Auf dieser CD frönt Els Biesemans gleich drei Steckenpferden. Da ist zum einen ihr Interesse für histori- sche Klaviere und ihren ganz speziellen Klang. Dazu kommt ihr Faible für Franz Liszt, den sie sowohl als Komponisten als auch als Persön- lichkeit faszinierend findet. Und deutlich spürbar ist zudem ihre enor- me Begeisterung für das romantische Repertoire, insbesondere die Lieder: „Das wunderbare Zusammenspiel von poetischen Texten, Melodien und Klavierbegleitungen hat mich immer sehr berührt“, schreibt die belgische Pianistin in dem außerordentlich lesenwerten Beiheft. „Die Entdeckung der Liedbearbeitungen gab mir die Möglichkeit, auch allein ohne Sänger in diese Welt einzutauchen.“
So hat sie nun, nach ihrem viel beachteten Debüt mit Fanny Hensel-Men- delssohns Klavierzyklus Das Jahr bei Genuin eine CD mit Lied-Transkrip- tionen von Franz Liszt vorgelegt. Im Mittelpunkt dieser Aufnahme stehen seine Versionen von zwölf Lieder aus Franz Schuberts Winterreise, er- gänzt um das brillante Auf dem Wasser zu singen sowie weitere Liedbear- beitungen nach Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Frédéric Chopin.
Schuberts Werke schätzte Liszt offenbar sehr. „Von den etwa 150 Lied-Transkriptionen, die Liszt für Klavier solo anfertigte, betreffen nicht weniger als 55 Nummern Schubert-Lieder“, berichtet Biesemans. „Man bekommt den Eindruck, dass er aus den 24 Liedern der Winterreise genau die Lieder ausgewählt hat, in denen er am trefflichsten sein eigenes Leben spiegeln konnte. Der Wanderer, der die Natur durchstreift, ist auch Symbol für das Leben als herumreisender Konzertvirtuose.“
Bei seinen Liedtranskriptionen legte Liszt besonderen Wert auf den Aus- druck. Eine notengetreue Übertragung genügte ihm dazu nicht. So inter- pretiert er den Textinhalt mit pianistischen Mitteln, wozu er durchaus auch den Tonumfang des Flügels ausnutzt. Allzu virtuose Einfälle allerdings, wie man sie von den für Konzerte komponierten Opernparaphrasen gewohnt ist, vermeidet Liszt in diesem Falle. Els Biesemans hat für diese beeindruckenden Werke einen Flügel von Aloys Biber (1804 bis 1858) mit Wiener Mechanik ausgewählt. Dieser Klavierbauer, der aus Franken stammte, hatte seine Werkstatt in München.
Biesemans versteht sich bestens darauf, diesem Instrument Klangeffekte zu entlocken. Sie spielt sehr präzise, setzt Liszts Vortragsbezeichnungen um, und trifft ebenso perfekt die jeweils passenden Klangfarben. Ob kammer- musikalisch zurückhaltend oder üppig orchestral – die Pianistin musiziert durchdacht und stets überzeugend. Kurz: Gefällt mir! Brava!
Mittwoch, 3. Dezember 2014
Dienstag, 2. Dezember 2014
Lechner: Geistliche Festmusik (Christophorus)
Über Leonhard Lechner (um 1553 bis 1606) und seinen Lebensweg ist nicht viel bekannt. Es wird vermutet, dass er aus dem Etschtal in Südtirol stammt. Seine Musikerlaufbahn begann er möglicherweise an der Münchner Hofkapelle, wo er ein Schüler Orlando di Lassos gewesen sein könnte. Dass Lechner seine Ausbildung in Italien fortgesetzt hat, lässt sich ebenfalls nicht nachwei- sen. Seine Werke allerdings geben Zeugnis davon, dass er mit der zeit- genössischen italienischen Musik bestens vertraut war.
Um 1575 ging Lechner nach Nürnberg. Dort war er zunächst als Schul- gehilfe an der größten städtischen Lateinschule St. Lorenz angestellt, erwarb sich aber bald einen Namen als Komponist, weshalb ihn die Stadt 1582 zum archimusicus ernannte und mit der Leitung des städtischen Musiklebens beauftragte. Dennoch ging Lechner 1584 als Kapellmeisters an den Hof des Grafen Eitel Friedrich von Hohenzollern in Hechingen. Von dort entwich er aber bald darauf, suchte bei Herzog Ludwig von Württemberg Schutz und bewarb sich in Dresden. Der Kurfürst holte Referenzen ein, und vergab die Anstellung dann doch lieber an Rogier Michael. Lechner hingegen wurde 1586 württembergischer Hofkomponist und 1594 Hofkapellmeister.
