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Samstag, 14. März 2015

Albert Schweitzer - Der Organist (ifo Classics)

Albert Schweitzer (1875 bis 1965) war ein Mann von Überzeugung. Aus einem Pfarrhaus im Elsass stammend, studierte er Theologie und Philosophie (und parallel dazu Orgel bei Charles-Marie Widor). Er promovierte gleich doppelt, in Philosophie und Theologie; 1902 erfolgte seine Habilitation. So hätte Schweitzer zweifellos eine grandiose akademische Karriere offengestanden – doch statt dessen entschloss er sich, noch Medizin zu studieren, um dann als Missionsarzt nach Afrika zu gehen. 1913 grün- dete Schweitzer in Gabun das Urwaldhospital Lambaréné. Doch schon 1917 wurde das Ehepaar Schweitzer festgenommen und als Deutsche in Frankreich interniert. Nach dem Kriegsende unternahm Schweitzer alles denkbare, um Geld zu sammeln und nach Afrika zurückkehren zu können, was ihm 1924 dann auch gelang. Er sah das Heil für die Welt im Pazifismus, und wurde 1952 mit dem Friedens- nobelpreis geehrt. 
Ebenso entschieden, wie er in seinen theologischen und politischen Schriften auftrat, engagierte sich Schweitzer auch im Bereich der Musik. Mit großer Leidenschaft setzte er sich für historische Orgeln ein. Er liebte den Klang der alten Silbermannorgeln im Elsass ebenso wie jenen der spätromantischen französischen Orgeln, und trat dafür ein, die Tugenden der französischen und der deutschen Orgelbaukunst miteinander zu verknüpfen. 
Insbesondere mit der Musik Johann Sebastian Bachs beschäftigte er sich sehr intensiv. Bachs Orgelwerke publizierte er gemeinsam mit Widor in einer Urtextedition. Historische Aufnahmen geben Zeugnis davon, wie Schweitzer „seinen“ Bach gespielt haben wollte. Wer da spätromantisches Pathos erwartet, der wird seinen Ohren nicht trauen – der Arzt hat Bachs Noten sehr genau gelesen, und sorgsam darüber nachgedacht. Das Ergeb- nis wirkt geradezu spartanisch und darin sehr modern. 
Eine Auswahl dieser alten Einspielungen ist bei Ifo Classics erschienen. Auf sechs CD sind zudem einige Vorträge und Reden des großen Humani- sten zu hören, sowie einige seiner Lieblingsstücke von Felix Mendelssohn Bartholdy, César Franck und seinem Lehrer Widor. Die Auswahl hat Dr. Wolf Kalipp mit Unterstützung durch viele Sammler und Institutionen zusammengetragen. Die alten Aufnahmen, teilweise noch auf Schellack-Platten, wurden zudem durch den Tonmeister und Restaurator Holger Siedler unglaublich perfekt remastert – kein Knistern und Rauschen, kein schwankender Ton, ja, sogar die Raumakustik hat Siedler mit berücksich- tigt und so auf digitalem Wege ein Wunderwerk erschaffen, das man auf einer modernen Stereoanlage mit Freude anhört. Phantastisch!

Sonntag, 28. Juni 2009

Schweitzer/Wieland: Alceste (Berlin Classics)

Ein lang vergessenes Werk wurde in Weimar anlässlich der Wiedereröffnung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufgeführt: Die "Alceste", mit einem Text von Christoph Martin Wieland und Musik von Anton Schweitzer, seinerzeit ein erfolgreicher Komponist. Simone Schneider, Cyndia Sieden, Christoph Genz und Josef Wagner wagen sich an die höllisch schwierigen Partien dieses Kammerspiels, unterstützt vom Kammerchor Michaelstein und dem Concerto Köln unter Michael Hofstetter. Musiziert wird mit Bravour, daran gibt es nichts auszusetzen. Doch lediglich dem Engagement der Künstler ist es zu danken, wenn man beim Hören dieses schier endlosen Opus' nicht in den Schlaf sinkt. Ich glaube nicht, dass diese Oper außerhalb musealer Schutzräume ein Publikum finden wird - manche Werke sind auch zu Recht im Staub der Jahrhunderte versunken.