Albert Schweitzer (1875 bis 1965) war ein Mann von Überzeugung. Aus einem Pfarrhaus im Elsass stammend, studierte er Theologie und Philosophie (und parallel dazu Orgel bei Charles-Marie Widor). Er promovierte gleich doppelt, in Philosophie und Theologie; 1902 erfolgte seine Habilitation. So hätte Schweitzer zweifellos eine grandiose akademische Karriere offengestanden – doch statt dessen entschloss er sich, noch Medizin zu studieren, um dann als Missionsarzt nach Afrika zu gehen. 1913 grün- dete Schweitzer in Gabun das Urwaldhospital Lambaréné. Doch schon 1917 wurde das Ehepaar Schweitzer festgenommen und als Deutsche in Frankreich interniert. Nach dem Kriegsende unternahm Schweitzer alles denkbare, um Geld zu sammeln und nach Afrika zurückkehren zu können, was ihm 1924 dann auch gelang. Er sah das Heil für die Welt im Pazifismus, und wurde 1952 mit dem Friedens- nobelpreis geehrt.
Ebenso entschieden, wie er in seinen theologischen und politischen Schriften auftrat, engagierte sich Schweitzer auch im Bereich der Musik. Mit großer Leidenschaft setzte er sich für historische Orgeln ein. Er liebte den Klang der alten Silbermannorgeln im Elsass ebenso wie jenen der spätromantischen französischen Orgeln, und trat dafür ein, die Tugenden der französischen und der deutschen Orgelbaukunst miteinander zu verknüpfen.
Insbesondere mit der Musik Johann Sebastian Bachs beschäftigte er sich sehr intensiv. Bachs Orgelwerke publizierte er gemeinsam mit Widor in einer Urtextedition. Historische Aufnahmen geben Zeugnis davon, wie Schweitzer „seinen“ Bach gespielt haben wollte. Wer da spätromantisches Pathos erwartet, der wird seinen Ohren nicht trauen – der Arzt hat Bachs Noten sehr genau gelesen, und sorgsam darüber nachgedacht. Das Ergeb- nis wirkt geradezu spartanisch und darin sehr modern.
Eine Auswahl dieser alten Einspielungen ist bei Ifo Classics erschienen. Auf sechs CD sind zudem einige Vorträge und Reden des großen Humani- sten zu hören, sowie einige seiner Lieblingsstücke von Felix Mendelssohn Bartholdy, César Franck und seinem Lehrer Widor. Die Auswahl hat Dr. Wolf Kalipp mit Unterstützung durch viele Sammler und Institutionen zusammengetragen. Die alten Aufnahmen, teilweise noch auf Schellack-Platten, wurden zudem durch den Tonmeister und Restaurator Holger Siedler unglaublich perfekt remastert – kein Knistern und Rauschen, kein schwankender Ton, ja, sogar die Raumakustik hat Siedler mit berücksich- tigt und so auf digitalem Wege ein Wunderwerk erschaffen, das man auf einer modernen Stereoanlage mit Freude anhört. Phantastisch!
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Samstag, 14. März 2015
Samstag, 11. Januar 2014
Romantic Works for Flute and Piano (Genuin)
Zwei junge Musikerinnen stellen sich auf dieser CD vor. Die Flötistin Atsuko Koga studierte in Tokio und am Conservatoire National Supérieure de Musique de Paris. Sie war bei etlichen Wettbewerben erfolgreich, und musiziert als Solistin mit namhaften Orchestern. Begleitet wird sie am Klavier von Mayuko Miyata, die in Polen und in Deutschland studiert hat, und nun in Berlin lebt. Klangschön und virtuos präsentieren die Koga und Miyata Werke vor allem aus der französischen Tradition. Dabei kombinieren sie Populäres wie die berühmte Méditation aus der Oper Thais von Jules Massenet oder die Méditation sur le 1er Prélude de Bach von Charles Gounod, auch bekannt als Ave Maria, mit hierzulande wenig Bekanntem wie der Suite op. 34 pour flute et piano von Charles-Marie Widor. Es erklingt aber auch das Konzertstück Introduktion und Variationen über Trockne Blumen, das einzige Werk für Flöte von Franz Schubert.