Auch wenn er uns heute insbesondere als Liedkomponist noch ein Begriff ist – Lechner hat, vor allem in seinen Nürnberger Jahren, eine Vielzahl von Gelegenheitskompositionen geschaffen. So erhielt er den Auftrag, die Festmusik zur Hochzeit des Neffen des ehemaligen Bürgermeisters Hans Welser mit der Tochter des amtierenden Bürgermeisters Endres Imhoff zu schreiben. Das Ensemble Officium hat gemeinsam mit dem Ensemble Gabinetto Armonico unter der Leitung von Wilfried Rombach eine hörens- werte Auswahl daraus bei Christophorus eingespielt. Neben der Missa super Domine, Dominus noster findet sich auf der CD auch Lechners vierundzwanzigstimmige Motette Quid Chaos in der Tradition ähnlich monumentaler Werke von Alessandro Striggio und Thomas Tallis. Vorausgehend erklingen zudem das Vorbild für Lechners Missa – ein Werk von Orlando di Lasso – sowie ein Präludium von Andrea Gabrieli. So wird hörbar, wie stark diese Musik stilistisch aufeinander bezogen ist.
Ergänzend sind vier sechsstimmige Motteten aus den Motectae Sacrae (1575) sowie die erst kürzlich in Flensburg wiederentdeckten Kronburg-Motetten fur den dänischen König Friedrich II. zu hören. Das letzte Werk auf der CD schuf Lechner 1604 für die Hochzeit des Herzogs Johann Georg von Sachsen mit Prinzessin Sibylle Elisabeth von Württemberg. Das Manuskript der dreichörigen, fünfzehnstimmigen Festmotette Laudate Dominum befindet sich noch heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
Um 1575 ging Lechner nach Nürnberg. Dort war er zunächst als Schul- gehilfe an der größten städtischen Lateinschule St. Lorenz angestellt, erwarb sich aber bald einen Namen als Komponist, weshalb ihn die Stadt 1582 zum archimusicus ernannte und mit der Leitung des städtischen Musiklebens beauftragte. Dennoch ging Lechner 1584 als Kapellmeisters an den Hof des Grafen Eitel Friedrich von Hohenzollern in Hechingen. Von dort entwich er aber bald darauf, suchte bei Herzog Ludwig von Württemberg Schutz und bewarb sich in Dresden. Der Kurfürst holte Referenzen ein, und vergab die Anstellung dann doch lieber an Rogier Michael. Lechner hingegen wurde 1586 württembergischer Hofkomponist und 1594 Hofkapellmeister.
Auch wenn er uns heute insbesondere als Liedkomponist noch ein Begriff ist – Lechner hat, vor allem in seinen Nürnberger Jahren, eine Vielzahl von Gelegenheitskompositionen geschaffen. So erhielt er den Auftrag, die Festmusik zur Hochzeit des Neffen des ehemaligen Bürgermeisters Hans Welser mit der Tochter des amtierenden Bürgermeisters Endres Imhoff zu schreiben. Das Ensemble Officium hat gemeinsam mit dem Ensemble Gabinetto Armonico unter der Leitung von Wilfried Rombach eine hörens- werte Auswahl daraus bei Christophorus eingespielt. Neben der Missa super Domine, Dominus noster findet sich auf der CD auch Lechners vierundzwanzigstimmige Motette Quid Chaos in der Tradition ähnlich monumentaler Werke von Alessandro Striggio und Thomas Tallis. Vorausgehend erklingen zudem das Vorbild für Lechners Missa – ein Werk von Orlando di Lasso – sowie ein Präludium von Andrea Gabrieli. So wird hörbar, wie stark diese Musik stilistisch aufeinander bezogen ist.
Ergänzend sind vier sechsstimmige Motteten aus den Motectae Sacrae (1575) sowie die erst kürzlich in Flensburg wiederentdeckten Kronburg-Motetten fur den dänischen König Friedrich II. zu hören. Das letzte Werk auf der CD schuf Lechner 1604 für die Hochzeit des Herzogs Johann Georg von Sachsen mit Prinzessin Sibylle Elisabeth von Württemberg. Das Manuskript der dreichörigen, fünfzehnstimmigen Festmotette Laudate Dominum befindet sich noch heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
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