1568 wurde in München die Hochzeit des bayerischen Erzherzogs Wilhelm V. mit Renata von Lothringen gefeiert. Es war ein großes Fest, das sagenhafte 18 Tage dauerte. Und natürlich kamen zu den Feierlich- keiten der Hochadel und Gesandte aus ganz Europa.
Dass auch die Hofkapelle dazu mit Außerordentlichem aufwartete, versteht sich wohl von selbst. Hofkapellmeister Orlando di Lasso (1532 bis 1594) komponierte speziell für diesen Anlass Messen und Motetten. Er führte mit seinen Sängern und Musikern aber auch auserlesene Werke von Zeitgenossen auf, wie die Missa à 24 von Annibale Padovano (1527 bis 1575) und die vierzigstimmige Motette Ecce beatam lucem von Alessandro Striggio (1536 bis 1592). Die Klangpracht, die die Hofkapelle aufbieten konnte, muss überwältigend gewesen sein.
Herzog Albrecht ließ sich diesen Prunk gern etwas kosten – so standen damals neben dem Hofkapellmeister auch zwölf Sängerknaben, gut 40 erwachsene Sänger, zwölf Bläser und Streicher, drei Organisten, ein Kalkant, ein Orgelbauer und ein Kapellmeister in seinen Diensten. Wie sie zur Fürstenhochzeit aufspielten, das hat der Hofsänger Massimo Troiano glücklicherweise ausführlich beschrieben. Er hat aber nur Besetzungsangaben notiert, und dazu einige wenige Namen von Komponisten.
Musikwissenschaftlern ist es nun gelungen, Musikstücke zu identifizieren, die seinerzeit erklungen sein könnten. Die Forschungsergebnisse sind die Grundlage für diese herrliche CD, auf der das vielfach preisgekrönte Instrumentalensemble Musica Fiata unter seinem Leiter Roland Wilson zusammen mit dem Vokalensemble La Capella Ducale die spektakulären Münchener Hochzeitsmusiken in Ausschnitten präsentiert. Zu hören sind neben einer Missa festiva, vorgetragen von drei Chören, die sich jeweils noch einmal in zwei Gruppen teilten, auch die kompletten Musiken, die das Bankett am Tage der Trauung begleitet haben. Es hatte acht Gänge, man kann sich also vorstellen, wie abwechslungsreich auch die Klänge waren, die die Hofkapelle dazu dargeboten hat. Zwar endete es ursprünglich mit einer Motette von Orlando di Lasso, aber Wilson konnte der Versuchung nicht widerstehen und ersetzte dieses originale Werk durch Striggios berühmtes Ecce beatam lucem, das eigentlich erst zum Abschluss der Feierlichkeiten am 7. März 1568 erklungen ist.
Neben bekannten Instrumenten wie Violinen, Zink, Flöten, Posaunen und Laute sind auch Instrumente wie Dolzaina und Cornamusa zu hören, die extra für diese Aufnahme rekonstruiert worden sind. Außerdem bricht Wilson mit dem Brauch, die alten Musikstücke in originaler Lage aufzuführen. Denn die Forschung konnte nachweisen, dass in München seinerzeit eigentlich durchweg transponiert wurde. Das hat verblüffende klangliche Effekte, die auf dieser CD zu bestaunen sind. Grandios, unbedingt anhören!
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Samstag, 4. Mai 2019
Montag, 30. Juli 2018
Gabrieli for Brass (Linn Records)
An wohl keinem anderen Ort der Welt wurde im 16. Jahrhundert so prächtig musiziert wie in Venedig. Andrea und Giovanni Gabrieli, Organisten am Markusdom, nutzten die Architektur dazu geschickt aus, indem sie Chöre von Sängern und Musikern im Gebäude verteilten. Damit erzielten sie Klangeffekte, die das Publikum sehr beeindruckten.
Dass das mehrchörige Musizieren noch immer attraktiv ist, beweist diese CD, die Studierende der Royal Academy of Music und der Juilliard School gemeinsam eingespielt haben. Es ist erstaunlich, wie viele Blechbläser diese beiden renommierten Musikhochschulen aufzubieten haben; dass die angehenden Musiker auf höchstem Niveau agieren, darf man voraussetzen.
Unter Leitung von Reinhold Friedrich, Visiting Professor of Trumpet an der Royal Academy of Music, haben die Trompeter und Posaunisten, unterstützt durch Benedict Williams an der Orgel, die Werke Gabrielis und seiner Zeitgenossen sorgsam studiert. Mit ihren modernen Instrumenten können sie zwar den Klang der Renaissance-Originale nicht imitieren. Aber sie können die musikalische Rhetorik und die Verzierungspraxis jener Zeit nachvollziehen, und sie können mitteltönig statt temperiert spielen. Das Ergebnis hätte auch den Venezianern gefallen. Was für ein Glanz! Ein derart leistungsstarkes Blechbläserensemble war seinerzeit wohl nicht einmal am Kaiserhof zu hören.
Dass das mehrchörige Musizieren noch immer attraktiv ist, beweist diese CD, die Studierende der Royal Academy of Music und der Juilliard School gemeinsam eingespielt haben. Es ist erstaunlich, wie viele Blechbläser diese beiden renommierten Musikhochschulen aufzubieten haben; dass die angehenden Musiker auf höchstem Niveau agieren, darf man voraussetzen.
Unter Leitung von Reinhold Friedrich, Visiting Professor of Trumpet an der Royal Academy of Music, haben die Trompeter und Posaunisten, unterstützt durch Benedict Williams an der Orgel, die Werke Gabrielis und seiner Zeitgenossen sorgsam studiert. Mit ihren modernen Instrumenten können sie zwar den Klang der Renaissance-Originale nicht imitieren. Aber sie können die musikalische Rhetorik und die Verzierungspraxis jener Zeit nachvollziehen, und sie können mitteltönig statt temperiert spielen. Das Ergebnis hätte auch den Venezianern gefallen. Was für ein Glanz! Ein derart leistungsstarkes Blechbläserensemble war seinerzeit wohl nicht einmal am Kaiserhof zu hören.
Samstag, 17. März 2018
Easter Celebration at St. Mark's in Venice 1600 (Brilliant Classics)
So könnte die Musik zur Ostermesse im Markusdom zu Venedig um das Jahr 1600 geklungen haben. Das Ensemble San Felice, dirigiert von Federico Bardazzi, musiziert gemeinsam mit dem Coro Ensemble Capriccio Armonico, der von Gianni Mini geleitet wird. An der Orgel ist Dimitri Betti zu hören.
Die Aufnahme ist zugleich ein Beitrag zum 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), der im vergangenen Jahr festlich begangen wurde. So alternieren in diesem Programm Sätze aus Monteverdis Messa a 4 da cappella SV 257 aus dem Selva morale e spirituale und Instrumentalmusik von Giovanni Gabrieli sowie Giovanni Paolo Cima. Komplettiert wird die Rekonstruktion der Liturgie durch einige gregorianische Gesänge.
Es ergibt sich das Bild einer Messe, die nicht nur feierlich begangen, sondern dabei auch ausgesprochen üppig musikalisch ausgestaltet wurde. Allerdings sind sich die Mitwirkenden, was die Tempi angeht, leider nicht immer ganz einig. Und die Singstimmen klingen nach Oper, nicht nach „Alter“ Musik, was das Vergnügen an dieser Einspielung mitunter etwas schmälert.
