Ein Vater, der seiner Frau befohlen hat, sich selbst und seinen Sohn zu töten. Eine Mutter, die nicht nur von ihrem Mann verstoßen und aus dem Palast verjagt wird, sondern just in diesem Moment obendrein die Entführung ihres Sohnes beobachten muss. Ein junger Mann, der einen Befehl nicht befolgt hat, und nun im Gefängnis sitzt und seine Hinrichtung erwartet. Mit Leidenschaft spürt Mezzosopranistin Magdalena Kozena Menschen in Extremsituationen nach, und in Vivaldis Opern wurde sie reichlich fündig. Sie erweist sich als Meisterin der Melancholie, zeigt aber zugleich in einigen Stücken, dass sie auch die rasante Tour durchaus beherrscht. Der Bartoli freilich, der seinerzeit mit ihrem Vivaldi-Album der große Durchbruch gelang, mit ihrem Temperament und mit ihrem dunklen Timbre, liegt dies wohl besser. Magdalena Kozenas Stärke liegt hörbar in der großen, schmerzlichen Linie, spannungsgeladen, stimmungsvoll. Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra tragen sie dabei, verzichten aber keineswegs darauf, eigene Akzente zu setzen. So entsteht ein in der Summe grandioses Album, das man immer wieder hören möchte.
Montag, 10. August 2009
Magdalena Kozena - Vivaldi (Deutsche Grammophon)
Ein Vater, der seiner Frau befohlen hat, sich selbst und seinen Sohn zu töten. Eine Mutter, die nicht nur von ihrem Mann verstoßen und aus dem Palast verjagt wird, sondern just in diesem Moment obendrein die Entführung ihres Sohnes beobachten muss. Ein junger Mann, der einen Befehl nicht befolgt hat, und nun im Gefängnis sitzt und seine Hinrichtung erwartet. Mit Leidenschaft spürt Mezzosopranistin Magdalena Kozena Menschen in Extremsituationen nach, und in Vivaldis Opern wurde sie reichlich fündig. Sie erweist sich als Meisterin der Melancholie, zeigt aber zugleich in einigen Stücken, dass sie auch die rasante Tour durchaus beherrscht. Der Bartoli freilich, der seinerzeit mit ihrem Vivaldi-Album der große Durchbruch gelang, mit ihrem Temperament und mit ihrem dunklen Timbre, liegt dies wohl besser. Magdalena Kozenas Stärke liegt hörbar in der großen, schmerzlichen Linie, spannungsgeladen, stimmungsvoll. Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra tragen sie dabei, verzichten aber keineswegs darauf, eigene Akzente zu setzen. So entsteht ein in der Summe grandioses Album, das man immer wieder hören möchte.
Händel: Wassermusik - Concerto Köln (Berlin Classics)
Am 17. Juli 1717 ließ sich George I. von England von Whitehall nach Chelsea rudern. Und wer in London damals auf sich hielt, der setzte alles daran, den König auf dieser Lustpartie zu begleiten. Diese freilich wäre längst vergessen, wenn nicht auch ein Schiff mit Musikern unterwegs gewesen wäre, die drei eigens zu diesem Anlass komponierte Suiten spielten. Sie gefielen dem König so gut, dass er sie zweimal wiederholen ließ, berichten die Zeitungen. Nicht nur dem König sagten die knackigen Musikstücke zu - Händels "Wassermusik", benannt nach dem Anlass ihrer Erstaufführung, gehört sozusagen zu den Klassikern der U-Musik. Und das Concerto Köln, bekannt als Spezialist für historische Aufführungspraxis, bläst und fegt in der vorliegenden Interpretation erstaunlich viel Staub davon. So lustvoll musiziert, so beschwingt dahingleitend, so leicht, spritzig und elegant hat man das noch nicht gehört. Da sitzt jeder Ton, da stimmt jeder Bogenstrich, und auch die Hörner zeigen sich jeglicher Herausforderung bestens gewachsen. Und als Zugabe bringt die CD noch zwei Sinfonien in B-Dur, entstanden wohl in jungen Jahren. Sehr erfreulich!
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