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Freitag, 20. November 2020
Telemann (Accent)
Einmal mehr widmet sich Dorothee Mields dem Werk Georg Philipp Telemanns. Gemeinsam mit dem Blockflötisten Stefan Temmingh, Domen Marinčič, Viola da gamba, Daniel Rosin, Barock-Violoncello, und Wiebke Weidanz, Cembalo, hat die Sopranistin für diese Aufnahme bei Accent ein höchst ansprechendes Programm zusammengestellt. Neben drei Solo-Kantaten aus dem Jahrgang 1725/26, im Druck erschienen unter dem Titel Harmonischer Gottesdienst, haben die Musiker dafür auch eine Sonatine sowie drei Triosonaten ausgewählt. Diese musikalisch sehr abwechslungsreichen Stücke, von den Instrumentalisten virtuos prädentiert, erweisen sich als hochkarätige Fassung für die bewusst kurz und prägnant gehaltenen Kirchenkantaten, die dennoch bis zum heutigen Tage als Juwelen des Repertoires gelten können. Bravi!
Mittwoch, 15. Juni 2016
Bach - Hasse (Accent)
„Opposites attract“, steht als Motto über dieser CD. Es ist jedoch ein Irrtum, wenn man annimmt, dass den Leipziger Thomaskantor und den Dresdner Hofkapellmeister nichts verbindet. Auch wenn Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783) seinen Ruhm in erster Linie der italienischen Oper verdankte, so stammte er doch aus einer norddeutschen Organisten- dynastie – und hat ohne Zweifel ebenfalls die dementsprechende Ausbildung erhalten.
Wer sein Werk kennt, der weiß, dass Hasse ein exzellenter Cembalist gewesen ist. Zu Recht ist er berühmt für die Eleganz seiner Musik, die auf vordergründige Virtuosität verzichtet, aber dennoch höchst effektvoll Stimmen in Szene zu setzen versteht, und zudem die Klangfarben der verschiedenen Instrumente gekonnt zur Geltung bringt.
Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) hatte sich um die Hofkapell- meisterstelle ebenfalls beworben. Den Kurfürsten konnte er aber nicht überzeugen: Er war weder katholisch, noch hätte er seinem Dienstherrn mit italienischen Opern aufwarten können – und Hasse brachte aus dem Süden obendrein noch Ehefrau Faustina Bordoni mit, seinerzeit eine der berühmtesten Sängerinnen Europas. Bach hingegen war niemals in Italien; allerdings kannte er die italienische Musik sehr gut, er hatte wichtige Werke gründlich studiert.
Hasses Musik schätzte Bach durchaus; er fuhr sogar nach Dresden, um dort in der Hofoper „hübsche Liederchen“ zu hören, wie er Hasses Arien genannt haben soll. Blockflötist Stefan Temmingh und Countertenor Benno Schachtner haben nun auf einer CD die Musik der beiden Zeitge- nossen nebeneinander gestellt. Es erklingen Instrumentalmusik und Kantaten bzw. Arien aus Kantaten von Bach und Hasse. Diese Kombina- tion erweist sich durchaus als reizvoll, denn sie gibt den beteiligten Musikern – unter dem Namen The Gentleman's Band wirken noch Wiebke Weidanz an Cembalo, Lautenclavier und Truhenorgel sowie Domen Marinčíč, Viola da gamba und Violoncello, mit – Gelegenheit, ziemlich unterschiedliche Facetten von Barockmusik aufzuzeigen.
Dabei sind einige Entdeckungen zu verzeichnen; vor allem das bislang einzige bekannte Werk von Hasse für Solo-Blockflöte, eine Cantata per flauto gänzlich ohne Sänger, ist in der Tat spektakulär. Stefan Temmingh berichtet im Beiheft, dass ihn der Musikwissenschaftler Johannes Pausch darauf aufmerksam gemacht und ihm das Manuskript zugeschickt habe. Musiziert wird, wie bei dieser Besetzung nicht anders zu erwarten, brillant.
Wer sein Werk kennt, der weiß, dass Hasse ein exzellenter Cembalist gewesen ist. Zu Recht ist er berühmt für die Eleganz seiner Musik, die auf vordergründige Virtuosität verzichtet, aber dennoch höchst effektvoll Stimmen in Szene zu setzen versteht, und zudem die Klangfarben der verschiedenen Instrumente gekonnt zur Geltung bringt.
Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) hatte sich um die Hofkapell- meisterstelle ebenfalls beworben. Den Kurfürsten konnte er aber nicht überzeugen: Er war weder katholisch, noch hätte er seinem Dienstherrn mit italienischen Opern aufwarten können – und Hasse brachte aus dem Süden obendrein noch Ehefrau Faustina Bordoni mit, seinerzeit eine der berühmtesten Sängerinnen Europas. Bach hingegen war niemals in Italien; allerdings kannte er die italienische Musik sehr gut, er hatte wichtige Werke gründlich studiert.
Hasses Musik schätzte Bach durchaus; er fuhr sogar nach Dresden, um dort in der Hofoper „hübsche Liederchen“ zu hören, wie er Hasses Arien genannt haben soll. Blockflötist Stefan Temmingh und Countertenor Benno Schachtner haben nun auf einer CD die Musik der beiden Zeitge- nossen nebeneinander gestellt. Es erklingen Instrumentalmusik und Kantaten bzw. Arien aus Kantaten von Bach und Hasse. Diese Kombina- tion erweist sich durchaus als reizvoll, denn sie gibt den beteiligten Musikern – unter dem Namen The Gentleman's Band wirken noch Wiebke Weidanz an Cembalo, Lautenclavier und Truhenorgel sowie Domen Marinčíč, Viola da gamba und Violoncello, mit – Gelegenheit, ziemlich unterschiedliche Facetten von Barockmusik aufzuzeigen.
Dabei sind einige Entdeckungen zu verzeichnen; vor allem das bislang einzige bekannte Werk von Hasse für Solo-Blockflöte, eine Cantata per flauto gänzlich ohne Sänger, ist in der Tat spektakulär. Stefan Temmingh berichtet im Beiheft, dass ihn der Musikwissenschaftler Johannes Pausch darauf aufmerksam gemacht und ihm das Manuskript zugeschickt habe. Musiziert wird, wie bei dieser Besetzung nicht anders zu erwarten, brillant.
Sonntag, 1. Juli 2012
Bach: French & English Suites (Oehms Classics)
"Prägende Ereignisse vergisst man nicht", berichtet Blockflötist Stefan Temmingh im Beiheft zu dieser CD. "So kann ich mich sehr genau an meine erste bewusste Begegnung mit Johann Sebastian Bach er- innern. Ich war ungefähr acht Jahre alt, als in meinem Eltern- haus eine CD mit den Concerti für drei und vier Cembali mit The English Concert unter Trevor Pinnock in meine Hände gelangte. Die Aufnahme schlug mich sofort in ihren Bann, und ich hörte sie mir stundenlang an. Damit begann meine Liebe für die Alte Musik und für Bach im Besonderen."
Diese Liebe hat hier Frucht getragen: Temmingh hat gemeinsam mit Domen Marincic, Viola da gamba, und dem Lautenisten Axel Wolf Werke des verehrten Komponisten eingespielt. Schon der Blick auf die Besetzung zeigt: "Original"werke können es nicht sein, denn für Block- flöte, Gambe und Laute hat Bach nichts komponiert. Die Musiker setzten daher auf ein Verfahren, das Bach selbst auch gern und viel verwendet hat. Sie haben Stücke bearbeitet, beispielsweise die Engli- sche Suite Nr. 2 BWV 807, die Französischen Suiten Nr. 5 BWV 816, hier in C-Dur, und Nr. 3 BWV 814. Das greift die barocke Praxis auf, Cembaloliteratur umzuinstrumentieren, so dass sie mit Melodie- instrumenten gespielt werden kann. Es ist ihnen aber nicht durchweg überzeugend gelungen, zumal Blockflöte und Laute mit dem doch recht massiven Klang der Gambe nicht durchweg im Gleichgewicht sind.
Zu hören sind zudem das Siciliano aus der c-Moll-Violinsonate BWV 1017 und Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645 aus den Schübler-Chorälen, das sich als Orgelstück in seiner Dreistimmigkeit dazu geradezu anbietet.
Außerdem erklingen Versionen des Pedal-Exercitiums BWV 598 für Gambe solo, des Preludes BWV 1006a - diese Bearbeitung stammt ausnahmsweise einmal von Bach selbst - und auch der Fuge in g-Moll BWV 1000 für Laute solo. Eines muss man sagen: Wer sein Instru- ment so beherrscht, wie diese drei Musiker, der darf sich an solche Experimente wagen. Temmingh spielt einmal mehr furios - und selbst wenn einen vielleicht einmal eine Bearbeitung nicht ganz so begei- stert, so entschädigen Virtuosität und Leidenschaft, die das Trio hier aufbietet, voll und ganz dafür.
