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Dienstag, 17. Mai 2011

Märsche aus dem kaiserlichen Wien (Ziehrer-Edition)

Die Österreicher müssen zur Zeit der Monarchie nach Musik schier verrückt gewesen sein. Regiments- kapellen, Platzkonzerte, Marsch- musik, viele, viele Feste, die eben- falls musikalisch umrahmt werden wollten, Operetten, Bälle - kurz und gut, wer das liebevoll zusammen- gestellte Beiheft zu dieser CD liest, der ahnt, wozu die vielen Märsche seinerzeit gut waren. 
Carl Michael Ziehrer (1843 bis 1922), der die meisten der hier vom Original C.M.Ziehrer Orche- ster eingespielten Werke komponierte, war ein Zeitgenosse der Strauss-Söhne. Seine Musik ist der des "Walzerkönigs" durchaus ebenbürtig; er wurde als Kapellmeister des berühmten K.u.k. Infan- terie-Regimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 weithin gefeiert, und wurde 1908 zum vierten und letzten k.k. Hofballmusikdirektor ernannt. 
Die jungen Wiener Musiker, die nun sein Erbe pflegen, musizieren mit Leidenschaft und jenem Temperament, das die Musik des versinken- den Habsburger-Reiches einst in ganz Europa so beliebt gemacht hatte. Diese schmissigen Märsche lassen auch gänzlich unmilitärische Menschen beschwingt mitpfeifen - mir jedenfalls gefällt die CD sehr. 

Samstag, 30. Oktober 2010

Urwiener Raritäten (Ziehrer-Edition)

Carl Michael Ziehrer (1843 bis 1922), eigentlich gelernter Hut- macher, zeigte schon früh auch musikalisches Talent. Der Musik- verleger Carl Haslinger investierte in die Ausbildung des jungen Mannes, weil er in ihm einen Nach- folger des Walzerkönigs Johann Strauss Sohn sah. In der Tat wurde sein Protegé dann 1907, nach Strauss' Bruder Eduard, der vierte und letzte k. k. Hofballmusik- direktor.
Ziehrer hat mehr als 600 Tänze und 23 Operetten komponiert. Er war der letzte Repräsentant des klassischen Zeitalters des Wiener Walzers; als er 1922 verarmt starb, ging eine Epoche zu Ende. Zur Pflege seines Werkes haben Wiener Enthusiasten 2003 das Original C.M. Ziehrer Orchester gegründet. Es spielt, unterstützt durch die Zeitung Die Presse, nun die Werke des Urwiener Komponisten ein - die vorliegende CD ist die Nummer 14 dieser Reihe. Sie enthält Märsche, Polkas und Walzer - und dazu einige Nummern aus seinen Operetten. Da findet sich das unverwüstliche Ja, beim Militär ist das Leben schwer aus der Operette Der Fremden- führer neben Stücken aus Ball bei Hof oder Fesche Geister; es singen Nina Berten, Sopran, und Jörg Schneider, Tenor.
Das alles hat sehr viel Wiener Flair; aber wer diese Stücke hört, der weiß auch bald, warum Strauss als Walzerkönig gilt. Man höre einen Mitschnitt vom Neujahrskonzert zum Vergleich. Dennoch ist es na- türlich zu begrüßen, dass sich die Wiener auch für das Erbe Ziehrers engagieren.