Die Aufnahme ist zugleich ein Beitrag zum 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), der im vergangenen Jahr festlich begangen wurde. So alternieren in diesem Programm Sätze aus Monteverdis Messa a 4 da cappella SV 257 aus dem Selva morale e spirituale und Instrumentalmusik von Giovanni Gabrieli sowie Giovanni Paolo Cima. Komplettiert wird die Rekonstruktion der Liturgie durch einige gregorianische Gesänge.
Es ergibt sich das Bild einer Messe, die nicht nur feierlich begangen, sondern dabei auch ausgesprochen üppig musikalisch ausgestaltet wurde. Allerdings sind sich die Mitwirkenden, was die Tempi angeht, leider nicht immer ganz einig. Und die Singstimmen klingen nach Oper, nicht nach „Alter“ Musik, was das Vergnügen an dieser Einspielung mitunter etwas schmälert.
Dienstag, 31. Oktober 2017
Giovanni Gabrieli: Complete Keyboard Music (Brilliant Classics)
Giovanni Gabrieli (um 1555 bis 1612) war der Neffe von Andrea Gabrieli (1532/33 bis 1585). Er war ein Schüler seines Onkels, und setzte seine Ausbildung dann in München fort, wo er mehrere Jahre im Umfeld von Hofkapellmeister Orlando di Lasso und Hoforganist Gioseffo Guami verbracht haben soll. In den 1580er Jahren kehrte er nach Venedig zurück. 1585 wurde er zweiter Organist am Markusdom, und nach dem Tode seines Onkels wurde er dessen Nachfolger als Hauptorganist und Komponist. Er hielt das Werk seines Onkels in hohen Ehren; so ließ er dessen Kompositionen drucken, und führte die venezianische Mehrchörigkeit zu hoher Blüte. Giovanni Gabrieli war auch der Lehrer von Heinrich Schütz, der wiederum die deutsche Musik entscheidend prägte.
Umso interessanter ist ein Projekt, das Roberto Loreggian verwirklicht hat. Der Organist und Cembalist, ein ausgewiesener Experte für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, hat sich mit der Musik der beiden veneziani- schen Komponisten intensiv beschäftigt – und er hat dann zunächst sämtliche Werke für Tasteninstrumente von Andrea Gabrieli eingespielt, und nachfolgend auf drei CD auch die seines Neffen. Dabei ging es ihm darum, ein möglichst authentisches Klangbild zu erzielen.
So spielt er in dieser Einspielung eine Orgel, die der Orgelbauer Vincenzo Colombi im 16. Jahrhundert im Dom von Valvasone errichtet hat. Sie wurde zwar mehrfach umgebaut, aber 1999 durch Francesco Zanin sorgsam restauriert und wieder weitgehend in den ursprünglichen Zustand gebracht. Loreggian verweist darauf, dass dieses prächtige Instrument – mit einem Stimmton von 492,5 Hz – das einzige original venezianische ist, das erhalten geblieben ist. Neben dieser kostbaren historischen Orgel erklingt ein italienisches Cembalo aus dem 17. Jahrhundert – der Instrumentenbauer ist nicht bekannt – aus einer privaten Sammlung.
Loreggian hat aber nicht nur Instrumente ausgewählt, mit denen sich der Klang jener Zeit an der Nahtstelle von Renaissance und Barock nachvoll- ziehen lässt. Er versucht auch, Fingersätze zu verwenden, wie sie damals üblich waren, die Register authentisch zu wählen, und zeitgemäße Verzierungen zu gestalten. Das macht diese Einspielung der Toccaten, Fugen, Intonationen, Canzoni, Ricercari und Fantasien doppelt interessant – abgesehen davon, dass diese alten Musikstücke auch atemberaubend schön sind. Sehr beeindruckend!
Umso interessanter ist ein Projekt, das Roberto Loreggian verwirklicht hat. Der Organist und Cembalist, ein ausgewiesener Experte für die Musik des 16. und 17. Jahrhunderts, hat sich mit der Musik der beiden veneziani- schen Komponisten intensiv beschäftigt – und er hat dann zunächst sämtliche Werke für Tasteninstrumente von Andrea Gabrieli eingespielt, und nachfolgend auf drei CD auch die seines Neffen. Dabei ging es ihm darum, ein möglichst authentisches Klangbild zu erzielen.
So spielt er in dieser Einspielung eine Orgel, die der Orgelbauer Vincenzo Colombi im 16. Jahrhundert im Dom von Valvasone errichtet hat. Sie wurde zwar mehrfach umgebaut, aber 1999 durch Francesco Zanin sorgsam restauriert und wieder weitgehend in den ursprünglichen Zustand gebracht. Loreggian verweist darauf, dass dieses prächtige Instrument – mit einem Stimmton von 492,5 Hz – das einzige original venezianische ist, das erhalten geblieben ist. Neben dieser kostbaren historischen Orgel erklingt ein italienisches Cembalo aus dem 17. Jahrhundert – der Instrumentenbauer ist nicht bekannt – aus einer privaten Sammlung.
Loreggian hat aber nicht nur Instrumente ausgewählt, mit denen sich der Klang jener Zeit an der Nahtstelle von Renaissance und Barock nachvoll- ziehen lässt. Er versucht auch, Fingersätze zu verwenden, wie sie damals üblich waren, die Register authentisch zu wählen, und zeitgemäße Verzierungen zu gestalten. Das macht diese Einspielung der Toccaten, Fugen, Intonationen, Canzoni, Ricercari und Fantasien doppelt interessant – abgesehen davon, dass diese alten Musikstücke auch atemberaubend schön sind. Sehr beeindruckend!
Dienstag, 14. Februar 2017
Da Pacem - Echo der Reformation (Deutsche Harmonia Mundi)
Zum 500. Jubiläum der Reformation ist nun eine ganz besondere CD erschienen. Der Rias Kammerchor hat sich dazu mit der Capelle de la Torre zusammengetan; es dirigiert Florian Helgath, ein erfahrener und etablierter Chorleiter. Er hat auch mit dem Rias Kammerchor bereits mehrfach zusammengearbeitet, und ist daher mit dem leistungsstarken Ensemble bestens vertraut – was nicht schaden kann, wenn man sich einem Repertoire zuwendet, das zwar prächtig klingt, aber seine Tücken hat. Denn zum einen liegt Musik aus dem 16. Jahrhundert üblicherweise nicht besonders häufig auf dem Pult eines Profi-Chorsängers. Zum anderen lebt das mehrchörige Musizieren nicht zuletzt von der Präzision, mit der alle Beteiligten zusammenwirken. Helgath freilich navigiert mit sicherer Hand durch die Klangfluten beispielsweise der Magnificat-Kompositionen von Giovanni Gabrieli und Michael Preatorius.
Der Rias Kammerchor singt hinreißend, so als wäre er auf „Alte“ Musik spezialisiert. Und die Sängerinnen und Sänger gestalten auch die Soli bestens – man höre nur das Kleine geistliche Konzert SWV 285 von Heinrich Schütz, das von der Sopranistin Anja Petersen wunderbar vor- gestellt wird. Die Musiker der Capelle de la Torre um Katharina Bäuml leisten ebenfalls einen beeindruckenden Beitrag zur Klangpracht.
