard Klemm (1902 bis 1988), Cellist in der Staatska- pelle und ab 1958 Professor an der Musikhochschule in Berlin. Er be- arbeitete etliche bekannte Werke für vier Celli, in erster Linie für Unterrichtszwecke. Denn die Schüler sollten das jeweilige Konzert bestmöglich kennenlernen, um schließ- lich den Solopart des Originals souverän und homogen gestalten zu können. 
Solist Benedict Klöckner, Jahrgang 1989 und Gewinner zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist ein Schüler von Professor Martin Ostertag, Karlsruhe, und studiert seit Oktober 2009 an der Kronberg Academy bei Professor Frans Helmerson. Bei dieser Aufnahme ist er von renommierten Kollegen umgeben. So musizieren im Quartett gemeinsam mit ihm Leander Kippenberg, Lukas Sieber und Michael Preuß, die früheren Solocellisten der Deutschen Streicherphilharmo- nie. 
Dieses Elite-Ensemble, in dem die besten Schüler von deutschen Musikschulen im Alter von elf bis 19 Jahren musizieren, ist auch bei der ersten Version des Schumann-Cellokonzertes zu hören. Es wird seit 2003 von Michael Sanderling geleitet, der viele Jahre lang als Violoncellosolist erfolgreich war, in Frankfurt/Main Cello-Studenten unterrichtet, und sich in den letzten Jahren zunehmend aufs Diri- gieren verlegt hat. 
Die Deutsche Streicherphilharmonie gestaltet gemeinsam mit Bene- dict Klöckner die klangschönste Aufnahme des Schumann-Cello- konzertes, die ich kenne. Mit einem derart noblen, singenden Ton war das Werk noch nie zu hören. Das "Concertstück" hat allerdings auch dramatische Passagen - und dort gerät diese Werkauffassung an ihre Grenzen. 
Die Quartett-Version begeistert durch ihre kammermusikalische Transparenz und eine breite Palette an Klangfarben, die von den vier Cellisten sehr gezielt eingesetzt werden. Technische Probleme haben die jungen Musiker ohnehin an keiner Stelle. Wenn das die Profis von morgen sind, dann ist einem um die Zukunft der klassischen Musik hierzulande nicht bange.