Donnerstag, 11. Februar 2010

Bach Motets - Bach Collegium Japan (BIS)

"Nur eine Eisenstange könnte seiner Frische, Ernsthaftigkeit und geistigen Kraft ungerührt wider- stehen." Das schrieb die Times über Masaaki Suzuki, den Gründer und musikalischen Leiter des Bach Collegiums Japan. Und damit hat die britische Zeitung ohne Zweifel recht.
Der Spezialist für Alte Musik arbeitet seit Jahren mit seinem Ensemble an einer Gesamt- einspielung von Bachs Vokalwerk für das schwedische Label BIS Records. Diese CD enthält die fünf allgemein bekannten Motetten Bachs, und noch drei weitere Werke, um deren Authentizität bzw. Gattungszugehörigkeit Musikwissenschaftler streiten. Suzuki weiß das, aber es ficht ihn nicht an. Denn von Bach kann das japanische Ensemble offensichtlich  nicht genug bekommen. 
Jeder Takt, den Suzuki und seine Musiker erklingen lassen, ist theoretisch wohlfundiert. Und natürlich setzt das Bach Collegium Japan bei der Aufführung von Bachs Motetten Instrumente ein. Die Interpretation erinnert in ihrer Schwerelosigkeit und Beschwingtheit stark an die Vortragsmanier der American Bach Soloists. Auch das Bach Collegium Japan ist so schlank besetzt, dass die gesamte Einspielung eher solistisch als chorisch wirkt. Das hat Vorteile. So wird überaus reich verziert, und die Tempi erscheinen durchweg ausgesprochen mutig. Es hat aber auch Nachteile, denn es erschwert die dynamische Differenzierung. Es fehlt der Wechsel zwischen Solisten und Tutti, und das nimmt der Doppelchörigkeit an manchen Stellen schon etwas von ihrem Reiz.
Unterm Strich jedoch ist diese CD ausgesprochen hörenswert; das Bach Collegium Japan ist ohne Zweifel ein erstklassiges Ensemble, und die (Barock-)Sänger sind ohne Einschränkungen exzellent.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Russian Soul - Kapustin, Rachmaninoff (Genuin)

Die russische Seele, soso. Etwas genervt ob des Covers, starte ich die CD - und bin augenblicklich fasziniert: Was Cellist Eckart Runge und Pianist Jacques Ammon da bieten, das ist ganz große Musik.
Die beiden spielen seit Jahren als Celloprojekt zusammen. Über die Beschäftigung mit Tango und Filmmusik hatten sich die Musiker an den Jazz herangetastet. In dieser Situation hörte Runge erstmals Werke von Nikolai Kapustin.
Dieser Komponist, traditionell als Klaviervirtuose ausgebildet am Moskauer Konservatorium, hat eine ganz eigene musikalische Sprache entwickelt: Seine Stücke sind durchkomponiert; doch sie nutzen rhythmische und harmonische Elemente von Jazz, Blues, Soul, Rock und Pop - kombiniert mit Formen der klassischen Musik, gewürzt mit einer Prise russischem Weltschmerz und einer gewaltigen Portion Ironie. 
Auf abenteuerlichen Wegen besorgten sich Runge und Ammon Noten seiner Werke für Klavier und Cello, und begannen mit der Arbeit an seinen Stücken. "Es wurde immer deutlicher, was für einen Schatz wir gehoben hatten", erinnert sich Runge voll Begeisterung. "Genau so eine Musik hatten wir immer spielen wollen, nun hatten wir sie auf dem Pult!" 
Doch dann ergaben sich Fragen, auf die nur einer antworten konnte: Der Komponist selbst. Und so reisten Ammon und Runge im November 2005 nach Moskau, um Kapustin vorzuspielen und von ihm zu lernen. Das Resultat ist grandios.
Das gilt auch für die Werke von und nach Rachmaninoff. Runge und Ammon lassen Cello und Flügel um die Wette singen - was dem melodiösen, lyrischen Charakter dieser Klassiker perfekt entspricht.