Die ausgewählten Werke bedeutender Komponisten, wie Orlando di Lasso, Heinrich Schütz, Claudio Monteverdi oder Luca Marenzio verdeutlichen, dass auch nach der Reformation eigentlich die Gemeinsamkeiten deutlich stärker waren als das Trennende. Ob italienische oder deutsche Musiker, ob katholisch oder evangelisch – auf die Noten wirken sich diese Unter- schiede kaum aus. Wie prophetisch und dringlich die Bitte der Sänger um Frieden an der Schwelle zum 17. Jahrhundert war, das zeigte sich leider sehr bald. Denn mit dem Prager Fenstersturz im Jahre 1618 begann ein verheerender Krieg, der 30 Jahre dauerte, und ganz Mitteleuropa ver- wüstete.
Der Rias Kammerchor singt hinreißend, so als wäre er auf „Alte“ Musik spezialisiert. Und die Sängerinnen und Sänger gestalten auch die Soli bestens – man höre nur das Kleine geistliche Konzert SWV 285 von Heinrich Schütz, das von der Sopranistin Anja Petersen wunderbar vor- gestellt wird. Die Musiker der Capelle de la Torre um Katharina Bäuml leisten ebenfalls einen beeindruckenden Beitrag zur Klangpracht.
Die ausgewählten Werke bedeutender Komponisten, wie Orlando di Lasso, Heinrich Schütz, Claudio Monteverdi oder Luca Marenzio verdeutlichen, dass auch nach der Reformation eigentlich die Gemeinsamkeiten deutlich stärker waren als das Trennende. Ob italienische oder deutsche Musiker, ob katholisch oder evangelisch – auf die Noten wirken sich diese Unter- schiede kaum aus. Wie prophetisch und dringlich die Bitte der Sänger um Frieden an der Schwelle zum 17. Jahrhundert war, das zeigte sich leider sehr bald. Denn mit dem Prager Fenstersturz im Jahre 1618 begann ein verheerender Krieg, der 30 Jahre dauerte, und ganz Mitteleuropa ver- wüstete.
Mittwoch, 19. Oktober 2016
Winds and Pipes (Genuin)
Der Klang von Pauken und Trompe- ten symbolisiert weltliche Macht, die Orgel steht für das geistliche Regi- ment. Auf dieser CD ist zu erleben, welch unglaubliche Klangpracht Bläser und Orgel zustande bringen, wenn man beides gekonnt kombi- niert. Dazu hat die Sächsische Bläserphilharmonie unter Thomas Clamor gemeinsam mit dem Leipziger Universitätsorganisten Daniel Beil- schmidt Werke von der Renaissance bis zur Moderne ausgewählt, die sämtlich ihre Wurzel in der Kirchen- musik haben.
In spannungsvollem Dialog eröffnen die Musiker mystische Klangräume. Ob Flor Peeters' (1903 bis 1986) Entrata Festiva op. 93 oder die Marche-Fantaisie op. 44 von Félix Alexandre Guilmant (1837 bis 1911) in einer groß besetzten Fassung für Orgel und Orchester – das klingt alles üppig, kraftvoll und staatstragend. In Weltersteinspielung zu hören ist das Concertino für Orgel und Blasorchester des Schweizer Komponisten Thomas Trachsel, Jahrgang 1972. Beim Grand Choeur Dialogué von Eugène Gigout (1844 bis 1925), komponiert für das Wechselspiel zweier Orgelwerke einer großen französischen romantischen Orgel, übernehmen die Bläser einen Orgelpart. Das funktioniert wunderbar; Orchester und Orgel harmonieren bestens. Nicht umsonst haben etliche Pfeifengruppen, sogenannte Register, Namen wie Trompete, Clarine, Kornett oder Posaune.
Zu hören ist auf dieser CD die Jehmlich-Orgel im Dom St. Marien zu Wurzen – ein Instrument aus dem Jahre 1932, dessen Disposition bereits durch die Orgelbewegung geprägt wurde. Sie wurde in den Jahren 1998 bis 2001 durch die Orgelwerkstatt Christian Reinhold, Bernsdorf, grundlegend saniert, und verfügt heute über 49 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Ihr Klang passt ebenso gut zu den Werken von Giovanni Gabrieli (1557 bis 1612), im venezianischen mehrchörigen Stil, und zur Musik Johann Sebastian Bachs. Seine Kunst der Fuge erklingt in einem Arrangement von Siegmund Goldhammer, das die fünf Kontrapunkte abwechselnd der Sächsischen Bläserphilharmonie und der Orgel zuweist. Das Programm endet gänzlich ohne Pathos, mit einem Schlusschoral – O Haupt voll Blut und Wunden aus Bachs Matthäuspassion. Phantastisch!
In spannungsvollem Dialog eröffnen die Musiker mystische Klangräume. Ob Flor Peeters' (1903 bis 1986) Entrata Festiva op. 93 oder die Marche-Fantaisie op. 44 von Félix Alexandre Guilmant (1837 bis 1911) in einer groß besetzten Fassung für Orgel und Orchester – das klingt alles üppig, kraftvoll und staatstragend. In Weltersteinspielung zu hören ist das Concertino für Orgel und Blasorchester des Schweizer Komponisten Thomas Trachsel, Jahrgang 1972. Beim Grand Choeur Dialogué von Eugène Gigout (1844 bis 1925), komponiert für das Wechselspiel zweier Orgelwerke einer großen französischen romantischen Orgel, übernehmen die Bläser einen Orgelpart. Das funktioniert wunderbar; Orchester und Orgel harmonieren bestens. Nicht umsonst haben etliche Pfeifengruppen, sogenannte Register, Namen wie Trompete, Clarine, Kornett oder Posaune.
Zu hören ist auf dieser CD die Jehmlich-Orgel im Dom St. Marien zu Wurzen – ein Instrument aus dem Jahre 1932, dessen Disposition bereits durch die Orgelbewegung geprägt wurde. Sie wurde in den Jahren 1998 bis 2001 durch die Orgelwerkstatt Christian Reinhold, Bernsdorf, grundlegend saniert, und verfügt heute über 49 klingende Register auf drei Manualen und Pedal. Ihr Klang passt ebenso gut zu den Werken von Giovanni Gabrieli (1557 bis 1612), im venezianischen mehrchörigen Stil, und zur Musik Johann Sebastian Bachs. Seine Kunst der Fuge erklingt in einem Arrangement von Siegmund Goldhammer, das die fünf Kontrapunkte abwechselnd der Sächsischen Bläserphilharmonie und der Orgel zuweist. Das Programm endet gänzlich ohne Pathos, mit einem Schlusschoral – O Haupt voll Blut und Wunden aus Bachs Matthäuspassion. Phantastisch!
