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Sonntag, 3. Juli 2016

L'Harmonium excentrique de Karg-Elert (Gallo)

Sigfrid Karg-Elert (1877 bis 1933), eigentlich Siegfried Theodor Karg, verbrachte den größten Teil seines Lebens in Leipzig. Dort sang der Knabe im Chor der Johanniskirche, ging zum Klavierunterricht und komponierte erste Werke. Ein Stipendium ermöglichte es ihm, am Konservatorium zu studieren, wo unter anderem Carl Reinecke und Robert Teichmüller zu seinen Lehrern gehörten. 
Ab 1901 wirkte Karg-Elert vor allem als Klavierlehrer; außerdem kompo- nierte er, überwiegend Klavier- und Kammermusik. In späteren Jahre wandte er sich zudem der Orgel zu. 1919 wurde er Dozent für Musiktheorie und Komposition am Leipziger Konser- vatorium, 1932 Professor. Im Dritten Reich allerdings wurde seine Musik überhaupt nicht geschätzt. Auch in der Nachkriegszeit entsprach sie nicht den Idealen, so dass sie jahrzehntelang wenig gespielt wurde. Mittlerweile ändert sich das. Und es lohnt sich, wie diese CD beweist. 
Das Kunstharmonium ist ein Exot unter den Tasteninstrumenten. Karg-Elert, im Jahre 1904 durch den Musikverleger und Instrumentenhändler Carl Simon darauf hingewiesen, war begeistert – und spielte das Kunst- harmonium schon bald virtuos. Mit seinem farbenreichen Klang scheint es ein ideales Medium für seine Kompositionen gewesen zu sein. In Gesamt- werk Karg-Elerts hat die Musik für das Harmonium ganz besonderes Gewicht; niemand hat mehr Werke dafür geschaffen. 
Auf dieser CD präsentiert Joris Verdin, von Haus aus eigentlich Organist, Karg-Elerts Kompositionen für Kunstharmonium op. 26, die Sonatine in e-Moll op. 14 Nr. 2 und die Intarsien op 76. Dafür hat er zwei Instrumente aus der Werkstatt von Victor Mustel ausgewählt – ein Harmonium aus dem Jahre 1891 sowie ein Orgue-Célesta von 1927. Letzteres kombiniert auf jeweils einem Manual Célesta und Harmonium. Karg-Elerts Musik erscheint weniger „exzentrisch“ als vielmehr geistreich und handwerklich ungemein gut gemacht. Grandios! Eine Einspielung, die rundum beein- druckt. 

Montag, 14. Januar 2013

Willaert: Vespro della Beata Vergine (Ricercar)

Adriaen Willaert (um 1490 bis 1562) gilt als Vater der venezia- nischen Mehrchörigkeit. Der Komponist, der ursprünglich aus Flandern stammte, studierte in Paris, und trat 1515 in Rom in den Dienst des Kardinals Ippolito I. d'Este. Nach dessen Tod 1520 wirkte er bei Herzog Alfonso, dem Bruder des Kardinals. 1527 wurde er zum Kapellmeister an St. Markus in Venedig ernannt.
Willaert verstand es, den Raum und die exzellenten Sänger, die in der Hauskirche des Dogen zur Ver- fügung standen, virtuos in seine Musik einzubinden. Und er kombi- nierte die flämischen Prinzipien kontrapunktischer Komposition mit neuen Ideen, die er in Italien kennengelernt hatte. Wie prachtvoll das Ergebnis klang, das belegt diese CD, auf der die Capilla Flamenca unter Dirk Sneling eine Marienvesper rekonstruiert hat. Unterstützt wurde das Ensemble dabei durch Professor Dr. Wolfgang Horn von der Universität Regensburg, der noch nicht publizierte Transkriptio- nen für diese Einspielung zur Verfügung stellte.
Die Herren der Capilla Flamenca singen betörend. Und so stellt die Aufnahme nicht zuletzt die Klangpracht der venezianischen Mehrchörigkeit heraus, die bei den Zeitgenossen des Komponisten eine überwältigende Wirkung erzielt haben muss. Das war durchaus beabsichtigt, denn Venedigs Dogen hatten große Macht, und zeigten dies auch sehr deutlich. So erklangen an hohen Feiertagen die repräsentativen mehrchörigen Vesperpsalmen, wie sie in dem Band Di Adriano e di Iachet i salmi appartenenti alli Vesperi durch den Verleger Antonio Gardano 1550 veröffentlicht wurden. Sie wurden für diese CD durch zusätzliche Werke Willaerts zu Ehren der Jungfrau Maria aus anderen Sammlungen ergänzt. Als einziges Instrument erklingt hier die Orgel, aber nicht gleichzeitig mit dem Chor. Joris Verdin spielt Werke von Willaert sowie von Annibale Padovano (1527 bis 1575). Dieser war bis 1565 Organist der Markuskirche, und ging dann an den Hof von Erzherzog Karl II. nach Graz.