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Samstag, 8. Oktober 2016

Cello Rising (BIS)

Zu einer Reise in die Geschichte des Violoncellos lädt Mime Yamahiro Brinkmann ein. Das Programm ihrer ersten Solo-SACD folgt dem Aufstieg des Cellos von den Anfängen bis zu Boccherini. Dabei beweist sie nicht nur Überblick über ein nicht alltäg- liches Repertoire, sondern auch eine Menge Humor: Im Beiheft gibt die Musikerin eine launige Kurzzusam- menfassung der Musikgeschichte, speziell unter Berücksichtigung des Cellos und der Cellisten. 
Es erklingt Musik von Domenico Galli, Giovanni Battista degli Antoni, Domenico Gabrielli, Georg Philipp Telemann, Joseph Bodin de Boismortier und Luigi Boccherini. Ob nun Telemanns Getreuer Music-Meister wirklich in einer Liga mit Boccherinis extrem virtuosen Sonaten spielt, darüber wird man nach dem Anhören dieser CD nicht mehr nachdenken. 
Mime Yamahiro Brinkmann musiziert exzellent, und stellt eher die techni- schen Fortschritte in den Vordergrund, die das Instrument einst innerhalb von relativ kurzer Zeit geprägt haben. Die Cellistin, die Mitglied einiger führender Alte-Musik-Ensembles ist, wird dabei von Björn Gäfvert, Cemba- lo, und Karl Nyhlin, Barockgitarre, vortrefflich unterstützt.

Freitag, 18. Juli 2014

La voce del violoncello (Passacaille)

„It is in the 1665 publication of instrumental music by Bolognese organist Giulio Cesare Arresti that we first find the term violoncello“, berichtet Elinor Frey im Beiheft zu dieser CD. Wie dieses Instrument konkret ausgesehen hat, darüber freilich streiten sich die Gelehrten. Die Musiker aber scheinen von dem Bassinstrument aus der Violinen-Familie, dass dank der metallumsponnenen Saiten ziem- lich handlich geworden war, recht angetan gewesen zu sein. Sie schrieben dafür immer kühnere Soli – und bald auch Stücke für Violoncello allein. Nicht einmal hundert Jahre später hatte sich das neue Instrument in ganz Europa durch- gesetzt. 
Diese Zeitspanne hat Frey erkundet, und dabei etliche interessante und klangschöne Werke entdeckt. Auf dem Barockcello präsentiert die Cellistin unter anderem Werke von Giovanni Battista Vitali (1632 bis 1729), Giuseppe Colombi (1635 bis 1694), Domenico Galli (1649 bis 1697), Francesco Paolo Supriani (1678 bis 1753), Domenico Gabrielli (1651 bis 1690), Giulio Ruvo (Lebensdaten unbekannt) und Giuseppe Maria Dall'Abaco (1710 bis 1805). Begleitet wird sie bei einigen Stücken von Esteban La Rotta, Theorbe und Barockgitarre, und Susie Napper, ebenfalls Barockcello. Ein abwechslungsreiches Programm, mit vielen Raritäten. 

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Andrea Falconieri - Il Spiritillo Brando (Glossa)

Zur Zeit der Renaissance stand der Hof zu Neapel in hoher Blüte. Die Herrscher, Vizekönige des spani- schen Königreiches, förderten die Künste, insbesondere auch die Musik. Einen Eindruck von den Klängen, die sie einst begleitet haben, vermittelt die vorliegende CD. Das Ensemble La Ritirata, geleitet von Josetxu Obregón, hat dafür zeitgenössische Quellen ausgewertet, wie das Primo libro di Canzone, Sinfonie, Fantasie, Capricci, Brandi, Correnti, Gagliarde, Alemane, Volte per Violini, Viole overo alto Strumento á uno, due, et tré con il Basso Continuo, zusammengetragen von Andrea Falconieri, zunächst Lautenist und nach 1647 auch Kapellmeister der Hofkapelle zu Neapel. Ergänzt wurde das abwechslungsreiche Programm dieser CD durch Werke bedeutender Musiker jener Zeit aus Spanien und Italien – darunter auch frühe Musik für das Violoncello als Solo-Instrument von Giovanni Battista Vitali, Domenico Gabrielli und Giuseppe Maria Jacchini. Die Musiker von La Ritirata agieren temperamentvoll und zugleich präzise; diese CD vermittelt somit nicht nur europäische Musikgeschichte, sondern auch eine große Portion gute Laune. Bravi!

Mittwoch, 3. November 2010

Birth of The Cello - Julius Berger (Solo Musica)

Das Label Solo Musica verblüfft immer wieder mit verrückten musikalischen Projekten. Wer kommt schon auf die Idee, die ersten Werke für Violoncello, die jemals gedruckt wurden, auf einem Violoncello von Andrea Amati - fertiggestellt im Jahre 1566 und damit eines der ältesten derartigen Instrumente der Welt überhaupt - einzuspielen? 
Der Cellist Julius Berger engagiert sich seit vielen Jahren für die Werke von Gianbattista Degli Antonii (1636 bis 1698) und Domenico Gabrielli (1651 bis 1690). Die beiden Musiker stammen aus Bologna; Degli Antonii war Organist der Kirche San Giacomo Maggiore, Gabrielli wirkte als Cellist an St. Petronio. Beide wurden von Francesco II., dem cellospielenden Fürsten von Modena, geschätzt und gefördert. Ihm widmete Degli Antonii daher seine Ricercate sopra il Violoncello, die 1687 in Bologna im Druck erschienen sind. Es wird vermutet, dass Gabrielli seine Sette ricercari per il violoncello solo ein Jahr später geschrieben hat.
Beide Werke stehen bei Musikwissenschaftlern seltsamerweise nicht hoch im Ansehen. Sie werden gern als pädagogische Werke oder als Lehr- und Übungsstücke abgetan. Diese CD beweist jedoch, dass die alten Stücke viel mehr sind als Trainingsmaterial für Musikerfinger. Denn sie sind stimmungsvolle, traumhaft schöne Musik - und Berger, der hier mit ganzer Seele musiziert, tut recht daran, sie Bachs Solo- suiten zur Seite zu stellen. "Für mich gehört die Entdeckung der ersten Werke für Violoncello solo mit dem ältesten Violoncello der Welt zu meinen faszinierendsten Erfahrungen", meint Berger. "Den Zuhörern wünsche ich ähnliche Erlebnisse, ich wünsche Ihnen durch die Musik von Degli Antonii und Gabrielli das, was Bach die ,Recrea- tion des Gemüths' genannt hat." Die Aufnahme ist grandios gespielt, und von nahezu überirdischer Klangschönheit - ein großer Wurf, in jeder Hinsicht. Für mich gehört diese CD zu den besten und interes- santesten Violoncello-Einspielungen der letzten Jahre.