Sonntag, 9. Oktober 2016
The Organ at European Courts (Brilliant Classics)
Nicht nur in Kirchen erklang in früheren Jahrhunderten die Orgel. Zur Zeit der Renaissance und auch noch im Barock spielte man sie an vielen europäischen Höfen durchaus auch zur Unterhaltung. Die Instru- mente, die dabei genutzt wurden, waren zumeist kleiner als die klangstarken Kirchenorgeln. Francesco Cera, ein ausgewiesener Spezialist für das historische Repertoire, hat für dieses Album ein Programm zusammengestellt, das exemplarisch zeigt, wie höfische Orgelmusik geklungen hat. Die ausgewählten Stücke führen den Hörer quer durch Europa – von Andrea Gabrieli (1533 bis 1585) bis zu Samuel Scheidt (1578 bis 1654), von Paul Hofhaimer (1459 bis 1537) bis Hugh Aston (um 1485 bis 1558) und von Antonio de Cabezon (1510 bis 1566) bis zu Pierre Attaingnant (1494 bis 1552). All diese Canzonen, Tänze und Variationswerke geben ein ebenso abwechslungsreiches wie beeindruckendes Bild von den Fähigkeiten der damaligen Musiker, die auf technisch vergleichsweise schlichten Instru- menten erstaunlich virtuose Werke vorgetragen haben.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Für diese Aufnahme wählte Cera ein Orgelpositiv von 1772, das sich im Refektorium des Franziskanerkonvents im italienischen Lustra Cilento befindet. Diese organo ottavino in kompakter neapolitanischer Bauart, 2012 liebevoll restauriert, ähnelt vielen Hausorgeln des europäischen Adels, so der Organist. Bei der Einspielung wurde sogar der Orgelwind originalgetreu von Hand erzeugt.
Freitag, 12. August 2016
Frobergers Reisen (Raumklang)
Das Leben des Johann Jacob Fro- berger (1616 bis 1667) war ein unruhiges. Auch wenn sein Vater Hofkapellmeister in Stuttgart war, und vier seiner Geschwister ebenfalls als Musiker in der Hofkapelle ange- stellt wurden – der Dreißigjährige Krieg dürfte Kindheit und Jugend wohl mit geprägt haben. 1637 starben beide Eltern an der Pest. In diesem Jahr, mit gerade einmal 21 Jahren, wurde Johann Jacob Froberger Organist am Wiener Hof, und schon im November reiste er zum ersten Male nach Italien, zu Girolamo Frescobaldi.
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben.
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD.
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich.
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen.
Auf Reisen verbrachte er viele Jahre seines Lebens. Dabei lernte er viele bedeutende Kollegen kennen. In Dresden beispielsweise, wo er im Winter 1649/50 auf der Rückkehr von seiner zweiten Italienreise Station machte, trat er im musikalischen Wettstreit gegen den Hoforganisten Matthias Weckmann an – und gewann nicht nur eine goldene Kette, sondern einen Freund fürs Leben.
Froberger reiste durch Deutschland, die Niederlande, England und Frank- reich, wo er offenbar Louis Couperin in freundschaftlichem Austausch begegnete. Beide schrieben ein Tombeau sur la mort de monsieur Blancroche, für den Sohn der Hofnärrin Heinrichs IV., der, wie die Legende berichtet, in einem Freudenhaus die Treppe hinabstürzte und dabei zu Tode kam. Von Couperin ist zudem ein Prélude à l'imitation de Mr. Froberger überliefert; all diese Werke erklingen auf der vorliegenden Doppel-CD.
Magdalena Hasibeder folgt den Spuren, die Froberger auf seinen Reisen hinterlassen hat. Eine kluge Programm-Idee der österreichischen Organistin und Cembalistin; sie spielt Werke Frobergers und seiner Zeit- genossen, zugeordnet jeweils bestimmten Reisestationen. Dabei zeigt sie zugleich, wie der Orgelvirtuose sich regionalen stilistischen Besonder- heiten angepasst hat, und wie überlegen er selbst Gelegenheitswerke gestaltet hat. Man höre nur das Lamento sopra la dolorosa perdita della Real M.stà di Ferdinando Rè de Romani aus dem Jahre 1656, seine Plainte faite à Londres pour passer la melancholi: la quelle se joüe lentement avec discretion oder seine Allemande faite en passant le Rhin dans un barque en grande peril – der musikalische Bericht über eine Rheinfahrt, bei der wohl so manches schiefgegangen ist. Auch sonst findet sich in der Musik- auswahl so manche Rarität; ich fand das Programm ausgesprochen interessant und abwechslungsreich.
Hasibeder hat sich die dazu passenden Instrumente ausgesucht; sie spielt ein italienisches und ein französisches Cembalo jener Zeit aus der Sammlung historischer Musikinstrumente im Haus der Musik des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, sowie die Wöckherl-Orgel aus dem Jahre 1642 der Franziskanerkirche in Wien. Wie schon auf ihrer letzten CD Vom Stylus phantasticus zur freien Fantasie mit virtuoser Cembalomusik um Johann Sebastian Bach, veröffentlicht ebenfalls bei Raumklang, musiziert Magdalena Hasibeder auch hier ausgesprochen souverän. Wer Barockmusik schätzt, oder einfach nur erfahren möchte, wie Musik in Europa im 17. Jahrhundert geklungen hat, der sollte sich diese Aufnahme nicht entgehen lassen.
Montag, 25. Juli 2016
Music for Brass Septet 4 (Naxos)
„No series of brass recordigs would be complete without reference to the original golden age of brass ensem- ble music“, stellt Posaunist Matthew Knight fest. Die Bläser von Septura widmen also diese CD Italien, speziell Venedig, im 16. Jahrhundert.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Samstag, 25. Juli 2015
L'Arte dei Piffari (Pan Classics)
Der Zink war ein typisches Instru- ment der Stadtpfeifer. Auch wenn er aus Holz oder aus Elfenbein besteht und Grifflöcher hatte – geblasen wurde er wie eine Trompete. Seine Blütezeit erlebte dieses historische Musikinstrument im 17. Jahrhundert. Die ersten Zinken im 15. Jahrhundert waren wahrscheinlich kleine Instru- mente in Sopranlage. Sie wurden als Oberstimme im Posaunen-Ensemble benötigt – denn die Posaune, ein weiteres wichtiges Instrument der Stadtpfeifer, erklingt typischerweise in Alt- oder Tenorlage oder sogar noch tiefer. Mit dem Aufkommen „echter“ konzertanter Instrumentalmusik verloren Zink und Posaune allerdings ihre Bedeutung; der Adel und somit auch die Bürgerschaft, die den Adel imitierte, bevorzugte Saiten- und Streichinstrumente.
Auf dieser CD lässt das Ensemble Ventosum die vergessene Kunst der frühbarocken Musiker wieder aufleben. Die exzellenten Bläser spielen italienische Musik aus der Zeit von um 1580 bis 1700. Die ausgewählten Werke, beispielsweise das Maria Stabat ad monumentum von Andrea Gabrieli (1532/33 bis 1585) für Zink solo, oder aber Sinfonia & Gagliarda à cinque von Salomone Rossi (um 1570 bis 1630) verdeutlichen das hohe Niveau, auf dem damals in den Metropolen Italiens musiziert wurde. Zu hören ist auch O doctor optime von Giovanni Bassano (um 1558 bis 1617), jenem Instrumentalisten, für den vermutlich Giovanni Gabrieli seine virtuosen Zink-Partien schrieb. Bassanos „Ricercate, passagi et cadentie“ ist für alle, die sich für die Musizierpraxis des ausgehenden 16. Jahrhun- derts interessieren, eine wichtige musikhistorische Quelle. Eine ähnliche Abhandlung veröffentlichte sein Vorgänger im Amt des Leiters der Musikschule am Markusdom, Girolamo dalla Casa (gestorben 1601), der hier auf der CD vertreten ist mit einem prächtigen Jubilate Deo à sei. Die Liste der Komponisten liest sich ohnehin wie ein Who's who der italieni- schen Musik jener Epoche, von Palestrina bis Neri und von Marenzio bis Perti. Das Programm ist klanglich erstaunlich abwechslungsreich, und musiziert wird grandios. Meine unbedingte Empfehlung!
