Samstag, 8. Oktober 2016

Cello Rising (BIS)

Zu einer Reise in die Geschichte des Violoncellos lädt Mime Yamahiro Brinkmann ein. Das Programm ihrer ersten Solo-SACD folgt dem Aufstieg des Cellos von den Anfängen bis zu Boccherini. Dabei beweist sie nicht nur Überblick über ein nicht alltäg- liches Repertoire, sondern auch eine Menge Humor: Im Beiheft gibt die Musikerin eine launige Kurzzusam- menfassung der Musikgeschichte, speziell unter Berücksichtigung des Cellos und der Cellisten. 
Es erklingt Musik von Domenico Galli, Giovanni Battista degli Antoni, Domenico Gabrielli, Georg Philipp Telemann, Joseph Bodin de Boismortier und Luigi Boccherini. Ob nun Telemanns Getreuer Music-Meister wirklich in einer Liga mit Boccherinis extrem virtuosen Sonaten spielt, darüber wird man nach dem Anhören dieser CD nicht mehr nachdenken. 
Mime Yamahiro Brinkmann musiziert exzellent, und stellt eher die techni- schen Fortschritte in den Vordergrund, die das Instrument einst innerhalb von relativ kurzer Zeit geprägt haben. Die Cellistin, die Mitglied einiger führender Alte-Musik-Ensembles ist, wird dabei von Björn Gäfvert, Cemba- lo, und Karl Nyhlin, Barockgitarre, vortrefflich unterstützt.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Straus: Die lustigen Nibelungen (Capriccio)

Johann Strauß war tot – und mit ihm war die Wiener Operette ins Grab gesunken. Da kam aus Berlin ein Oscar Straus 1870 bis 1954) – mit der Strauß-Dynastie nicht verwandt, auch wenn er in Wien zur Welt gekommen war – und servierte den Österreichern ein urkomisches, unglaublich freches und süffiges Werk im besten Offen- bach-Stil. Die Handlung – das Libretto stammte von dem Berliner Rechtsanwalt Dr. Fritz Oliven, unter dem Pseudonym Rideamus – ist turbulent. Die lustigen Nibelungen parodieren die bekannte Sage vor- witzig, respektlos, und voll Anspielungen. 
Die Wiener konnten damit so gar nichts anfangen. In Berlin hingegen, wo die Operette wenig später ebenfalls aufgeführt wurde, lachten sich die Leute schlapp. Sie jubelten über Kaiser Wilhelms II. Hornsignal, den preußi- schen Schneid, mit dem sich die Helden präsentieren, die Drachenblut- wurst – und die stämmigen Stabreime, mit denen so ganz nebenbei auch noch Richard Wagner durch den Kakao gezogen wurde. In den 90er Jahren hat das WDR Rundfunkorchester Köln mit dem WDR Rundfunk- chor und einem solide besetzten Solistenensemble unter der Leitung von Siegfried Köhler Straus' Lustige Nibelungen eingespielt. Die Aufnahme ist bei Capriccio erhältlich – und noch immer ein großer Spaß.