Montag, 15. August 2011
Promenade (Indésens)
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhun- derts wird oftmals als das Goldene Zeitalter der Flöte in der franzö- sischen Musik angesehen. Vincent Lukas, Querflöte, und Emmanuel Strosser, Klavier, zeigen mit der vorliegenden Auswahl von Werken bedeutender Komponisten dieser Zeit, dass diese Epoche ihren Titel nicht zu Unrecht trug.
Sie begann mit der Einführung der Böhmflöte in Frankreich durch Louis Dorus - und damit, dass Dorus den jungen Claude Paul Taffanel unterrichtete. Schon während seines Studiums am Pariser Konservatorium wurde Taffanel Flötist an der Opéra-Comique, später an der Grand Opera. 1879 gründete der Musiker die Sociéte des Instruments à Vent; zahlreiche Kompositionen sind ihm gewidmet. 1893 wurde er der Nachfolger seines Lehrers Joseph-Henri Altès als Professor für Flöte am Conservatoire.
Auf dieser CD ist zwar kein Werk von Taffanel zu hören, der als Vater der neuzeitlichen französischen Schule des Flötenspiels gilt. Aber es erklingt eine Fantaisie seines Schülers Philipp Gaubert, mit dem er gemeinsam das Unterrichtswerk Méthode complète de flute verfasst hat.
Die CD beginnt mit der Fantaisie op. 79 von Gabriel Faure aus dem Jahr 1898, gewidmet Taffanel. Sie enthält zudem zwei revolutionäre Kompositionen von Claude Debussy, die heute zum Standardreper- toire eines jeden Flötisten gehören - Syrinx und Prélude à l'après-midi d'un faune, sowie die Suite op. 34 von Charles-Marie Widor, eine Sonate pour flute et piano von Francis Poulenc aus dem Jahre 1957, Le merle noir von Olivier Messiaen und Chant de Linos von André Jolivet - auch diese beiden Werke entstanden für den Flötenwettbe- werb des Conservatoire. Lucas, Soloflötist am Orchestre de Paris, und sein Klavierpartner Strosser zeigen, wie solche Kompositionen dem Instrument den Weg in die Moderne ebneten. Diese CD ist musikhisto- risch außerordentlich interessant; allerdings hat man etliche der bedeutenden Flötenstücke schon in anderen Aufnahmen gehört - mitunter auch besser gespielt.
Sie begann mit der Einführung der Böhmflöte in Frankreich durch Louis Dorus - und damit, dass Dorus den jungen Claude Paul Taffanel unterrichtete. Schon während seines Studiums am Pariser Konservatorium wurde Taffanel Flötist an der Opéra-Comique, später an der Grand Opera. 1879 gründete der Musiker die Sociéte des Instruments à Vent; zahlreiche Kompositionen sind ihm gewidmet. 1893 wurde er der Nachfolger seines Lehrers Joseph-Henri Altès als Professor für Flöte am Conservatoire.
Auf dieser CD ist zwar kein Werk von Taffanel zu hören, der als Vater der neuzeitlichen französischen Schule des Flötenspiels gilt. Aber es erklingt eine Fantaisie seines Schülers Philipp Gaubert, mit dem er gemeinsam das Unterrichtswerk Méthode complète de flute verfasst hat.
Die CD beginnt mit der Fantaisie op. 79 von Gabriel Faure aus dem Jahr 1898, gewidmet Taffanel. Sie enthält zudem zwei revolutionäre Kompositionen von Claude Debussy, die heute zum Standardreper- toire eines jeden Flötisten gehören - Syrinx und Prélude à l'après-midi d'un faune, sowie die Suite op. 34 von Charles-Marie Widor, eine Sonate pour flute et piano von Francis Poulenc aus dem Jahre 1957, Le merle noir von Olivier Messiaen und Chant de Linos von André Jolivet - auch diese beiden Werke entstanden für den Flötenwettbe- werb des Conservatoire. Lucas, Soloflötist am Orchestre de Paris, und sein Klavierpartner Strosser zeigen, wie solche Kompositionen dem Instrument den Weg in die Moderne ebneten. Diese CD ist musikhisto- risch außerordentlich interessant; allerdings hat man etliche der bedeutenden Flötenstücke schon in anderen Aufnahmen gehört - mitunter auch besser gespielt.
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