Auf dieser CD lässt das Ensemble Ventosum die vergessene Kunst der frühbarocken Musiker wieder aufleben. Die exzellenten Bläser spielen italienische Musik aus der Zeit von um 1580 bis 1700. Die ausgewählten Werke, beispielsweise das Maria Stabat ad monumentum von Andrea Gabrieli (1532/33 bis 1585) für Zink solo, oder aber Sinfonia & Gagliarda à cinque von Salomone Rossi (um 1570 bis 1630) verdeutlichen das hohe Niveau, auf dem damals in den Metropolen Italiens musiziert wurde. Zu hören ist auch O doctor optime von Giovanni Bassano (um 1558 bis 1617), jenem Instrumentalisten, für den vermutlich Giovanni Gabrieli seine virtuosen Zink-Partien schrieb. Bassanos „Ricercate, passagi et cadentie“ ist für alle, die sich für die Musizierpraxis des ausgehenden 16. Jahrhun- derts interessieren, eine wichtige musikhistorische Quelle. Eine ähnliche Abhandlung veröffentlichte sein Vorgänger im Amt des Leiters der Musikschule am Markusdom, Girolamo dalla Casa (gestorben 1601), der hier auf der CD vertreten ist mit einem prächtigen Jubilate Deo à sei. Die Liste der Komponisten liest sich ohnehin wie ein Who's who der italieni- schen Musik jener Epoche, von Palestrina bis Neri und von Marenzio bis Perti. Das Programm ist klanglich erstaunlich abwechslungsreich, und musiziert wird grandios. Meine unbedingte Empfehlung!
Dienstag, 2. Dezember 2014
Lechner: Geistliche Festmusik (Christophorus)
Über Leonhard Lechner (um 1553 bis 1606) und seinen Lebensweg ist nicht viel bekannt. Es wird vermutet, dass er aus dem Etschtal in Südtirol stammt. Seine Musikerlaufbahn begann er möglicherweise an der Münchner Hofkapelle, wo er ein Schüler Orlando di Lassos gewesen sein könnte. Dass Lechner seine Ausbildung in Italien fortgesetzt hat, lässt sich ebenfalls nicht nachwei- sen. Seine Werke allerdings geben Zeugnis davon, dass er mit der zeit- genössischen italienischen Musik bestens vertraut war.
Um 1575 ging Lechner nach Nürnberg. Dort war er zunächst als Schul- gehilfe an der größten städtischen Lateinschule St. Lorenz angestellt, erwarb sich aber bald einen Namen als Komponist, weshalb ihn die Stadt 1582 zum archimusicus ernannte und mit der Leitung des städtischen Musiklebens beauftragte. Dennoch ging Lechner 1584 als Kapellmeisters an den Hof des Grafen Eitel Friedrich von Hohenzollern in Hechingen. Von dort entwich er aber bald darauf, suchte bei Herzog Ludwig von Württemberg Schutz und bewarb sich in Dresden. Der Kurfürst holte Referenzen ein, und vergab die Anstellung dann doch lieber an Rogier Michael. Lechner hingegen wurde 1586 württembergischer Hofkomponist und 1594 Hofkapellmeister.
Auch wenn er uns heute insbesondere als Liedkomponist noch ein Begriff ist – Lechner hat, vor allem in seinen Nürnberger Jahren, eine Vielzahl von Gelegenheitskompositionen geschaffen. So erhielt er den Auftrag, die Festmusik zur Hochzeit des Neffen des ehemaligen Bürgermeisters Hans Welser mit der Tochter des amtierenden Bürgermeisters Endres Imhoff zu schreiben. Das Ensemble Officium hat gemeinsam mit dem Ensemble Gabinetto Armonico unter der Leitung von Wilfried Rombach eine hörens- werte Auswahl daraus bei Christophorus eingespielt. Neben der Missa super Domine, Dominus noster findet sich auf der CD auch Lechners vierundzwanzigstimmige Motette Quid Chaos in der Tradition ähnlich monumentaler Werke von Alessandro Striggio und Thomas Tallis. Vorausgehend erklingen zudem das Vorbild für Lechners Missa – ein Werk von Orlando di Lasso – sowie ein Präludium von Andrea Gabrieli. So wird hörbar, wie stark diese Musik stilistisch aufeinander bezogen ist.
Ergänzend sind vier sechsstimmige Motteten aus den Motectae Sacrae (1575) sowie die erst kürzlich in Flensburg wiederentdeckten Kronburg-Motetten fur den dänischen König Friedrich II. zu hören. Das letzte Werk auf der CD schuf Lechner 1604 für die Hochzeit des Herzogs Johann Georg von Sachsen mit Prinzessin Sibylle Elisabeth von Württemberg. Das Manuskript der dreichörigen, fünfzehnstimmigen Festmotette Laudate Dominum befindet sich noch heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
Um 1575 ging Lechner nach Nürnberg. Dort war er zunächst als Schul- gehilfe an der größten städtischen Lateinschule St. Lorenz angestellt, erwarb sich aber bald einen Namen als Komponist, weshalb ihn die Stadt 1582 zum archimusicus ernannte und mit der Leitung des städtischen Musiklebens beauftragte. Dennoch ging Lechner 1584 als Kapellmeisters an den Hof des Grafen Eitel Friedrich von Hohenzollern in Hechingen. Von dort entwich er aber bald darauf, suchte bei Herzog Ludwig von Württemberg Schutz und bewarb sich in Dresden. Der Kurfürst holte Referenzen ein, und vergab die Anstellung dann doch lieber an Rogier Michael. Lechner hingegen wurde 1586 württembergischer Hofkomponist und 1594 Hofkapellmeister.
Auch wenn er uns heute insbesondere als Liedkomponist noch ein Begriff ist – Lechner hat, vor allem in seinen Nürnberger Jahren, eine Vielzahl von Gelegenheitskompositionen geschaffen. So erhielt er den Auftrag, die Festmusik zur Hochzeit des Neffen des ehemaligen Bürgermeisters Hans Welser mit der Tochter des amtierenden Bürgermeisters Endres Imhoff zu schreiben. Das Ensemble Officium hat gemeinsam mit dem Ensemble Gabinetto Armonico unter der Leitung von Wilfried Rombach eine hörens- werte Auswahl daraus bei Christophorus eingespielt. Neben der Missa super Domine, Dominus noster findet sich auf der CD auch Lechners vierundzwanzigstimmige Motette Quid Chaos in der Tradition ähnlich monumentaler Werke von Alessandro Striggio und Thomas Tallis. Vorausgehend erklingen zudem das Vorbild für Lechners Missa – ein Werk von Orlando di Lasso – sowie ein Präludium von Andrea Gabrieli. So wird hörbar, wie stark diese Musik stilistisch aufeinander bezogen ist.
