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Freitag, 8. Juni 2018

Baroque Twitter (Deutsche Harmonia Mundi)

Nein, es geht ausnahmsweise einmal nicht um Mobiltelefone und Kurz- nachrichten. Die Imitation von Vogelgesängen gehört vielmehr zu den beliebten Sujets der Barockzeit. Dass es aber derart viele barocke Arien und Konzerte gibt, die vom Gezwitscher geprägt sind, das ist wirklich erstaunlich. 
In diesem Blog haben wir bereits mehrfach Alben vorgestellt, die sich den kunstvoll imitierten Vogel- gesängen widmen. Nuria Rial und Maurice Steger haben nun gemeinsam mit dem Kammer- orchester Basel eine CD eingespielt, die zu weiteren Entdeckungen einlädt. Die spanische Sängerin und der Flötenvirtuose begeistern mit einem sorgsam zusammengestellten Programm, das neben einigen bekannten Werken auch etliche Kostbarkeiten enthält, die bislang in Archiven geschlummert haben. 
So erklingen neben Arien von Andrea Stefano Fiorè, Leonardo Vinci, Francesco Gasparini, Pietro Torri, Tomaso Albinoni, Johann Adolf Hasse, Antonio Vivaldi und Alessandro Scarlatti – teils mit, teils ohne Flötenpart – auch Sonaten und Konzerte von Francesco Mancini, Charles Dieupart und Antonio Vivaldi. 
Der schlanke, bewegliche Sopran von Nuria Rial harmoniert dabei aufs Beste mit dem Klang von Stegers Blockflöten. Und das Kammerorchester Basel, geleitet von seinem Konzertmeister Stefano Barneschi, ist den beiden Solisten ein kongenialer Partner. Hinreißend! 

Sonntag, 21. Februar 2010

Christoph Graupner: Per il flauto; Sabrina Frey, Ars Musici Zürich (Berlin Classics)

Woran liegt es, dass Bach längst wieder gespielt und gewürdigt, Graupner aber noch immer weitestgehend vergessen ist? Seine Zeitgenossen urteilten da anders. Denn als es um die Auswahl eines neuen Thomaskantors ging, ent- schieden sich die Leipziger zuerst für Telemann.
Als der absagte, boten sie das Amt Graupner an. Den aber ließ sein Dienstherr, Landgraf Ernst Ludwig zu Hessen-Darmstadt, nicht ziehen. Und so hieß es dann abschließend zu Leipzig, Bach sei "so gut als Graupner".
Wie kamen die Bürger zu dieser Meinung? Graupner, geboren 1683 im erzgebirgischen Kirchberg, war in Leipzig kein Unbekannter. Denn er hatte dort bei den Thomaskantoren Schelle und Kuhnau einen soliden Unterricht genossen, und Jura studiert. 1706 floh er vor den Schweden nach Hamburg, wo er bald mit seinen Werken auf sich aufmerksam machte. 1709 wurde er Kapellmeister am Darmstädter Hof. Dort blieb er, bis zu seinem Tode. 
Graupners Musik ist voll Anmut. Er nimmt, ähnlich wie die meisten seiner Zeitgenossen, Anregungen aus der italienischen, französischen oder anderen europäischen Musikkulturen auf und gibt ihnen Form, dem seinerzeit modernen, "galanten" Stil entsprechend. Es fehlt ihm nicht an Ideen, aber manchmal an Substanz. Das zeigen auch die Werke für diverse Flöten, die Sabrina Frey mit den Ars Musici Zürich und diversen Gastmusikern eingespielt hat. 
Da finden sich Experimente mit Fugenthemen, die aber schnell wieder in den "normalen" Fortgang des Satzes überführt werden. Einer kompletten Sonate, GWV 216, gibt Graupner die Struktur des Kanons. Diese Sonata canonica für 2 Blockflöten, Viola da Gamba und Basso continuo ist eindeutig der Höhepunkt der CD. Das liegt nicht zuletzt an den Gästen, die mit der Solistin musizieren: Maurice Steger, Blockflöte, Rodney Prada, Viola da Gamba und Markus Bernhard, der mit seiner Violone das Continuo-Cembalo von Vital Julian Frey ergänzt. Der Blockflötenton von Sabrina Frey ist generell nicht unbedingt schön; das macht sich besonders in den langsamen Sätzen mitunter störend bemerkbar. Sie spielt das Instrument hochvirtuos, aber wenig differenziert. Im Duett mit Steger jedoch läuft sie zur Hochform auf. Schon allein wegen dieser Welt-Ersteinspielung wäre die CD hörenswert.