Diese Liebe hat hier Frucht getragen: Temmingh hat gemeinsam mit Domen Marincic, Viola da gamba, und dem Lautenisten Axel Wolf Werke des verehrten Komponisten eingespielt. Schon der Blick auf die Besetzung zeigt: "Original"werke können es nicht sein, denn für Block- flöte, Gambe und Laute hat Bach nichts komponiert. Die Musiker setzten daher auf ein Verfahren, das Bach selbst auch gern und viel verwendet hat. Sie haben Stücke bearbeitet, beispielsweise die Engli- sche Suite Nr. 2 BWV 807, die Französischen Suiten Nr. 5 BWV 816, hier in C-Dur, und Nr. 3 BWV 814. Das greift die barocke Praxis auf, Cembaloliteratur umzuinstrumentieren, so dass sie mit Melodie- instrumenten gespielt werden kann. Es ist ihnen aber nicht durchweg überzeugend gelungen, zumal Blockflöte und Laute mit dem doch recht massiven Klang der Gambe nicht durchweg im Gleichgewicht sind.
Zu hören sind zudem das Siciliano aus der c-Moll-Violinsonate BWV 1017 und Wachet auf, ruft uns die Stimme BWV 645 aus den Schübler-Chorälen, das sich als Orgelstück in seiner Dreistimmigkeit dazu geradezu anbietet.
Außerdem erklingen Versionen des Pedal-Exercitiums BWV 598 für Gambe solo, des Preludes BWV 1006a - diese Bearbeitung stammt ausnahmsweise einmal von Bach selbst - und auch der Fuge in g-Moll BWV 1000 für Laute solo. Eines muss man sagen: Wer sein Instru- ment so beherrscht, wie diese drei Musiker, der darf sich an solche Experimente wagen. Temmingh spielt einmal mehr furios - und selbst wenn einen vielleicht einmal eine Bearbeitung nicht ganz so begei- stert, so entschädigen Virtuosität und Leidenschaft, die das Trio hier aufbietet, voll und ganz dafür.
Sonntag, 26. September 2010
The Gentleman's Flute (Oehms Classics)
Wer vor 200 Jahren die aktuellen Hits anhören wollte, der musste selbst musizieren. Instrumental- unterricht gehörte daher zur Stan- dard-Ausbildung der besseren Stände. Im London der Händel- Zeit galt beispielsweise das Cemba- lo als Instrument der Damen. "Ein wahrer Gentleman sollte niemals ohne seine Blockflöte ausgehen", schrieb John Hawkins 1776. Dass sich beides perfekt ergänzte, war ganz gewiss kein Zufall.
Und die Herren spielten dieses Instrument ziemlich gut, meint Blockflötist Stefan Temmingh: "Der Tonumfang der Blockflötenstimmen in Händelsonaten übersteigt fast nie anderthalb Oktaven. Sie sind leicht vom Blatt zu spielen. In den für Blockflöte arrangierten Opernarien handelte es sich oft um mehr als zwei Oktaven - sie gehören zur gehobenen, schwierigen Litera- tur. Man muss schon ziemlich gut sein, um diese Stücke zu spielen." Bereits wenige Tage nach der Premiere einer neuen Händel-Oper konnte das nach Opern schier narrische Publikum seinerzeit die ersten Arrangements der Ouvertüre sowie der beliebtesten Arien erwerben.
Derartige Hits hat Temmingh gemeinsam mit Musikerfreunden ein- gespielt. Dafür wurden etliche Stücke neu arrangiert, wobei sich die Musiker an zeitgenössischen Quellen orientierten, beispielsweise an den Transkriptionen von William Babell, Händels Cembalisten: "Sie sind unglaublich interessant", so der Flötist, "weil sie niedergeschrie- bene Verzierungen enthalten. Manche von Babells Ornamenten sind ungeheuerlich. Die haben wir übernommen. Selbstverständlich haben wir unsere eigenen verrückten Ideen - aber die verrücktesten stammen immer aus den Quellen."
Auch die Besetzung, für die sich Temmingh entschied, ist - gelinde gesagt - etwas unkonventionell: Neben diversen Blockflöten, Cembalo (Olga Watts), Viola da Gamba (Domen Marincic) sowie Laute und Theorbe (Axel Wolf) erklingen Barockfagott (Lyndon Watts), Barock- harfe (Loredana Gintoli) und sogar ein Salterio (Olga Mischula) - ein Modeinstrument des 18. Jahrhunderts, das einem Hackbrett ähnelt und auch so klingt, aber mit Ringplektren gezupft wird.
Die einzelnen Instrumente werden pfiffig eingesetzt, so dass sich ingesamt ein abwechslungsreiches Klangbild ergibt. Davor kann sich das virtuose Flötenspiel von Temmingh bestens entfalten. Meine Empfehlung, nicht nur für Händel-Fans.
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