Ergänzend sind vier sechsstimmige Motteten aus den Motectae Sacrae (1575) sowie die erst kürzlich in Flensburg wiederentdeckten Kronburg-Motetten fur den dänischen König Friedrich II. zu hören. Das letzte Werk auf der CD schuf Lechner 1604 für die Hochzeit des Herzogs Johann Georg von Sachsen mit Prinzessin Sibylle Elisabeth von Württemberg. Das Manuskript der dreichörigen, fünfzehnstimmigen Festmotette Laudate Dominum befindet sich noch heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden.
Mittwoch, 18. Dezember 2013
Andrea Falconieri - Il Spiritillo Brando (Glossa)
Zur Zeit der Renaissance stand der Hof zu Neapel in hoher Blüte. Die Herrscher, Vizekönige des spani- schen Königreiches, förderten die Künste, insbesondere auch die Musik. Einen Eindruck von den Klängen, die sie einst begleitet haben, vermittelt die vorliegende CD. Das Ensemble La Ritirata, geleitet von Josetxu Obregón, hat dafür zeitgenössische Quellen ausgewertet, wie das Primo libro di Canzone, Sinfonie, Fantasie, Capricci, Brandi, Correnti, Gagliarde, Alemane, Volte per Violini, Viole overo alto Strumento á uno, due, et tré con il Basso Continuo, zusammengetragen von Andrea Falconieri, zunächst Lautenist und nach 1647 auch Kapellmeister der Hofkapelle zu Neapel. Ergänzt wurde das abwechslungsreiche Programm dieser CD durch Werke bedeutender Musiker jener Zeit aus Spanien und Italien – darunter auch frühe Musik für das Violoncello als Solo-Instrument von Giovanni Battista Vitali, Domenico Gabrielli und Giuseppe Maria Jacchini. Die Musiker von La Ritirata agieren temperamentvoll und zugleich präzise; diese CD vermittelt somit nicht nur europäische Musikgeschichte, sondern auch eine große Portion gute Laune. Bravi!
Donnerstag, 15. August 2013
Portrait (Genuin)
10 for Brass – das sind zwölf exzellente junge Blechbläser, die sich der Kammermusik ver- schrieben haben. Martin Gierden, Anne Heinemann, Rudolf Lörinc, Lukas Paulenz und Andre Schoch, Trompete, Swantje Vesper und Felix Wilmsen, Horn, Jan Donner, Matthias Haakh, Johannes Weidner und Florian Zerbaum, Posaune, sowie Alexander Tischendorf, Tuba, musizieren seit 2010 gemeinsam in dieser Formation. Sie studieren überwiegend an verschiedenen deutschen Musik- hochschulen. Einige der jungen Bläser haben bereits Engagements bei namhaften Orchestern.
Die Musiker wurden mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet; so haben sie 2011 beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium erhalten. Ihre Konzerte kommen beim Publikum wie bei der Presse gut an – kein Wunder, dass sie nun auch eine CD vorlegen wollen. Das erste Album hat das Blechbläser-Ensemble teilweise über Crowd- funding finanziert.
Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Debüt ist gelungen. Die Werke, die die Zwölf dafür ausgewählt haben, reichen von Giovanni Gabrieli bis zu Duke Ellington, und von Händels bekannter Ankunft der Königin von Saba bis zur Bruckner-Etüde für das tiefe Blech aus der Feder von Enrique Crespo, dem langjährigen Spiritus rector von German Brass. Die Bläser von 10 for Brass begeistern mit ihrem satten, runden, harmonischen Ensembleklang. Ihr Spiel ist wirklich perfekt, und ihre Spielfreude überträgt sich auf den Hörer; allerdings dürfen sie gern noch etwas mehr Temperament entwickeln. Wer Bläsermusik liebt, der sollte dieses Album auf keinen Fall verpassen – es lohnt sich!
Die Musiker wurden mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet; so haben sie 2011 beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium erhalten. Ihre Konzerte kommen beim Publikum wie bei der Presse gut an – kein Wunder, dass sie nun auch eine CD vorlegen wollen. Das erste Album hat das Blechbläser-Ensemble teilweise über Crowd- funding finanziert.
Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Debüt ist gelungen. Die Werke, die die Zwölf dafür ausgewählt haben, reichen von Giovanni Gabrieli bis zu Duke Ellington, und von Händels bekannter Ankunft der Königin von Saba bis zur Bruckner-Etüde für das tiefe Blech aus der Feder von Enrique Crespo, dem langjährigen Spiritus rector von German Brass. Die Bläser von 10 for Brass begeistern mit ihrem satten, runden, harmonischen Ensembleklang. Ihr Spiel ist wirklich perfekt, und ihre Spielfreude überträgt sich auf den Hörer; allerdings dürfen sie gern noch etwas mehr Temperament entwickeln. Wer Bläsermusik liebt, der sollte dieses Album auf keinen Fall verpassen – es lohnt sich!
Dienstag, 16. April 2013
Gabrieli: Sacred Symphonies (Hyperion)
Mit diesem Album, das im vergan- genen Jahr erschienen ist, werden gleich mehrere Jubiläen würdig begangen: Vor vierhundert Jahren starb in Venedig Giovanni Gabrieli (1554 bis 1612). Er hatte bei seinem Onkel Andrea Gabrieli und bei Orlando di Lasso in München studiert, und wirkte als Organist an der Markuskirche. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem Heinrich Schütz.
Gefeiert werden aber auch das 30jährige Bestehen von His Majestys Sagbutts & Cornetts sowie das 25jährige Jubiläum des Concerto Palatino. Und daher haben die beiden Bläserensembles gemeinsam mit den Sängern von Ex Cathedra unter Leitung von Jeffrey Skidmore eine ganze CD den Werken von Giovanni Gabrieli gewidmet. Das lohnt sich, denn die venezianische Mehrchörigkeit, die dieser Komponist in Vollendung einsetzte, bringt große Klangpracht mit sich.
"I have chosen to ,orchestrate' the music in many different ways, sometimes using continuo only for accompaniment, sometimes having solo voices with wind instruments taking other vocal lines, and of course sometimes using the full ensemble", erläutert Skidmore in dem informativen Beiheft zu dieser CD. "The brilliant vocal and instrumental colours and kaleidoscopic aural perspektives reveal music of extraordinary imagination, passion and subtlety. There is grandeur but also ravishing intimacy. You will be able to sit in the chancel of St Mark's, at the heart of the music, and imagine you are the doge!"
Gefeiert werden aber auch das 30jährige Bestehen von His Majestys Sagbutts & Cornetts sowie das 25jährige Jubiläum des Concerto Palatino. Und daher haben die beiden Bläserensembles gemeinsam mit den Sängern von Ex Cathedra unter Leitung von Jeffrey Skidmore eine ganze CD den Werken von Giovanni Gabrieli gewidmet. Das lohnt sich, denn die venezianische Mehrchörigkeit, die dieser Komponist in Vollendung einsetzte, bringt große Klangpracht mit sich.
"I have chosen to ,orchestrate' the music in many different ways, sometimes using continuo only for accompaniment, sometimes having solo voices with wind instruments taking other vocal lines, and of course sometimes using the full ensemble", erläutert Skidmore in dem informativen Beiheft zu dieser CD. "The brilliant vocal and instrumental colours and kaleidoscopic aural perspektives reveal music of extraordinary imagination, passion and subtlety. There is grandeur but also ravishing intimacy. You will be able to sit in the chancel of St Mark's, at the heart of the music, and imagine you are the doge!"
