Fritz Wunderlich (1930 bis 1966) war nicht nur in stimmlicher Hinsicht ein Ausnahme-Sänger. Auch das Repertoire des Tenors überrascht immer wieder, denn es reichte vom Schlager bis zu Heinrich Schütz, und von den großen Opernpartien bis hin zu den beliebten Operettenhits. Egal, was Wunderlich sang – er sang immer mit Seele, und seine Musikalität machte noch aus der banalsten Melodie ein Ereignis.
Auf dieser Doppel-CD nun hat der SWR aus seinen Archiven Aufnahmen von Operetten-Arien zusammengetragen, aus einem Zeitraum, der bis in den November 1965 reicht. Da war Wunderlich längst als Opernsänger berühmt. Doch die Sorgfalt, mit der er – zumeist mit dem Rundfunkorchester des Südwestfunks Kaisernlautern und dem genialen Emmerich Smola – die guten alten Operettenmelodien gestaltet, rührt noch heute an.
Man kann diese alten Einspielungen wirklich genießen, zumal sie beim SWR durch die Tonmeisterin Gabriele Starke und den Ingenieur Boris Kellenbenz umsichtig aufgearbeitet und remastert wurden. Wunderbar!
Posts mit dem Label Operette werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Operette werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 12. November 2017
Mittwoch, 5. Oktober 2016
Straus: Die lustigen Nibelungen (Capriccio)
Johann Strauß war tot – und mit ihm war die Wiener Operette ins Grab gesunken. Da kam aus Berlin ein Oscar Straus 1870 bis 1954) – mit der Strauß-Dynastie nicht verwandt, auch wenn er in Wien zur Welt gekommen war – und servierte den Österreichern ein urkomisches, unglaublich freches und süffiges Werk im besten Offen- bach-Stil. Die Handlung – das Libretto stammte von dem Berliner Rechtsanwalt Dr. Fritz Oliven, unter dem Pseudonym Rideamus – ist turbulent. Die lustigen Nibelungen parodieren die bekannte Sage vor- witzig, respektlos, und voll Anspielungen.
Die Wiener konnten damit so gar nichts anfangen. In Berlin hingegen, wo die Operette wenig später ebenfalls aufgeführt wurde, lachten sich die Leute schlapp. Sie jubelten über Kaiser Wilhelms II. Hornsignal, den preußi- schen Schneid, mit dem sich die Helden präsentieren, die Drachenblut- wurst – und die stämmigen Stabreime, mit denen so ganz nebenbei auch noch Richard Wagner durch den Kakao gezogen wurde. In den 90er Jahren hat das WDR Rundfunkorchester Köln mit dem WDR Rundfunk- chor und einem solide besetzten Solistenensemble unter der Leitung von Siegfried Köhler Straus' Lustige Nibelungen eingespielt. Die Aufnahme ist bei Capriccio erhältlich – und noch immer ein großer Spaß.
Die Wiener konnten damit so gar nichts anfangen. In Berlin hingegen, wo die Operette wenig später ebenfalls aufgeführt wurde, lachten sich die Leute schlapp. Sie jubelten über Kaiser Wilhelms II. Hornsignal, den preußi- schen Schneid, mit dem sich die Helden präsentieren, die Drachenblut- wurst – und die stämmigen Stabreime, mit denen so ganz nebenbei auch noch Richard Wagner durch den Kakao gezogen wurde. In den 90er Jahren hat das WDR Rundfunkorchester Köln mit dem WDR Rundfunk- chor und einem solide besetzten Solistenensemble unter der Leitung von Siegfried Köhler Straus' Lustige Nibelungen eingespielt. Die Aufnahme ist bei Capriccio erhältlich – und noch immer ein großer Spaß.
Montag, 20. Juni 2016
Love live forever - The Romance of Musical Comedy (Decca/Eloquence)
Auch wenn die Operette heute etwas aus der Mode gekommen ist – diese Doppel-CD erinnert daran, dass einst das Publikum die unterhaltsamen Stücke mit dem stets glücklichen Ende ebenso geliebt hat wie die Sänger.
Die Operette machte große Stars – man denke beispielsweise an Richard Tauber –, und große Stars sangen mit Hingabe Operette. Hier ist Joan Sutherland zu hören, die mit spür- barem Vergnügen Hits von Franz Lehár, Jacques Offenbach, Carl Millöcker, Leo Fall und vielen anderen Komponisten singt, deren Namen mittlerweile ebenso in Vergessenheit geraten sind wie ihre Operetten, obwohl diese einstmals Kassenschlager waren. Ein paar dieser Melodien hat man vielleicht noch im Ohr; und diese schöne Einspielung mit dem New Philharmonic Orchestra unter Richard Bonynge, erstmals erschienen 1967, lädt dazu ein, die nostalgischen Werke wiederzuent- decken.
Die Operette machte große Stars – man denke beispielsweise an Richard Tauber –, und große Stars sangen mit Hingabe Operette. Hier ist Joan Sutherland zu hören, die mit spür- barem Vergnügen Hits von Franz Lehár, Jacques Offenbach, Carl Millöcker, Leo Fall und vielen anderen Komponisten singt, deren Namen mittlerweile ebenso in Vergessenheit geraten sind wie ihre Operetten, obwohl diese einstmals Kassenschlager waren. Ein paar dieser Melodien hat man vielleicht noch im Ohr; und diese schöne Einspielung mit dem New Philharmonic Orchestra unter Richard Bonynge, erstmals erschienen 1967, lädt dazu ein, die nostalgischen Werke wiederzuent- decken.
Mittwoch, 17. Juli 2013
Wiener Schmäh auf Polnisch (Gramola)
Wiener Schmäh auf Polnisch? Was uns heute erstaunt, das war offenbar im 19. Jahrhundert ganz normal. Denn ein Teil Polens gehörte damals zu Österreich; viele Polen gingen nach Wien, wo sie
studierten, arbei- teten, und oftmals auch blieben. Diese CD, von Gramola produziert in Kooperation mit dem Polnischen Kulturinstitut Wien, zeigt auf, wie eng die Verbindungen waren.
So schuf Rudolf Siezcynski (1879 bis 1952), der einer nach Wien übersie- delten polnischen Familie entstammte, einige der bekanntesten Wiener- lieder. Er war im Hauptberuf Jurist, und als Hofrat quasi vom Scheitel bis zur Sohle Österreicher. Leopold Godowsky (1870 bis 1938) schrieb eine umfangreiche Paraphrase zu Strauss’ Fledermaus, Ignaz Friedman (1882 bis 1942), ein Schüler von Leschetitzky, sechs Danses Viennoises, die an ähnliche Stücke von Fritz Kreisler erinnern.
Ausschnitte aus Operetten von Karol Szymanowski (1882 bis 1937), Jo- seph Beer (1908 bis 1987) und Theodor Leschetizky (1830 bis 1915) sind dann aber schon eine ziemliche Überraschung. Dass der Tango Oh, Donna Clara von dem Polen Jerzy Petersburski (1895 bis 1979) komponiert wurde, das berichtet das Beiheft zu dieser CD ebenso wie die Tatsache, dass Ob blond, ob braun von Robert Stolz erst durch den polnischen Tenor Jan Kiepura zu einem Hit wurde. Die CD bringt eine Aufnahme in polnischer Sprache mit dem Sänger aus dem Jahre 1935 als Bonus.
An der Einspielung mitgewirkt haben die Sänger Jolanta Kowalska, To- masz Piętak, Alexander Pinderak und Peter Edelmann sowie Cezary Kwapisz und Niels Muus am Klavier. Ihnen zuzuhören, macht Freude. Insbesondere Kowalska beeindruckt mit einem glockenreinen, feder- leichten, intelligent geführten Sopran. Dank solchen Stimmen bereitet auch Operette Vergnügen.
So schuf Rudolf Siezcynski (1879 bis 1952), der einer nach Wien übersie- delten polnischen Familie entstammte, einige der bekanntesten Wiener- lieder. Er war im Hauptberuf Jurist, und als Hofrat quasi vom Scheitel bis zur Sohle Österreicher. Leopold Godowsky (1870 bis 1938) schrieb eine umfangreiche Paraphrase zu Strauss’ Fledermaus, Ignaz Friedman (1882 bis 1942), ein Schüler von Leschetitzky, sechs Danses Viennoises, die an ähnliche Stücke von Fritz Kreisler erinnern.
Ausschnitte aus Operetten von Karol Szymanowski (1882 bis 1937), Jo- seph Beer (1908 bis 1987) und Theodor Leschetizky (1830 bis 1915) sind dann aber schon eine ziemliche Überraschung. Dass der Tango Oh, Donna Clara von dem Polen Jerzy Petersburski (1895 bis 1979) komponiert wurde, das berichtet das Beiheft zu dieser CD ebenso wie die Tatsache, dass Ob blond, ob braun von Robert Stolz erst durch den polnischen Tenor Jan Kiepura zu einem Hit wurde. Die CD bringt eine Aufnahme in polnischer Sprache mit dem Sänger aus dem Jahre 1935 als Bonus.
An der Einspielung mitgewirkt haben die Sänger Jolanta Kowalska, To- masz Piętak, Alexander Pinderak und Peter Edelmann sowie Cezary Kwapisz und Niels Muus am Klavier. Ihnen zuzuhören, macht Freude. Insbesondere Kowalska beeindruckt mit einem glockenreinen, feder- leichten, intelligent geführten Sopran. Dank solchen Stimmen bereitet auch Operette Vergnügen.
Abonnieren
Kommentare (Atom)