Montag, 3. Dezember 2012
Jubilate Deo (Oehms Classics)
Ein ganz besonderes Weihnachts- geschenk legt Oehms Classics dem Musikfreund auf den Gabentisch: Auf dieser CD finden sich einige Werke von Johann Stadlmayr (um 1575 bis 1648). Der Komponist veröffentlichte 1596 erstmals eine Sammlung von Messen. 1603 erhielt er eine Stelle als Musicus in der Hofkapelle des Fürst-Erzbi- schofs Wolf Dietrich von Raitenau in Salzburg. Dort stieg er bald zum Kapellmeister auf.
1607 ging Stadlmayer nach Innsbruck, wo er als Hofkapellmeister des Erzherzogs Maximilian III. wirkte. Ein Angebot aus München schlug er aus. Doch nach dem Tode des Regenten 1618 brachen für ihn harte Zeiten an. Denn der Nachfolger im Amt des Statthalters von Tirol, Erzherzog Leopold V., löste den Hofstaat in Innsbruck auf. Er weilte zunächst nur selten in der Stadt; Stadlmayr erhielt eine schmale Rente und verdingte sich schließlich sogar als Inspektor der Fleischbänke, um seine Familie ernähren zu können. 1623 schickte der Komponist schließlich doch eine Bewerbung nach Wien, wo die Stelle des Domkapellmeisters vakant war.
Um seinen Weggang zu verhindern, ernannte der Erzherzog Stadl- mayr zum Hofkapellmeister und zahlte ihm ein großzügiges Gehalt. Denn der Dienstherr hatte Pläne, die gewisse Repräsentations- pflichten mit sich brachten: 1626 ließ sich Leopold von seinen geistlichen Ämtern entbinden - er war unter anderem Bischof von Passau und Straßburg - und heiratete Claudia de Medici. Der Kaiser machte ihn zum Landesherrn. Und die Landesherrin erwies sich als Mäzenin; sie förderte auch nach dem Tode ihres Gatten 1632 den Musiker, dessen Werke sie möglicherweise an die prächtige Musik ihrer Heimat erinnerten.
Stadlmayr komponierte offenbar ausschließlich Kirchenmusik. Die Missa Jubilate Deo ist Bestandteil einer Sammlung doppelchöriger Messen, die der Musiker 1610 veröffentlicht hat. Die CD enthält zudem vier groß besetzte Motetten - wahrscheinlich aus einem weiteren Sammelband, der 1645 unter dem Titel Apparatus musicus erschienen ist. Das Beiheft verweist jedenfalls darauf, dass die Werke des Komponisten nach den Originalausgaben aus der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eingespielt wurden.
Um aufzuzeigen, in welcher musikalischen Tradition sich Stadlmayr bewegte, hat der Orpheus Chor München gemeinsam mit Les Cornets Noirs unter Gerd Guglhör diese Stücke um zwei Motetten von Heinrich Schütz sowie einige Werke seines Lehrers Giovanni Gabrieli ergänzt. Eine gewisse stilistische Nähe ist nicht zu verkennen; das zeigt erneut, wie schnell und wie breit sich musikalische Innovatio- nen in der Frühen Neuzeit durchsetzten. Man staunt heute über dieses Phänomen, zumal Musikstücke seinerzeit in erster Linie in Form von Abschriften weitergegeben wurden.
Man staunt allerdings auch beim Blick auf das Chor-Foto: Wenn das ein Kammerchor sein soll - wie kopfstark ist wohl dann erst der große Chor des Akademischen Gesangvereins München, aus dem der Orpheus Chor hervorgegangen ist? Leider erscheint diese Aufnahme entsprechend massig und dynamisch wie klanglich wenig differen- ziert. Die Sänger sind durchaus versiert. Aber irgendwie fehlt diesem Ensemble die Klangvorstellung. Und so gibt es statt durchhörbarer Mehrchörigkeit - bei doppelchörigen Werken eigentlich ohne Schwierigkeit zu erreichen - undefinierbaren Klangbrei. Schade.
1607 ging Stadlmayer nach Innsbruck, wo er als Hofkapellmeister des Erzherzogs Maximilian III. wirkte. Ein Angebot aus München schlug er aus. Doch nach dem Tode des Regenten 1618 brachen für ihn harte Zeiten an. Denn der Nachfolger im Amt des Statthalters von Tirol, Erzherzog Leopold V., löste den Hofstaat in Innsbruck auf. Er weilte zunächst nur selten in der Stadt; Stadlmayr erhielt eine schmale Rente und verdingte sich schließlich sogar als Inspektor der Fleischbänke, um seine Familie ernähren zu können. 1623 schickte der Komponist schließlich doch eine Bewerbung nach Wien, wo die Stelle des Domkapellmeisters vakant war.
Um seinen Weggang zu verhindern, ernannte der Erzherzog Stadl- mayr zum Hofkapellmeister und zahlte ihm ein großzügiges Gehalt. Denn der Dienstherr hatte Pläne, die gewisse Repräsentations- pflichten mit sich brachten: 1626 ließ sich Leopold von seinen geistlichen Ämtern entbinden - er war unter anderem Bischof von Passau und Straßburg - und heiratete Claudia de Medici. Der Kaiser machte ihn zum Landesherrn. Und die Landesherrin erwies sich als Mäzenin; sie förderte auch nach dem Tode ihres Gatten 1632 den Musiker, dessen Werke sie möglicherweise an die prächtige Musik ihrer Heimat erinnerten.
Stadlmayr komponierte offenbar ausschließlich Kirchenmusik. Die Missa Jubilate Deo ist Bestandteil einer Sammlung doppelchöriger Messen, die der Musiker 1610 veröffentlicht hat. Die CD enthält zudem vier groß besetzte Motetten - wahrscheinlich aus einem weiteren Sammelband, der 1645 unter dem Titel Apparatus musicus erschienen ist. Das Beiheft verweist jedenfalls darauf, dass die Werke des Komponisten nach den Originalausgaben aus der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eingespielt wurden.
Um aufzuzeigen, in welcher musikalischen Tradition sich Stadlmayr bewegte, hat der Orpheus Chor München gemeinsam mit Les Cornets Noirs unter Gerd Guglhör diese Stücke um zwei Motetten von Heinrich Schütz sowie einige Werke seines Lehrers Giovanni Gabrieli ergänzt. Eine gewisse stilistische Nähe ist nicht zu verkennen; das zeigt erneut, wie schnell und wie breit sich musikalische Innovatio- nen in der Frühen Neuzeit durchsetzten. Man staunt heute über dieses Phänomen, zumal Musikstücke seinerzeit in erster Linie in Form von Abschriften weitergegeben wurden.
Man staunt allerdings auch beim Blick auf das Chor-Foto: Wenn das ein Kammerchor sein soll - wie kopfstark ist wohl dann erst der große Chor des Akademischen Gesangvereins München, aus dem der Orpheus Chor hervorgegangen ist? Leider erscheint diese Aufnahme entsprechend massig und dynamisch wie klanglich wenig differen- ziert. Die Sänger sind durchaus versiert. Aber irgendwie fehlt diesem Ensemble die Klangvorstellung. Und so gibt es statt durchhörbarer Mehrchörigkeit - bei doppelchörigen Werken eigentlich ohne Schwierigkeit zu erreichen - undefinierbaren Klangbrei. Schade.
Sonntag, 28. Oktober 2012
1612 - Italian Vespers (Decca)
Als die Schiffe der Heiligen Liga am 7. Oktober 1571 in der Seeschlacht bei Lepanto die osmanische Flotte besiegten, nahm dies Papst Pius V. zum Anlass, einen Festtag in den Kirchenkalender einzufügen, den er Unserer Lieben Frau vom Sieg widmete.
Die Venezianer zelebrierten an diesem Tage noch Jahrhunderte später mit großem Aufwand das Gedenken an den Sieg. So schil- derte Goethe, der 1786 Venedig besuchte, wie an diesem Tage noch immer die eroberten türkischen Fahnen vorgeführt wurden.
Die Musik allerdings, die Robert Hollingworth mit dem Ensemble
I Fagiolini für diese CD rekonstruiert hat, dürfte der Dichter so nicht mehr gehört haben. Denn mit dieser aufwendigen Aufnahme wollen die Musiker an den Tod Giovanni Gabrielis im Jahre 1612 erinnern - und an die Veröffentlichung einer Sammlung von Vesperkomposi- tionen des Franziskaners Lodovico Grossi.
Sie haben eine zweite Vesper am Fest Unserer Lieben Frau vom Ro- senkranz inszeniert, wie sie 1612 in Venedig erklungen sein könnte. Dazu haben sie Musik verschiedener Komponisten - Lodovico Grossi, Giovanni und Andrea Gabrieli, Bartolomeo Barbarino, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Claudio Monteverdi und Francesco Sorina - der damals üblichen Liturgie folgend zusammengestellt. So wird jeder der fünf Vesperpsalmen ebenso wie das Magnificat als Höhepunkt der Versper von einer Antiphon sowie einer Motette oder einem Instru- mentalstück umgeben; gregorianischer Gesang steht neben pracht- vollem mehrchörigen Musizieren, wie es damals in Venedig in hoher Blüte stand. Die Wirkung dieser grandiosen Musik ist unbeschreib- lich.
Die Venezianer zelebrierten an diesem Tage noch Jahrhunderte später mit großem Aufwand das Gedenken an den Sieg. So schil- derte Goethe, der 1786 Venedig besuchte, wie an diesem Tage noch immer die eroberten türkischen Fahnen vorgeführt wurden.
Die Musik allerdings, die Robert Hollingworth mit dem Ensemble
I Fagiolini für diese CD rekonstruiert hat, dürfte der Dichter so nicht mehr gehört haben. Denn mit dieser aufwendigen Aufnahme wollen die Musiker an den Tod Giovanni Gabrielis im Jahre 1612 erinnern - und an die Veröffentlichung einer Sammlung von Vesperkomposi- tionen des Franziskaners Lodovico Grossi.
Sie haben eine zweite Vesper am Fest Unserer Lieben Frau vom Ro- senkranz inszeniert, wie sie 1612 in Venedig erklungen sein könnte. Dazu haben sie Musik verschiedener Komponisten - Lodovico Grossi, Giovanni und Andrea Gabrieli, Bartolomeo Barbarino, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Claudio Monteverdi und Francesco Sorina - der damals üblichen Liturgie folgend zusammengestellt. So wird jeder der fünf Vesperpsalmen ebenso wie das Magnificat als Höhepunkt der Versper von einer Antiphon sowie einer Motette oder einem Instru- mentalstück umgeben; gregorianischer Gesang steht neben pracht- vollem mehrchörigen Musizieren, wie es damals in Venedig in hoher Blüte stand. Die Wirkung dieser grandiosen Musik ist unbeschreib- lich.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Berühmte Musik für Bläser (Berlin Classics)
Prachtvolle Bläsersätze bringt diese CD mit dem Blechbläser- ensemble Ludwig Güttler. Dabei konzentriert sich diese Kompila- tion mit Aufnahmen aus den Jahren 1987 und 2001 auf die Zeitspanne zwischen Giovanni Gabrieli (1557 bis 1613) und Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) - wobei natürlich, auch wenn das mit Sachsen eigentlich wenig zu tun hat, Händels Feuer- werksmusik nicht ausgelassen wird.
Ansonsten zeigt die CD die Verbindungen zwischen Italien, speziell der venezianischen Mehrchörigkeit, und dem Musizieren am sächsi- schen Hofe: "Es ist mir wichtig", so Güttler, "dass die musikalische Straße Venedig - Wien - Dresden immer wieder hörbar gemacht wird. Gabrieli ist mit seinem weiten Wirkungskreis ein signifikantes Beispiel dafür." Denn der Musiker prägte über seinen Schüler Heinrich Schütz die Musik in Sachsen für einen Zeitraum von gut 50 Jahren ganz entscheidend.
Güttler und seine Ensembles haben sich stets darum bemüht, die Musik dieser Zeit wieder auf das Konzertpodium und in die Kirchenräume zu bringen. Diese CD vereint einige der schönsten Bläsersätze, die sein Blechbläserensemble seit Jahren spielt.
Ansonsten zeigt die CD die Verbindungen zwischen Italien, speziell der venezianischen Mehrchörigkeit, und dem Musizieren am sächsi- schen Hofe: "Es ist mir wichtig", so Güttler, "dass die musikalische Straße Venedig - Wien - Dresden immer wieder hörbar gemacht wird. Gabrieli ist mit seinem weiten Wirkungskreis ein signifikantes Beispiel dafür." Denn der Musiker prägte über seinen Schüler Heinrich Schütz die Musik in Sachsen für einen Zeitraum von gut 50 Jahren ganz entscheidend.
Güttler und seine Ensembles haben sich stets darum bemüht, die Musik dieser Zeit wieder auf das Konzertpodium und in die Kirchenräume zu bringen. Diese CD vereint einige der schönsten Bläsersätze, die sein Blechbläserensemble seit Jahren spielt.
Donnerstag, 16. September 2010
Quartbone: Esquisse (Perc Pro)
Drei Tenor- und eine Bassposaune - in dieser Besetzung konzertiert das Posaunenquartett Quartbone. Fabrice Millischer, Jean-Philippe Navrez, Aurélien Honoré und Fabien Dornic haben gemeinsam an der Musikhochschule in Lyon studiert. 2006, noch während ihrer Ausbildung, gründeten sie, unterstützt durch ihren Lehrer Michel Becquet, dieses nicht all- tägliche Ensemble .
Quartbone kombiniert zwei reiz- volle, aber wohl auch sehr un- terschiedliche Posaunentraditionen. Da wäre zum einen die Welt der modernen Posaune, die seit Beethoven ihren festen Platz im Sinfo- nieorchester hat, aber auch außerhalb der Klassik gern gespielt und eingesetzt wird - im Blasorchester beispielsweise, oder im Posaunen- chor. Zugleich setzen die Musiker von Quartbone aber auch gern ihren Vorgänger, die Renaissanceposaune ein, auch "Sacqueboute" oder "Sackbutt" genannt. Sie klingt leiser, klarer und schlanker als das heute übliche Instrument.
Die vier französischen Blechbläser spielen Werke von Tilman Susato über Thomas Tallis bis hin zu Anton Bruckner und Paul Desmond. Das wird nie langweilig. Wer Vergnügen an blitzsauber und zugleich sehr humorvoll vorgetragener Posaunenmusik hat, der sollte sich diese CD nicht entgehen lassen.
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